Kohl

- Die mechanische Unkrautregulierung im Blumenkohl hat auch positive Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung: Der Boden wird gelockert und so die Sauerstoffversorgung der oberen Bodenschichten verbessert.
Foto: Lichtenhahn, FiBL
Kohl ist eine vielfältige Gemüsefamilie mit zwei für den Anbau wichtigen gemeinsamen Eigenschaften: Kohlarten sind anfällig für die Kohlhernie und brauchen für eine optimale Entwicklung eine reichliche Stickstoffversorgung.
Fruchtfolge
Um der Kohlhernie vorzubeugen, muss zwischen Kreuzblütlern eine Anbaupause von mindestens vier Jahren eingehalten werden. Wo Kohlarten in der Fruchtfolge vorkommen, sollten Kreuzblütlerarten, wie Senf oder Ölrettich, als Gründüngung nicht angebaut werden. Alle Kohlarten gedeihen in einer Bio-Fruchtfolge am besten nach Umbruch eines einjährigen Leguminosengemenges. Stehen Kohlarten nicht an dieser privilegierten Stelle in der Fruchtfolge, so ist wenigstens eine Leguminosen-Zwischenkultur als Vorfrucht empfehlenswert.
Sortenwahl
Folgende Sorten sind im Bioanbau empfehlenswert (Auswahl):
- Blumenkohl: Aviso, Fremont
- Brokkoli: Marathon*, Fiesta*, Monterey
- Weißkohl (Lager): Lennox, Kalorama
- Rotkohl (Lager): Rodon, Subaro*
- Wirsing: Famosa* (Sommer), Wirosa (Herbst), Alaska (Winter)
(* aus Biovermehrung erhältlich)
Aus der Forschung - für die Praxis:
Vergleichende Qualitätsuntersuchungen an alten und neuen Gemüsesorten
Am Beispiel der Gemüsearten Möhren und Kohl haben Mitarbeiter von Kultursaat e.V. und der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen vergleichende Qualitätsuntersuchungen an alten und neuen Sorten durchgeführt. Ein Schwerpunkt lag auf der Erfassung der sensorischen Qualität der Sorten. Die Untersuchungen fanden im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau statt. Neben einer ausführlichen Beschreibung der Qualitätsparameter der einzelnen Sorten umfasst der Bericht Hinweise auf Zuchtziele für den ökologischen Gemüsebau.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Weiterentwicklung samenfester Chinakohl-Sorten
Das Angebot an samenfesten Chinakohl-Sorten für den Erwerbsgartenbau ist sehr gering. Die Verwendung von Hybridsorten wird im ökologischen Landbau jedoch zunehmend kritisch gesehen. In einem Forschungsvorhaben sollten samenfeste Chinakohlsorten mit guter Homogenität und marktfähigen Eigenschaften aus alten, zum Teil aus Genbanken entnommenen Sorten für den Erwerbsgartenbau entwickelt werden.
Näheres zum Projekt:
Düngung
Um eine ausreichende Ertragsbildung zu gewährleisten, muss die Kohlpflanze genügend Grünmasse aufbauen. Dafür braucht sie ausreichend Stickstoff: Brokkoli und Blumenkohl benötigen für einen guten Ertrag während der rund zwölf Wochen Standzeit auf dem Feld im Bio-Anbau pro Hektar rund 220 Kilogramm Stickstoff, während Kopfkohlarten, wie zum Beispiel Lagerkohl, in etwa 18 Wochen auch mit 160 Kilogramm Stickstoff einen ansprechenden Ertrag bilden können.
Gute Voraussetzungen für eine ausreichende Stickstoffversorgung ist ein überjähriger Kleegrasbestand, welcher rechtzeitig umgebrochen wird. Wo Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen, kann eine Gabe mit gut verrottetem Mist (z.B. 20 t/ha) oder eine Güllegabe (1:1 verdünnt) von 30 m3 pro Hektar vor der Pflanzung, idealerweise über das geackerte Feld, ausgebracht werden. So kann der Phosphor- und Kaliumbedarf weitgehend gedeckt werden.
