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Dr. Victor Anspach

Johann Heinrich von Thünen-Institut
Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Institut für Betriebswirtschaft
Bundesallee 50
38116 Braunschweig
Tel.: 05 31/ 596-51 57
Fax: 05 31/ 596-51 99
victor.anspach@vti.bund.de

Torsten Siegmeier

Universität Kassel
Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften,
Fachgebiet Betriebswirtschaft
Steinstrasse 19
37213 Witzenhausen
Tel.: 05542/ 98-13 27
Fax: 055 42/ 98-13 33
siegmeier@uni-kassel.de

Hinweis

Die Studie wurde durch die externer Link folgtLandwirtschaftliche Rentenbank finanziell unterstützt.

Biogaserzeugung im ökologischen Landbau

Entwicklung der Biogaserzeugung im Ökolandbau

Säulendiagramm zu Entwicklung und Bestand von Biogasanlagen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Entwicklung des Bestandes und installierter elektrischer Leistung der Biogasanlagen in Deutschland
Quelle: Universität Kassel, FG Betriebswirtschaft

Die Entwicklung der Biogaserzeugung im ökologischen Landbau geht auf die frühen 1980er Jahre zurück. Vor allem in regionalen Initiativen, wie der baden-württemberbischen "Bundschuh-Genossenschaft", begannen Ökolandwirte, mit alternativen Formen der Strom- und Wärmeerzeugung zu experimentieren und entwickelten erste Hofbiogasanlagen. Bis in die späten 1990er Jahre hinein blieb die Biogaserzeugung experimentierfreudigen Landwirten vorbehalten, die eigene Biogaskonzepte entwickelten.

Durch die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und vor allem mit der Novellierung im Jahr 2004 entstand ein regelrechter Boom beim Bau von Biogasanlagen auf Ökobetrieben. Die Anzahl von Biogasanlagen auf Ökobetrieben steigt seit 2004 durchschnittlich um rund 17 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig erhöht sich die installierte elektrische Gesamtleistung um jährlich rund 59 Prozent. Mit geschätzten 150 bis 160 Biogasanlagen befinden sich derzeit rund fünf Prozent aller Biogasanlagen auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben.

Wo befinden sich Biogasanlagen in Deutschland?

Übersichtskarte zu Standorten von Biogasanlagen in Deutschland. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Standorte von Biogasanlagen in Deutschland
Quelle: Universität Kassel, FG Betriebswirtschaft

Mittlerweile gibt es in fast allen Bundesländern Biogasanlagen auf Ökobetrieben. Ein deutlicher Schwerpunkt der Biogaserzeugung befindet sich in Süddeutschland:  Fast 70 Prozent aller Anlagen liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Aufgrund der hohen Anzahl von kleinen und oft auch älteren Biogasanlagen in den beiden Bundesländern liegt der Anteil bei der installierten elektrischen Nennleistung jedoch nur bei rund 50 Prozent.

In Nord- und Ostdeutschland sind in den letzten Jahren, vor allem seit 2004, verstärkt Anlagen mit mittlerer bis hoher Leistung in Betrieb genommen worden. In fünf Regionen, wie beispielsweise dem Wendland oder in Hohenlohe, finden sich Cluster mit sehr vielen Biogasanlagen. Dies ist vor allem historisch bedingt und hängt auch mit dem hohen Anteil an Ökobetrieben in diesen Regionen zusammen.

Installierte Leistung, Wärmenutzung und Stromerzeugung

Insgesamt beträgt die installierte Leistung der Bio-Biogasanlagen in Deutschland rund 34 MWel (Megawatt elektrisch). Damit werden, bei einer unterstellten Laufzeit der Biogasanlagen von 7.000 Stunden pro Jahr, rund 240 Millionen Kilowattstunden (kWh) elektrischer Strom erzeugt. Dies ist genug, um rund 80.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Seit 2004 hat sich die Anzahl an Biogasanlagen fast verdoppelt; die installierte elektrische Leistung dagegen ist um den Faktor 6 gestiegen. Die durchschnittliche Leistung einer Bio-Biogasanlage beträgt 177 kWel. Berücksichtigt man nur neuere Anlagen ab dem Baujahr 2004, beträgt die durchschnittliche Leistung 334 kWel. Daran zeigt sich, dass auch Ökobetriebe mittlere und große Biogasanlagen auf ihren Betrieben betreiben können.

