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Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN)

Nadine Liebig
Bahnhofstraße 15
D-27374 Visselhövede
Telefon: 04262 95 93-16
Fax: 04262 95 93-77
E-Mail: n.liebig@oeko-komp.de
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Zwiebeln pflanzen - eine Alternative im ökologischen Zwiebelanbau

 
Zwiebelpflanze, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Die Zwiebeljungpflanzen werden im Erdpresstopf im Gewächshaus vorgezogen und im Zwei bis Drei-Laubblattstadium ins Freiland gepflanzt.
Foto: N. Liebig, Ökoring e.V.

Der Anbau von Sommer-Speisezwiebeln über vorkultivierte Jungpflanzen bietet im ökologischen Zwiebelanbau eine gute Alternative zu gesäten Zwiebeln und Steckzwiebeln. Im ökologischen Anbau ist die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Anbau gesundes Saat- bzw. Pflanzgut. Steckzwiebeln sind häufig mit pilzlichen Erregern wie Falschen Mehltau oder Fusarium oxysporum befallen und haben somit ein erhöhtes Risiko, von diesen Krankheiten befallen zu werden. Der Falsche Mehltau ist die bedeutendste Krankheit und der entscheidende ertragsbegrenzende Faktor im ökologischen Zwiebelanbau. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Krankheit bei Steckzwiebeln meistens früher auftritt als bei gesäten Zwiebeln. Steht kein gesundes, ungebeiztes Steckzwiebelmaterial zu Verfügung, kann alternativ über den Einsatz des Pflanzverfahrens nachgedacht werden. In Zusammenarbeit mit Ulrike Weier von der LVG Ahlem untersuchten der Ökoring e. V. und das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) das neue Anbausystem im Rahmen eines BLE-Forschungsprojektes über mehrere Jahre (2004-2006).

Das Kulturverfahren über Jungpflanzen bringt im ökologischen Zwiebelanbau entscheidende Vorteile mit sich: Eine bessere Ertragssicherheit und eine deutliche Reduzierung der intensiven manuellen und maschinellen Unkrautbekämpfung (vor allem kostenintensive Jätestunden können im erheblichen Umfang verringert werden). Zudem bietet sich durch die Frühzeitigkeit die Vermarktung als Bundzwiebel an.

Beim Zwiebelanbau über Jungpflanzen können prinzipiell die gleichen Sorten wie bei der Direktsaat verwendet werden. Die Anzucht findet im 3 cm-Erdpresstopf oder im "Speedy" statt. Pro Topf werden sieben bis acht Korn abgelegt. Die Aussaat erfolgt im Februar/März im Jungpflanzenbetrieb. Gepflanzt wird so früh wie möglich, das heißt Mitte März bis Mitte April. Die Anzuchtzeit dauert etwa vier bis sechs Wochen. Die Bodenvorbereitung und Düngung ist die gleiche wie bei gesäten Zwiebeln. Gepflanzt wird im Zwei- bis Drei-Blattstadium. Durch das Pflanzmaschinensystem wird vorgegeben, mit welcher Pflanzgröße gepflanzt werden kann. Bei Bänderpflanzmaschinen müssen zwei bis drei Laubblatt vorhanden sein und die Erdpresstöpfe dürfen noch nicht zusammengewachsen sein; bei Speedy ist ein gut durchwurzelter Ballen notwendig. Durch die frühe Anzucht im Gewächshaus findet eine frühere Ertragsbildung statt, weil die Pflanze einen Wachstumsvorsprung gegenüber den direkt gesäten Zwiebeln hat. Die Kosten für die Jungpflanzen dürfen jedoch nicht unterschätzt werden und müssen mit drei bis vier Cent/EPT kalkuliert werden. Auch der nicht unerhebliche Zeitaufwand für das Pflanzen muss berücksichtigt werden.

Zwiebeln auf leicht angehäufeltem Damm, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Auf leicht angehäuften Dämmen in der Reihe können sich die Zwiebeln besser verteilen.
Foto: Bioland Erzeugerring Bayern e.V.

