Einkommensdiversifizierung
Pädagogische Angebote gut kalkuliert

- Quelle: Bioland
Immer mehr Biobäuerinnen und -bauern sprechen gezielt Kindergärten und Schulklassen mit speziellen Aktionen an. Teilweise möchten sie so über den Biolandbau aufklären, teilweise sich eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen. Die Kosten all dieser Aktionen, die sich von einfachen Hofführungen bis hin zum gemeinsamen Backen und Kochen erstrecken können, müssen gut kalkuliert und die Preise an die Zielgruppe vermittelt werden. Nur dann kann man damit mehr als nur Unkosten decken.
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie man den Besuch einer Schulklasse oder einer Kindergartengruppe auf dem Hof gestalten kann. In der Anfangsphase sollte man lieber mit kleinen und leicht umsetzbaren Aktionen beginnen, die keine Investitionen und keine Einhaltung von hygienischen Regeln erfordern. Geeignet sind zum Beispiel Führungen über den Hof und Mithilfe bei der Fütterung.
Wer sein Angebot weiterentwickeln und ausweiten möchte, sollte den Aufwand genau durchrechnen. Pädagogische Dienstleistungen dürfen und müssen etwas kosten, da der Aufwand für solche Aktionen nicht zu unterschätzen ist: Man leistet einen beachtenswerten Beitrag für außerschulische Aktivitäten der Kinder und dies sollte entsprechend honoriert werden.
Bei der Berechnung sollte man den Stundensatz nicht zu gering ansetzen; rund 20 Euro sind realistisch. Der Zeitaufwand für Vor- und Nachbereitung gehört unbedingt in die Kalkulation. Dazu zählen zum Beispiel das Vorgespräch mit Lehrern, Aufräumarbeiten und Abrechnungen. Wenn man Sachmittel wie Bastelmaterial verbraucht oder einen kleinen Imbiss anbietet, müssen selbstverständlich auch diese Kosten berücksichtigt werden.
Zeitaufwand (h) x Stundensatz (Euro) | Gesamt (Euro) | |
Vorbereitung | 2,5 x 20,- | 50,- |
Durchführung (u.a. Begrüßung, Hofführung, Imbiss) | 2,0 x 20,- | 40,- |
Nachbereitung | 1,5 x 20,- | 30,- |
Gesamtaufwand (Euro) | 120,- | |
Kosten pro Kind (Gesamtaufwand/Anzahl Kinder) | 6,- | |
Kosten inklusive Verpflegung (+ 1,50 Euro/Kind) | 7,5,- | |
Wie das Beispiel in der Tabelle zeigt, müsste der Betrieb für einen zweistündigen Hofbesuch einer 20-köpfigen Gruppe pro Kind 7,50 Euro verlangen. Die wenigsten Betriebsleiter trauen sich das, die meisten verlangen im Durchschnitt einen Euro pro Kind oder einen Gruppenpreis von 25 bis 30 Euro. Diese bescheidenen Einnahmen reichen nicht aus, um die Kosten zu decken. Sollten sich die pädagogischen Angebote tatsächlich zu einem kleinen Standbein entwickeln, muss der Preis stimmen. Außerdem ist es nötig, Routine bei der Vor- und Nachbereitung zu bekommen und Aktionen möglichst zu standardisieren.
Wichtig ist, dass man in einem Vorgespräch oder bei einem Elternabend den Lehrern, Erziehern und Eltern die Preise gut vermittelt. Die eigene Arbeit und das Engagement sowie das Besondere, einen Biohof zu besuchen, sollte man selbstbewusst und nicht unter Wert verkaufen. Schließlich ist die Meinung weitverbreitet: "Was nichts kostet, ist nichts wert." Wenn ein Handwerker einen Stundensatz von 20 bis 30 Euro verlangt, kann ein ausgebildeter Landwirt dies auch tun. Ein selbstbewusstes Auftreten ist wichtig und die Landwirte sollten sich nicht abschrecken und entmutigen lassen, wenn aufgrund des Preises eine Gruppe absagt. Denn die Mehrzahl der Lehrer und Erzieher wissen den Besuch auf dem Biohof sehr zu schätzen und kommen mit ihren Klassen immer wieder gerne zu weiteren Besuchen.

