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Anbausysteme

 
Anbau verschiedener Arten von Arznei- und Gewürzkräutern.
Spezialbetriebe bauen oftmals bis zu 20 verschiedene Arten Arznei- und Gewürzpflanzen an.
(c) Ökoplant e.V.

Arznei- und Gewürzpflanzen werden in Gärtnereien oder landwirtschaftlichen Betrieben angebaut. Es sind entweder Spezialbetriebe mit Schwerpunkt Kräuteranbau, oder Kräuter-Kulturen werden vereinzelt in die landwirtschaftliche oder gemüsebauliche Fruchtfolge aufgenommen. Je nach Absatz stehen die Kräuter großflächig oder in kleinen Anbauparzellen.

Der großflächige Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen ist auf die Vermarktung weniger marktführender Arten mit hoher Mechanisierungsstufe ausgerichtet. Typische Kulturen für den großflächigen Anbau sind neben den absatzstarken Arznei- und Gewürzpflanzen (wie Fenchel, Pfefferminze, Melisse) die Frischkräuter, diese vor allem für die Tiefkühlkost. Es werden jeweils nur wenige Arten je Betrieb angebaut, deren Standortansprüche zum Betrieb und dessen vorhandener Technik passen.

Für einen kleinflächigen Parzellenanbau entscheiden sich vorwiegend Spezialbetriebe mit vielen Kulturen. Das sind beispielsweise direktvermarktende Betriebe oder Betriebe mit sehr speziellen Absatznischen, wie homöopathische Heilmittelproduktion. Frischkräuter (Bundware) und Raritäten werden ebenfalls eher kleinflächig kultiviert. Kennzeichnend sind ein hoher Handarbeitsaufwand und meist einfache maschinelle Hilfsmittel.

Die Topfkräuter zum Abernten bilden ein zusätzliches Anbausegment. Im geschützten Anbau, unter Folie oder Glas, werden ähnlich dem Feingemüse- und dem Zierpflanzenanbau, auf hohem technischen Niveau vorwiegend Küchenkräuter in Töpfen produziert. Hauptkulturen sind hier Basilikum, Petersilie, Dill und Schnittlauch. Die Vermarktung erfogt oft über den Großhandel. Zunehmend produzieren auch ökologische Staudengärtnereien ein vielfältiges Sortiment an Töpfen mit Duft-, Gewürz- und Heilkräutern zum Auspflanzen im Garten. Immer mehr Gartenfreunde schätzen auch eine große Auswahl an Kräuterraritäten, wie verschiedene Salbeisorten oder exotische Kräuter.

Aus der Forschung - für die Praxis:

Produktionsverfahren von Heil- und Gewürzpflanzen

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau hat die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft 66 ökologische Anbauer von Heil- und Gewürzpflanzen befragt. Deren Erfahrungen bei Anbau, Aufbereitung und Absatz sind für wichtige Heil- und Gewürzpflanzen ausführlich beschrieben.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtÖkologische Produktionsverfahren von Heil- und Gewürzpflanzen

Kulturführung

Die Standortansprüche der einzelnen Arten sind das grundlegende kulturtechnische Kriterium vor Kulturbeginn. Beispielweise fordern Wurzeldrogen tiefgründige, siebfähige Böden. Nur so kann der Wurzelstock sich optimal ausbilden, die Ernte durchgeführt und die Wurzeln von der Erde gereinigt werden. Pflanzen mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen bevorzugen wärmere Lagen, während alkaloidhaltige Pflanzen in feuchteren Klimaten höhere Inhaltsstoffgehalte ausbilden. Z.B. sind für den Arnika-Anbau niedrige pH-Werte erforderlich, während Salbei auf Böden mit höheren pH-Werten am besten gedeiht.

