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Aus der Forschung: Höhere Backqualität bei Weizen durch Gemengeanbau

 

Im Gemengeanbau von Winterweizen mit Winterkörnerleguminosen können höhere Kornqualitäten des Weizens erzielt werden. Zwar ist mit Kornertragsverlusten der einzelnen Arten im Gemenge zu rechnen, dennoch sind in der Summe höhere Deckungsbeiträge möglich. Das wurde in einem Forschungsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau herausgefunden. Über Versuchsdurchführung, Ergebnisse und das Fazit für die Praxis informiert der nachfolgende Fachbeitrag.

Gemengeanbau mit Winterackerbohne und Wintererbse

Weizen und Ackerbohnen in Reihen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Weizen im Gemengeanbau mit Ackerbohnen.
Foto: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)

Mit der Erzeugung von Backweizen erwirtschaften Ökoackerbaubetriebe in der Regel einen großen Teil ihres Betriebsgewinns. Doch der vom Markt geforderte Anspruch an die Qualität des Korngutes ist hoch: Mehr als elf Prozent Rohprotein, einen Sedimentationswert von mehr als 35 Milliliter und einen Gehalt an Feuchtkleber von mehr als 25 Prozent können vor allem Weizenpartien nicht erbringen, die in viehlos wirtschaftenden Öko-Betrieben erzeugt wurden.

Das Forschungsvorhaben "Erzeugung von Weizen hoher Backqualität durch Gemengeanbau mit Winterackerbohne und Wintererbse im ökologischen Landbau" hatte zum Ziel, ein Gemengeanbausystem zur Erzeugung von hochqualitativem Backweizen in viehlos oder viehschwach wirtschaftenden Betrieben des ökologischen Landbaus zu entwickeln. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und die Georg-August-Universität Göttingen untersuchten in zwei Versuchsjahren an drei Standorten verschiedene Anbausysteme. Dabei wurden der Einfluss der Anbauform, der Reihenweite sowie des Gemengepartners auf den Ertrag und die Qualität des Winterweizens geprüft.

Versuchsdurchführung

Hummel an der Blüte einer Ackerbohne. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Bunt blühende Winterackerbohnensorte "Hiverna".
Foto: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)

Im Einzelnen wurde in dem Forschungsvorhaben untersucht, ob Winterackerbohne (Sorte Hiverna) und Wintererbse (Sorte Cheyenne) als Gemengepartner von Weizen (Sorte Bussard) geeignet sind und welchen Einfluss die Standraumzuteilung im Gemenge auf die Ertragsbildung und die Backeignung des Getreides hat. Hinsichtlich der Backqualität wurde nicht nur der Proteingehalt im Weizenkorn (als indirekter Parameter der Backeignung) betrachtet, sondern auch, inwiefern die Backfähigkeit des Weizens durch einen Gemengeanbau im Vergleich zur Reinsaat im ökologischen Landbaus verändert wird.

In den Vegetationsperioden 2003/2004 und 2004/2005 wurden auf drei unterschiedlichen Versuchstandorten Reinsaaten und Gemenge von Winterweizen mit Winterackerbohne und Wintererbse geprüft.

Versuchstandorte:

  • Reinshof, Versuchsgut der Universität Göttingen: Auenlehm, toniger Lehm mit durchschnittlich 83 Bodenpunkte (BP)
  • Stöckendrebber, Biolandbetrieb: Schwemmsand, lehmiger Sand mit durchschnittlich 40 BP
  • Deppoldshausen, Versuchsgut der Universität Göttingen: Muschelkalkverwitterungsboden, toniger Lehm mit durchschnittlich 46 BP

Der Weizen in Reinsaat wurde in Aussaatstärken von 300 Körnern pro Quadratmeter (K/m²) - entsprechend einer Aussaatstärke von 100 Prozent - sowie 60 K/m² (entsprechend 20 Prozent Aussaatstärke) angebaut und in Reihenweiten von 15, 30 beziehungsweise 75 Zentimeter variiert. Die Reinsaaten der Ackerbohne betrugen 30 K/m², die der Erbse 80 K/m² bei Reihenweiten von 15 bzw. 30 Zentimeter. Die Gemenge wurden mit 20 Prozent Weizen und 80 Prozent Leguminose der jeweiligen optimalen Reinsaatstärke angelegt (also 60 K/m² Weizen + 24 K/m² Ackerbohne bzw. 64 K/m² Wintererbse). Im Gemenge wurde die Reihenweiten des Weizens ebenfalls mit 15, 30 und 75 cm variiert. Zur Aussaat der Gemenge kam eine umgebaute Kastendrillmaschine (zwei baugleiche Typen) zum Einsatz. Die Gemenge wurden als Mischsaat (WA 15, WE 15), alternierende Reihen (WA 30/30, WE 30/30) oder Reihen-Streifen-Gemenge (WA 75/15, WE 75/15) angelegt.

Forschungsergebnisse

Erbsenranke an einem Weizenstengel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ranken der Erbse halten sich im Gemenge am Weizen fest
Foto: Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Kornerträge

Der Weizen erzielte in Reinsaat mit einer Aussaatstärke von 60 Körnern pro Quadratmeter (K/m²) aufgrund der Kompensation über Bestockung und Anzahl Körner pro Ähre in der Regel gleich hohe Kornerträge wie mit einer Aussaatstärke von 300 K/m². In Reinsaat wurden beim Weizen im Mittel ein Kornertrag zwischen 2,4 und 43,2 Dezitonnen Trockenmasse pro Hektar (dt TM/ha) ermittelt. Die Körnerleguminosen erbrachten in Reinsaat einen durchschnittlichen Kornertrag zwischen 27,2 und 67,3 dt TM/ha (Ackerbohne) beziehungsweise 13,2 und 34,6 dt TM/ha (Erbse). Im Gemenge wurden in der Regel geringere Kornerträge der jeweiligen Art ermittelt. In der Summe beider Arten ergab sich jedoch häufig ein relativer Mehrertrag.

