Brandkrankheiten bei Getreide rechtzeitig erkennen
Wenn im Mai auf den Äckern die Getreideblüte beginnt, ist das für die Landwirte der Zeitpunkt, um die Bestände genauer unter die Lupe zu nehmen. Jetzt zeigt sich, ob der Steinbrand bei Weizen oder Dinkel zugeschlagen hat oder die Gerste und der Hafer mit Flugbrand infiziert sind. Auch wer zertifiziertes Ökosaatgut verwendet hat, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite.
Gersten- und Weizenflugbrand
Bei offenblühenden Typen wie Gerste und Weizen begünstigt zum Beispiel eine hohe Luftfeuchtigkeit und warmes Wetter die Infizierung mit Flugbrand. Dann kommen die Sporen mit dem Wind angeflogen. Die Sporen gelangen so von Brandähren, die vom eigenen Schlag, benachbarten Flächen oder von Wildgräsern stammen, auf die Narben der gesunden Pflanzen. Dort keimen sie aus, und die Hyphen wachsen durch den Griffel in die Fruchtknoten (Blüten - oder Embryoinfektion). Dort ist erst einmal Ruhe angesagt, damit das Ausreifen des Kornes nicht beeinträchtigt wird. Sobald das Korn nach der Aussaat im Herbst beziehungsweise im Frühjahr keimt, wird auch der Pilz wieder aktiv und zerstört in der Folge die Ährenanlagen.
Um diesen Kreislauf zu unterbrechen gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist der Einsatz von resistenten Sorten, bei denen in langjährigen Tests Befallsfreiheit nachgewiesen wurde. Untersuchungen von Karl-Josef Müller in Darzau haben zum Beispiel ergeben, dass die Sommergerste "Steffi" zu 100 Prozent befallsfrei war, "Annabell" und "Birte" hingegen durch Höchstbefall auffielen. Die Wintergerstensorten Astrid, Carrero und Laurena blieben in den Untersuchungen auf dem Dottenfelder Hof in Bad Vilbel bisher befallsfrei.
Beim Winterweizen haben beispielsweise Astardo, Aszita, Renan, Wiwa sowie der teilresistente Capo keinen Befall gezeigt. Die derzeit anfälligste Sorte ist Akteur. Brandähren auf dem Feld zu entfernen ist nicht wirkungsvoll, da die Übertragung bei günstigen Bedingungen sofort geschieht. Besser ist es, das Erntegut untersuchen zu lassen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Weizenflugbrand ist im Ökolandbau mit Warm - oder Heißwasserbeize im Griff zu halten. Diese Option eignet sich jedoch nur für die innerbetriebliche Saatguterhaltung.
Physikalische Bekämpfungsmaßnahmen bei Flugbrandbefall
Flugbrand an Weizen und Gerste
- Warmwasserbeize
- Weizen: 2,5 Stunden bei 46 °C
- Gerste: 2 Stunden bei 45 °C
- Heißwasserbeize (Saatgut 4 Stunden bei 25 bis 30 °C vorquellen)
- Weizen: 10 Minuten bei 51 bis 52 °C
- Gerste: 10 Minuten bei 48 bis 50 °C
- Heißwasserkurzbeize
- Gerste: 5 bis 5,5 Liter/ 100 Kilogramm Saatgut anfeuchten, 1 Stunde auf 53 bis 54 °C erhitzen, 1 Stunde bei dieser Temperatur belassen. Nachtrocknen: 0,5 Stunden bei 45 °C, 0,5 Stunden Kaltluft.
Haferflugbrand, Roggenstengelbrand
- Unterbrochene Heißwasserbeize
- 10 Minuten bei 55 bis 56 °C
- In 10 Minuten circa 20 Tauchungen je 10 bis 20 Sekunden Dauer.
Quelle: H. Spieß IBDF & LBS Dottenfelderhof
Gerstenhartbrand
Im Unterschied zum Flugbrand sind beim Gerstenhartbrand in der Ernte die Sporen noch nicht ausgestäubt. Die Sporenmasse ist plastisch bis hart. Erst beim Drusch werden die Sporenlager zerschlagen. Es handelt sich hier auch um eine Keimlingsinfektion wie beim Steinbrand.
