Berater-Praxis-Netzwerk
Netzwerk für Berater und Betriebe bundesweit

- Foto: Bioland
Die Betriebsberatung im ökologischen Landbau ist regional und in kleinstrukturierten Organisationen angesiedelt. Daher sind Vergleichszahlen für die Beratung schwierig zu erstellen und der Informationsaustausch ist nur begrenzt möglich. Ziel eines Forschungsvorhabens des Bundesprogramms Ökologischer Landbau war der Aufbau eines Berater-Praxis-Netzwerks zum Wissensaustausch und Methodenabgleich. Im Rahmen des Projektes wurden länderübergreifend betriebswirtschaftliche Daten von Ökobetrieben erhoben und in Form von Betriebszweigauswertungen beziehungsweise Betriebsvergleichen aufgearbeitet. Oekolandbau.de sprach mit Projektleiter Rainer Löser von der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL).
Oekolandbau.de: 19 Beratungsorganisationen, 38 Berater und 370 landwirtschaftliche Betriebe haben drei Jahre lang zusammen mit der SÖL am Aufbau des Berater-Praxis-Netzwerks mitgewirkt. Was sind die wesentlichen Ergebnisse dieser bislang einzigartigen Zusammenarbeit?
Rainer Löser: Aus meiner Sicht ist das wichtigste Ergebnis eine enge Vernetzung der bundesweit tätigen Ökolandbau-Berater aus den verschiedensten Institutionen und Organisationen - von Verbänden über die Offizialberatung und Beratungsringe bis hin zu freien Beratern. Die durch das Projekt angeregte Zusammenarbeit hält an und wird weiter vertieft - oft über Verbandsgrenzen hinweg. Die Berater tauschen sich zum einen zu konkreten Fragen aus ihrem Arbeitsalltag aus und treffen sich zum anderen auf Veranstaltungen wie Beraterseminaren, wo sozusagen eine gegenseitige Fortbildung zu übergeordneten Fragestellungen stattfindet.
Es wurden umfangreiche Daten für verschiedene Betriebszweige erhoben und aufbereitet. Wie können diese Daten den Landwirten bei der Optimierung ihrer Betriebe nutzen?
Löser: Die jährliche Auswertung der Arbeitskreise fließt direkt in die alltägliche Arbeit der Berater ein, sowohl in der einzelbetrieblichen Beratung als auch bei der Gruppenberatung beziehungsweise den Seminaren für Landwirte. Somit erhalten Betriebsleiter durch die Daten aus dem Projekt konkrete Hilfestellung für einzelne Betriebszweige oder den Gesamtbetrieb. Der Berater spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im Projekt wurden zahlreiche EDV-Instrumente entwickelt, die frei verfügbar sind. Können Landwirte diese in ihrer Betriebspraxis nutzen?
Löser: Die Instrumente der Betriebszweigauswertungen werden von den Koordinatoren der Arbeitskreise ständig weiterentwickelt und ergänzt und allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Landwirte die Instrumente eher selten eigenständig nutzen.
Die betriebswirtschaftlichen Auswertungen haben ergeben, dass nur wenige Betriebe in den betrachteten Jahren zufriedenstellende Gewinne erzielten. Ursachen waren zum einen die nicht kostendeckenden Preise, aber es wurden auch Mängel in der Betriebsführung festgestellt. Können die Erkenntnisse des Berater-Praxisnetzwerks hier weiterhelfen?
Löser: Die Managementfähigkeiten des einzelnen Betriebsleiters weiterzuentwickeln ist die größte Herausforderung für jeden Berater. Was den Betriebsvergleich angeht: Die Betriebe, die kontinuierlich mitmachen, profitieren ganz sicher davon. Die Auswertungen für den Betrieb werden mit dem Betriebsleiter besprochen und können die Grundlage für richtungsweisende Entscheidungen sein, zum Beispiel für technische Innovationen wie Stallumbauten oder Investitionen in Hinsicht auf Personal. Wenn der ökonomische Ansatz berücksichtigt wird, so hat das so gut wie immer Erfolg - auch wenn es meist einige Jahre dauert und einiges "Auf und Ab" bedeutet. Zumindest werden die Betriebsleiter durch den Betriebsvergleich angeregt, sich über die ökonomische Situation ihres Betriebes Gedanken zu machen und Konsequenzen zu ziehen. Das kann heißen, durch Umstrukturierung zu verbessern - im schlechtesten Fall kann das natürlich auch den Ausstieg bedeuten.
Wie werden die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sonst noch in die Praxis der landwirtschaftlichen Betriebe übertragen?