- Quelle: Bioland
Erlebnis-Aktionen wie Kindergeburtstage sind wesentlich lukrativer. Mittlerweile gibt es zahlreiche Bioland-Betriebe, die Kindergeburtstage und Ferienprogramme anbieten und sich damit ein Standbein aufgebaut haben. Für Freizeitaktivitäten ihrer Kinder sind Eltern eher bereit, dies entsprechend zu vergüten: Preise von mindestens 20 Euro pro Kind für ein dreistündiges Programm sind durchaus im Rahmen dessen, was Eltern bereitwillig zahlen.
Der Aufwand bei solchen Erlebnis-Aktionen lässt sich gut reduzieren, zum Beispiel indem man den Kindern viel Raum zum eigenen Entdecken und selbständigen Spielen auf dem Hof bietet. Hilfe bei der abendlichen Stallarbeit und beim Melken sind weitere Höhepunkte für Kinder, die man ohne großen Aufwand ermöglichen kann.
Fortbildung und Materialien
- Für alle Interessierten, die sich mit Bauernhofpädagogik ein lukratives Standbein schaffen wollen, bietet Bioland Schleswig-Holstein erstmalig in diesem Jahr ein Schnupperseminar in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer an. Vom 23. bis 25. Mai 2008 findet auf Kochs Bauernhof in Wangelau (bei Hamburg) das Seminar "Bauernhofpädagogik - Von der Öffentlichkeitsarbeit zur Einkommensquelle" speziell für Biolandwirte statt. Weitere Infos und Anmeldung bei Bioland Schleswig-Holstein, Tel.: 04322 75940.
- Bioland Baden-Württemberg hat Aktionsvorschläge und Materialien zu verschiedenen Themen für Landwirte ausgearbeitet, berichtet auf der Homepage von zahlreichen Aktionen und hat eine Liste aller Bioland-Betriebe in Baden-Württemberg mit pädagogischem Angebot zusammengestellt. Hier finden Lehrerinnen und Erzieher schnell einen Bioland-Betrieb in ihrer Region. Allein in Baden-Württemberg bieten über 80 Bioland-Betriebe Hofbesuche für Schulklassen an. Einmal im Jahr findet ein Treffen zum Erfahrungsaustausch unter dem Motto "Bioland macht Schule" statt. Außerdem beteiligt sich Bioland Baden-Württemberg bei der diesjährigen Landesgartenschau in Bad Rappenau im Rahmen des Grünen Klassenzimmers mit Unterrichtseinheiten zum Ökolandbau. Weitere Infos über die Materialien und die Aktionen unter
www.bioland-bw.de/schulen
Kinderhotel im alten Hof
Nach bald sieben Jahren Erfahrung mit seinem "Schulbauernhof" kann Wolfgang Koch, Bioland-Bauer in Nidda, eine Menge über Erfolg und Misserfolg berichten. "Schule auf dem Bauernhof", das war die Idee, die Koch und seine Frau Hildegard motivierte, vor acht Jahren ein Kinderhotel mit 28 Plätzen auf dem Hof zu errichten. Das Konzept hatte die Diplompädagogin Hildegard Koch zuvor erarbeitet, mit der Umsetzung begann das Paar bald darauf.
"Gewinn war schon immer da, aber nicht in dem Rahmen, in dem wir es uns erhofft hatten," sagt Koch. "Es war nicht genug geplant, nicht genug kalkuliert," gibt der Bioland-Bauer heute selbstkritisch zu. Begeistert und überzeugt von ihrer Idee besuchten die Kochs keine weiteren Schulbauernhöfe. "Allein das hätte Ernüchterung in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit gebracht."
Beispiel Finanzierung: Heute würde das Paar mit seiner Idee an eine Stiftung herantreten statt an Banken. Den Bau des Kinderhotels finanzierten Kochs mit teuren Krediten. Oder die Personalfrage: Für Schulklassen braucht man Personal, um in Kleingruppen arbeiten zu können. Die Arbeitsbelastung seiner Partnerin, inzwischen Mutter von sechs Kindern, erlaubte es ihr nicht, sich noch neben den eigenen Kindern um die kleinen Gäste zu kümmern. Also war Koch auf dem Hof Landwirt und Pädagoge zugleich.