Sowohl bei Sommer- und Wintergerste sind nach Angaben von Dr. Hartmut Spieß widerstandsfähige Sorten vorhanden: Alissa, Carrero, Maximiliane, Mercedes oder Verticale (Wi-Gerste) oder Steffi sowie die Nacktgerste Lawine erwiesen sich als resistent beziehungsweise gering anfällig. Eine gute Bekämpfung ist mit einer Warmwasserbeize in 60 Minuten bei 42 °C möglich. Hohe Wirkungsgrade sind auch mit Ethanol (70 Prozent) und Lebermooser (relativ teuer) bei einer vertretbaren Verringerung der auflaufenden Pflanzen zu erzielen.
Haferflugbrand
Auch hier gelangen die Sporen während der Blüte zwischen die geöffneten Spelzen, wo sie dann auskeimen. Das Wiesengras Glatthafer kann ebenso befallen und zur Infektionsquelle werden. Es handelt sich jedoch im Gegensatz zum Flugbrand bei Gerste oder Weizen um eine kombinierte Blüten/ Keimlingsinfektion. Das heißt, das Myzel besiedelt zunächst nur die äußeren Schichten des Korns und tritt dann in das Ruhestadium ein.
Die Übertragung der Sporen kann auch über Kontamination von Maschinen oder im Lager zunächst nur von außen am Korn erfolgen. Je nach Sorte und Auflaufbedingungen findet der Flugbrand bei der Keimung dennoch den Weg in den Haferkeimling. Der Haferflugbrand verfliegt nicht so schnell und nicht so vollständig wie der Gerstenflugbrand. Manche Flugbrandrispen bleiben in der Blattscheide stecken und werden dann erst beim Mähdrusch verteilt.
Trockenes Wetter während des Sporenflugs begünstigt die Übertragung. Es lohnt sich, während dieser Zeit in die Haferbestände hineinzugehen und genau hinzuschauen. Befallene Haferpflanzen bleiben kleiner und "verschwinden" später, wenn sie von den gesunden Pflanzen überwachsen werden. So werden die leeren Rispenäste leicht übersehen und gelangen ungehindert ins Erntegut. Beim Nachbau im nächsten Jahr, am besten noch mit Bodentemperaturen über 16 °C, ist die Wahrscheinlichkeit der Infektion des Haferkeimlings sehr hoch.
In Versuchen auf dem Dottenfelder Hof gab es bei 23 Hafersorten im Freiland und im Gewächshaus bei künstlicher Sporeninfektion (Immersion) mit der Betania nur eine Sorte, die absolut befallsfrei blieb. Zwei Sorten hatten weniger als 1 Prozent Befall, sind aber nicht verfügbar. 9 Sorten wurden zu 1 bis 5 Prozent befallen; davon ist nur die Sorte Jumbo im Handel verfügbar.
Eine Bekämpfung mit der "Unterbrochenen Heißwasserbeize" sowie mit Ethanol ist möglich.
Steinbrand und Zwergsteinbrand bei Weizen und Dinkel
Der Weizenstein- oder Stinkbrand gehört schon seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Erkrankungen im Ökolandbau. Mit zunehmender Tendenz. Die Züchtung von resistenten Ökosorten befindet sich erst im Aufbau. Mit "Butaro" von Dr. Hartmut Spieß ist im Jahre 2009 eine erste Winterweizensorte zugelassen worden, die widerstandsfähig gegen Steinbrand ist. Wie die Erfahrungen zeigen, wird mit den zwei zur Verfügung stehenden Maßnahmen der Beizung (Tillecur ®und Cerall ®) diese saatgutübertragbare Krankheit mangels (noch nicht) konsequenter Anwendung nur schwer in Schach gehalten.
Die zusätzliche Gefährdung über eine Bodeninfektion ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Offenbar gibt es laut neuesten Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz Pilzrassen, die je nach Herkunft einen unterschiedlich schweren Befall zur Folge haben.
Die Zeit vor dem Ährenschieben eignet sich, um im Weizen- beziehungsweise Dinkelbestand kranke Pflanzen zu erkennen. Profis können anhand aufgehellter Streifen auf den Blättern (Chlorosen) auf einen Befall schließen. Die Ährchen sind gespreizt und haben graugrüne Hüllspelzen. Wenn keine Staubbeutel zu sehen sind, sollte in die Blüte hineingeschaut werden.
Spätestens beim Öffnen bringen die schwarzen Brandbutten den Steinbrand ans Licht. Dann müssen diese Schläge separat geerntet und gelagert werden. Der Mähdrescher ist anschließend gründlich zu reinigen. Äußerste Vorsicht ist geboten, wenn ein Lohnmähdrescher die Fläche abernten soll. Vor dem Einsatz muss der Mähdrescher sorgfältig inspiziert werden. Wenn dieser zuvor auf einem Schlag mit "Brand-Getreide" war, ist die Infektion des neuen Erntegutes eine logische Folge.
