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Das BioRegal

Ein neuer Absatzkanal für Biolebensmittel?

BioRegal-Aufsteller vor einer Bäckerei
Der BioRegal-Aufsteller macht vor der Bäckerei auf das Angebot aufmerksam
Foto: Pro Natur GmbH

Wie lässt sich der Absatz von Biolebensmitteln weiter steigern? Ein möglicher Weg ist das Erschließen neuer Absatzkanäle. In einem Forschungsvorhaben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) wurde dafür das "BioRegal" entwickelt: Ein Regal, das in Bäckereien ein "Sortiment des täglichen Lebensmittelbedarfs" in Bio-Qualität anbietet. Das Projekt erbrachte interessante Ergebnisse hinsichtlich der Einflussfaktoren auf den Abverkauf von Biolebensmitteln im regionalen Lebensmittelhandwerk.

Das BioRegal sollte ökologisch wirtschaftenden Betrieben (Landwirten wie Verarbeitern) einen zusätzlichen regionalen Absatzmarkt für ihre Produkte erschließen sowie dem regionalen Lebensmittelhandwerk (beginnend in Bäckereien) ein exklusives Zusatzsortiment anbieten, um sich von den großen Märkten abheben und zusätzlichen Umsatz erzielen zu können. 23 Bäckereien in der Testregion Unterfranken integrierten BioRegale, die - in Ergänzung zum traditionellen Bäckereisortiment - ökologisch und (überwiegend) regional erzeugte Lebensmittel des täglichen Bedarfs anboten (z.B. Brotaufstriche, Gebäck, Knabberartikel, Müsli, Nudeln, alkoholfreie Getränke, Wein). Dafür wurde ein Logistiksystem aufgebaut und in einer Testphase auf Praxistauglichkeit erprobt. Speziell für das Projekt entwickelte Kommunikationsmittel wurden von den Bäckereien nach eigenem Ermessen eingesetzt und deren Wirksamkeit ermittelt. Zudem wurden die Verkaufsstandorte mit ihren Vor- und Nachteilen analysiert, die Verkaufszahlen ausgewertet sowie Sonderverkaufsmaßnahmen erprobt. Während der Storechecks und Umfeldanalysen sowie der späteren Datenauswertung konnten entscheidende Einflussfaktoren auf den Abverkauf identifiziert werden.

Wichtigste Einflussfaktoren: Beratung, Werbung, Platzierung

BioRegal in Bäckerei, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Seitlich vom Verkaufstresen ist das BioRegal gut sichtbar platziert
Foto: Pro Natur GmbH

So wurde deutlich, dass die Beratungskompetenz des Verkaufspersonals eine sehr bedeutende Rolle für den Abverkauf der Produkte aus dem BioRegal spielte. Die Kundschaft erwartet in Bäckereifachgeschäften eine höhere Beratungskompetenz als im allgemeinen Lebensmittelhandel. Daher sind entsprechende Schulungen des Verkaufpersonals empfehlenswert.

Zudem zeigte die Analyse, dass der Einsatz der speziellen Werbemittel sich sehr förderlich auf den Abverkauf auswirkte: Eine Bäckerei, die fast alle vorgeschlagenen Kommunikationsmaßnahmen einsetzte, gehörte zu den drei Geschäften mit dem höchsten Umsatz - obwohl sie ansonsten keine Merkmale aufwies, die zu den positiv gewerteten Rahmenbedingungen gehörten.

Die Sichtbarkeit des ökologischen Sortiments spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle. Als vorteilhaft erwies sich, das Sortiment neben der Theke bzw. gegenüber der Eingangstür zu positionieren, so dass die Kundschaft während des Einkaufs auf das neue Angebot "gestoßen" wird.

Einflussfaktoren auf den Abverkauf des BioRegal-Sortiments in Bäckereien


Der Abverkauf für ökologische Produkte ist nachweislich relativ gesehen höher, wenn…

  • eine gute Sichtbarkeit des neuen ökologischen Sortiments gewährleistet ist,
  • es bereits vorher ein ökologisches Sortiment gab,
  • eine gute Beratungskompetenz des Verkaufspersonals bezüglich Öko-Lebensmitteln besteht,
  • die Kunden eine hohe Kaufkraft besitzen,
  • eine hohe Anzahl an Stammkunden das Geschäft täglich aufsucht und
  • in der Einführungszeit jeder Brottüte eine Informationsbroschüre zu Bio-Lebensmitteln beigefügt wird.


Der Abverkauf liegt tendenzmäßig relativ höher, wenn…

  • eine geringe Anzahl von Konkurrenzgeschäften mit ökologischen Lebensmitteln im Einzugsbereich des Ladens vorhanden ist,
  • keine preisgünstigeren Substitute im Laden verfügbar sind,
  • viele Werbemittel adäquat eingesetzt werden und
  • die Werbung für das BioRegal bereits von außen gut sichtbar ist.

