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Energie sparen im Gewächshaus

Mit einfachen Mitteln Energieaufwand reduzieren

Blick in Gewächshaus mit Paprika und Tomaten
©BLE, Bonn

Die Energiekosten steigen und jeder Betrieb ist mehr denn je gefordert, seine Energie gezielt und sparsam einzusetzen. Ein rund 20 Jahre altes Gewächshaus mit Einfachverglasung, Acrylschirm und gemischtem Heizsystem hat etwa den doppelten Energiebedarf wie ein neues, modernes Gewächshaus mit Isolierverglasung, Aluschirm und überwiegend pflanzennaher Heizung. Es muss aber nicht gleich ein neues Gewächshaus sein. Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie mit einfachen Maßnahmen auch bei bestehenden Gebäuden den Energieverbrauch merklich senken können.

Gewächshäuser abdichten

Gewächshäuser müssen absolut dicht sein, da durch den Kamineffekt über undichte Stellen Wärme „abgesaugt“ wird. Kontrollieren Sie beim Vorwinter-Check Türen und Tore, Scheiben und Folien, Lüftungselemente und den Energieschirm.

Gewächshäuser besonnen

Gerade im Winterhalbjahr sollte möglichst viel Licht ins Gewächshaus hineingelassen werden. Licht verwandelt sich durch den Gewächshauseffekt in Wärme. Vermeiden Sie also Schattenwurf durch Gebäude und Bäume. Am besten erkennen Sie die „Schattenspender“ zur Wintersonnenwende, wenn die Sonne ganz tief steht. Überflüssige Konstruktionsteile, Lagerplätze auf Heizungsrohren oder Unterzügen, mobile, unbenutzte Hängen etc. können auch Schatten werfen. Konstruktionsteile und Heizungsrohre sollten möglichst weiß gestrichen sein, damit sie das Licht reflektieren. Ein absolutes Muss ist eine gründliche Scheibenreinigung vor dem Winter. Dreckige, bemooste oder veralgte Scheiben schlucken Licht. Dabei darf man Schattierfarbenreste nicht vergessen.

Gewächshäuser einpacken

Fundamente und Sockel sollten Sie dauerhaft mit Styropor oder ähnlichen Stoffen dämmen, Stehwände und Giebel hingegen nur über den Winter mit Luftpolsterfolie – idealerweise kombiniert mit einem dicht schließenden Energieschirm, damit die Wärme nicht nach oben hin abzieht.

Sprossen sind Kältebrücken und sollten möglichst mit Kunststoff abgedeckt werden. Unbedingt empfehlenswert ist auch die „Babuschka-Technik“ bei der innerhalb des Gewächshauses kleine Folientunnel für besonders wärmebedürftige (Jung-)Pflanzen eingerichtet werden. Diese Mini-Häuser können auf Tischen oder am Boden stehen, am besten kombiniert man sie mit Bodenwärme-, Untertisch- oder Maschendrahtheizung.

Gewächshäuser planen, positionieren, einrichten

Blick in ein Gewächshaus mit einem integrierten kleinen Gewächshaus
Das Gewächshaus im Gewächshaus - kombiniert mit Fußwärme - stellt die Wärme konzentriert und kleinräumig dort zur Verfügung, wo sie notwendig ist
©BLE, Bildautor: A. Fritzsche-Martin

Das Verhältnis Oberfläche, das heißt „Gewächshaus-Haut“, zu Grundfläche sollte möglichst klein sein. Energetisch optimal ist eine quadratische Grundfläche, die Sie bei Ihren Plänen möglichst anstreben sollten. Wählen Sie als Standort weder „kalte Löcher“ noch „stürmische Gipfel“ aus. Energetisch ideal ist eine Aufstellung in Ost-West-Richtung. Solche Häuser heizen sich allerdings an heißen Tagen am meisten auf. In sonnenreichen Gebieten ist eine Nord-Süd-Ausrichtung besser.

Streifenfundamente isolieren besser als Punktfundamente und halten außerdem Schnecken und Unkraut draußen. Rolltische führen zu einer deutlich besseren Platzausnutzung der Warmbereiche, weil dann mehr Pflanzen pro Flächeneinheit stehen. Gewächshäuser können durch Abhängen von (Doppel- oder Noppen-)Folie in unterschiedliche Wärmebereiche unterteilt werden. Das macht aber nur dann Sinn, wenn auch Lüftung und Heizung getrennt gesteuert werden können. Ventilatoren, am besten kombiniert mit einem Energieschirm, vermischen Temperaturschichtungen. Wassergefüllte schwarze Schläuche zwischen den Kulturen speichern die Tageswärme und geben sie nachts wieder ab.

