Ökolandbau schützt das Grundwasser
Die Landwirtschaft ist der Hauptverursacher von diffusen Stickstoffeinträgen in die Gewässer. Der Stickstoffbilanzüberschuss in der intensiven konventionellen Landwirtschaft in Deutschland liegt - trotz leichter Rückgänge in den vergangenen Jahren - auf einem hohen Niveau von jährlich durchschnittlich 80 bis 100 Kilogramm Stickstoff pro Hektar (kg N/ha). Bei ökologischer Bewirtschaftung hingegen ist der Bilanzüberschuss an Stickstoff nur etwa halb so hoch wie im konventionellen Landbau: im Durchschnitt jährlich etwa 30 bis 40 kg N/ha. Mit diesem deutlich geringeren Stickstoffbilanzüberschuss trägt der ökologische Landbau in erheblichem Maße zum Schutz des Grundwassers vor dem Eintrag an Nitrat bei.
Dieser positive Effekt des ökologischen Landbaus ist wissenschaftlich gut belegt: In den vergangenen 30 Jahren hat es zahlreiche Forschungsprojekte zu dieser Thematik gegeben. Eine der wohl umfassendsten Arbeiten stammt von Dr. Hartmut Kolbe von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft aus dem Jahr 2000. In dieser Untersuchung hat er mehr als 100 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema ausgewertet. Zusammenfassend stellt er fest, dass der ökologische Ackerbau bedingt durch den geringeren Stickstoffbilanzüberschuss hinsichtlich der Nitratauswaschung ins Grundwasser deutlich besser abschneidet als konventionelle Verfahren.
Während beispielsweise im konventionell-intensiven Feldgemüseanbau die Nitratauswaschung 105 kg N/ha pro Jahr beträgt und im konventionell-intensiven Ackerbau 60 kg N/ha, liegt sie im Ökoackerbau nur bei 22 kg N/ha. Die entsprechenden geschätzten durchschnittlichen Nitratgehalte des Sickerwassers liegen bei rund 82 Milligramm pro Liter (mg/l) im konventionell-intensiven beziehungsweise bei 29 mg/l im ökologischen Ackerbau.
Das deutlich günstigere Abschneiden des ökologischen Landbaus hinsichtlich der Nitratauswaschung ins Grundwasser lässt sich durch folgende Besonderheiten des ökologischen Landbaus erklären:
- Im Schnitt erfolgt im ökologischen Landbau eine deutlich geringere Zufuhr an Stickstoff, nämlich bis zu 50 Prozent weniger als bei den intensiveren konventionellen Anbauformen.
- Da die Erträge nicht in entsprechendem Ausmaß abfallen, sind deutlich niedrigere Stickstoff-Salden der ökologischen Anbauformen auf Grünland und Ackerland zu verzeichnen.
- Gemäß dem Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs (Mitscherlich-Gesetz) kommt es im ökologischen Landbau zu einer besseren Stickstoffverwertung und demzufolge auch zu geringeren Stickstoffverlusten.
- Es gibt ferner Hinweise, dass die Stickstoffdynamik im Boden bei ökologischer Bewirtschaftung zeitweise in Richtung höherer Ammonium-Stickstoff-Anteile verschoben ist, worauf ebenfalls ein geringeres Verlagerungspotenzial zurückgeführt werden könnte.
- Die im ökologischen Landbau entscheidende Quelle der Stickstoffzufuhr ist die symbiontische Stickstoffbindung durch Leguminosen. Die Höhe der symbiontischen Stickstoffbindung ist abhängig vom Gehalt des Bodens an pflanzenverfügbarem mineralisierten Stickstoff (Nmin-Gehalt). Daraus ergibt sich eine hohe Fähigkeit zur Selbstregulierung mit ausgleichender Wirkung auf Nährstoffschwankungen im Boden.
- Zudem sind Ökolandwirte aus eigenem Interesse bestrebt, Stickstoffverluste so gering wie möglich zu halten, denn deren Substitution ist nur begrenzt erlaubt und zudem vergleichsweise teuer.
Trotzdem besteht grundsätzlich auch im Ökolandbau ein Risiko grundwasserbelastender Nitratauswaschung. Ein solches Risiko kann vor allem die Bodenbearbeitung nach Leguminosen und Hackfrüchten im zeitigen Herbst sowie der Einsatz von Wirtschaftsdüngern darstellen, wenn es nicht gelingt, den mineralisierten Stickstoff durch die Etablierung einer Folgekultur oder Zwischenfrucht wieder zu binden. Damit der mineralisierte Stickstoff vor Auswaschung bewahrt wird, sollte er durch die rasche Etablierung einer wüchsigen Folgekultur oder Zwischenfrucht in pflanzlicher Masse festgelegt werden. Detaillierte Hinweise und Empfehlungen zur Optimierung des Stickstoffmanagements im System ökologischer Landbau wurden in verschiedenen experimentellen Untersuchungen erarbeitet (siehe Literatur).
Aus der Forschung - für die Praxis
Leitfaden zum Wasserschutz im ökologischen Landbau
Ökologischer Landbau kann dazu beitragen, die durch Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft entstehende Belastung von Gewässern zu reduzieren. Der im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau erstellte Leitfaden "Wasserschutz im Ökologischen Landbau" erläutert konkrete Maßnahmen für eine gewässerschonende Landwirtschaft auf Grundlage der Prinzipien des ökologischen Landbaus und stellt Beispiele für Initiativen zur Förderung des ökologischen Landbaus in Wasserschutzgebieten vor.
"Besonders in der Umgebung von Trinkwasserschutzgebieten sollte der Ökolandbau gefördert werden", sagt der Autor des Leitfadens, Dr. Guido Haas, "Nicht nur Umwelt und Verbraucher profitieren, sondern auch die Wasserwirtschaft. Denn es ist kostengünstiger, durch eine Förderung des Ökolandbaus den Schadstoffeintrag von Anfang an zu minimieren, statt hinterher durch hohen technischen Aufwand die Schadstoffe aus dem Trinkwasser filtern zu müssen."
Näheres zum Projekt:
Wasserschutz im Ökologischen Landbau: Leitfaden für Land- und Wasserwirtschaft
Letzte Aktualisierung: 30.11.2011


