Grundlagen: Unterglas-Gemüseanbau
Vor allem Direktvermarkter betreiben neben dem Anbau im Freiland auch den Unterglas-Gemüsebau. Das Angebotssortiment im Hofladen und auf dem Wochenmarkt kann so ergänzt werden.
Beim Neueinstieg in den Gemüseanbau sollte neben anbautechnischen Kenntnissen auf ausreichende Arbeitskapazitäten geachtet werden. Ob sich der Anbau unter Glas lohnt, hängt von der Vermarktungssituation und den Standortgegebenheiten ab. Den Investitionen für ein Glas- oder Folienhaus stehen im Vergleich zum Freilandanbau höhere Erlöse durch schnellere Kulturfolge und früheres Angebot gegenüber.
Kulturtechnik
Die Gewächshauskultur zeichnet sich durch eine hohe Produktionsintensität aus. Stark zehrende Kulturen in sehr enger Fruchtfolge sind üblich.
Die im Vergleich zum Freiland höheren Temperaturen und die gut steuerbare Wasserversorgung unter Glas haben einen schnellen Humusabbau zur Folge.
Pflanzenrückstände entfernt der Gartenbauer aus phytosanitären Gründen von der Fläche; sie werden kompostiert. Dies gilt es bei der Nährstoffversorgung zu berücksichtigen. Als Dünger werden Mist oder Kompost eingesetzt. Der hohe Stickstoff- und Kaliumbedarf wird mit zulässigen Handelsdüngern ersetzt. Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau und Verbandsrichtlinien regeln, welche Düngestoffe und Nährstoffmengen zugelassen sind.
Im Gewächshaus bedeutet vorbeugender Pflanzenschutz neben anderen Maßnahmen wie angepasste Nährstoff- und Wasserversorgung vor allem eine gute Klimaführung. Entscheidend ist eine ausreichende Belüftung, um die Luftfeuchtigkeit und damit Pilzkrankheiten zu reduzieren.
Zur Regulierung von Schädlingen lassen sich im Gewächshaus gut Nützlingspopulationen einsetzen. Dabei sind Kenntnisse über Schädlinge sowie deren mögliche Gegenspieler sehr wichtig. Zur Beikrautregulierung können nur kleine Spezialgeräte eingesetzt werden; ein Großteil der Arbeiten erfolgt von Hand. Üblich ist das Abdecken des Bodens mit Mulchfolien- oder Vliesen, oder der Einsatz von organischem Mulchmaterial.
Die Bewässerung im Gewächshaus erfolgt grundsätzlich in den Morgenstunden, damit die Pflanzen bis zum Abend abtrocknen können und somit der Vermehrung von Pilzen und Bakterien entgegengewirkt wird. Bei empfindlichen Kulturen wie Tomaten und Gurken wird die Tröpfchenbewässerung eingesetzt, so dass die Blätter der Pflanze nicht nass werden.
Grundsätzlich muss im ökologischen Gemüsebau ökologisch vermehrtes Saatgut eingesetzt werden. Ist ökologisch vermehrtes Material nicht verfügbar, darf unter bestimmten Voraussetzungen konventionelles Saatgut eingesetzt werden. Der Nachweis der Nichtverfügbarkeit muss anhand der offiziellen Ökosaatgutdatenbank überprüft werden. Nur wenn hier kein geeignetes Ökosaatgut eingetragen ist bzw. nicht verfügbar ist, darf der Rückgriff auf nicht ökologisch produziertes Saatgut erfolgen. Dazu muss jedoch eine Ausnahmegenehmigung bei der zuständigen Stelle beantragt werden.
Aus der Forschung - für die Praxis
Substrate für die Jungpflanzenanzucht im Ökogemüsebau
Die Jungflanzenanzucht für den Ökogemüsebau wird seit einigen Jahren zunehmend in Spezialbetriebe ausgelagert, die großtechnisch hergestellte Biosubstrate verwenden. Diese Substrate enthalten einen hohen Anteil an Torf, was nicht nur aus ökologischer Sicht fragwürdig ist, sondern auch qualitative Probleme mit sich bringen kann. Auch andere Komponenten (Kompost, organische Dünger, Torfersatzstoffe) und zum Beispiel eine mangelnde Reife können die Qualität der Substrate beeinträchtigen.
Mit dem Ziel, ein Biopresstopfsubstrat mit deutlich reduziertem Torfanteil für den Erwerbsgemüsebau zu entwickeln, testete der Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise in Anbauversuchen torfreduzierte Substrate verschiedener Hersteller im Vergleich mit eigenen torfreduzierten und torffreien Mischungen. Das Ergebnis: "Torfersatz ist machbar! Das ist die wichtigste Botschaft unserer Forschungsarbeiten", sagt Studienleiter Dr. Uli Johannes König. "Es ist technisch kein Problem und die Ersatzstoffe, wie zum Beispiel fermentierte Holzfaser, sind nahezu grenzenlos verfügbar. Bislang mangelt es aber am Willen, den Torf durch andere Substrate im großen Stil zu ersetzen. Das muss sich in Zukunft ändern."
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 02.12.2011