Standorteignungen ausgewählter Arznei- und Gewürzpflanzen:

  • Trockenere Lagen: Bohnenkraut, Fenchel, Koriander, Lavendel, Majoran, Thymian
  • Feuchtere Lagen: Baldrian, Schnittlauch, Spitzwegerich
  • Humusreiche Böden: Baldrian, Dill, Kümmel, Melisse, Pfefferminze
  • Kalkreiche Böden: Fenchel, Koriander, Ringelblume, Salbei, Ysop
  • Kalkarme Böden: Fingerhut, Kornblume, Spitzwegerich
  • Frostempfindlich: Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Majoran, Melisse
  • Frosthart: Kamille, Malve, Senf, Sonnenhut, Kümmel, Schnittlauch

Bei einjährigen Kulturen wird im Frühjahr in der Regel direkt gesät, bei mehrjährigen Beständen oft gepflanzt. Üblich ist eine Frühjahrspflanzung. Es ist aber auch eine Herbstpflanzung bei Kulturen möglich, deren Ertragsniveau im Pflanzjahr noch sehr gering ist (Zitronenmelisse, Johanniskraut).

Die verschiedenen Kulturen haben sehr unterschiedliche Ansprüche an die jeweiligen Vorfrüchte in der Fruchtfolge. Säkulturen  mit geringer Unkrauttoleranz (z.B. Majoran) sollten unkrautunterdrückenden Kulturen folgen. Konkurrenzstarke Kulturen wie Ringelblumen sind weniger anspruchsvoll. Starkzehrende Arten (z.B. Pfefferminze) sollten auf Leguminosen folgen. Andere Kulturen, wie die Kamille sollten als abtragende Früchte angebaut werden. Unter den Arznei- und Gewürzpflanzen können einige Kurzkulturen (Dill, Kerbel) ideal als Zwischenfrüchte angebaut werden.

Auch der Vorfruchtwert der Arznei- und Gewürzpflanzen variiert stark von Art zu Art. Einzelne Wurzel- und Körnerfrüchte können zu starkem Durchwuchs in der Folgekultur führen. Problemtisch ist der Durchwuchs von giftigen Pflanzen (Fingerhut) z.B. in Blattgemüse wie Spinat. Im allgemeinen handelt es sich bei Arznei- und Gewürzpflanzen um intensiv gepflegte Kulturen.

Der Nährstoffbedarf der einzelnen Arten muss bei der Fruchtfolgegestaltung und bei der Düngung berücksichtigt werden. Kraut- und Blattdrogen gehören in der Regel zu den stark stickstoffzehrenden Kulturen. Gerade bei den Wurzeldrogen muss auf eine ausreichende Kaliversorgung geachtet werden. Körnerdrogen sollten auf Böden mit ausreichendem Phosphorgehalt stehen. Bei mehrjährigen und mehrschnittigen Kulturen muss der hohe Nährstoffentzug durch eine Nachdüngung ausgeglichen werden.

Der notwendige Stickstoff kann über zugelassene organische Düngemittel zugeführt werden (Stallmist, Kompost, Handelsdünger). Wegen der Gefahr einer mikrobiellen Kontamination des späteren Erntegutes, darf jedoch auf keinen Fall eine Mist- oder Güllegabe zur Kultur erfolgen. Besser ist es, den Nährstoffbedarf durch eine geeignete Fruchtfolge und Düngung der Vorfrucht zu decken.

Eine Bewässerung ist im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau vor allem im Frischkräuterbereich und bei mehrschnittigen Blatt- und Krautpflanzen (z.B. Thymian, Salbei, Melisse) sinnvoll. Ohne Bewässerung ist der Durchtrieb nach den Ernteschnitten oft gefährdet. Auch bei Pflanzkulturen sollten die Jungpflanzen bewässert werden können.

Das Beikrautmanagement besteht aus einer durchdachten Fruchtfolge und einer intensiven Bodenbearbeitung. Die meisten Kräuterkulturen haben eine langsame Jugendentwicklung. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung gegen Unkraut vor der Saat und im Vorauflauf ist wichtig. Die Bearbeitung mit tiefgehenden Geräten ist ungünstig, da die meisten Arten flach gesät werden und ein gut abgesetztes Saatbett benötigen. Die Bestände entwickeln sich oft langsam und ein bis zwei Hackdurchgänge per Hand sind bis zur Ernte notwendig, um Beikraut im Erntegut zu verhindern (fremde Bestandteile sind nur bis zwei Prozent möglich).