Löser: Eine wichtige Rolle spielen sicher die großen Veranstaltungen für Landwirte wie die überregionalen Fachtagungen zu den verschiedenen Betriebszweigen. Dort stellen wir die die Ergebnisse der Auswertungen und deren Methode vor; daraus ergeben sich oft einzelbetriebliche Anfragen. Die Verbände können die Instrumente in ihren "Leistungskatalog" übernehmen. Außerdem benutzen viele Berater die Daten für Beiträge in landwirtschaftlichen Fachzeitschriften, Vorträge auf regionalen beziehungsweise Verbands-Seminaren, für Workshops und so weiter. So gelangen die Projektergebnisse auf vielen Wegen in die landwirtschaftliche Praxis.
Das Berater-Praxisnetzwerk wird aktuell fortgeführt. Was sind Arbeitsschwerpunkte der neuen Phase?
Löser: Im Berater-Praxis-Netzwerk II sollen die bestehenden Methoden und Instrumente weiterentwickelt und weitere Berater geschult werden. Es wurden zwei neue Arbeitskreise (Ackerbau und Gemüsebau) geschaffen. Bestehende Praxisnetzwerke sollen ausgebaut werden und neue entstehen. In der neuen Projektphase steht zum einen die Arbeitswirtschaft in allen Bereichen im Vordergrund, zum anderen Tiergesundheitsmaßnahmen. Daraus sollen Managementhilfen für die Bereiche Arbeitswirtschaft und Tiergesundheits-Management auf betrieblicher Ebene entwickelt werden.
Infos und Projektergebnisse
Arbeitskreise
Das Berater-Praxis-Netzwerk (BÖL-Projekt Nr. 03OE495) war in fünf Arbeitskreisen organisiert:
- Arbeitskreis 1 - Gesamtbetriebsvergleich: Aufbau und Nutzung eines bundesweiten vertikalen und horizontalen Betriebsvergleiches zur nachhaltigen Sicherung des Betriebserfolges im ökologischen Landbau:
Veröffentlichungen und EDV-Programme - Arbeitskreis 2 - Milchvieh: Bundesweiter Arbeitskreis von ökologischen Milchviehhaltern und deren Beratern. Es wurde ein Excel-Programm für die einzelbetriebliche Auswertung (Milchkuh und Raufutterwerbung) und ein Programm für den horizontalen Betriebszweigvergleich erstellt:
Veröffentlichungen und EDV-Programme - Arbeitskreis 3 - Schweine: Bundesweiter Arbeitskreis von ökologischen Schweinehaltern und deren Beratern. Es wurden zwei Excel-Programme für die einzelbetriebliche Auswertung (Ferkelerzeugung und Mastschwein) und je ein Programm für den horizontalen Betriebszweigvergleich erstellt:
Veröffentlichungen und EDV-Programme - Arbeitskreis 4 - Geflügel: Bundesweiter Arbeitskreis von ökologischen Geflügelhaltern und deren Berater. Es wurden vier Excel-Programme für die einzelbetriebliche Auswertung (Legehenne, Junghenne, Mastgeflügel, Putenmast) und je ein Programm für den horizontalen Betriebszweigvergleich erstellt
Veröffentlichungen und EDV-Programme - Arbeitskreis 5 - Ackerbau: Verantwortlich war die DLG Frankfurt im Rahmen eines eigenen Projektes, "Betriebszweigabrechnung im ökologischen Ackerbau: Entwicklung, Durchführung und methodische Optimierung" (BÖL-Projekt Nr. 04OE029). Es wurden ein Excel-Hilfsprogramm für die Erfassung der betrieblichen Daten und ein Leitfaden (kostenpflichtig) erstellt:
Veröffentlichungen und EDV-Programme
Schlussberichte
Die Schlussberichte der Projekte mit den Ergebnissen aus den einzelnen Arbeitskreisen sind in der Online-Datenbank Organic Eprints veröffentlicht:
Kontakt
Bei Fragen zu den Projekten können Sie sich an die betreffenden Ansprechpartner wenden:
- Ansprechpartner für Projekt 03OE495:
Dr. Uli Zerger, Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) - Ansprechpartner für Projekt 04OE029:
Dr. Jobst von Schaaffhausen, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)
Hinweis
Zu jedem abgeschlossenen Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wird eine Nachricht auf der Wissenschaftsplattform
http://forschung.oekolandbau.de veröffentlicht. Die Schlussberichte werden in der Datenbank "Organic Eprints" veröffentlicht. Diese ist ebenfalls über
http://forschung.oekolandbau.de abrufbar.
Letzte Aktualisierung: 30.12.2011