Heizung regelmäßig warten

Vergessen Sie nicht eine regelmäßige Kessel- und Brennerreinigung, insbesondere vor dem Winterhalbjahr. Überprüfen Sie, ob der Brenner optimal eingestellt und somit auch der Wirkungsgrad optimiert ist. Alle Warmwasserleitungen zwischen Kessel und Haus sollten isoliert sein, dadurch werden Abstrahlungsverluste reduziert. Legen Sie in nicht genutzten Gewächshäusern gegebenenfalls (Teile der) Heizungsanlage(n) still. Bei Lufterhitzern sorgen Folienschläuche für eine bessere Verteilung der Wärme

Steuerung und Regelung optimieren

Kontrollieren Sie regelmäßig die Sollwerte und überprüfen Sie Funktionalität und Einstellungen bei:

  • Heizungs- und Kesselregelung (ein Grad Celsius höhere Temperatur verursacht sieben bis zehn Prozent höhere Heizkosten)
  • Energieschirm/Schattierung/Verdunkelung
  • Lüftungsregelung
  • Bewässerung
  • Kohlendioxid-Anreicherung
  • Belichtung
  • Messfühler

Heizung und Lüftung müssen aufeinander abgestimmt sein, Kessel- und Vorlauftemperatur sollten an die Außentemperaturen angepasst gesteuert werden. Häuser und Hausabteile sollten separat regelbar sein. Messfühler sind notwendig im Gewächshaus und draußen (Wetter-/ Klimastation).

Der Messort sollte sich pflanzennah und möglichst in der Hausmitte befinden. Halten Sie Messfühler sauber und überprüfen Sie ihre Funktion mittels Vergleichsmessung regelmäßig. Stellglieder wie Mischer, Ventile, Pumpen und Antriebe sollten zweckmäßig eingestellt sein. Zum Beispiel ist es sinnvoll, wenn die Beimischpumpe für die Rücklauf-Erwärmung nicht ständig, sondern nur bei Bedarf läuft.

Erheblich zur Optimierung trägt natürlich ein Klimacomputer mit Regelprogramm und einstellbaren Parametern bei.  Als Stromquelle für Steuerungs- und Regelungselemente kann die Photovoltaik genutzt werden.

Energiesparpotenziale

Energiesparmaßnahme

Einsparung
(%*)

Kosten
(€/qm)

*) bezogen auf die betroffene Fläche

Zusammengestellt von Ralf Ludewig für das Taspo-Magazin 07/2006, Sonderteil

Noppenfolie an Steh- und Giebelwänden

35 - 40

3 - 5

Energieschirm geschlossen

20 - 50
(je nach Material)

10 - 20

Dämmplatten am Fundament (außen)

60 - 70

1 - 2

Dämmplatten (innen) zwischen Fundament und Tischoberkante

60 - 70

1 - 2

Zweischeibenverglasung an Stehwänden

30 - 32

5 - 6

Aufblasbare Doppelfolie im Dachbereich (bei Austausch von Einfachglas, verkittet)

40 - 50

15 - 20

Kulturplanung und -führung

Durch geschickte Anbauplanung und energetisch optimierte Kulturführung können Sie weitere Kosten sparen. Beheizte Flächen sollten Sie lückenlos ausnutzen oder möglichst klein und kompakt halten. Die Temperaturführung wird an Kulturstadien und Lichtangebot angepasst, die Fruchtfolgeplanung berücksichtigt Wärmegruppen. Legen Sie Kulturtermine auch in Abhängigkeit von den Heizkosten fest, das heißt zum Beispiel Herbst- und Frühjahrssätze statt Wintersätze. Bewässern Sie ausschließlich am Vormittag.

Die Auswahl anspruchsloserer Kulturen sowie die richtige Sortenwahl – kürzere Kulturzeit, geringere Temperaturansprüche – helfen auch beim Energiesparen.
Altes Gärtnerwissen sind die (Energiespar-)Vorteile von höherer Bodenwärme durch Mistpackungen und Dammanbau.

Nicht zuletzt können Energiespargründe auch zur Entscheidung für den Jungpflanzenzukauf – bei Frühsätzen und wärmebedürftigen Kulturen – und für den Zukauf von Handelsware, zum Beispiel Tomaten im Mai und Juni, führen.

Heizung: Spartipps

Wollen oder müssen Sie einzelne Heizungselemente austauschen, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Einsatz eines Niedertemperatur- oder Brennwertkessels: Planen Sie 30 bis 50 Prozent Überdimensionierung mit ein. Diese Kessel haben im Teillastbetrieb einen höheren Wirkungsgrad als im Volllastbetrieb
  • Einsatz eines modulierenden Brenners statt eines Zwei-Stufen-Brenners
  • geschlossene Ausdehnungsgefäße
  • Wärmespeicher
  • Wärmerückgewinnung aus Abgasen

Einsparungen bringen auch Heizsysteme mit höherem Wirkungsgrad:

  • Untertischheizung verbraucht 90 Prozent der Wärme im Vergleich zu normaler/hoher Rohrheizung
  • niedrige Rohrheizung verbraucht 82 Prozent der Wärme im Vergleich zu normaler/ hoher Rohrheizung
  • Vegetationsheizung
  • Hebe-/Senkheizung (Alurohre mit Lamellen)
  • Lufterhitzer mit bodennahen Verteilschläuchen, Maschendrahtheizung

Weitere Möglichkeiten für Neuinvestitionen im Heizungsbereich sind Heizsysteme mit geringerer Wassermenge, Nutzung von Blockheizkraftwerk- oder Biogas-Abwärme, Sonnenkollektoren zum Zuheizen sowie Wärmepumpen.

Letzte Aktualisierung: 02.12.2011

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