Aus der Forschung: Säzwiebelanbau
Produktion steigern und Qualität verbessern
Wie lässt sich die Wirtschaftlichkeit des ökologischen Säzwiebelanbaus verbessern? Eine standortgerechte Nährstoffversorgung und eine den ökologischen Anbaubedingungen entsprechende Sortenwahl sind entscheidende Faktoren. Auch die Anbauform - Steckzwiebeln beziehungsweise gepflanzte Säzwiebeln - und die Lagerfähigkeit der Zwiebeln spielen eine wichtige Rolle. Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) beschäftigte sich im Rahmen des Forschungsprojektes "Intensivierung der Produktion und Verbesserung der Qualität bei Säzwiebeln durch Sortenwahl und Düngungsstrategien" mit dieser Thematik. In drei Jahren wurden Feld- und Lagerversuche zur Optimierung des ökologischen Zwiebelanbaus unter norddeutschen Bedingungen durchgeführt. Dabei gingen die Forschenden in vier Teilprojekten verschiedenen Fragestellungen nach.
Teilprojekt "Standortgerechte Nährstoffversorgung"
Bei der Produktion von Säzwiebeln im ökologischen Anbau gibt es immer wieder Bestände, die ein zögerliches Wachstum oder geringe Bestandesdichten und dementsprechend niedrige Erträge aufweisen. Bei der Suche nach möglichen Ursachen hierfür werden häufig Fragen der Nährstoffversorgung diskutiert. In diesem Teilprojekt prüften die Forschenden in den drei Versuchsjahren die Höhe des notwendigen Stickstoffangebotes für Säzwiebeln, Unterschiede in der Wirkung organischer Handelsdünger pflanzlicher und tierischer Herkunft sowie den Einfluss weiterer Düngungsmaßnahmen (Phosphor, Kalium, Schwefel, Spurenelemente und pH-Wert des Oberbodens).
Im ersten Versuchsjahr reichte bei einem mittleren Ertragsniveau von 320 bis 350 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) eine Aufdüngung auf 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar (kg N/ha) zur Saat aus. Die Art des für die Aufdüngung verwendeten Düngers (Haarmehlpellets aus tierischer Herkunft oder Phytoperls aus pflanzlicher Herkunft hatte keinen Einfluss.
Bei relativ niedrigem Ertragsniveau (265 bis 300 dt/ha) reichte im zweiten Kulturjahr der Nmin-Vorrat des Bodens (16 kg N/ha in 0-30 cm zur Saat) plus Stickstoff-Mineralisation zur Deckung des Stickstoffbedarfes aus. Trotz langjährig viehlosem Betrieb ohne Misteinsatz und niedrigem Phosphatversorgungsgrad konnte weder durch Phosphatdüngung noch durch Spurenelementdüngung eine Ertragssteigerung erzielt werden. Auch eine Variation des Kalium- oder des Schwefelangebotes hatte keinen Einfluss auf den Ertrag.
Im dritten Kulturjahr war bei niedrigem Ertragsniveau (260 bis 275 dt/ha) ebenfalls kein Einfluss einer Stickstoffdüngung auf Ertrag oder Qualität festzustellen. Auch der Einsatz weiterer Haupt- und Spurennährstoffe (Kalium, Schwefel, Spurenelemente, Kalk zur pH-Anhebung zur Keimung) hatte keinen Einfluss auf den Ertrag. Offensichtlich waren alle Nährstoffe für das niedrige Ertragsniveau ausreichend.
Insgesamt kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass die Ursache schwacher Zwiebelbestände häufig nicht in der Nährstoffversorgung zu suchen ist. In den drei Jahren wurde nur im ersten Jahr ein mittleres Ertragsniveau erreicht, in den beiden anderen Versuchsjahren war das Niveau trotz guter Nährstoffangebote niedrig. Es konnte auch nur im ersten Jahr ein Effekt der Stickstoffdüngung festgestellt werden. Selbst bei höherem Ertragsniveau gehen die Forschenden davon aus, dass eine Aufdüngung auf 90 kg N/ha ausreichen müsste. Ein solches Stickstoffniveau wird in der Regel von den Praxisbetrieben durch den Einsatz von organischen Handelsdüngern sichergestellt.
Viele Anzeichen deuten nach Ansicht der Forschenden darauf hin, dass die Ursache schwach wachsender Zwiebelbestände Schäden durch Nematoden sind; dieser Frage sollte zukünftig verstärkt nachgegangen werden.
