Ökologischer Gemüsebau: Intensive Pflege

- Im Ökogemüseanbau ist die Unkrautregulierung eine der wichtigsten Maßnahmen.
(c) M. Koller
Die Produktgruppe "Gemüse" ist einer der bedeutendsten Umsatzträger auf dem Ökomarkt und damit traditionell ein wichtiges Zugpferd in der Biovermarktung - auch wenn die Anzahl der Betriebe und die Flächen nur einen kleinen Anteil am gesamten Ökolandbau ausmachen.
Wirtschaftsdünger oft knapp
Der Erwerbsgemüsebau zählt zu den intensivsten Formen landwirtschaftlicher Tätigkeiten. Der beträchtliche Einsatz an Arbeitskraft und Kapital zwingt Gärtner und Landwirte, entsprechend hohe Gelderträge pro Fläche zu erzielen. Das führt zu einer intensiven Landnutzung und in der Regel auch zu einer Spezialisierung auf bestimmte Gemüsekulturen.
Mit der starken Ausrichtung auf gärtnerische Kulturen hat eine Tierhaltung auf solchen Betrieben oft keinen Platz. Dadurch steht diesen auch kein eigener Wirtschaftsdünger zur Verfügung. Gemüsebaubetriebe sind somit häufig auf die Zufuhr von Nährstoffen und anderen Hilfsstoffen von außen angewiesen und nutzen ihre Böden in der Regel intensiv. Häufig wird Mist usw. aus anderen Betrieben mit Tierhaltung verwendet.
Bodenpflege im Mittelpunkt
Um die Intensität des Gemüsebaus und die Ideale des ökologischen Anbaus dennoch möglichst in Einklang zu bringen, steckt der Biobetrieb bei der Intensität gegenüber einem konventionellen Betrieb klar zurück. So baut der Biogemüseproduzent im Interesse einer dauerhaften Bodenfruchtbarkeit auf derselben Fläche anstatt zwei bis drei Kulturen pro Jahr durchschnittlich 1,5 Kulturen an. Damit eine solche Nutzung nachhaltig ist, muss der Bodenpflege besondere Beachtung geschenkt werden. So wird besonders großer Wert auf eine schonende Bodenbearbeitung und die Zufuhr von organischer Substanz gelegt, um die Aktivität des Bodenlebens zu fördern.
Eine zentrale Bedeutung hat auch im Gemüsebau die Fruchtfolge. Einerseits kann mit einer durchdachten Fruchtfolge Krankheiten vorgebeugt und andererseits die Bodenfruchtbarkeit erhalten werden. Somit gehört auch auf dem Gemüsebetrieb ein ausreichender Anteil von Leguminosengemengen als kurzfristigere Gründüngung oder noch besser als mindestens einjährige Gründüngung zum Erfolgsrezept. Diese Gemenge leisten mit der Stickstoff-Fixierung einen wichtigen Beitrag zur betriebseigenen Stickstoffversorgung und können so die Nährstoffzufuhr stark verringern.
Aus der Forschung - für die Praxis
Substrate für die Jungpflanzenanzucht im Ökogemüsebau
Die Jungflanzenanzucht für den Ökogemüsebau wird seit einigen Jahren zunehmend in Spezialbetriebe ausgelagert, die großtechnisch hergestellte Biosubstrate verwenden. Diese Substrate enthalten einen hohen Anteil an Torf, was nicht nur aus ökologischer Sicht fragwürdig ist, sondern auch qualitative Probleme mit sich bringen kann. Auch andere Komponenten (Kompost, organische Dünger, Torfersatzstoffe) und zum Beispiel eine mangelnde Reife können die Qualität der Substrate beeinträchtigen.
Mit dem Ziel, ein Biopresstopfsubstrat mit deutlich reduziertem Torfanteil für den Erwerbsgemüsebau zu entwickeln, testete der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise in Anbauversuchen torfreduzierte Substrate verschiedener Hersteller im Vergleich mit eigenen torfreduzierten und torffreien Mischungen. Das Ergebnis: "Torfersatz ist machbar! Das ist die wichtigste Botschaft unserer Forschungsarbeiten", sagt Studienleiter Dr. Uli Johannes König. "Es ist technisch kein Problem und die Ersatzstoffe, wie zum Beispiel fermentierte Holzfaser, sind nahezu grenzenlos verfügbar. Bislang mangelt es aber am Willen, den Torf durch andere Substrate im großen Stil zu ersetzen. Das muss sich in Zukunft ändern."
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Produktions- und Vermarktungssysteme im Ökogartenbau
Wie der gesamte ökologische Landbau hat sich auch der Ökogartenbau in den vergangenen Jahren in Deutschland erheblich ausgedehnt. Ein Forschungsvorhaben hat Struktur und Situation des ökologischen Gartenbaus in Deutschland analysiert. Das Projekt umfasste drei Schwerpunktstudien: Situationsanalyse, Modellbetriebe und Informationsverhalten. Die erste Studie analysiert Struktur und Situation des Ökogartenbaus in Deutschland aus sozioökonomischer Sicht. In der zweiten Studie wurden zwei Modelle typischer Betriebe für den ökologischen Gemüsebau entwickelt, anhand derer sich zum einen Angaben über den Status quo der Wettbewerbsfähigkeit der ökologischen Produktion machen lassen sollen und die zum anderen der Simulation von möglichen Politikfolgen und potentiellen Auswirkungen von Marktentwicklungen dienen sollen. In der dritten Studie wurde untersucht, welchen Einfluss das Informationsverhalten von Betriebsleitern auf die Umstellungsentscheidung und den Umstellungsverlauf haben.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis:
Warum stellen Wein-, Obst- und Gemüsebaubetriebe (nicht) auf ökologischen Anbau um?
Welche Gründe sind ausschlaggebend für oder gegen eine Betriebsumstellung auf ökologische Anbauweisen im Wein-, Obst- und Gemüsebau? Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau haben Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität die Entscheidungsfindung von Betriebsleitern unter die Lupe genommen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 01.12.2011
