Der Biohof im Internet
Die eigene Website als "Visitenkarte"

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Fast jedes Unternehmen und jeder Verband verfügt heute über eine "Visitenkarte" im Internet. Auch immer mehr landwirtschaftliche Betriebe nutzen eine Website zur Selbstdarstellung und als Vermarktungsplattform für die eigenen Produkte. Ohne Frage werden Websites vor allem für Betriebe mit Direktvermarktung zunehmend wichtiger. Hier finden Sie Tipps für den Aufbau des eigenen Internetauftritts.
Funktion definieren
Webangebote verfolgen unterschiedliche Ziele und sprechen verschiedene Zielgruppen an. Als Funktionen für Websites lassen sich benennen:
Selbstdarstellung: Fast jedes Unternehmen oder jeder Verband verfügt über eine "Visitenkarte" im Netz, die das jeweilige Angebot an Produkten oder Dienstleistungen beschreibt und die Kontaktdaten nennt.
Informationsportal: In Informationsportalen werden Informationen zu einem bestimmten Thema angeboten oder/und es werden Links aufgeführt, die zu diesen/weiteren Informationen führen. Beispiele hierfür im Bereich der ökologischen Lebensmittelwirtschaft sind neben Oekolandbau.de zum Beispie
www.soel.de der Stiftung Ökologie & Landbau oder
www.oekolandbau.nrw.de vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNLV) und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Während diese Webangebote werbefrei sind und ihre Informationen kostenlos anbieten, kombinieren einige Webangebote Informationen mit Werbung (
www.naturkost.de oder
www.bio.de) oder bieten einen kostenpflichtigen Zugang zu Inhalten an (
www.biomarkt.info).
Service: Andere Webangebot stiften direkten Nutzen beispielsweise durch die Auflistung von verfügbarem Ökosaatgut (
www.OrganicXseeds.de), die Beschreibung verfügbarer Ökoprodukte in www.oekoinform.de oder der Marktplatz in
www.oeko-komp.de (dort "Marktplatz").
Bestellsystem: Das Internet wird auch verstärkt für den Handel mit Bioprodukten genutzt, indem zum Beispiel Abokisten-Systeme die Möglichkeit der Bestellung über das Internet anbieten. Beispielsweise werden etwa 25 Prozent der Bestellung des Lieferdienstes www.querbeet.de im Rhein-Main-Gebiet über das Internet abgewickelt, Tendenz steigend.
Für den landwirtschaftlichen Betrieb wird der Internetauftritt in erster Linie eine Selbstdarstellung sein, evtl. kombiniert mit einem Bestellsystem. Auch allgemeine Informationen zu ökologischen Landbau können angeboten werden. Aufgrund der Erstellungskosten und vor allem des "Pflegeaufwandes" für ein umfangreiches Webangebot bietet es sich jedoch an, die Informationen auf der eigenen Website auf individuelle und besondere Informationen zum eigenen Betrieb zu beschränken und für allgemeine und weiterführende Informationen auf entsprechende seriöse Webangebote zum Ökolandbau zu verlinken.
Inhalte und Form festlegen
Folgende Informationen sollte das Webangebot beinhalten:
- Wer bin ich? (kurze Selbstdarstellung)
- Was biete ich an?
- Wie erreicht man mich? (Telefon, Telefax, E-Mail und Wegbeschreibung)
- Wann erreicht man mich? (Öffnungs-/Telefonzeiten).
Damit werden die Fragen der meisten Besucher beantwortet. Wer mehr Informationen zum ökologischen Landbau haben möchte wird mit Links auf geeignete Webangebote aufmerksam gemacht,
Inhalte statt Spielereien
Die meisten User wollen möglicht schnell und unkompliziert an die Informationen gelangen, die sie interessieren. Aufwändige Animationen hindern sie daran, so dass mit relativ hohen Kosten der Erstellung sogar das Gegenteil von dem erreicht wird, was mit den Animationen geplant war.
Standardlösungen reichen häufig aus
Wer nur eine Visitenkarte mit Wegbeschreibung zum Hof und Öffnungszeiten bzw. Marktzeiten im Netz hinterlassen will, erhält schon für wenig Geld gute Standardlösungen. Zum einen bieten Internetdienstleister Baukästen für den Bau einer Webseite mit eigener Adresse an. Weiterhin haben kleinere Dienstleiter gezielt Angebote für die ökologische Lebensmittelwirtschaft erarbeitet. Bei
www.naturkostaktiv.de können Naturkostläden einen Internetauftritt in Auftrag geben.