Durch Zikaden verursachte nekrotisierte Stellen an einer Topfkräuterpflanze
Zikaden verursachen bei Topf- und Freilandkräutern nekrotisierte Stellen.
(c) Ökoplant e.V.

Pflanzenschutzprobleme können auch im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau bestandesgefährdend oder qualitätsmindernd sein. Marktfähige Ware muss hinsichtlich der äußeren Qualität bestimmten Anforderungen entsprechen. Saugstellen von tierischen Schädlingen führen oft zu vermarktungsunfähiger Ware. Vielfach kann dem Krankheits- und Schädlingsbefall schon durch eine Optimierung der Anbaubedingungen vorgebeugt werden. Einige Arten stehen züchterisch noch auf dem Niveau von Wildpflanzen und sind daher mit vielen natürlichen Resistenzen ausgestattet.

Pflanzenschutzmittel stehen dem ökologischen Arznei- und Gewürzpflanzenanbau nur sehr begrenzt zur Verfügung. Möglich hingegen sind eine Reihe von Maßnahmen zur Pflanzenstärkung. Hierzu gehören beispielsweise Saatgutbehandlungen mit Pflanzenstärkungsmitteln oder durch thermische Verfahren (Warmwasserbeize).

Aus der Forschung - für die Praxis

Leitfaden zu Krankheiten und Schädlingen im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau

Der Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen und die Sicherung der Qualitäts der pflanzlichen Rohware setzen umfangreiches Wissen zu den verschiedenen Kulturen voraus. So ist auch der effiziente Umgang mit Schaderregern von großer Bedeutung für den Kulturerfolg. In einem BÖLN-Forschungsprojekt haben Wissenschaftler der Universität Bonn in Kooperation mit dem Verein Ökoplant e.V., dem Institut für Pflanzenschutz im Gartenbau des Julius Kühn-Instituts sowie der Landesanstalt für Landwirtschaft und Forsten Sachsen-Anhalt einen Praxisleitfaden erstellt, in dem an 25 wichtigen Arznei- und Gewürzpflanzenkulturen biotische und abiotische Schadursachen beschrieben und bildlich dargestellt werden.

Der Leitfaden "Krankheiten und Schädlinge im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau" richtet sich in erster Linie an Produzentinnen und Produzenten, die nach ökologischen Richtlinien produzieren, ist aber auch für Berater, Forschungs- und Versuchseinrichtungen sowie Kontrolleure, Auditoren und Händler von Interesse. Er hilft, Schadursachen möglichst frühzeitig zu erkennen, das Risiko für die Kultur einzuschätzen und wirksame Regulierungsmaßnahmen einzuleiten. Ergänzende Schadbildbeschreibungen zu weiteren 25 Kulturen und viele Zusatzinformationen sind auf einer beiliegenden CD-ROM zu finden. Die 184-seitige Publikation erscheint in der Reihe Spectrum Phytomedizin der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft (DPG) e. V. und ist kostenlos über die Opens external link in current windowGeschäftsstelle des Ökoplant e. V. zu beziehen. In elektronischer Form kann das Buch als PDF-Dokument auf der Opens external link in current windowHomepage der DPG heruntergeladen werden.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowLeitfaden: Krankheiten und Schädlinge im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau

Aus der Forschung - für die Praxis:

Strategien gegen Mehltau an Arznei- und Gewürzpflanzen

Mehltaubefall kann die Qualität des Ernteguts mindern und die Vermarktungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wurden Grundlagen der Krankheitsregulierung erarbeitet.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtBehandlungsstrategien bei Befall mit Echtem und Falschem Mehltau an Arznei- und Gewürzpflanzen im ökologischen Anbau am Beispiel von Blütendrogen (Ringelblume), Blattdrogen (Apfelminze), Krautdrogen (Weidenröschen) und Körnerdrogen (Anis). (BÖL-Projekt Nr. 02OE144)

Letzte Aktualisierung: 02.12.2011

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