Um den Stickstoff-Bedarf ausreichend abzudecken, werden weitere 80 bis 100 Kilogramm Stickstoff mit organischen Handelsdüngern ausgebracht.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Wirksamkeit von Handelsdüngern pflanzlicher Herkunft
Auch Düngemittel aus heimischen Leguminosen können den Stickstoffbedarf stark zehrender Gemüsekulturen decken. Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau verglichen Forscher an der Universität Kassel die Wirkung im Ökolandbau zugelassener Handelsdünger an Weißkohl, Möhren und Radieschen.
Näheres zum Projekt:
Umsatz und Wirkung vegetabiler Düngemittel im ökologischen Gemüseanbau (BÖL-Projekt Nr. 02OE169)
Unkrautregulierung
Kohlarten werden in der Regel über Jungpflanzen angebaut. Dies erleichtert die Unkrautregulierung wesentlich. Auf Parzellen mit großem Unkrautdruck kann mit der Pflanzbettbereitung eine Unkrautkur gemacht werden. Nach der Pflanzung wird, sobald das Unkraut im Keim- bis Zwei-Blattstadium ist, mit einer Scharhacke zwischen den Reihen bearbeitet. In den Reihen ist oft ein Durchgang von Hand notwendig.
Sobald die Pflanzen gut verwurzelt sind, kann auch mit einer Fingerhacke in der Reihe gearbeitet werden. Ab 15 bis 20 Zentimeter Größe können Unkräuter durch Anhäufeln beseitigt werden. In intensiv gemüsebaulich genutzten Böden sind drei bis vier Hackdurchgänge üblich. Hacken bringt Luft in die oberen Bodenschichten und beeinflusst dadurch das Wachstum der Kulturen positiv.
Pflanzenschutz
Adernschwärze (Xanthomonas campestris)
Vorbeugende Maßnahmen:
- Gesundes Saatgut (Warmwasserbehandlung durch Saatgutproduzenten) und Pflanzgut verwenden.
- In Regionen mit starkem Befall Kohlarten im Frühjahr statt im Sommer/Herbst anbauen. Brokkoli anstelle von Blumenkohl anbauen.
- Pflanzdichte unter vier Pflanzen pro Quadratmeter.
- Ausbreitung von Kreuzblütler-Unkräutern (z.B. Hirtentäschel) in Gründüngungen vermeiden (z.B. durch Säuberungsschnitt).
- Felddurchgänge auf ein Minimum reduzieren und nur bei abgetrocknetem Laub durchführen.
- Erntereste oberflächlich einarbeiten.
- Keine Kreuzblütler-Zweitkultur auf der Parzelle im gleichen Jahr.
- Sofern möglich auf Überkopfberegnung verzichten.
Direkte Maßnahmen:
Direkte Maßnahmen sind nicht möglich.

- Um Kohlhernie zu vermeiden, müssen zwischen Kohlarten Anbaupausen von mindestens vier Jahren eingehalten werden. Mittlerweile sind auch die ersten kohlhernieresistenten Sorten auf dem Markt.
Foto: Lichtenhahn, FiBL
Kohlhernie
Vorbeugende Maßnahmen:
- Anbaupause von mindestens vier Jahren einhalten.
- kein Anbau auf staunassen Böden
- Bei Boden-pH unter 6.5 aufkalken (Teilgaben vor der Kultur wirken besser als eine einmalige Gabe).
- Gründüngungen mit Roggen oder Weidelgras (Lolium sp.) im Sommer können das Befallsrisiko senken.
- Befallene Stellen, sofern möglich, zuletzt bearbeiten. Maschinen nach Gebrauch reinigen.
- Bei Befall: Mindestens sieben Jahre den Anbau von allen Kreuzblütler-Arten unterbrechen.
- resistente Sorten verwenden
Direkte Maßnahmen:
- keine möglich
Raupen: Kohleule (Mamestra brassicae), Kohlweißlinge (Pieris brassicae, P. rapae), Kohlmotte oder Kohlschabe (Plutella xylostella)
Vorbeugende Maßnahmen:
- Bodenbearbeitung im frühen Frühjahr dezimiert überwinternde Puppen.
- Anbau auf windoffenen Parzellen.