Weizenqualität

Die Qualität des Weizens war in den Gemengen insbesondere mit der Ackerbohne mit bis zu 15,4 Prozent Rohprotein (Reihen-Streifen-Gemenge) deutlich höher als in den Reinsaaten. Im Mittel wurde über alle Standorte und Jahre ein Rohproteingehalt im Korn des Weizens in Reinsaat von 9,2 und 9,8 Prozent (bei 100 und 20 Prozent Aussaatstärke) im Gemenge mit der Ackerbohne sowie von 12,3 und 10,6 im Gemenge mit der Erbse festgestellt. Die Erhöhung der Reihenweite auf 75 Zentimeter führte ebenfalls zur Qualitätsverbesserung des Weizens.

Die weiteren Qualitätsparameter Feuchtglutengehalt, SDS-Sedimentationswert und Mikro-Rapid-Mix-Test waren positiv mit dem Proteingehalt korreliert. Aufgrund der Schalenanteile im Vollkornmehl wurden insgesamt sehr hohe SDS-Sedimentationsvolumen (50 bis 95 Milliliter) und sehr niedrige Backvolumina (220 bis 320 Milliliter je 100 Gramm Mehl) festgestellt.

Standorteinfluss

Für Böden mit mehr als 50 Bodenpunkten ist die Ackerbohne als Gemengepartner zur Erzielung hoher Qualitäten des Weizens zu empfehlen; auf sehr schweren Böden kann die Konkurrenz der Ackerbohne allerdings zu hoch sein. Auf leichteren Standorten ist offenbar die Erbse ein geeigneter Gemengepartner des Weizens.

Deckungsbeiträge

Im Mittel aller Standorte wurde mit dem Anbau der Gemenge mit der Ackerbohne der höchste Deckungsbeitrag mit 552,30 Euro pro Hektar erzielt, gefolgt von den Ackerbohnenreinsaaten mit durchschnittlich 505,12 Euro pro Hektar. Ein Deckungsbeitrag von 411,96 und 403,33 Euro pro Hektar wurde im Mittel mit dem Anbau der 100 Prozent beziehungsweise 20 Prozent Reinsaaten des Weizens erwirtschaftet. Die Gemenge mit der Erbse kamen über alle Standorte und Jahre im Mittel auf einen Deckungsbeitrag in Höhe von 387,60 Euro pro Hektar, während die Erbsenreinsaaten mit 127,02  Euro pro Hektar deutlich abfielen. Dabei verhielt sich die Abstufung der erzielten Deckbeiträge zwischen den Standorten und Jahre unterschiedlich.

Vorteile des Gemengeanbaus mit Ackerbohne und Erbse

  • Bessere Ausnutzung vorhandener Wachstumsfaktoren
  • Effizientere Nutzung des Nmin–Vorrates im Boden zur Qualitätssteigerung des Weizens in der Kornfüllungsphase
  • Höhere Proteingehalte und Kornqualitäten beim Weizen
  • Erweiterung der Fruchtfolge durch Anbau von Winterkörnerleguminosen
  • Frühere Reife der Winterkörnerleguminosen im Vergleich zu deren Sommerformen (ein bis zwei Wochen)
  • Transfer symbiotisch fixierten Stickstoffs zum Weizen möglich
  • Verbesserte Unkrautunterdrückung
  • Kein Lager der Erbse in Mischsaat
  • Längerer Abstand zwischen Fahnenblatt und Ähre des Weizens (Gefahr des Krankheitsbefalls kann sinken), höhere Deckungsbeiträge möglich
  • Hohe Vorfruchtwirkung

Fazit für die Praxis

Im Gemengeanbau von Winterweizen mit Winterkörnerleguminosen können höhere Kornqualitäten des Weizens erzielt werden. Zwar ist mit Kornertragsverlusten der einzelnen Arten im Gemenge zu rechnen, dennoch sind in der Summe höhere Deckungsbeiträge möglich. Entscheidend für das Gelingen der Mischung sind die standortspezifische Wahl des Gemengepartners sowie die Höhe der Aussaatstärke. Über die Wahl der Gemengeanbauformen (Mischsaat, abwechselnde Reihen, Reihen-Streifen-Gemenge) kann für jeden Betrieb eine an den Standort und die vorhandene Technik angepasste Lösung gefunden werden. Die Nutzung des mineralischen Stickstoffs im Boden (Nmin) durch den Weizen kann über die Reihenweite im Gemenge zeitlich und räumlich verschoben werden und so zur Qualitätsverbesserung des Weizens beitragen. Die Konkurrenz auf den Weizen darf nicht zu hoch sein, damit die Körner ausreichend gefüllt werden. Schwierigkeiten gibt es derzeit bei der Aussaat und Ernte sowie Trennung von Körnerleguminosen-Getreide-Gemengen.

Kontakt:

Prof. Dr. Knut Schmidtke
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)
Fachbereich Landbau/Landespflege
E-Mail: schmidtk@pillnitz.htw-dresden.de
Internet: externer Link folgtHochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

Letzte Aktualisierung: 28.09.2011

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