Die Bestandesdichte sollte bei 70 bis 80 Pflanzen/m² liegen. Das entspricht bei sieben bis acht Pflanzen/EPT neun bis zehn EPT/m². Der Pflanzabstand kann dem betriebsüblichen angepasst werden, im ökologischen Anbau sind weite Abstände von 50 bis 75 cm günstig, um eine optimale mechanische Unkrautregulierung zu gewährleisten. Wird zu weit oder zu eng gepflanzt, kann sich dies negativ auf die Größensortierung auswirken. Auch führen Bestandesdichten über 80 Pflanzen/m² zu keinem höheren Gesamtertrag. Gewünscht sind vor allem Sortierungen von 40 bis 60 mm Durchmesser. Die Befürchtung, dass die Zwiebeln unförmig werden durch die Horstpflanzung, konnte in dem abgeschlossenen dreijährigen Versuchsprojekt, nicht festgestellt werden. Die Zwiebeln in dem Horst drücken sich auseinander, so dass immer ausreichend Platz zur Verfügung steht. Nach dem Pflanzen ist auf eine ausreichende Bewässerung und auch Nährstoffangebot zu achten. Bei falscher Kulturführung reagiert die Zwiebeln sehr schnell mit vergilbten, eingetrockneten Laubspitzen, welche zu Ertragseinbußen und Qualitätsmängeln führen können.

Die Unkrautregulierung ist einfacher als bei der Direktsaat, weil die Pflanzen einen vier- bis bis sechswöchigen Wachstumsvorsprung gegenüber dem Unkraut haben. Abgeflammt wird bei gepflanzten Zwiebeln im Gegensatz zu gesäten Zwiebeln nicht. Die Unkrautregulierung erfolgt über Striegeln, Hacken und Anhäufeln. Dabei erweisen sich Speedys günstiger als EPT, weil diese schneller anwachsen, und bereits nach zehn Tagen eine Unkrautregulierung mit Striegel, Hackbürste oder Fingerhacke zulassen. Der Aufwand der Handjäte ist geringer als bei gesäten Zwiebeln, da das Kraut nur zwischen den Horsten steht, im Horst und unmittelbarer Umgebung (zum Beispiel Erdpresstopf) selber wächst kein Unkraut. Der Einsatz der Handhacke ist auch bei diesem Anbauverfahren zwingend notwendig, reduziert sich aber in erheblichem Maß.
Wie in den mehrjährigen Versuchen festgestellt wurde, tritt der Falsche Mehltau in den gepflanzten Säzwiebeln immer später auf als in Steckzwiebeln. Geerntet wird wie bei den anderen Kulturverfahren, d. h. nach dem Schlottenknick und wenn das obere Drittel der Schlotten eingetrocknet sind. Die Ergebnisse der letztjährigen Lagerungsversuchen zeigt, dass Pflanzzwiebeln nicht zur Langzeitlagerung geeignet sind. Sie sollten möglichst frühzeitig vermarktet werden. In Norddeutschland zeigten sich die Erträge tendenziell höher als bei direkt gesäten Zwiebeln oder Steckzwiebeln.

Die hohen Kosten für das Pflanzgut werden relativiert durch das Entfallen des Abflammens, der geringeren Jätestunden sowie den etwas höheren Erträgen. Es sollte vor der Kultur jedoch kalkuliert werden, welches Verfahren für den jeweiligen Betrieb sinnvoll ist.  Abschließend kann gesagt werden, dass beim Pflanzverfahren im Vergleich zur Steckzwiebel eine Ertragsicherheit, tendenziell höhere Erträge sowie gesündere Zwiebeln gewährleistet sind. Im Vergleich zu Säzwiebeln ist die deutliche Reduzierung der intensiven manuellen und maschinellen Unkrautregulierung zu nennen, bei der die kostenintensiven Jätestunden im erheblichen Umfang reduziert werden können.

Letzte Aktualisierung: 01.12.2011

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