Von anderen lernen
Das Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) hat im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Jahr 2004 rund 300 Internetseiten bewertet, 146 Websites datenbanktechnisch erfasst und 34 Websites per Telefoninterview untersucht bzw. ausgewertet. Bei den intensiver ausgewerteten 34 Internetseiten handelt es sich im Sinne einer Fallstudie um positive und beispielhafte Webseiten, die Vorbildcharakter besitzen. Ergänzend dazu wurde eine Online-Zielgruppenbefragung bei sieben Webseitenbetreibern durchgeführt, an der über 1.500 Internet-Nutzer teilgenommen haben.
Aus den Untersuchungen wurde eine Checkliste erarbeitet die dazu dienen kann, neue Internetauftritte zu planen und bestehende Webangebote zu prüfen:
Checkliste für Webseitenbetreiber
1. Kommunikationsstrategie
- Welche Zielgruppe will ich ansprechen?
- Welches Ziel verfolge ich mit meiner Website?
- Welche Instrumente (Flyer, Telefonmarketing etc.) setze ich ein?
- Bauen die einzelnen Kommunikationsschritte sinnvoll aufeinander auf ?
- In welcher (zeitlichen) Reihenfolge setze ich die Einzelmaßnahmen um und sorge für eine entsprechende Erfolgskontrolle?
- Wie ist das Internet mit anderen Kommunikationsinstrumenten verbunden?
- Sind Fragen der Corporate Identity (CI) ausreichend berücksichtigt?
- Mit wem kann ich Kooperationen eingehen?
2. Umgang mit Agenturen
- Wie sieht mein Kostenrahmen aus?
- Habe ich ein aussagefähiges Pflichtenheft erstellt, auf dessen Basis ein Kostenangebot eingeholt werden kann?
- Habe ich mir die nötigen Rechte (Software-, Bild-, Datenrechte etc.) zusichern lassen?
- Stehen mir alle Daten zur Verfügung, damit ich ggf. schnell und einfach die Agentur wechseln kann?
- Habe ich trotz Agenturbetreuung ausreichende und schnelle Einflussmöglichkeiten auf meine Website?
- Lohnt es sich den Internetauftritt "inhouse" zu erstellen und zu betreiben?
3. Organisation
- Sind die Zuständigkeiten und Abläufe genau festgelegt?
- Sind regelmäßige Pflege- und Aktualisierungsintervalle eingeplant?
- Halte ich die drei Kernkompetenzen vor: Kommunikation, Internettechnik und Fachwissen?
- Werden alle denkbaren Synergieeffekte und Einsparmöglichkeiten genutzt?
- Findet eine Kostenüberwachung statt?
- Sind alle Möglichkeiten der Refinanzierung ausgeschöpft?
4. Technik/Webdesign
- Arbeitet meine Website suchmaschinenoptimiert?
- Sind meine Links zielgenau?
- Sind die Ladezeiten der Seite kurz genug?
- Ist meine Seite browserunabhängig programmiert?
- Ist das Seitenlayout klar und übersichtlich?
- Sind die Inhalte internetgerecht aufbereitet?
- Sind alle sinnvollen Möglichkeiten der Datenvernetzung ausgeschöpft?
- Ist es sinnvoll, personalisierte oder geschlossene Bereiche auf der Website anzubieten?
- Ist meine Seite "barrierefrei" gestaltet?
- Kommen Redaktions- bzw. Contentmanagementsysteme überall dort zum Einsatz, wo es sinnvoll ist?
5. Interaktivität
- Sind die wichtigsten interaktiven Elemente wie Kontakt, Suche, Links und Downloads vorhanden?
- Werden diese je nach Inhalt und Zielgruppe um weitere interaktive Elemente (Chats, Foren, Newsfeed etc.) ergänzt?
6. Auswertung/Evaluation
- Nutze ich die Möglichkeiten von Logfile-Analysen und Online-Umfragen?
- Mache ich mir die Vorteile von Vorab-, begleitender und/oder abschließender Evaluation zunutze?
Quelle:
DBU-Projekt "Internetanwendungen im Natur- und Umweltschutz"
Galt Internet noch Mitte der neunziger Jahren v.a. als Spielwiese für „Technikfreaks“, hat es sich inzwischen zu einem wichtigen Kommunikations- und Informationsmedium entwickelt und wird an Bedeutung sicher noch gewinnen. Als moderner und innovativer Landwirtschaftsbetrieb sollte man hier den Anschluss nicht verpassen.
Autor: Robert Hermanowski, FiBL Deutschland e.V.
Letzte Aktualisierung: 30.12.2011
