Qualität

- Kamillenblüten werden in Heiltees, Phytopharmaka und im Kosmetikbereich verwendet.
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Die Qualität der Ware wird durch den Gebrauchswert und die Verwendung bestimmt. Große Fenchelfrüchte beispielsweise haben in der Regel einen wünschenswert hohen Gehalt an ätherischen Ölen - passen aber nicht in Teefilterbeutel! Ganzblattware für Tee hat den höchsten Gehalt an Inhaltsstoffen, die Verbraucher sind aber an das einfachere Handling geschnittener Ware gewöhnt.
Kamille wird entweder als Lebensmittel, als Arzneimittel oder in Kosmetika verwendet. Thymian ist ein Gewürz aber auch Bestandteil in Hustenmitteln. Je nach Verwendungszweck liegen auch unterschiedliche gesetzliche Vorschriften für die Qualitätsanforderungen zu Grunde. Vor der Produktion muss daher der Verwendungszweck geklärt sein.
Lebensmittel
Bei zum Verzehr bestimmten Stoffen (Tees, teeähnliche Erzeugnisse, Gewürze) müssen die Bestimmungen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG) eingehalten werden.
Arzneipflanzen
Pflanzen, die als Ausgangsstoffe für Heilmittel vorgesehen sind, unterliegen den grundlegenden Bestimmungen und Anforderungen der Arzneibücher. Das sind in erster Linie das Deutsche Arzneimittelbuch (DAB), das Homöopathische Arzneimittelbuch (HAB) und das Europäische Arzneimittelbuch ( Ph. Eur.).
Kosmetika
Pflanzliche Rohstoffe für die Kosmetik werden in den gesetzlichen Regelungen des LMBG und der darin enthaltenen Kosmetikverordnung behandelt.
Eine Zwischenstellung nehmen die derzeit stark boomenden Nahrungsergänzungsmittel ein. Sie sind oft aus pflanzlichen Bestandteilen und sind als Lebensmittel anzusehen.
Die jeweiligen gesetzlichen Regelwerke enthalten Richt- oder Warnwerte und Grenzwerte für einzelne Qualitätsparameter. Besonders im Arzneimittelbereich schreiben die Arzneimittelbücher Mindestgehalte an wirksamen Inhaltsstoffen vor und liefern Angaben zur Wirksamkeit und Indikation einzelner Pflanzen. Neben den gesetzlichen Vorschriften beschreiben firmeninterne Produktspezifikationen zusätzliche Qualitätsanforderungen.
Bei Abnahme der Rohware wird die äußere und die innere Qualität beurteilt.
Äußere Qualität
- Farbe
- Geruch
- Verletzungen der Droge (beispielsweise Saugstellen von Zikaden an der Blattdroge)
- Arttypisches Aussehen
- Fremdbestandteile (hierzu zählt auch Unkrautbesatz)
Innere Qualität
- Sensorische Prüfung
- Gehalt an Inhaltsstoffen (z.B. ätherische Öle)
- Schwermetallbelastungen
- Mikrobiologische Belastung
- Pflanzenschutzmittelbelastungen
- Wassergehalt der Droge
- Gesamtaschegehalt und säureunlösliche Asche
- Nitratgehalt
Ein Qualitätsmanagement wird auch im ökologischen Arznei- und Gewürzpflanzenanbau immer strikter gefordert. Die Dokumentation sämtlicher Produktionsschritte ist für die meisten Betriebe schon Routine. Zur Erfassung, Verbesserung und Kontrolle aller qualitätsbildenden Maßnahmen wird z.T. eine Auditierung der landwirtschaftlichen Betriebe durchgeführt. Die Audits dienen der Überprüfung der Wirksamkeit der allgemeinen sowie der pflanzen- und kulturspezifischen Qualitätssicherungsmaßnahmen. Audits werden meist von externen Fachleuten durchgeführt.
Qualitätsmerkmale und qualitätsfördernde Maßnahmen am Beispiel der Pfefferminze:
Identität (Geruch, Geschmack, Aussehen)
- Sortenwahl
- gründliche Reinigung der Ernte- und Trocknungsanlage vor Beschicken mit anderen Arten
Inhaltsstoffgehalt (Pfefferminze: mindestens 1,2 Prozent ätherisches Öl)
- Sortenwahl
- Standortwahl
- richtige Wahl des Erntetermins
- schonende Ernte, Aufbereitung, Trocknung
Reinheit (arteigener Besatz, z.B. Stängelanteil, bei Pfefferminze nach DAB max. fünf Prozent; fremde Bestandteile wie Unkraut, Erde max. zwei Prozent)
- optimale Bestandespflege
- sorgfältige Aufbereitung
- angemessene Schnitthöhe
- Vermeidung von Bodenkontakt des Erntegutes
Wassergehalt (meistens acht bis zwölf Prozent)
- sachgemäße Trocknung
Pflanzenschutzmittel-Rückstände
- Schutz vor Abdrift von Nachbarfeldern
Schwermetallbelastung
- Standortwahl
Nitratbelastung
- Überdüngung vermeiden
Mikrobiologische Belastungen
- Ernte der Pflanze in trockenem Zustand
- Ernte ohne Bodenkontakt
- Vorsicht bei Mist- und Gülledüngung
- schnelle Trocknung, lockeres Schüttgut
Aus der Forschung - für die Praxis
Qualitätssicherung im ökologischen Arznei- und Gewürzpflanzenanbau
Arznei- und Gewürzpflanzen bieten für landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe mit freien Arbeitskapazitäten und etwas Experimentierfreude eine Marktnische, in der gute Absatzchancen bestehen. Das Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz hat im Rahmen eines BÖL-Projekts drei Workshops zur Qualitätssicherung angeboten. "Mit der Etablierung von Qualitätssicherungsmaßnahmen lassen sich die Absatzchancen von heimischer Rohware entscheidend verbessern", sagt Projektleiterin Hanna Blum von der Geschäftsstelle Ökoplant e. V. "In den Workshops wollten wir deshalb dreierlei vermitteln. Erstens haben wir die Teilnehmer über geforderte gesetzliche Qualitätsstandards informiert – als Grundvoraussetzung für das Inverkehrbringen von freiverkäuflichen Heilmitteln. An zweiter Stelle stand die Vermittlung einer Methode zur Schwachstellenanalyse betrieblicher Produktionsabläufe: die Selbstinspektion HACCP. Drittens haben wir mit der Betriebsauditierung ein gängiges System zur Dokumentation von Produktionsabläufen eingeführt. Besonderes Augenmerk der Seminare lag auf der Bereitstellung von Arbeitsdokumenten für die Betriebe, um auch bei wenig freien Kapazitäten den Betrieben eine rasche und einfache Umsetzung der notwenigen QS-Maßnahmen zu ermöglichen."
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 02.12.2011
