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Initiative "Grundwasserschutz durch Öko-Landbau" in Unterfranken

 
Logo der Aktion Grundwasserschutz

 

Umweltschutz und Markterfolg im Einklang

Geringe Niederschläge, dünne Bodenschichten, klüftiges Festgestein im Untergrund: Wasser ist in Unterfranken ein kostbares Gut. Bei nur 450 Millimetern Jahresniederschlag in den trockenen Gebieten erfordert vor allem die Bereitstellung von Trinkwasser große Anstrengungen. Mit ihrer Aktion "Grundwasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken" informiert die Bezirksregierung Unterfrankens im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums seit 2001 durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit über die Verhältnisse, um Eigenverantwortung zu wecken und zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region beizutragen. Motiviert durch den aktuellen Bioboom und auf Basis eines Gutachtens des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Wilbois 2007) fördert Unterfranken seit Beginn des Jahres 2008 auch den Ökolandbau als einen Weg für nachhaltigen Grundwasserschutz.

Grundwasserverträgliche Landwirtschaft

Die Initiative "Grundwasserschutz durch Öko-Landbau" zielt darauf, in der Projektlaufzeit bis voraussichtlich 2012 den Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche in Unterfranken um mindestens 100 Prozent zu erhöhen. Denn der Ökolandbau kommt dem flächenhaften Grundwasserschutz am nächsten, da auf mineralischen Stickstoffdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Somit gelangen deutlich weniger Schadstoffe in die sensiblen Grundwasservorkommen.

In Unterfranken gab es zu Beginn der Initiative (Anfang 2007) 321 Öko-Höfe, das entsprach etwa drei Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe; auch der Flächenanteil lag bei etwa drei Prozent (Zum Vergleich: In Bayern insgesamt werden rund vier Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch bewirtschaftet). Für das Projekt wurden die zwei Landkreise Main-Spessart und Rhön-Grabfeld ausgewählt. Hier haben einige Wasserversorger Probleme mit dem Nitratgehalt des Trinkwassers und die Umstellung auf ökologischen Landbau erscheint aufgrund von Boden, Klima und Betriebsstruktur besonders günstig.

Der Markt ist da

Im September 2007 wurden in Unterfranken Hersteller und Handelsunternehmer befragt, die bereits ökologisch produzierte Ware einkaufen. Es galt herauszufinden, inwieweit sie bereit wären, Rohwaren künftig vermehrt aus der Region zu beziehen und welche Gründe sie eventuell daran hinderten. 83 Prozent der befragten Unternehmen äußerten Interesse am verstärkten Einkauf regionaler Waren. Als Hinderungsgründe nannten etwa 50 Prozent der Befragten "mangelnde Verfügbarkeit", etwa jeder achte nannte entweder mangelnde Qualität, fehlende werbliche Unterstützung oder sonstige Gründe. Von knapp zehn Prozent wurde ein zu hoher Preis angegeben. Zum Befragungszeitpunkt in biologischer Qualität gesucht wurden zum Beispiel Braugerste für Neumarkter Lammsbräu, Holunder und Rübenzucker für Bionade, Gemüse für das Unternehmen tegut sowie Backgetreide für die Landshuter Kunstmühle.

Oft hemmen Vorurteile

Obwohl der Markt für ökologische Produkte vorhanden ist und gute Preise gezahlt werden, sind nur relativ wenige Landwirte bereit, ihre Betriebe umzustellen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Bauernverbands im Februar 2008 waren sich nur 0,6 Prozent sicher, auf ökologischen Landbau umstellen zu wollen, 6,7 Prozent antworteten mit "vielleicht". Dabei hindern nicht nur wirtschaftliche Gründe konventionelle Landwirte am Wechsel: In der Befragung rangierten als Umstellungsbedingungen zwar geregelte Vermarktung und gute Preise an erster Stelle. Doch fast 45 Prozent der Umstellungsinteressierten wünschten sich auch eine bessere Beratung bzw. den Austausch mit Kollegen.

In Kooperation mit Beratern der Offizialberatung und der Ökoerzeugerringe sowie dem Bauernverband wurden zwei Seminare zu dem Thema durchgeführt. Als Hinderungsgründe für eine Umstellung nannten die Teilnehmer dabei Probleme mit der Produktionstechnik (v.a. Befürchtungen hinsichtlich Verunkrautung) sowie Angst vor Imageverlust und damit verbundenen Nachteilen am Pachtmarkt. Ebenso führten sie die schwer einschätzbare Arbeitsbelastung an, die mit einer Umstellung einhergeht.

Anfang 2008 wurden in den beiden ausgewählten Landkreisen in 21 Betrieben ausführliche Interviews geführt. Auch hier sprachen die Teilnehmer intensiv über ihre Bedenken im Hinblick auf eine Umstellung (Ergebnisse siehe Abbildung).

