Aus der Forschung: Neue Anbaustrategien für Zwiebeln
Zwiebeln pflanzen als vorbeugende Pflanzenschutzmaßnahme
Zwei Anbauverfahren sind im ökologischen Zwiebelanbau üblich: Sä- und Steckzwiebelanbau. Auf Standorten mit geringem Infektionsdruck durch Falschen Mehltau und einer ausreichenden Wasserversorgung herrscht der Säzwiebelanbau vor. Die Wirtschaftlichkeit des Anbaus wird bei diesem Verfahren durch den Falschen Mehltau und die hohen Kosten für die Unkrautregulierung begrenzt. Der Anbau von Steckzwiebeln wird vor allem auf Standorten mit höherem Infektionsdruck durch Falschen Mehltau und unsicherer Wasserversorgung praktiziert. In den letzten Jahren waren bei diesem Anbauverfahren aufgrund von Fusariosen auf manchen Anbauflächen Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent und schlechte Qualitäten zu beklagen.
Der ökologische Zwiebelanbau kann unter diesen Voraussetzungen nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Als Alternative bietet sich das Pflanzen von Zwiebeln an. Sowohl Erfahrungen von Praxisbetrieben als auch Versuchsergebnisse weisen darauf hin, dass dieses Verfahren helfen kann, Probleme im Pflanzenschutz und in der Unkrautregulierung zu lösen.
Pflanzen von Zwiebeln: kosten- und arbeitsintensiv
Aufgrund der hohen Jungpflanzen- und Arbeitskosten ist der großflächige Anbau von gepflanzten Sommertrockenzwiebeln in Deutschland bislang nicht verbreitet. Doch durch die stetige Weiterentwicklung bei der biologischen Jungpflanzenproduktion, die hohen Kosten bei der Unkrautregulierung im Säzwiebelbereich und die zunehmenden Probleme pflanzgutbürtiger Krankheiten bei biologischen Steckzwiebeln wird die Pflanzung von Säzwiebeln zunehmend interessant und in vielen gärtnerischen Betrieben praktiziert. Praxiserfahrungen und Versuchsergebnisse weisen auf folgende Vorteile des Pflanzverfahrens hin:
- Eine Übertragung pflanzgutbürtiger Krankheiten (Fusarien, Falscher Mehltau) über die Jungpflanzen wird vermieden; der Befall mit Fusarien kann gegenüber dem Steckzwiebelanbau so deutlich reduziert werden.
- Mit der Pflanzung wird eine um etwa zwei Wochen frühere Entwicklung erreicht, so dass ein Befall mit Falschem Mehltau später und damit weniger ertragsrelevant ist.
- Aufgrund des großen Sortenspektrums bei den Säzwiebeln können angepasste und tolerante Sorten gewählt werden.
- Die Qualität der Zwiebeln kann gegenüber dem Steckzwiebelanbau deutlich verbessert werden (Festigkeit, Lagerfähigkeit, Form, Halsdicke, Schalenqualität).
- Die Ertragssicherheit und die Ertragshöhe sind dem Säzwiebelanbau überlegen.
- Der Aufwand für die Unkrautregulierung ist gegenüber der Direktsaat deutlich reduziert.
Pflanzverfahren für unterschiedliche Standorte
In dem Forschungsvorhaben "Neue Anbaustrategien bei Zwiebeln als vorbeugende Maßnahme zur Vermeidung von Krankheiten (Falscher Mehltau, Fusarien) im Zwiebelanbau" wurde das Pflanzverfahren als Alternative zum Sä- und Steckzwiebelanbau geprüft. In zwei Versuchsjahren wurde auf fünf Praxisbetrieben in Bayern das jeweils betriebsübliche Anbauverfahren mit dem Pflanzverfahren unter Berücksichtigung von Pflanzabstand und Sorte (Summit und Hystar) verglichen. Am Kompetenzzentrum Bamberg wurden darüber hinaus drei Reihenabstände, drei Erdpresstopfgrößen und unterschiedliche Kornzahlen pro Topf untersucht.
