Feldfutter
Anbau, Nutzung, Düngung und Pflege

- Luzernekleegras - Futter für Vieh und Bodenleben.
Foto: Naturland e.V.
Von diesem "Futterbau" - gleich ob für das Vieh oder das Bodenleben - sollte langfristig ein Anteil von mindestens einem Sechstel in der Fruchtfolge realisiert werden. Bei höheren Anteilen profitiert der Anbau durch bessere Wüchsigkeit und geringere Unkrautkonkurrenz. Insbesondere der Disteldruck als ein Problemunkraut des Ökoanbaus geht spürbar zurück (wohingegen die Ampferbelastung bei Saatgut mit Ampfer-Besatz ansteigen kann).
Im Fall des zu geringen Futterbau-Anteils werden meist die Unkrautkonkurrenz überhand sowie die Humusversorgung Schaden nehmen, wobei sich ersteres früher zeigt. Ein ökologischer Anbau ohne jeglichen Futterbau kann dauerhaft nicht funktionieren.
Der Futterbau wird in aller Regel im Gemenge betrieben. Selbst wenn es einzelne Standorte und Jahre gibt, die mit dem Reinanbau von Rotklee oder Luzerne bisweilen bessere Ergebnisse erzielen (sowohl in der Aufwuchsleistung als auch im Vorfruchtwert), wird im Mittel der Jahre dennoch das Gemenge mehr Vorteile bringen: Die Ertragssicherheit ist langfristig betrachtet höher, die Wurzelmasse der Gräser dient als exzellenter Speicher für Stickstoff wie für Humus, die Vorfrucht-Wirkung wird damit länger anhalten. Darüber hinaus vermindern Gemenge auch die Gefahr einer Kleemüdigkeit, die für das Anbausystem besonders fatal wäre, und sie haben gegenüber Reinsaaten eine höhere Nutzungselastizität.
Bei allen Vorteilen des Futterbaus ist aber die Selbstverträglichkeit unbedingt zu beachten. Gerade weil er für den Ökoanbau so wichtig ist, darf der Leguminosenanbau nicht durch zu kurze Anbauabstände gefährdet werden.
Anbauvarianten
Die klassischen Ansaatvarianten sind stark von den regionalen und standörtlichen Gegebenheiten geprägt. Im Ökolandbau ist tendenziell eine gewisse Verschiebung hin zu den Untersaaten festzustellen. Der mit der Frühjahrsaussaat verbundene Zeit- und Kostenvorteil ebenso wie der Wachstumsvorsprung sind wichtige Argumente. Abzuraten wäre davon lediglich, wenn eine Verunkrautung mit ausdauernden Unkräutern (z.B. Ampfer, Quecke) eigentlich eine zusätzliche Bodenbearbeitung nach der Ernte erfordert.
Die Untersaat muss unbedingt mit der Drillmaschine erfolgen, da die Feinsämereien - insbesondere die Gräser - sehr windanfällig bei Streuern reagieren und streifige, zumindest aber lückige Bestände die zwangsläufige Folge wären. Im Schatten der Deckfrucht laufen die Gemenge meist gut auf, sie dürfen nicht zu tief (ca. ein Zentimeter) und nicht zu spät ausgebracht werden.
Eine Blanksaat nach der Ernte ist unter Voraussetzung entsprechender Niederschläge für eine ausreichende Vorwinterentwicklung sehr vorteilhaft. Je nach verfügbarer Zeit kann noch eine intensive Bodenbearbeitung vorgeschaltet werden, um ausdauernde Unkräuter zu bekämpfen. Dies ist unter ökologischen Bedingungen besonders wichtig, damit der Futterbau möglichst frei von z.B. Ampfer und Quecke ist. Nur dann kann der Futterbau die gute Vorfruchtwirkung entfalten, die von ihm erwartet wird - ansonsten nimmt eine notwendige Unkrautbekämpfung nach dem Umbruch viel von diesem Effekt.
Die für die Feinsämereien nötige flache Saat muss unbedingt angewalzt werden. Sie sollte der Region entsprechend bis Mitte/ Ende August abgeschlossen sein. Bei einer zu üppigen Entwicklung ist eine Nutzung oder ein Abschlegeln noch im Herbst angebracht. Allerdings sollten die Bestände auch nicht zu kurz in den Winter gehen.
Wenn ein Anbau im Herbst z.B. auf Grund notwendiger Unkrautbekämpfung zeitlich verschoben werden muss und eine einigermaßen sichere Entwicklung des Bestandes vor dem Winter nicht mehr gewährleistet ist, sollte ein Anbau im Frühjahr immer vorgezogen werden. Spätsaaten sind angesichts der hohen Saatgutkosten und der Bedeutung des Futterbaus in der Regel zu riskant. Im Frühjahr erfolgt eine Blanksaat mit oder ohne Deckfrucht. Letztere ist meist vorteilhaft und nur dann kritisch, wenn ein zeitiger Schnitt nicht möglich ist und/ oder die Deckfrucht zu üppig ausfällt, so dass die Kleemischung Gefahr läuft, zu ersticken.
Nutzung
Ob der Futterbau ein- bzw. überjährig oder mehrjährig genutzt wird, hängt von den betrieblichen Gegebenheiten (Futterbedarf, Unkrautdruck etc.) und Standortfaktoren (z.B. Bonität) ab. Die Nutzungsdauer steht aber auch in engem Zusammenhang mit der Frage, ob die günstige Vorfruchtwirkung lieber weniger stark ausgeprägt, dafür aber häufiger in der Fruchtfolge genutzt werden kann.