Ergebnisse der Interviews

Darstellung der Befragungen im Balkendiagramm
Ergebnisse von Befragungen zu Bedenken hinsichtlich einer Umstellung Öko-Landbau auf 21 Betrieben in den Landkreisen Main-Spessart und Rhön-Grabfeld
 

Bemerkenswert erscheint die mehrheitlich geäußerte Befürchtung, die Produktionstechnik nicht in den Griff zu bekommen, da man viele Ökobetriebe kenne, die Probleme beim Anbau hätten. Es gilt also, Vorurteile abzubauen - zum Beispiel durch Besuche bei gut geführten Ökobetrieben. Die Initiatoren des Projekts formulierten verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, die Hinderungsgründe auf allen Ebenen zu beseitigen:

  1. Akteure einbinden: Durch einen regelmäßigen Rundbrief und Seminarangebote soll die Kampagne konsequent bei den Akteuren vor Ort verankert werden. Dies betrifft neben dem Bauernverband und der Agrarberatung vor allem Verbände des Ökolandbaus, zumal potenzielle Abnehmer mehrheitlich den Wunsch äußerten, sich beim Einkauf an einem Verbandstandard orientieren zu können.
  2. Interesse wecken: Im Mai 2008 erhielten mehr als 2000 Landwirte Einladungen zu zwei Informationsveranstaltungen auf Biobetrieben. Die Veranstaltungen wurden niederschwellig konzipiert (kostenlos und mit relativ kurzen Anreisewegen verbunden) und dauerten nur einen halben Tag. Zudem soll der Titel "Öko? Ich bin skeptisch, aber anschauen kann man sich da  ja mal" nicht nur Interesse wecken, sondern auch skeptische Landwirte willkommen heißen.
  3. Systematisch akquirieren und Zielgruppe konkretisieren: Aus der anfänglich sehr breit angelegten Akquise wird ein Verteiler mit interessierten Landwirten aufgebaut, die mit spezifischen Informationen versorgt und beispielsweise zu Informationsfahrten auf spezialisierte Betriebe – für „Fortgeschrittene“ auch zu Vorzeigebetrieben außerhalb Unterfrankens – eingeladen werden.
  4. Vermarktungssog erzeugen: Um die neu entstehenden Ökorohwaren regional vermarkten zu können, muss die vorhandene Logistik geprüft Verbesserungspotential aufgezeigt werden. Mit Verarbeitungs- und Handelsunternehmen werden Ansätze erarbeitet, die den Anteil regional erzeugter Ware erhöhen sollen.
  5. Vermarktungspartnerschaften aufbauen: Verbindliche Vereinbarungen sollen getroffen und damit Perspektiven für die Vermarktung aufgezeigt werden, um Landwirten die Entscheidung zu erleichtern. So sollen beispielsweise Verarbeitungs- und Handelsunternehmen garantieren, nach der Umstellung die ökologisch produzierte Ware abzunehmen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Erzeugergemeinschaften ist dabei selbstverständlich.
  6. Orientierungsberatung: Für Interessierte sollen weitere niederschwellige Erstberatungsangebote eingerichtet werden. Dies heißt vor allem, dass der Zeitaufwand für die Teilnahme gering ist und Landwirten die Befürchtung genommen wird, sich durch den Erstkontakt bereits zu etwas zu verpflichten. Teilnehmer erhalten ein Grobkonzept mit Möglichkeiten und Risiken einer Umstellung sowie Adressen für weitere Beratung.

Ein langer Atem ist gefragt

Schon in den 1990er Jahren haben Wasserversorgungsunternehmen Projekte initiiert, um die ökologisch bewirtschaftete Fläche auszuweiten und damit einen Beitrag für den Grundwasserschutz zu leisten (AGÖL/BUND 1997). Derzeit boomt zwar der Markt für biologisch produzierte Waren. Aber die Rahmenbedingungen für die konventionelle Landwirtschaft sind aufgrund der stark gestiegenen Agrarpreise im pflanzlichen Bereich so günstig, dass viele Landwirte keinen Anlass zur Umstellung sehen. Den Initiatoren der Initiative Grundwasserschutz durch Öko-Landbau ist daher klar, dass kurzfristige Erfolge nur vereinzelt zu erwarten sind. Ziel der Aktionen sollte also sein, Landwirte langfristig für das Thema zu interessieren und deutlich zu machen, dass die erfolgreiche Umstellung auf biologischen Landbau eine Investition in die Zukunft ist.

Denn der Ökolandbau ist in höherem Maße unabhängig vom Weltmarkt oder politischen Rahmenbedingungen als die konventionelle Erzeugung. Er kann auf ein Verbrauchervertrauen bauen, das sich über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich entwickelt hat und nach Meinung aller Marktexperten stabil ist. Neue Ökolandwirte sollen jedoch nicht nur die mit einer Umstellung verbundenen Marktchancen gewonnen werden. Denn auch der Ökolandbau funktioniert nur dann richtig gut, wenn man ihn mit Herz und Engagement betreibt.

Literatur:

AGÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau), BUND (Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland) (1997): Wasserschutz durch Ökologischen Landbau – Leitfaden für die Wasserwirtschaft. AGÖL/BUND, Darmstadt, Bonn.
Bezug: externer Link folgtwww.FiBL.org/Shop

Wilbois, K.-P.,M. Szerencsits, R. Hermanowski (2007): Eignung des ökologischen Landbaus zur Minimierung des Nitrataustrags ins Grundwasser. Bericht, FiBL Deutschland e.V., Frankfurt am Main. Abrufbar unter externer Link folgthttp://orgprints.org/13270

Weitere Informationen:

externer Link folgtWebsite der Aktion Grundwasserschutz - Projekt "Öko-Landbau"

Autoren: Dr. Robert Hermanowski (FiBL Deutschland e.V.), Axel Bauer (Regierung Unterfranken),  Bernhard Schwab (Berater Ökologischer Landbau Unterfranken), Daniel Pfennigwerth (FH Bingen)
(Dieser Artikel ist auch erschienen in Ökologie & Landbau 3/2008)

Letzte Aktualisierung: 28.09.2011

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