Neben diesen konkreten Ergebnissen konnten im Rahmen der Untersuchungen eine Reihe von Erfahrungen gesammelt werden, die bei einer Fortführung des Projekts bzw. bei ähnlichen Initiativen weiterhelfen können.

Bedeutend: Standort, regionale Herkunft, Distribution

Befülltes BioRegal
'Ökologisch, regional, fair' – das BioRegal
Foto: Pro Natur GmbH

Die Standortfrage hat sich insbesondere im Hinblick auf eine direkte Konkurrenzsituation als entscheidend herausgestellt. Während die im ländlichen Raum liegenden Bäckereigeschäfte sich einer geringen oder keiner direkten Konkurrenz durch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ausgesetzt sahen, gab es im städtischen Raum sowohl preisliche Reaktionen als auch Anpassungen im Sortiment des benachbarten LEH. Zwar ist dabei kein direkter Zusammenhang nachweisbar, doch wurden beispielsweise Produkte des BioRegals während der Testphase neu in das Sortiment benachbarter Supermärkte aufgenommen.

Bei der Auswahl eines Biosortiments sollte verstärkt auf die regionale Herkunft der Produkte geachtet werden. Zwar wurden im BioRegal soweit möglich Produkte aus Unterfranken angeboten, doch wurde das Sortiment anfangs relativ breit aufgestellt. Die 100 Produkte sollten für die Bäckereien ein interessantes Angebot zur Ergänzung der eigenen Produktpalette darstellen. Aus diesem Grund wurden auch jene Produkte in Bioqualität angeboten, die noch nicht aus unterfränkischer Produktion stammten. In der Zwischenauswertung wurde jedoch deutlich, dass den Kunden die regionale Herkunft wichtiger war als die Breite des Angebots.

Neben der Beschaffung der Ware ist die Distribution ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein funktionierendes Lagersystem eine wichtige Grundlage für eine schnelle, effiziente und vor allem nachvollziehbare Belieferung darstellt. Zudem ist es wichtig, die gefahrenen Strecken möglichst gering zu halten. Die exklusive Belieferung ausschließlich für das BioRegal garantierte zwar eine hohe Versorgungssicherheit, steigerte jedoch die Kosten relativ stark. Daher sollte bei vergleichbaren Vorhaben grundsätzlich die Kooperation mit einem ohnehin in der Region ausfahrenden Unternehmen angestrebt werden.

Fazit: Abverkauf zu gering, zu hohe Logistikkosten

Als Fazit des Projektes mussten die Forschenden feststellen, dass der Abverkauf von Produkten aus den BioRegalen zu gering war, um eine kontinuierliche Belieferung zu gewährleisten. Die Logistikkosten durch die eigenständige Belieferung erwiesen sich gemessen am Umsatz als unverhältnismäßig hoch. Zudem hätten nach Ansicht der Forschenden zur Steigerung des Abverkaufs mehr Kommunikationsmaßnahmen umgesetzt werden müssen, insbesondere hinsichtlich Öffentlichkeitsarbeit und Verkaufsförderung.

Das Projekt wurde von der Pro Natur GmbH in Kooperation mit der Regionalberatung Hinrich Hansen, der Universität Kassel (Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing), bayern design GmbH und der Beratung für Direktvermarktung und Betriebsentwicklung Stefan Rettner durchgeführt.

Kontakt:

Pro Natur GmbH
Ziegelhüttenweg 43 a
D-60598 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 96 88 61-0
Fax: +49 69 96 88 61-24
mailto: info@pronatur.de
Internet: externer Link folgtwww.pronatur.de

Die Schlussberichte der im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) bearbeiteten Forschungsprojekte werden in der Datenbank Organic Eprints veröffentlicht. Diese ist über die Wissenschaftsplattform auf Oekolandbau.de abrufbar.

Aus der Forschung - für die Praxis

Gemeinsame Regionalvermarktung von ökologischen und konventionellen Produkten?

Ist die Verwendung von Regionalmarken, die sowohl Ökoprodukte also auch regionale Nicht-Bioprodukte umfassen, eine attraktive Marketingstrategie? Oder bedeutet es einen Profilverlust für den Naturkosthandel, wenn an anderer Stelle auch konventionelle Erzeugnisse mit demselben Regionallabel gekennzeichnet werden wie Bioprodukte? Das Institut für ländliche Strukturforschung (IfLS) hat bestehende und potenzielle Synergien zwischen Biomarkt und regionalen Vermarktungsinitiativen untersucht.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowSynergie oder Profilverlust? Potentiale und Probleme einer gemeinsamen Regionalvermarktung ökologischer und konventioneller Produkte

Letzte Aktualisierung: 27.03.2009

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