Teilprojekt "Sorteneignung"
In diesem Teilprojekt untersuchten die Forschenden in den drei Versuchsjahren jeweils elf beziehungsweise zwölf Säzwiebelsorten auf ihre Eignung für den ökologischen Anbau unter norddeutschen Klimabedingungen. Dabei prüften sie die Vorbelastung des Saatguts mit pilzlichen Krankheitserregern, ob Sortenunterschiede im Auftreten von Falschem Mehltau auf dem Feld festzustellen sind, inwieweit sich die Sorten in Ertrag und Qualität unterscheiden und ob sich die Frühzeitigkeit von Sorten bei frühem Auftreten von Falschem Mehltau positiv auf den Ertrag auswirkt.
Die bei wenigen Sorten festgestellte Saatgutbelastung mit Fusarium ssp. hatte keinen Einfluss auf den Feldaufgang dieser Sorten und führte auch nicht zu einem erhöhten Anteil fauler Zwiebeln zur Ernte. Es handelte sich vermutlich nicht um den Erreger der Zwiebelbasalfäule Fusarium oxysporum f. sp. cepae. Auch die an manchen Saatgutpartien festgestellten Belastungen mit anderen Pilzen führten nicht zu Problemen in der Kultur.
In den ersten beiden Versuchsjahren trat während der Kulturzeit Falscher Mehltau auf. Das in diesen beiden Jahren geprüfte Sortiment von Säzwiebeln Rijnsburger Typen beziehungsweise Rijnsburger x Amerikaner zeigte keine Resistenzen oder Toleranzen gegen Falschen Mehltau. Auch "Balaton" und "Bajosta", die speziellen Züchtungen für den ökologischen Anbau, waren anfällig. Im dritten Versuchsjahr, als drei mehltauresistente Neuzüchtungen mit angebaut wurden, trat kein Falscher Mehltau auf.
Das Ertragsniveau lag im ersten Versuchsjahr durch frühes Auftreten von Falschem Mehltau insgesamt niedrig (ca. 200 bis 300 dt/ha), im zweiten Jahr mit knapp 300 bis 370 dt/ha im mittleren Bereich und im dritten Jahr mit 340 bis 440 dt/ha im mittleren bis guten Bereich. Tendenziell wiesen die im norddeutschen Raum bewährten und häufig angebauten Sorten "Summit" und "Profit" die höchsten Erträge auf. Aber auch die drei geprüften samenfesten Sorten "Bajosta", "Balaton" und "Balstora" lagen in Ertrag und Qualität durchaus im mittleren bis guten Bereich des Spektrums und konnten mit den F1-Hybriden konkurrieren.
Ob das Sortenspektrum in den nächsten Jahren durch mehltauresistente Neuzüchtungen verändert wird, konnten die Forschenden nicht beurteilen. Erste Ergebnisse zeigten keine Ertragsvorteile in Jahren ohne Falschen Mehltau. Bei frühem Auftreten ist jedoch ein deutlicher Mehrertrag zu erwarten.
Teilprojekt "Vergleich Steckzwiebeln - gepflanzte Säzwiebeln"
In den ersten beiden Versuchsjahren verglichen die Forschenden in diesem Teilprojekt bei den Sorten "Sturon" und "Summit" den Anbau von Steckzwiebeln und gepflanzten Säzwiebeln. Geprüft wurden unterschiedliche Bestandesdichten und unterschiedliche Aussaatstärken pro Topf bei Anzucht im 4 cm Erdpresstopf.
In beiden Jahren trat Falscher Mehltau ab Anfang Juli auf, bei den Steckzwiebeln etwas früher und stärker als bei den gepflanzten Säzwiebeln. Ein Einfluss der Bestandesdichte war nicht feststellbar. Der Befall breitete sich rasch aus und spätestens Anfang August war sowohl bei den Steckzwiebeln als auch bei den Säzwiebeln das Laub vollständig abgestorben. Das Ertragsniveau der guten Varianten war mit rund 400 bis 600 dt/ha insgesamt hoch. Bei 90 Pflanzen pro Quadratmeter war es tendenziell etwas höher als bei 60 Pflanzen pro Quadratmeter. Die Steckzwiebelsorte "Sturon' erzielte höhere Erträge als die gepflanzten Säzwiebeln, während die Säzwiebelsorte "Summit" höhere Erträge aufwies als die Steckzwiebeln. Eine Anhebung der Aussaatstärke von fünf auf acht Korn pro Topf führte tendenziell bei gleicher Bestandesdichte zu etwas geringeren Erträgen durch kleine Sortierung.