In beiden Jahren und auf allen Standorten war das Pflanzverfahren hinsichtlich Ertrag und Qualität mit den anderen Verfahren konkurrenzfähig oder ihnen überlegen. Die vorbeugende Wirkung gegen Fusarium ssp. konnte mangels Auftreten in den Versuchen nicht bestätigt werden. Der Befall mit Falschem Mehltau war nur in einem Versuchsjahr auf drei Standorten mit Steckzwiebelanbau ertragsbegrenzend, so dass auch in diesem Fall keine Aussage über die Vorzüglichkeit des Pflanzverfahrens gegenüber dem Säverfahren getroffen werden kann. Der Einfluss der Sorten war in beiden Jahren uneinheitlich. Das Verfahren konnte hinsichtlich der Parameter Pflanzabstände, Topfgröße und Kornzahlen pro Topf anhand der zweijährigen Ergebnisse auch wirtschaftlich optimiert werden.
Leiter des Projekts ist Jan Plagge, gleichzeitig Geschäftsführer der Bioland Beratung. Plagge erklärte: "Vorbeugender Pflanzenschutz mittels intelligenter Produktionsverfahren ist der Königsweg im ökologischen Landbau. In dem Praxisprojekt haben wir auf Anregung eines Landwirts ein solches Verfahren für den Falschen Mehltau im Zwiebelanbau erprobt. Die Versuche der Praxisbetriebe haben gezeigt, dass man mit einer bewussten Sortenwahl und neuen Anbaustrategien auch bei hohem Befallsdruck erfolgreich Biozwiebeln produzieren kann. Das neue Pflanzverfahren hat sich auf bestimmten Standorten bereits etabliert."
Ergebnisse im Detail: Forschungsfragen und Antworten
Welche Jungpflanzenform (Topfgröße, Pflanzen pro Topf) eignet sich für den Anbau von Sommertrockenzwiebeln?
Die Versuche haben gezeigt, dass sich verschiedene Erdpresstopfgrößen für den Zwiebelanbau eignen. Aus wirtschaftlicher Betrachtung ist ein möglichst kleiner Erdpresstopf vorzuziehen. Dabei muss jedoch die optimale Pflanzbarkeit berücksichtigt werden. Zwiebelpflanzgut ist aufgrund seines oft nur geringen Laubes nicht für jede Pflanztechnik geeignet. Sowohl in den Versuchen als auch im begleitenden Praxisanbau wurden gute Erfahrungen mit dem 3er Erdpresstopf und Speedies gemacht. Die Pflanzenanzahl scheint mit sechs bis sieben Pflanzen pro Topf optimal zu sein. Bei höherem Kornbesatz steigt die Gefahr, dass einzelne Pflanzen verkümmern. Geringere Pflanzenzahlen pro Topf sind bei engeren Pflanzabständen möglich, bieten jedoch nur wenig pflanzenbauliche Vorteile und führen zu hohen Pflanzkosten.
Welche Bestandesdichten (Reihenabstände, Töpfe pro laufenden Meter) versprechen gute Erträge bei ausreichender Sortierung?
Der optimale Pflanzabstand richtet sich sowohl nach der angestrebten Sortierung als auch nach der Ertragsfähigkeit des Standorts. In den Versuchen konnten im dreireihigen Anbau mit dem Pflanzabstand von 37,5 Zentimeter mal 20 Zentimeter gute Marktsortierungen erreicht werden. Bei ertragsschwächeren Standorten beziehungsweise einem erhöhten Risiko des Befalls mit Falschem Mehltau sollte der Abstand in der Reihe auf 25 Zentimeter erhöht werden.
Reihenabstände unter 30 Zentimeter sind aufgrund der Unkrautregulierung nicht zu empfehlen. Weitere Reihenabstände von bis zu 50 Zentimetern bei Beetbreiten von 180 Zentimetern und darüber hinaus stellten sich in den Versuchen bei entsprechend engeren Pflanzabständen in der Reihe als nicht nachteilig heraus.
Welche Sorten eignen sich für das Pflanzverfahren (Toleranz gegenüber Falschen Mehltau, Entwicklungszeit, Qualitäten)?
Die untersuchten Sorten Summit F1 und Hystar F1 zeigten sich in den Versuchen auf den verschiedenen Standorten uneinheitlich. Sie wiesen ähnliche Eigenschaften wie im Säzwiebelanbau auf. Im Rahmen der Versuche trat nur wenig Falscher Mehltau auf; daher konnte die Toleranz gegenüber der Pflanzenkrankheit nur unzureichend festgestellt werden.