Im Laufe der Zeit kristallisierten sich Kindergartengruppen als Hauptbesucher des Hofes heraus. Einige Gruppen sind inzwischen Stammgäste. "Es ist sehr schön mit den Kindern und ich habe mich den Gästen immer sehr verbunden und verpflichtet gefühlt", so Koch. Die Arbeit im Stall oder auf dem Acker erledigte der Landwirt deshalb nebenher und oft am späten Abend. "Die Landwirtschaft hat darunter sehr gelitten", sagt der Biobauer.
Jedem Kollegen, der sich mit pädagogischen Angeboten ein Standbein aufbauen möchte, rät Koch, vorher genau zu überlegen, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Die Kosten gering zu halten, ist für Koch eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Wenn etwa familieneigene Kapazitäten vorhanden sind oder ein bestehendes Gebäude ohne große Investitionen genutzt werden kann, kann das Konzept aufgehen.
Er selber wird seine Erfahrungen und das Kinderhotel ab kommendem Jahr für die Arbeit mit schwer erziehbaren Jugendlichen nutzen und ihnen Perspektiven für ihre berufliche Zukunft schaffen. "In der Landwirtschaft kann man eine Menge lernen: reparieren, schweißen, Tiere versorgen." Aktuell ist der Bioland-Bauer im Gespräch mit einem interessierten Träger vor Ort, dann sollen auch weitere Pädagogen beschäftigt werden. Weitere Informationen unter
www.kinderhotel-im-alten-hof.de
Österbachhof
Bioland-Landwirtin Christa Henzler empfängt jährlich bis zu 50 Schulklassen und organisiert über 20 Kindergeburtstage. Schulklassen bietet sie in der Regel eine 45-minütige Führung mit einer ausgiebigen Abschlussfragerunde an. Die Gruppen können sich danach noch selbständig umschauen und auf der Wiese vor dem Hof picknicken.
Jede Führung ist anders und hängt von der Gruppe ab, doch der Ablauf und der Zeitrahmen sind klar gesteckt und erfordern mittlerweile nicht mehr allzu viel Vor- und Nachbereitung. Für eine Führung von maximal 30 Schülern verlangt Christa Henzler eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro pro Gruppe. Für eine Kindergartengruppe kostet die Führung 15 Euro.
Zusätzlich zum Rundgang bietet die Bioland-Bäuerin bei Kindergeburtstagen den Kindern viel Zeit, den Hof zu erkunden, sich selbst zu beschäftigen und im Heu zu toben. Die Kinder sind von 16 bis 19 Uhr auf dem Hof und werden in die abendliche Stallarbeit, also Fütterung und Melken, eingebunden. Für den "Event-Bauernhof" verlangt Christa Henzler pro Kind 20 Euro; Kosten entstehen ihr für Getränke, Kuchen, Vesper und Versicherung.
Wie bei den Führungen kann sie auch bei den Kindergeburtstagen den Aufwand möglichst gering halten, lediglich das Backen eines Geburtstagskuchens ist mit einem größeren Aufwand verbunden. Das Aufräumen des Hofes vorab betrachtet die Bäuerin eher als einen positiven Nebeneffekt.
Christa Henzler hat viel Lehrgeld bezahlen müssen, doch die Aktionen verlaufen mittlerweile reibungslos. Aus ihren Aktionen und Führungen hat sich inzwischen ein Betriebszweig entwickelt, mit demn sie ein kleines Nebeneinkommen erwirtschaften kann. Wichtig sind Routine und eine gewisse Standardisierung des Programms, nur so kann der Aufwand minimiert und ein vertretbarer Stundensatz erreicht werden.
Autorin: Anja Kirchner, Bioland Baden-Württemberg
Erschienen in "bioland", Ausgabe 05/2008
Letzte Aktualisierung: 30.12.2011