- Parasitierende Nutzinsekten (Schlupfwespen) durch Anlegen von extensiven Wiesen und Buntbrachen (Blühstreifen) in unmittelbarer Parzellennähe fördern.
- Kulturen vor der ersten Eiablage mit Insektenschutznetz (maximale Maschenweite 1,3 Millimeter, z.B. "Bionet", "Rantai K") bedecken.
- Zur frühzeitigen Befallserkennung Bestände regelmäßig kontrollieren (insbesondere Blumenkohl und Brokkoli!).
Direkte Maßnahmen:
- Pflanzenschutzmittelbehandlung mit: Bacillus thuringensis (BT) var. kurstaki oder Pyrethrin. BT nicht mit Pyrethrin mischen. Die Beimischung von einem Prozent Vinasse oder Zucker fördert die Fresslust der Raupen. Bessere Wirkung bei Temperaturen über zwölf Grad Celsius.
Aus der Forschung - für die Praxis
Regulierung von Eulenraupen im Kohl durch Baculoviren
Die Larven des Nachtfalters Kohleule (Mamestra brassicae) können Kohl und weitere Gemüsekulturen erheblich schädigen. Ein Forschungsvorhaben hat ein biotechnisches Verfahren zur Regulierung der Kohleulenraupe entwickelt und überprüft.
Näheres zum Projekt:
Biologische Kontrolle von Eulenraupen im Kohl mittels Baculoviren

- Die Mehlige Kohlblattlaus wird durch eine rasche Entwicklung von Nützlingen wie der Marienkäferlarve wirkungsvoll kontrolliert.
Foto: Lichtenhahn, FiBL
Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae)
Vorbeugende Maßnahmen:
- Blattlausfreie Jungpflanzen verwenden.
- Jungpflanzen im Anzuchtbeet (Freiland) mit Insektenschutznetzen (Maschenweite < 1.3 Millimeter) schützen.
- Optimale Bodenstruktur und ausreichende Nährstoffversorgung (v.a. Kalium)
- Mittelfristig: Förderung der natürlichen Nützlingspopulationen (parasitierende Schlupfwespen, Marienkäfer) durch Anlegen von an Gemüsefelder grenzende Buntbrachen (Blühstreifen).
- Befallene Erntereste zerkleinern und einpflügen.
- Bei Trockenheit Bewässerung, um Wachstum der jungen Pflanzen zu fördern.
Direkte Maßnahmen:
- Regelmäßige Bestandeskontrollen in den ersten vier Wochen nach der Pflanzung
- Als Pflanzenschutzmittel wirken z. B. Kaliseife und Pyrethrin
- Pflanzenschutzmittelbehandlung ist nur wirkungsvoll, solange die Blätter nicht eingerollt sind.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Blattlausresistente Kohlsorten
Der Einsatz blattlausresistenter Kohlformen könnte die Anwendung anderer Maßnahmen zur Kontrolle der Mehligen Kohlblattlaus überflüssig machen. Bisher stehen jedoch keine blattlausresistenten Genotypen zur Verfügung. Um der Züchtung resistenter Kohlformen etwas näher zu kommen, haben Wissenschaftler der Bundesanstalt für Züchtungsforschung im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau 275 verschiedene Kohl-Genotypen auf Resistenz gegen die Mehlige Kohlblattlaus untersucht. Dabei wurden einige Kohlformen mit Resistenzeigenschaften gefunden.
Näheres zum Projekt:
Überprüfung zahlreicher Kohlformen auf Resistenz gegen die Mehlige Kohlblattlaus (FKZ 02OE031)
Erdflöhe (Phyllotreta sp.)
Vorbeugende Maßnahmen:
- Pflanzbett nicht zu fein herrichten!
- Für rasches Wachstum der gepflanzten Setzlinge sorgen.
- Kulturen direkt nach dem Pflanzen vor dem erstem Auftreten der Käfer mit Insektenschutznetz (Maschenweite 0,8 mal 0,8 Millimeter, zum Beispiel "Rantai S 48") oder Vlies bedecken.
- Bei Trockenheit bewässern.
