Trends bei Folienhäusern

- Etwa 50 Euro pro Quadratmeter kostet dieses solide Haus mit aufblasbarer Doppelfolie. Das Luftpolster, das durch ein kleines Gebläse aufrecht erhalten wird, sorgt für eine gute Isolation.
Quelle: R. Ludewig
Moderne Foliengewächshäuser sind mittlerweile hochwertige Produktionsstätten für nahezu alle gärtnerischen Anwendungsbereiche. Ralf Ludewig, Spezialberater für Technik und Energie im Gartenbau im Regierungsbezirk Tübingen, gibt einen Überblick.
Die Beliebtheit von Foliengewächshäusern im Erwerbsgartenbau hat in den vergangenen 30 Jahren stetig zugenommen. Sprach man früher über Folienhäuser, waren mangelnde Haltbarkeit der Folien, ungenügende Stabilität der Konstruktion, Tropfenkondensation, mangelnde Lüftungsmöglichkeiten und eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten die zentralen Themen. Doch die Gewächshausindustrie war nicht untätig und nahm die Forderungen aus der Praxis zum Anlass, Folienhäuser kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Was als einfacher Folientunnel zur Ernteverfrühung begann, ist heute eine vollwertige Produktionsstätte für nahezu alle Nutzungsarten des Gartenbaus.
Konstruktionen
Die kostengünstigsten Folienhäuser werden nach wie vor als Rundbogenkonstruktionen angeboten. Diese können mit Schraubankern im Boden befestigt werden, wobei die Folienränder oft in den Boden eingegraben werden. Diese Häuser werden meist mit Schlauchfolien segmentweise eingedeckt. Aber auch die Abdeckung mit nur einer Folienbahn über die gesamte Länge ist möglich. Die Lüftung erfolgt meist über große Giebelklappen. Bei Segmentbauweise besteht die Möglichkeit, einzelne Felder zur Lüftung anzuheben. Rundbogengewächshäuser können allerdings nicht in Blockbauweise erstellt werden und die Bearbeitbarkeit der Randzonen ist stark eingeschränkt. Aus diesen Gründen konzentrierten sich die Entwicklungen auf Hauskonstruktionen mit senkrechter Stehwand.
Solche Häuser lassen sich in mehrschiffiger Bauweise erstellen, ermöglichen die Bearbeitung auch an den Rändern und es besteht die Möglichkeit, die Eindeckung der Stehwände mit Hilfe von Gurten oder Wickelachsen herauf oder herunter zu lassen. Durch die Entkopplung der Eindeckung von Dach und Stehwand kann das Dach mit einem anderen Material als die Stehwand, zum Beispiel mit aufblasbarer Doppelfolie, eingedeckt werden. Ferner besteht so die Möglichkeit, eine Rinne anzubringen, damit herunterlaufendes Wasser nicht in die offene Seitenlüftung tropft. Als Dachkonstruktion kommen sowohl Rundbögen als auch Satteldächer zum Einsatz. Auf dem Vormarsch sind Haustypen mit einer Schiffbreite von 9,60 Meter, die dadurch mit Standard-Venlo-Häusern kompatibel sind. Der Stützenabstand im Innenraum beträgt 4,0 Meter, die Stehwandhöhe ist standardmäßig ebenfalls mit 4,0 Meter angesetzt.
Dabei ist noch ein weiterer Trend zu beobachten: Die Unterzugkonstruktionen, die bei diesen Häusern bisher als Fachwerkträger ausgebildet waren, werden mehr und mehr durch Gitterbinder ersetzt, wie sie bei den Venlo-Häusern zum Einsatz kommen. Diese sind billiger und die Montagezeit verkürzt sich um bis zu zehn Prozent. Weiterhin ist zu beobachten, dass so genannte Spitzbogendächer, auch gotische Bauweise genannt, verstärkt im Kommen sind. Diese Dachform ist zum einen stabiler, zum anderen kann Schnee leichter abrutschen und das Kondenswasser im Inneren läuft besser ab.
Eindeckungsarten
Die technischen Bemühungen konzentrieren sich vor allem auf die Entwicklung energiesparender Eindeckungen mit hoher Lichtdurchlässigkeit, Variabilität in der spektralen Durchlässigkeit und auf die Verlängerung der Haltbarkeit. Verwendung finden zumeist coextrudierte Folien aus Polyethylen, EVA-Folien und Verbundfolien aus PE und EVA (Luftpolsterfolie). Während im unbeheizten Anbau nach wie vor PE-Einfachfolien dominieren, haben sich bei beheizten Häusern mit senkrechten Stehwänden zwei Eindeckungsmaterialien durchgesetzt: die aufblasbare Doppelfolie und die Luftpolsterfolie.
Bei der aufblasbaren Doppelfolie wird durch das Einblasen von Luft zwischen zwei Folienschichten ein Luftpolster erzeugt und damit ein guter Isolationseffekt erzielt. Das Einblasen der Luft geschieht mit Hilfe eines kleinen Ventilators, der entweder zeit- oder druckgesteuert arbeitet. Bei der dreischichtigen Luftpolsterfolie besteht die mittlere Schicht aus Luftpolster-Noppen, die für eine gute Isolation sorgen. Die Ränder jeder Folienbahn sind mit einem Keder versehen, der in ein Klemmprofil eingezogen werden kann. Dies ermöglicht eine einfache und schnelle Montage. Bei der Verkleidung der Giebel haben sich vor allem Polycarbonat-Stegdoppelplatten etabliert. Als einschaliges Material wird häufig die Ondex-Bio-2 PVC-Wellplatte von Renolit-Ondex verwendet.

