Netzwerk im ökologischen Gemüsebau
Vernetzung von Biogemüseforschern
Biogemüse ist inzwischen im Sortiment jedes Supermarkts oder Discounters zu finden und die Anbaufläche wächst stetig - dennoch wird in diesem Bereich wenig geforscht. Um die Forschungsaktivitäten zu bündeln und effektiver zu gestalten, wurde im Rahmen eines Forschungsvorhabens des BÖLN (Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft) das "Netzwerk im ökologischen Gemüsebau" aufgebaut.
Zu Beginn des Projektes 2005 waren in Deutschland 10 bis 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Forschung für den Biogemüsebau aktiv. Das sind nicht viele und heute ist die Tendenz eher rückläufig, schätzt Projektleiterin Bettina Billmann. "Die Forscher sind durch Stellenkürzungen völlig überlastet und zusätzlich noch eher mit anderen Aufgaben als mit Forschung beschäftigt", meint die Gartenbauexpertin vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Und das, obwohl die Anbaufläche von Ökogemüse stetig wächst: 2004 lag sie bei rund 8.400 Hektar, im Jahr 2009 schon bei 11.800 Hektar und die Tendenz ist weiter steigend (Quelle: BÖLW 2011).
"Der Gartenbau wird leider von der Öffentlichkeit und der Administration neben der Landwirtschaft oft nicht so wahrgenommen und dadurch auch in der Forschung vernachlässigt", ist die Erfahrung von Bettina Billmann, "und das obwohl die erwirtschafteten Umsätze in manchen Sparten durchaus vergleichbar waren, als sie noch in den Agrarberichten beziffert wurden." Ein schwacher Trost: Auch die Forschung für den konventionellen Gemüsebau wird eher stiefmütterlich behandelt.
Umso erfreulicher, dass durch die Aktivitäten des Netzwerks alle zwei Jahre eine Anknüpfung der Versuchsansteller an die jährliche Tagung der Ökogemüsebau-Berater initiiert wurde, die auch über das Projektende hinaus stattfindet. Im Wechsel damit treffen sich die Versuchsansteller des ökologischen Gemüsebaus ebenfalls alle zwei Jahre mit ihren Kollegen aus der konventionellen Versuchsanstellung. "Die Lösungsansätze aus dem konventionellen Bereich, beispielsweise für bestimmte Pflanzenkrankheiten, passen durchaus vereinzelt auch zum Ökogemüsebau", sagt Martin Herbener, Versuchsleiter am Gartenbauzentrum Köln-Auweiler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und seit Projektende ehrenamtlicher Koordinator des Netzwerkes. In jedem Fall seien die Treffen immer für beide Seiten bereichernd. Bei beiden Veranstaltungen werden Versuchsergebnisse vorgestellt und diskutiert. Die Planung kommender Versuche erfolgt jeweils bei internen Treffen der ökologisch ausgerichteten Versuchsansteller, die an diese Veranstaltung anknüpfen. "So konnten wir erreichen, dass beispielsweise bei Tomaten und Salat bundesweit überwiegend dieselben Sorten in den Versuchen verwendet werden und so die Versuche besser vergleichbar sind", sagt Martin Herbener und ergänzt: "Das Netzwerk hat richtig was vorangebracht".
Die Versuchsberichte sind auch über die
öffentlich zugängliche Mediendatenbank verfügbar - ein nützliches Instrument für Berater und Wissenschaftler. "Ein Handbuch, das im Rahmen des Netzwerkes entstanden ist, ist dabei immer die Grundlage für die Versuche und definiert die Leitlinien zur Versuchsanstellung und -auswertung", sagt Martin Herbener. In dem 260-seitigen Werk mit dem Titel "
Planung, Anlage und Auswertung von Versuchen im ökologischen Gemüsebau" sind neben einem allgemeinen Teil, in dem Fragen zur Versuchsmethodik, -auswertung und zu speziellen Kulturaspekten geklärt werden, für jede einzelne Gemüsekultur Versuchsparameter wie Versuchsanlage, Kultur- und Pflegeverfahren, Bonitur und Auswertungsrichtlinien festgelegt. "So ein Handbuch hat es in diesem Umfang bisher nicht gegeben und es ist wirklich sehr hilfreich", resümiert Martin Herbener.
Handbuch auch europaweit nützlich
Das Handbuch ist jedoch nicht nur im deutschsprachigen Raum für die Versuchsanstellung eine hervorragende Basis. "Das Handbuch ist in der Praxis der Versuchsanstellung sehr gut angenommen worden", berichtet auch Bettina Billmann, "und daher ist nun geplant, das darin gesammelte Wissen und die Versuchsanleitungen im seit Januar 2012 laufenden europäischen "COST-Projekt" mit dem Titel '
Towards a Sustainable and productive EU Organic greenhouse horticulture' zum Einsatz zu bringen."
COST steht für European Cooperation in Science and technology und fördert die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern in Europa. An diesem auf vier Jahre angelegten Projekt sind insgesamt 15 Länder in Europa und angrenzenden Ländern - von Israel bis Schweden und Spanien bis Polen - beteiligt, weiterhin ist auch eine Forschungseinrichtung in Kanada miteingebunden.
Die Anleitungen aus dem Handbuch sind für Gewächshauskulturen, wie zum Beispiel Gurken, Tomaten oder Paprika, auf andere Länder übertragbar und können helfen, im Rahmen des COST-Projektes Versuchsanstellungen zu vereinheitlichen. Selbstverständlich können über COST hinaus auch die Versuchsanleitungen für Freilandkulturen an die Bedingungen anderer Länder angepasst werden. "Wenn für klimatisch ähnliche Regionen quer durch Europa vergleichbare Ergebnisse vorliegen würden, wäre das ein großer Gewinn für die Biogemüsebaupraxis", bestätigt Bettina Billmann.
Das COST-Projekt wurde während der ersten internationalen Tagung zum Ökologischen Gemüsebau initiiert, die im Rahmen des Netzwerkprojektes 2009 in Köln-Auweiler durchgeführt wurde. In der darauf folgenden "First Conference on Organic Greenhouse Horticulture", die Ende 2010 in Bleiswijk stattfand, wurde das Netzwerk in einem
Tagungsbeitrag vorgestellt und diente so als Anregung für die Organisation der Versuchsanstellung in anderen Ländern. "So kann man sagen, dass das COST-Projekt auch auf Erfahrungen und Strukturen aus dem Projekt 'Netzwerk im ökologischen Gemüsebau' aufbaut und eine sinnvolle und fruchtbare Fortführung ist", freut sich Bettina Billmann.
Letzte Aktualisierung: 23.01.2012