Direkte Maßnahmen:
Behandlungen gegen Blattläuse zum Beispiel mit Pyrethrin gemischt mit Kaliseife wirken teilweise auch gegen Erdflöhe.
Kohlfliege (Delia brassicae)
Vorbeugende Maßnahmen:
- Fruchtfolge: Anbaupause von vier Jahren einhalten und Nähe von vorjährigen Kohlfeldern meiden.
- Kein frischer Mist direkt zur Kultur
- Tief pflanzen
- Fördern von räuberischen Nützlingen, wie Kurzflügler, Schlupfwespen und Spinnenarten durch Anlegen von dauerhaften Nützlingsstreifen (z.B. Buntbrachen)
- Gut anhäufeln, um Seitenwurzelbildung zu fördern.
- Zuflug von Kohlfliegen mit Insektenschutznetzen (Maschenweite 1,3 Millimeter) oder im Frühjahr mit Vliesabdeckung verhindern.
- Regelmäßige Befallskontrolle (Eiablage am Wurzelhals)
Im Bio-Anbau sind keine Pflanzenschutzmittel gegen die Kohlfliege zugelassen.
Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella)
In den letzten Jahren hat die Kohlmottenschildlaus zunehmend Probleme verursacht, vor allem an Rosenkohl, Grünkohl und Wirsing. Die Schäden sind dabei weniger durch die Saugtätigkeit verursacht, sondern durch die Wachs- und Honigtauausscheidungen, auf denen sich Schwärzepilze ansiedeln und somit das Erntegut verunreinigen. Auch die anhaftenden Larven der Kohlmottenschildlaus am Erntegut führen häufig zu Reklamationen im Handel und beim Endkunden.
Vorbeugende Maßnahmen:
- Weite Fruchtfolge: Anbaupause von vier Jahren einhalten und Nähe von vorjährigen Kohlfeldern meiden
- kein Anbau in Rapsnähe oder neben Erdbeerfeldern
- sofortiges Einarbeiten befallener Kohlbestände nach der Ernte
- befallsfreie Jungpflanzen verwenden, ggf. Tauchen der Jungpflanzen in zulässige Pflanzenschutzmittel
- engmaschiges Kulturschutznetz (Maschenweite 0,8 x 0,8 Millimeter) zu Kulturbeginn auflegen, Ränder immer gut verschließen
Direkte Maßnahmen:
In jungen Beständen ist der Einsatz von Pyrethrin oder Pflanzenölen möglich. Die Tiere müssen aber direkt getroffen werden, was in hohen Beständen nur schwer möglich ist.
Aus der Forschung - für die Praxis
Regulierung der Kohlmottenschildlaus
Die Kohlmottenschildlaus entwickelt sich zunehmend zu einem Problem im ökologischen Kohlanbau. Durch eine stetige flächenmäßige Ausbreitung und die Besiedlung immer neuer Kulturen (insbesondere Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing, Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi u.a.) müssen von den Anbauern starke Qualitäts- und Gewichtsverluste hingenommen werden. Forscher der Universität Kassel haben eine Abwehrstrategie entwickelt: Mit einer Kombination aus sehr feinmaschigen Netzen und dem Einsatz von Schlupfwespen können Ökobauern den Praxisversuchen zufolge gute Erfolge erzielen. "Wenn der Bauer die Weiße Fliege, wie wir Praktiker die Kohlmottenschildlaus nennen, als deutlichen Befall wahrnimmt, ist es in der Regel zu spät. Dann ist die Population so stark, dass ganze Kulturen verloren sind", sagt Dr. Helmut Saucke von der Universität Kassel. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass dem Schädling mit Schlupfwespen erfolgreich beizukommen ist. Entscheidend ist allerdings, dass diese Gegenspieler sehr frühzeitig ins Feld gebracht werden – sobald die Setzlinge gegen Ende Mai gepflanzt sind und allererster Befall sichtbar wird. Erste Versuchsergebnisse deuten darauf hin, dass damit die sprunghafte Vermehrung der Kohlmottenschildlaus wirkungsvoll unterbunden werden kann."
Näheres zum Projekt:
Weitere Informationen:
Letzte Aktualisierung: 01.12.2011