In jedem Fall nimmt die sowohl die Vorfrucht- als auch die Unkrautwirkung zunächst mit der Länge des Anbaus zu, bis die Bestände ihren "Zenit" überschritten haben. Lückige Bestände sollten in jedem Fall vermieden werden. Kürzere Nutzung der Futterbauschläge bedeutet Aufwand und Kosten, aber auch einen häufigeren Vorfruchteffekt.
Bei Futterbau- und Stilllegungsgemengen ist besonders auf einen hohen und möglichst glatten Schnitt Wert zu legen, damit der Wiederaustrieb umso rascher erfolgt. Bei Stilllegungen ist darüber hinaus darauf zu achten, dass der gemähte oder gemulchte Aufwuchs den Bestand nicht in Form einer dichten "Matratze" erstickt. Häufigere Arbeitsgänge sind auch aus diesem Aspekt förderlich.

- Wicken in Stilllegungsgemengen erbringen eine enorme Wurzel- und Stickstoffleistung.
Foto: Naturland e.V.
Pflege
Generell sollten alle Futterbau-Ansaaten möglichst früh geschnitten werden, idealerweise in Form eines zeitigen Schröpfschnittes, der die Bestockung fördert. Ein umso dichterer Bestand wird die "Verluste" mehr als wett machen. Auch die Stilllegungsflächen werden sich umso üppiger "zusammen wachsen" (vor allem wenn ein entsprechender Weißklee-Anteil enthalten ist), je früher gemulcht oder geschnitten wird. Auch sind die Bestände nur so in der Lage, effizient Unkraut durch Lichtkonkurrenz zu unterdrücken.
Auf eine optimale Narbendichte ist auch bei der Nutzung zu achten, um dem Ampfer als Lichtkeimer keine Auflaufbedingungen zu bieten. Narbenschädigungen sind unter allen Umständen zu vermeiden.
Düngung
Alle Leguminosen reagieren sehr dankbar auf eine ausreichende Kalkversorgung. Da die Gemenge sehr stark auf ihnen aufgebaut sind, sollte die Kalkung möglichst vor dem Futterbau erfolgen. Eine weitere Düngung ist in der Regel nicht erforderlich, bisweilen eher schädlich: Gräser werden bei besserer Stickstoffversorgung stark gefördert, während die Kleearten eher gebremst werden. Insgesamt ein "Nullsummenspiel" mit der Folge, dass auch künftig mehr zur Versorgung der Gräser beigesteuert werden muss. Darüber hinaus wird die Netto-Stickstoff-Leistung verringert, wenn geringere Kleeanteile weniger Stickstoff binden können.
Eine Gülle-Düngung ist also nur angesagt bei mageren Standorten, um die Gräser zu fördern. Auf eine ausreichende Phosphorversorgung sollte im Hinblick auf die dafür bedürftigen Leguminosen geachtet werden.
Weitere Informationen zum Feldfutterbau
Leguminosen-Gras-Gemenge
Der Futterbau verknüpft im ökologischen Landbau Pflanzenbau und Tierhaltung miteinander und übernimmt damit eine zentrale Rolle in der Kreislaufwirtschaft. Gemenge aus verschiedenen Leguminosenarten bzw. aus Leguminosen und Gräsern helfen außerdem beim Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und dienen der Unkrautreduzierung.mehr lesen...
Süßlupinen als Eiweißfuttermittel für den Ökolandbau
Aus der Forschung - für die Praxis
Süßlupinen als Eiweißfuttermittel für den Ökolandbau
Körnerleguminosen spielen im ökologischen Landbau durch ihr Stickstoffbindevermögen eine wichtige Rolle. Die Süßlupine gehört dabei neben der Ackerbohne und der Erbse zu den wichtigsten im Ökolandbau einsetzbaren Eiweißfuttermitteln. Ein Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, Süßlupinen als Futtermittel mit hochwertiger Qualität für den ökologischen Landbau zur Verfügung zu stellen. Lupinen können einen Beitrag zur betriebseigenen Futterversorgung im ökologischen Betrieb leisten, so das Fazit der Wissenschaftler. Die Futtermittelqualität könne dabei sowohl durch züchterische Maßnahmen als auch durch die Wahl geeigneter Standortbedingungen beeinflusst werden.
"Das Erntegut der verschiedenen Lupinensorten analysierten wir eingehend. Unter anderem wollten wir wissen, wie viel Rohprotein, Fett und Zucker in den Pflanzen ist. Beim Rohproteingehalt schnitt vor allem die Sorte Borlu sehr gut ab. Es gelang uns, für die Bestimmung des Rohproteingehaltes eine kostengünstige und zerstörungsfreie Nahinfrarot-Spektroskopie in Einzelsamen zu entwickeln. Das freut besonders den Züchter, der die analysierten Körner anschließend wieder zur Aussaat bringen kann. Insgesamt können wir Lupinen zur betriebseigenen Futterversorgung im ökologischen Landwirtschaftsbetrieb auf jeden Fall empfehlen", sagt Gisela Jansen vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Groß Lüsewiz, dem Projektnehmer.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 22.08.2011