Ökobetriebe erzeugen mit ihren Biogasanlagen jedoch nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Mit dieser sogenannten Abwärme wird nicht nur die Biogasanlage selber geheizt, um den Bakterien gute Wachstumsbedingungen zu geben, sondern sie wird auch anderen Wärmenutzungsmöglichkeiten zugeführt. So wird auf vielen Betrieben die Wärme in der betrieblichen Be- und Verarbeitung genutzt, zum Beispiel in Käsereien, Metzgereien und Trockeneinrichtungen. Oder die Wärme wird in kleine Nahwärmenetze eingespeist, um damit öffentliche Einrichtungen, Geschäfte oder Wohnhäuser zu heizen. Fast alle Ökolandwirte haben sich für ihre Biogasanlage Wärmenutzungskonzepte überlegt und nutzen große Anteile der produzierten Wärme sinnvoll.

Welche Betriebe betreiben eine Biogasanlage?

Moderne Biogasanlage. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Mit Biogasanlagen im Ökolandbau werden pro Jahr rund 240 Millionen Kilowattstunden elektrischen Stroms erzeugt.
Foto: V. Anspach

Vor allem für Futterbau- und Gemischtbetriebe sind Biogasanlagen bisher interessant. Bei diesen Betrieben orientiert sich die Größe der Biogasanlage vielfach an dem betrieblichen Tierbesatz beziehungsweise der zur Verfügung stehenden Gülle und dem Festmist. Die Größe der Biogasanlage liegt hier oft zwischen 100 und 150 kWel. Zunehmend werden Biogasanlagen aber auch auf reinen Ackerbaubetrieben installiert. Sowohl auf sehr viehstarken Betrieben als auch auf den reinen Ackerbaubetrieben können größere Biogasanlagen eine wichtige Bedeutung haben.

Bisher haben vor allem mittlere und große landwirtschaftliche Betriebe Biogasanlagen gebaut. Mehr als die Hälfte der Betriebe bewirtschaftet eine landwirtschaftliche Nutzfläche über 100 Hektar. Kleinere und mittlere Betriebe investieren ebenfalls, realisieren dabei aber entweder kleine Hofbiogasanlagen oder schließen sich in Kooperationen mit Nachbarbetrieben zusammen.

Wie sieht 'Fütterung' einer Bio-Biogasanlage aus?

Die "Fütterung" einer Biogasanlage auf ökologischen Betrieben kann sehr vielfältig sein. Im Durchschnitt besteht die Substratzusammensetzung aus rund 54 Prozent Gülle und Festmist (inklusive Stroh und Silageabraum), 24 Prozent Kleegras- und Grünlandsilagen, 14 Prozent Maissilage, 4,5 Prozent Getreide-Ganzpflanzensilage, 1,5 Prozent Getreidekorn (inklusive Getreideausputz) und 2 Prozent sonstigen Substraten wie Sudangras, Hirse und Sonnenblumen. Die Substratbasis ist damit vor allem im Vergleich zu konventionellen Betrieben sehr vielfältig.

Die innerbetrieblichen Leistungen

Weitere wichtige Aspekte der Biogaserzeugung im Ökolandbau können unter dem Begriff "innerbetriebliche Leistungen" zusammengefasst werden. Dabei wirkt sich die Verfügbarkeit eines hochwertigen Düngers in Form der Gärreste und die Möglichkeit zu neuen Düngemanagementstrategien besonders positiv hinsichtlich der Erträge aus. 60 Prozent der Landwirte berichteten von zum Teil erheblichen Ertragssteigerungen aufgrund der Gärrestdüngung, vor allem im Getreidebau und auf dem Grünland. Nur 13 Prozent der Betriebe stellten keine Ertragsveränderungen fest. Auch hinsichtlich der Qualität scheint sich die Gärrestdüngung positiv auszuwirken. 50 Prozent der Betriebe berichteten von besseren Qualitäten, vor allem höheren Proteingehalten im Getreide. Negative Veränderungen, beispielsweise auf den Humusgehalt, wurden bisher nicht berichtet.

Letzte Aktualisierung: 30.12.2011

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