Die äußere Qualität der Sorten war vergleichbar. Aus dem begleitenden Praxisanbau kann geschlossen werden, dass aufgrund des frühen Saatzeitpunktes beim Pflanzverfahren in der Sortenauswahl besonders die Schosstoleranz berücksichtigt werden muss.
Wie verhält sich der Aufwand bei der Unkrautregulierung beim Pflanzverfahren gegenüber dem Anbau von Steckzwiebeln und Säzwiebeln?
Der Aufwand für die Unkrautregulierung lag in beiden Jahren und auf allen Standorten auf dem Niveau des Steckzwiebelanbaus. Im großflächigen Anbau waren auf den Praxisbetrieben 50 Arbeitskraftstunden pro Hektar (AKh/ha) für die Handhacke ausreichend. Der Aufwand für die Maschinenhacke lag auf dem gleichen Niveau wie bei Sä- und Steckzwiebeln. Der Säzwiebelanbau wies einen Aufwand von 250 bis 300 AKh/ha auf.
Kann der Befall mit Fusarium ssp. beim Pflanzverfahren gegenüber dem Steckzwiebelverfahren reduziert werden?
Aufgrund des geringen beziehungsweise nicht vorhandenen Befalls im Rahmen der Versuche kann diese Frage nicht beantwortet werden. Im ersten Versuchsjahr trat Befall mit Fusarium ssp. mit etwa 50 Prozent auf einem Standort auf. Dort konnten jedoch eindeutig der staunasse Standort und die Vorfrucht Zwiebel als Auslöser identifiziert werden. Wichtig ist dennoch, dass in diesem Fall kein Unterschied zwischen dem Befall bei Steckzwiebeln und Pflanzzwiebeln beobachtet werden konnte.
Kann der Ertragsausfall aufgrund von Falschem Mehltau durch das Pflanzverfahren gegenüber dem Säzwiebelverfahren reduziert werden?
Aufgrund des unzureichenden Befallsdrucks im Rahmen des Projektes kann keine Aussage getroffen werden. In einem Versuchsjahr war der Befall mit Falschem Mehltau nur auf den Praxisbetrieben mit dem Vergleichsverfahren Steckzwiebeln ertragsbegrenzend.
Wie hoch sind die Ertragssicherheit und die Ertragshöhe beim Pflanzverfahren im Vergleich zum Anbau von Steckzwiebeln und Säzwiebeln?
Die Erträge waren beim Pflanzverfahren vergleichbar mit den anderen Verfahren. Bei nicht optimalen Aussaatbedingungen war das Pflanzverfahren den Säzwiebeln signifikant überlegen. Die Ertragssicherheiten des Pflanzverfahrens und des Steckzwiebelanbaus sind bei guten Steckzwiebelqualitäten vergleichbar. Das Anbaurisiko ist beim Säverfahren aufgrund von Unsicherheiten bei der frühzeitigen Befahrbarkeit, dem Feldauflauf und der Unkrautregulierung deutlich höher.
Ist das Pflanzverfahren wirtschaftlich im Vergleich zu den anderen Verfahren?
Die Kosten beim Pflanzen von Zwiebeln liegen bei der Nutzung von kostengünstigen Pflanzenformen (Speedies oder 3er Erdpresstopf) und rationeller Pflanztechnik auf dem Niveau des Steckzwiebelanbaus. Um die Mehrkosten von rund 1.000 Euro pro Hektar gegenüber dem Säzwiebelverfahren zu decken, sind bei einem Preisniveau von 30 Euro pro Dezitonne Mehrerträge von mindestens 30 Dezitonnen pro Hektar nötig. Auf optimalen Standorten für den Ökozwiebelanbau sind diese Mehrerträge im Durchschnitt der Jahre wahrscheinlich nicht zu realisieren. Die Versuche haben gezeigt, dass unter den Bedingungen der Projektbetriebe der höhere Ertrag im Schnitt der Jahre möglich ist.
Letzte Aktualisierung: 01.12.2011




