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Sozio-ökonomische Beratung: Handeln, bevor es kriselt

 
Hand mit Taschenrechner und Bleistift
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Betriebe, die in finanzielle Notlage geraten, können sich bei sozio-ökonomischen Beraterinnen und Beratern wertvolle Unterstützung holen. Die Berater sind auf vielen Gebieten firm und haben bereits zahlreiche Betriebe aus der Sackgasse geführt.

Betrieb kurz vor dem Aus

Landwirt Herbert Müller (Name geändert) ist 56 Jahre alt. Er bewirtschaftet in Norddeutschland einen großen Betrieb mit 250 Hektar, allerdings auf sehr leichten Standorten. 1994 stellte er auf Biolandbau um und entschied sich für die Ochsenmast. Damals investierte er freudig; zu freudig, wie er heute weiß. Das Wirtschaftsjahr 02/03 war zu nass, das nächste zu trocken. So blieben die Ernten der letzten Jahre hinter den Erwartungen zurück. Im Frühjahr 2005 fror auch noch die Lupine ab. So kam seine betriebliche Situation endgültig ins Rutschen.

Vor einem Jahr stand Müller vor folgender Situation: Seine Bank hat ihm ein Kontokorrent-Kredit von 20.000 Euro eingeräumt. Dieser Kreditrahmen war damals ausgeschöpft. Sein Privatkonto darf er um 5.000 Euro überziehen. Auch davon hatte er Gebrauch gemacht. In seinem Büro lagen zudem noch unbezahlte Rechnungen in Höhe von 8.000 Euro. Weitere Kredite würde er nicht bekommen und Bauland konnte er auch nicht verkaufen. Trotz härtester Arbeit stand er vor massiven Problemen.

Kompetente Hilfe: Die sozio-ökonomische Beratung

In solch kritischen Situationen hilft die sozio-ökonomische Beratung (SÖ) durch eine systematische Prüfung der betrieblichen Konsolidierungsmöglichkeiten. Mit Ausnahme von Brandenburg gibt es in jedem Bundesland Angebote von spezialisierten und speziell geschulten Beratern. SÖ-Berater sind gleich auf mehreren Gebieten Fachexperten: In der Betriebswirtschaft, in der Finanzierung, der sozialen Absicherung und in der Moderation schwierigster Gesprächssituationen. Zudem kennen sie sich in Spezialfragen aus, die mit der Umstellung oder mit der Aufgabe von Betrieben verbunden sind. Sie wissen, unter welchen Umständen noch weitere Fachleute - wie Rechtsanwälte oder Steuerberater - hinzugezogen werden müssen. Und sie stellen den Kontakt zu entsprechenden Personen her, die sich in landwirtschaftliche Detailfragen schon eingearbeitet haben. Diesen Beistand gibt es in Schleswig-Holstein gegen eine nur geringe Gebühr, in den anderen Regionen sogar kostenfrei.

Erfahrungsgemäß gelingt es den SÖ-Spezialisten, ein Drittel der Höfe, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden, wieder in geordnetes Fahrwasser zurückzuführen und zu konsolidieren. In den anderen Fällen geht es darum, gemeinsam mit den Familien Rückzugskonzepte zu entwickeln, die das Einkommen und Vermögen langfristig sichern. Das kann zum Beispiel durch die Aufnahme eine Zuerwerbs, die Umstellung auf Nebenerwerb oder eine Betriebsaufgabe geschehen. Die Erfahrung zeigt immer wieder: Je frühzeitiger die Beratung hinzugezogen wird, umso mehr Konsolidierungsmöglichkeiten bestehen. Rückläufige Gewinne und Eigenkapitalverluste über mehrere Jahre sind bereits ein deutliches Warnzeichen.

Gemeinsam mit einem Berater nach Lösungen zu suchen, geht schneller, leichter und erfolgreicher vonstatten als sich alleine durchzukämpfen. Insofern ist es empfehlenswert, bereits dann den Kontakt zur SÖ-Beratung zu suchen, wenn sich die Probleme aufzuhäufen beginnen.

Handlungskonzept schafft neue Perspektiven

Doch zurück zu Landwirt Herbert Müller: Gemeinsam mit seinem SÖ-Berater entwickelte er ein kurz- und langfristiges Handlungskonzept. Neben produktionstechnischen Reserven im Ackerbau, die mit Unterstützung des Beratungsringes erschlossen werden sollen, ergab eine Überprüfung der Arbeitserledigungskosten deutliche Vorteile für eine überbetriebliche Lösung. Durch den Verkauf des Mähdreschers konnten die akuten Zahlungsprobleme vorerst gelöst werden. Die Ernte übernimmt nun ein Lohnunternehmer. Von der defizitären Ochsenmast hat er sich getrennt.

Stattdessen hält er Schafe. Reich kann er damit nicht werden. Aber zusammen mit einem 400-Euro-Zuverdienst von Frau Müller wird es langen, um bis zu seiner Altersrente am Ball zu bleiben, denn alternative Vollzeit-Arbeitsplätze für den 56-Jährigen fehlen. "Ich bin so froh, dass ich mich überwunden habe, das wichtigste Telefonat meines Lebens zu führen. Die SÖ-Beratung hat meiner Familie und mir wieder eine Perspektive gegeben", sagt Herbert Müller heute. 

Autor: Dr. Raimar R. Assmann, Verband der Landwirtschaftskammern, Berlin
Erschienen in "bioland", Ausgabe 05/2006

Bei der bioland-Redaktion können Sie eine Liste von SÖ-Ansprechpartnern anfordern; Tel.: 06131 14086-94 oder E-Mail: redaktion@bioland.de

Letzte Aktualisierung: 30.12.2011

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