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Vielfältig: Erneuerbare Energien

 
Windräder
Foto: Bioland Verlag

Erneuerbare Energien für ihren Hof oder auch als Nebenverdienst zu nutzen, ist für immer mehr Landwirte ein wichtiger Gesichtspunkt innerhalb ihres Betriebskonzepts. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung erneuerbarer Energien an sich. Energie zu sparen oder effektiver einzusetzen kann ebenso zum Konzept gehören. Die folgenden vier Beispiele zeigen verschiedene Möglichkeiten, Energie verantwortungsbewusst zu nutzen.

Nahwärme fürs Gewächshaus

Die kleine Bioland-Gärtnerei von Anna Kammermeier liegt im Voralpenland. Auch im Sommer kann es dort in den Nächten für ihre wärmeliebenden Tomaten und Gurken, die sie in zwei Folienhäusern zieht, zu kühl werden. Bislang hatte die Gärtnermeisterin die insgesamt 600 Quadratmeter großen Häuser mit  heizölbetriebenen Warmlufterzeugern mit insgesamt 58 Kilowatt beheizt. Um den Energieverbrauch zu senken und zum Wohle der Pflanzengesundheit sollte nun eine Vegetationsheizung her. Sie würde sehr viel Energie einsparen, denn die Wärme ginge dorthin, wo sie gebraucht würde: im Frühjahr in den Boden für frühe Salatsätze, im Sommer direkt an die Pflanzen.

Als Anna Kammermeier und ihr Mann begannen, für sich ein Niedrigenergiehaus auf dem Betriebsgelände zu bauen, reifte in ihnen die Idee für eine Hackschnitzelanlage, die mit Holz aus der Nachbarschaft befeuert werden sollte. 
Für die geplante Vegetationsheizung eröffneten sich nun neue Möglichkeiten. Wieso nicht mit einer einzigen Anlage Wärme für Haus und Gärtnerei erzeugen? Da im Winter die mit Ruccola und Feldsalat belegten Häuser nicht beheizt werden, empfahl der Heizungsbauer eine 25 Kilowatt-Anlage. Die würde es schaffen, das Wohnhaus ganzjährig mit Wärme zu versorgen und im Sommer die Gewächshäuser. 

Vom Heizungsraum aus legte der Fachmann zwei Nahwärmeleitungen zu den Gewächshäusern, außerdem installierte er am Heizkessel einen Mischer.
Die Anlage läuft seit Herbst 2007, die daran angeschlossene Vegetationsheizung seit Februar 2008. Fällt die Nachttemperatur im Gurkenhaus unter 16 Grad und im Tomatenhaus unter 14 Grad, liefert der Kessel über den Mischer warmes Wasser für die Vegetationsheizung des jeweiligen Hauses.

Durch den Wind

"Hier bläst der Wind ja ganz schön", rief Axel Wilhelms seinen ehemaligen Studienkollegen Heiko Voß und Reiner Bohnhorst zu. Damals, vor acht Jahren, machten die drei einen Spaziergang über die Flächen von Bohnhorsts Bioland-Betrieb in Oldendorf II. Der Biolandwirt ergänzt rückblickend: "Ich wollte eigentlich immer schon eine Windkraftanlage bauen, weil mir Windenergie sympathisch ist." Die drei Freunde konkretisierten ihre Idee und ließen ein Gutachten machen. Der Standort auf dem Hügel zwischen Natendorf und Oldendorf II eignete sich dafür. Bereits im August 2001 wurden zwei Windräder gebaut.

Im Landkreis Uelzen war das der zweite Standort mit solchen Anlagen. 
"Wir hatten nur geringes Eigenkapital, also mussten wir alles über Kredite finanzieren, die jedoch zinsgünstig waren", erzählt Wilhelms, der sich auch heute noch um die finanzielle Abwicklung kümmert. Damals wurden 2,6 Millionen dm investiert. "Man wird von den Einnahmen zwar nicht reich", sagt Bohnhorst, der die Anlagen täglich vor Augen hat, wenn er aus dem Haus geht, "doch die Prognose von damals stimmt, die Anlagen liefern genug Strom und werfen Gewinne ab."

Geplant waren pro Anlage der Firma Enercon eine Nennleistung von je einer Million Kilowattstunden pro Jahr. Über die letzten Jahre gemittelt, konnte dieser Wert mit 0,92 Millionen Kilowattstunden nur knapp erreicht werden. Die beiden Anlagen können so rund 520 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. "Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir mehr Jahre hätten wie 2007, in dem jede Anlage 1,11 Millionen Kilowattstunden produziert hat", berichtet der Biobauer, "damit wäre der Betrieb der Windräder noch lukrativer."

Wilhelms, der von Anfang an darauf geachtet hat, dass sich das Projekt auch rechnet, geht davon aus, dass Windenergie in zehn Jahren die günstigste Stromquelle sein wird: "Das zeigt, dass Ökologie und Ökonomie im Einklang stehen können." Eine Veränderung der Einstellung bei den großen Stromkonzernen zur Windkraft hat er bereits festgestellt: "Früher hat Eon gesagt, es sei finanzieller Unsinn in Windkraft zu investieren, heute sagt das keiner mehr."