Insgesamt zeigte sich nach zwei Versuchsjahren, dass mit gepflanzten Säzwiebeln gegenüber Steckzwiebeln vergleichbare oder auch höhere Erträge erzielt werden können. Es scheint aber Unterschiede in der Eignung der Sorten für eine Vorkultur im Topf und anschließende Pflanzung zu geben. Deshalb wurden im dritten Versuchsjahr vier verschiedene Sorten auf ihre Eignung zur Aussaat mit sieben Korn pro Topf und Pflanzung geprüft. Dabei wurde bei zwei Sorten die Größe des Anzuchtsystems variiert.
Mit den Säzwiebelsorten "Summit" und "Balstora" konnten bei Vorkultur im 4 cm Erdpresstopf und nachfolgender Pflanzung Erträge um 500 dt/ha erreicht werden. Das Pflanzenwachstum der beiden Sorten wurde jedoch durch Falschen Mehltau etwa Ende Juli beendet. Die beiden mehltauresistenten Neuzüchtungen "BGS 236" und "BGS 237" blieben in diesem Versuch trotz hohen Befallsdrucks völlig mehltaufrei. Sie konnten mit 750 bis 780 dt/ha ein deutlich höheres Ertragsniveau erreichen. Der Mehrertrag wurde durch einen hohen Anteil Zwiebeln in den Größensortierungen 60 bis 70 und über 70 Millimeter Durchmesser erzielt. Eine Verkleinerung des Anzuchtsystems führte bei "Summit" und "Balstora" zu geringeren Erträgen.
Insgesamt kamen die Forschenden zu dem Schluss, dass gepflanzte Säzwiebeln für die Praxis eine Alternative zu Steckzwiebeln darstellen - sowohl in der Frühzeitigkeit als auch im Ertragsniveau. Nach Ansicht der Forschenden bieten vorkultivierter Säzwiebeln eine größere Sicherheit. Probleme, wie sie bei der Verfügbarkeit und Qualität der Steckzwiebeln durch die Vermehrungsbedingungen im Vorjahr oder auch die Lagerung auftreten können, sind bei Saatgut viel geringer. Zwar besteht beim Zukauf von Jungpflanzen die Gefahr, Krankheiten in den Betrieb hineinzubringen, doch die Forschenden schätzen sie gegenüber der Verwendung von Steckzwiebeln als geringer ein.
Teilprojekt "Einfluss von Sorte und Düngung auf Lagerungsfähigkeit und Austrieb"
In diesem Teilprojekt gingen die Forschenden der Frage nach, welchen Einfluss Sorte und Düngung auf den Anteil marktfähiger Zwiebeln bei langer Lagerung unter Praxisbedingungen haben und ob es Unterschiede im Austriebsverhalten der Zwiebeln nach der Auslagerung gibt.
In beiden Versuchsjahren wiesen die Zwiebeln sowohl aus dem Sortenscreening als auch aus dem Düngungsversuch eine gute Lagerfähigkeit auf. Die Gewichtsverluste lagen während der Lagerung bei drei bis fünf Prozent. Ausfallursache für nicht marktfähige Zwiebeln war in erster Linie Austrieb im Lager, im ersten Versuchsjahr zusätzlich auch etwas Fäulnis, im zweiten Versuchsjahr einige weiche oder auch glasige Zwiebeln. In beiden Jahren zeigten die Sorten "Hytech" und "Hyfort" eine geringe Neigung zum Austrieb nach Auslagerung. Bei anderen Sorten war die Neigung zum Austrieb zwischen beiden Jahren unterschiedlich. Die Düngevarianten hatten keinen Einfluss auf das Lagerverhalten. Nach der Auslagerung zeigte sich bei Varianten mit geringerer Kalium- und Schwefelversorgung eine stärkere Neigung zum Austrieb.
Insgesamt konnten die Forschenden nach zwei Jahren noch keine eindeutige Aussage über den Einfluss der Sorte oder Nährstoffversorgung während der Kulturzeit auf den Austrieb von Zwiebeln nach der Auslagerung treffen. Zwischen den Jahren und zwischen den Anbauorten einer Sorte gab es jedoch deutliche Unterschiede.
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Letzte Aktualisierung: 01.12.2011