Zwersteinbrand ist nur schwer bekämpfbar. Ursache dafür ist die Infektion des Bodens mit Sporen, die dort bis zu zehn Jahre überdauern können. Hier kann man nur auf den Erfolg in der Resistenzzüchtung hoffen.
Fazit
Im Ökologischen Getreideanbau nimmt die Saatgutgesundheit eine zentrale Rolle ein. Neben der gezielten Auswahl des Standortes und der verschiedenen Möglichkeiten der Bewirtschaftung wie Fruchtfolgeund Saatgutbehandlung etc. gilt es, alle Maßnahmen auf die Gesunderhaltung der Pflanzen auszurichten.
In der Zeit der Blüte beziehungsweise vor dem Ährenschieben ist es empfehlenswert, in die Bestände hineinzugehen und den aktuellen Gesundheitszustand zu ermitteln. Besonders beim Nachbau von am Standort bewährten Sorten ist diese Inspektion unverzichtbar. Es stehen verschiedene Verfahren zur Bekämpfung von Krankheiten wie zum Beispiel Flugbrand oder Steinbrand zur Verfügung. Bei der Sortenauswahl ist auf eine ausreichende Resistenz zu achten.
Literatur
- Gengenbach, Heinz (2009): "Rund um den gewöhnlichen Steinbrand bei Weizen, Dinkel, Emme", Fachinformation Öko-Beratungsteam im LLH
- Gengenbach, Heinz: ( 2008): "Brand" - Aktuelles bei Weizen und Dinkel, Bioland Magazin Nr. 10/2008
- Müller, Karl-Josef und Spieß, Hartmut (2003): "Sortenevaluierung hinsichtlich Flugbrand (Ustilago nuda) und Hartbrand (Ustilago hordei) zur Entwicklung einer Strategie für die Regulierung von saatgutübertragbaren Krankheiten bei der Erzeugung von Wintergerstensaatgut im Ökologischen Landbau", Schlussbericht Forschungsprojekt im Bundesprogramm Ökologischer Landbau
- Müller, K.J. (2010): "Entwicklungsberichte 2009/ 2010", Darzau, Getreidezüchtungsforschung
- Spieß, Hartmut (2010): "Saatgutgesundheit und Öko-Pflanzenzucht bei Getreide" Präsentation
- Spieß, Hartmut, Martis, Sabine (in Jahresbericht des Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V., 2009): "Pflanzengesundheit. Weizensteinbrand- und kein Ende", Institut für Biologisch-Dynamische Forschung, Zweigstelle und Landbauschule Dottenfelder Hof, Bad Vilbel
- Spieß, Hartmut, Klause, Stefan, Martis, Sabine (in Berichte aus Forschung und Züchtung, Dottenfelder Hof 2008): "Züchtungsforschung Getreide"
Der Beitrag ist auch im "
bioland Fachmagazin" 5/ 2010 erschienen.
Aus der Forschung - für die Praxis
Resistenz gegen Flugbrand bei verschiedenen Weizensorten
Der Flugbrand an Weizen führt weltweit zu hohen Ernteverlusten. Im ökologischen Landbau kommt zur Regulierung der samenbürtigen Pilzkrankheit neben biologischen Präparaten und physikalischen Verfahren nur der Anbau resistenter Sorten in Frage. Wissenschaftler am Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz des Julius Kühn-Instituts (JKI) haben die in Deutschland zugelassenen Weizensorten hinsichtlich ihrer Resistenz bzw. Anfälligkeit gegenüber dem Weizenflugbrand geprüft.
Von 21 untersuchten Sommerweizensorten konnten die Wissenschaftler die Weichweizensorten ,Fasan', ,Combi', ,Munk', ,Naxos' und ,Picolo', sowie die drei getesteten Hartweizensorten ,Durabon', ,Durafit' und ,Megadur' als resistent einstufen. Die drei geprüften Sommertriticalesorten ,Gabo', ,Logo', und ,Nilex' blieben nach künstlicher Infektion befallsfrei. Die natürliche Infektion von Sommer- und Winterweizensorten unter Feldbedingungen zeigte aufgrund eines sehr geringen Befalls keine deutlichen Unterschiede zwischen befallsfreien und infizierten Pflanzen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 30.11.2011