Nachts gekühlt

Eine ausgeglichene Energiewirtschaft ist für Arndt Werner und seine Frau Birgit schon seit etwa zehn Jahren ein wichtiges Thema. Damals erwarben die Besitzer eines Weinguts in Ingelheim Anteile an einer Windkraftanlage im Ingelheimer Wald. Mit 10.000 Kilowattstunden ist ihr Anteil an der Anlage so groß, dass der Strombedarf des Betriebs daraus gedeckt werden kann. 

Die gut isolierte Halle, in der die abgefüllten Weine lagern, wird durch eine aktive Nachtkühlung klimatisiert. Mit Hilfe von Ventilatoren wird die kühle Außenluft in die Halle geleitet, sobald die Außentemperatur mindestens zwei Grad unter der Innentemperatur liegt. Die wärmere Innenluft kann dann über Öffnungen am Dach aus der Halle entweichen. Damit möglichst wenig feuchte Luft in das Lager gelangt, wird die Kühlung ausgeschaltet, wenn ein entsprechender Sensor eine zu hohe Feuchte der Außenluft, wie beispielsweise durch Regen, misst.

Darüber hinaus hilft auf dem Weingut Werner auch die Fassadenbegrünung der alten Gebäude dabei, Energie zu sparen. Auch der Kraftstoffverbrauch ist geringer als anderenorts, denn ein Traubenvollernter kommt nicht zum Einsatz. Um eine hervorragende Qualität der Weinbeeren zu gewährleisten, lesen Arndt Werner und seine Mitarbeiter per Hand.

Seit 2004 gibt es auch eine 18-Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage auf dem Hallendach. Der erzeugte Strom wird zu 100 Prozent ins Netz eingespeist und vergütet. Da der Winzer die Anlage vollständig aus Eigenkapital finanzieren konnte, ist der überwiegende Teil des Solarstroms eine zusätzliche Einnahmequelle für den Betrieb. 

Solaranlage auf einem Dach
Auf 200 Quadratmeter Fläche ist auf dem Hallendach des Weinguts Werner eine Solaranlage installiert.
Foto: A. Werner

Auch im privaten Bereich nutzt Familie Werner ausschließlich erneuerbare Energien. Der Wintergarten ist so konzipiert, dass bei starker senkrechter Sonneneinstrahlung während der Sommermonate durch auf dem Dach installierte Solarthermie das Brauchwasser erwärmt werden kann. Gleichzeitig schützt die Solaranlage vor zu viel Sonne im Wintergarten. Bei tiefem Stand im Winter heizt die Sonne über die Front des Wintergartens die dahinter liegenden, mit Fenstern und Türen zum Wintergarten hin versehenen Räume. Zusätzlich gibt es drei Öfen, die ausschließlich mit Rebholz befeuert werden. Eine Holzpelletheizung kommt nur zum Einsatz, wenn die anderen Heizmöglichkeiten nicht ausreichen.

Mit der Sonne

Ungewohnte, wenn auch nicht gänzlich neue Wege in puncto erneuerbare Energien beschreiten Josef Braun und seine Familie. Ihr Milchviehbetrieb mit hofeigener Käserei wird bereits seit knapp zehn Jahren nahezu energieautark bewirtschaftet. So sorgt ein ausschließlich mit kaltgepresstem, aber zugekauftem Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk für Strom und Wärme. Zusätzlich erwärmt eine 30 Quadratmeter große Solaranlage das Brauchwasser.

Durch Dachraumabsaugung der Heutrocknungshalle und Wärmetauscher nutzt Josef Braun die in Form von Wärme vorhandene Energie effektiv. Über die bereits bestehende Situation hinaus hat der visionär denkende Landwirt nun ein neues agroforstwirtschaftliches Projekt gestartet, das ebenfalls auf erneuerbare Energien baut. Ziel des Projekts ist es, die Photosyntheseleistung pro Hektar Land zu erhöhen und damit die kostenlose Sonnenenergie effektiver nutzen zu können.

Vorbild für eine solche Wirtschaftsweise ist der europäische Mischwald: Dessen auf unterschiedliche Wuchshöhen verteilte Photosyntheserate ist doppelt so hoch wie die eines Maisfelds. Um also das Potential des bewirtschafteten Ackerlandes besser ausschöpfen zu können, hat Josef Braun Bäume auf derselben Fläche angepflanzt, auf der er auch ein- oder mehrjährige landwirtschaftliche Nutzpflanzen kultiviert. Der Landwirt hat sich für den Anbau von Pappeln entschieden. Auf seinem zwei Hektar großen Roggenfeld hat er sie in Reihen im Abstand von zwölf bis 18 Metern angepflanzt. Die schnellwüchsigen Bäume sollen dann nach fünf bis acht Jahren geerntet und in Form von Hackschnitzeln als Kraftstoff für die in diesem Jahr neu installierte Holzvergaseranlage genutzt werden. Die Bäume treiben nach der Ernte wieder aus, so dass ihr Holz nach weiteren fünf bis acht Jahren wieder genutzt werden kann.

Das Modell bietet jedoch nicht nur energietechnische Vorteile. Die Bäume wirken sich positiv auf den Boden und den Wasserhaushalt des Schlages aus, indem sie die Getreidekulturen ab einer bestimmten Wuchshöhe teilweise beschatten.

Reyhaneh Eghbal, Dorothea Gillert-Marien und Stefan Simon (Bioland Verlag)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 09/2008

Letzte Aktualisierung: 30.12.2011

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