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Tomaten im Freiland

Sorten für ein verbessertes Jungpflanzen-Angebot

Tomaten verschiedener Sorten
Foto: B. Horneburg

Tomaten sind im Laufe der letzten 100 Jahre vom Exoten zum wichtigsten Gemüse in Deutschland geworden. Ein Großteil der hierzulande verzehrten Tomaten wird über teilweise große Entfernungen importiert, zu Lasten der Qualität und oft auch der Arbeitsbedingungen. Die hiesigen Klimabedingungen sind für die tropische Frucht Tomate nicht optimal; insbesondere die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) kann bei feuchter Witterung fatal werden. Die Phytophthora-Populationen haben sich in den letzten vier Jahrzehnten stark zu Gunsten aggressiverer Stämme verändert - mit dem Resultat, dass in Erwerbsgärtnereien und Kleingärten Tomaten fast nur noch unter Glas und Folie angebaut werden. Bei regionaler Produktion im Freiland wären jedoch der Aufwand verringert und die Ökobilanz verbessert.

Ökologisch wirtschaftende Betriebe können mit guten Sorten für ein sehr großes Publikum deutliche Impulse geben, denn auch im konventionellen Hausgarten ist Phytophthora ein bedeutendes Problem. Die Bedeutung des Verkaufs von Tomaten-Jungpflanzen für Kleingärten wird häufig unterschätzt: Nach einer aktuellen Kalkulation werden in Deutschland rund 30 Millionen Pflanzen zur Selbstversorgung gezogen. Die Tomatenproduktion in diesem "Hobby"anbau entspricht damit in etwa der Tomatenproduktion im Erwerbsanbau - und eine erhebliche Ausweitung ist denkbar.

Durch den Dreschflegel e.V. wurden seit 1996 viele Sorten im Anbau gesichtet, um Abhilfe zu schaffen. Aus dieser Vorarbeit wurde in Zusammenarbeit von Dreschflegel e.V. und der Universität Göttingen das Forschungsprojekt „Tomaten für den ökologischen Anbau im Freiland. Züchtungsmethodik und regionale Sortenentwicklung“ entwickelt und im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau in den Jahren 2003 bis 2007 umgesetzt. Um fundierte Sortenempfehlungen geben zu können, wurde in Absprache mit Kolleginnen und Kollegen aus 3.500 Sorten eine Auswahl getroffen; aus dieser Zahl wurden in der gärtnerischen Praxis die besten zehn identifiziert (siehe folgende Tabelle).

Die "Top ten"- Freilandtomaten für das Öko-Jungpflanzenangebot

Typ

Sorte

Frucht

Besonderes

Wildtomate

Rote Murmel

2 g, rot

besonders einfacher und sicherer Anbau

Golden Currant

6 g, gelb

Cocktailtomate


Celsior

12 g, rot, länglich

guter Spätertrag, auffällige Form

Resi

20 g, rot

hervorragender Geschmack

Cerise gelb

20 g, gelb

lange Ernteperiode, sehr langwüchsig

Cerise rot

20 g, rot

Salattomate

Matina

60 g, rot

guter Frühertrag, lecker

Rote Zora

100 g, rot, länglich

schöne Frucht, braucht ein hohes Gestell

Marktomate

De Berao/ Quadro

80 g, rot, oval

zum Verarbeiten

Fleischtomate

Paprikaförmige

200 g, rosarot

guter Frühertrag und Geschmack

Die umfangreichen Sortenvergleiche wurden in den vergangenen vier Jahren in der Demeter-Saatgutgärtnerei Schönhagen in Thüringen, im Bioland-Betrieb Wember in Hessen und im Naturland-Betrieb Ehrentraut in Ostfriesland durchgeführt. Eine Auswahl wurde dann im Ringversuch von der See bis an die Alpen an 20 bis 30 weiteren Orten getestet, um bundesweit zu umfassenden Sortenempfehlungen zu kommen. Beteiligt waren Hausgärtner/innen, Gemüse- und Jungpflanzen-Gärtnereien, Forschungseinrichtungen und Botanische Gärten. Kriterien für die Sortenauswahl waren

  • gute Feldresistenz gegen Kraut- und Braunfäule,
  • guter Ertrag und gute Ertragssicherheit,
  • guter Geschmack,
  • Versorgung mit Tomaten über die ganze Saison,
  • geeignete Pflanzen für den Anbau im Hausgarten und natürlich
  • die Nachbau- und Entwicklungsfähigkeit samenfester Sorten.

Die Zusammenarbeit mit Gärtnereien hat in den letzten drei Jahren gezeigt, dass die o.g. Sorten das Angebot an Jungpflanzen deutlich verbessern können und „robuste Sorten“ auch von der Kundschaft gut angenommen werden. Besonders erfolgreich ist das Angebot, wenn zum Anbau im Freiland auch pflanzenbauliche Beratung gegeben wird. Beispielsweise ist ein sonniger und luftiger Standort, möglichst fern von Kartoffeln, wichtig. Die schwierige Situation im Freiland-Anbau erfordert auch die Veränderung der Anbaugewohnheiten im Garten: Das früher übliche Kappen nach der 5. Traube begrenzt das Ertragspotenzial für starkwüchsige Sorten zu sehr; es empfiehlt sich, Bohnenstangen zu verwenden, um noch jenseits der 8. Traube ernten zu können. Wildtomaten, die in Anbau und Verwendung besonders auch für Kinder geeignet sind, werden vieltriebig bis frei wachsend gezogen und können viel Platz füllen.

Die rechtliche Situation ist für die Verbreitung traditioneller, besonderer und regionaler Sorten weiterhin äußerst hemmend: EU-Administration und nationale Behörden beschäftigen sich noch immer mit der Umsetzung der eigentlich bereits seit acht Jahren geltenden EU-Richtlinien zu „Amateur-“ und „Erhaltungssorten“. Die Schaffung eines kostengünstigen und unbürokratischen Verfahrens ist weiterhin dringend notwendig: Einige der oben genannten Sorten haben bisher keine Sortenzulassung.

Autor: Bernd Horneburg (Dreschflegel e.V./Uni Göttingen)

Weitere Informationen

Aus der Forschung - für die Praxis

Tomaten für den Ökofreilandanbau: Züchtungsmethodik und regionale Sortenentwicklung

Tomaten gehören in Deutschland zu den wichtigsten Gemüsesorten; dabei wird der Großteil des hiesigen Bedarfs importiert. Ein wesentlicher begrenzender Faktor für die Ausweitung der inländischen Produktion ist die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans), die im Freilandanbau erhebliche Probleme verursacht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtTomaten für den ökologischen Anbau im Freiland - Züchtungsmethodik und regionale Sortenentwicklung

Letzte Aktualisierung: 30.12.2011

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