- Ab 35 Euro pro Quadratmeter gibt es Gewächshäuser, die auf der Venlo-Haustechnik basieren. Kennzeichnendes Merkmal ist die Gitterbinder-Konstruktion. Bei der Dachform hat sich der Spitzbogen weitgehend durchgesetzt. Dieser ist stabiler als der Rundbogen und Schnee kann schneller abrutschen.
Quelle: R. Ludewig

- Bereits ab 10 Euro pro Quadratmeter sind Folientunnel erhältlich. Die Lüftungsmöglichkeiten sind allerdings sehr eingeschränkt, die Ränder sind schwer zu bearbeiten und das Kondensat ist den Kulturen nicht eben förderlich.
Quelle: R. Ludewig
Lüftung
In einfachen Rundbogengewächshäusern bis sechs Mmeter Breite herrschen die Giebellüftung, Schlitz- und Seitenlüftung vor, bei denen die Folie einfach manuell nach unten geschoben wird. Breitere Häuser können mit einer aufstellbaren Segmentlüftung versehen werden. Wesentlich mehr Möglichkeiten bieten Häuser mit senkrechter Stehwand. Im einfachsten Fall wird die Folie an Gurten zum Boden hin herabgelassen. Der Sockelbereich kann wahlweise auch mit einer Folienschürze oder einem Sockel aus Sandwichpaneel ausgeführt werden, so dass einströmende Kaltluft nicht direkt an die Kulturen gelangt. Eine andere Variante ist das Aufwickeln der Folie auf einer angetriebenen Achse. Dies geschieht zumeist von unten nach oben. Die Möglichkeiten der Giebellüftung reichen von einfachen Klappen über komplett von Hand zu öffnende Giebel bis hin zum automatisch öffnenden Giebel.
Bei größeren Anlagen in Blockbauweise ist eine Dachlüftung unerlässlich. Hierzu bieten mittlerweile alle namhaften Hersteller durchlaufende Firstlüftungen an. Diese Lüftungsflügel können bis zu zwei Meter breit sein und sind in ein- oder beidseitigen Varianten erhältlich. Mittlerweile ist es möglich, auch diese Lüftungsklappen mit aufblasbarer Doppelfolie auszurüsten. Bei anderen Varianten kommen oft Polycarbonat-Stegdoppelplatten zum Einsatz. Bei weiteren Modellen kann eine komplette Dachhälfte angehoben werden, wobei entweder der First oder aber die Rinne den Drehpunkt bilden können.
Darüber hinaus eignen sich Folieneindeckungen aufgrund ihrer Flexibilität hervorragend zum Bau von Cabrio-Gewächshäusern. Zum Öffnen kann die Dachfolie beidseitig auf angetriebenen Wellen komplett zum First auf- oder hochgerollt werden. Diese Wellen werden von Elektromotoren angetrieben, die im Inneren des Gewächshauses angebracht sind. In geöffnetem Zustand befindet sich die Folie geschützt unter einer Abschirmung im First. Im geschlossenen Stadium wird das Wickelrohr mittels spezieller Alu-Profile an der Rinne sicher verankert.
Ein weiterer Trend ist darin zu sehen, dass Venlo-Cabrio-Gewächshäuser für bestimmte Anforderungen immer häufiger mit Folieneindeckung versehen werden, zum Beispiel Abhärtungshäuser für Jungpflanzenbetriebe. Hier kommen oft Fluorpolymer-Folien (ETFE) zum Einsatz, da diese hochtransparent und durchlässig für UV-Strahlung sind. So härten die Pflanzen auch bei geschlossenem Dach ab.
Betriebskosten
Vergleicht man einen Folientunnel aus Einfachfolie, so wie er vor 20 Jahren gebaut wurde, mit einem modernen Folienhaus mit zum Beispiel aufblasbarer Doppelfolie, so hat sich der Heizenergieaufwand durch den technischen Fortschritt drastisch verringert. Für 1.000 Quadratmeter Einfachfolientunnel, der mit ganzjährig acht Grad Celsius gefahren wurde, musste eine Heizleistung von 265 Kilowatt (kW) installiert werden. Der Heizölverbrauch lag bei rund 18.000 Litern pro Jahr. Die gleiche Kulturfläche in einem modernen Doppelfolienhaus – die bessere Flächenausnutzung durch senkrechte Stehwände nicht berücksichtigt – benötigt nur noch eine Heizleistung von 170 kW und hat einen Jahresölverbrauch von nur 10.000 Litern. Das entspricht einer Einsparung von über 40 Prozent.
Autor: Ralf Ludewig, Landratsamt Tübingen
Erschienen in "bioland", Ausgabe 4/2008
Letzte Aktualisierung: 02.12.2011
