oekolandbau.de - Das Informationsportal



Ansprüche, Fruchtfolgestellung, Bestellung, Pflege, Ernte

 

Die Standortansprüche (Boden, Klima etc.) der verschiedenen Getreidearten unterscheiden sich im Ökolandbau nicht grundsätzlich von denen im konventionellen Anbau. Durch den Ausschluss von Mineraldüngung und chemischem Pflanzenschutz im ökologischen Landbau treten die jeweiligen Grenzen jedoch früher und deutlicher zu Tage. Standortunterschiede, insbesondere hinsichtlich des Bodens, zeigen sich stärker, so dass auch eine gewisse Verschiebung des Anbaus notwendig und sinnvoll wird. Während ein Weizen in Grenzlagen unter konventionellen Bedingungen noch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit den erwarteten Ertrag und die vom Markt nachgefragten Qualitäten erbringen kann, wird er unter ökologischer Bewirtschaftung ertraglich stärker abfallen und kaum je die Qualitätsansprüche decken können. Hier würden sich dann eher (ertragreicherer) Triticale- oder Roggenanbau oder auch Dinkelanbau als Alternative anbieten.

Ansprüche der Kulturen

Weizen

Weite Reihe in einem Weizenbestand
Insbesondere zur Erzeugung guter und sicherer Backqualitäten bei Weizen hat das Hacken in den vergangenen Jahren eine gewisse Bedeutung im Weite-Reihe-Anbau erlangt.
(c) Zwingel

Als anspruchsvollster Getreideart, die dies auch mit entsprechenden Erträgen, Qualitäten und somit Erlösen danken kann, steht dem Weizen die beste Fruchtfolgestellung nach Leguminosen zu. Leguminosen werden meist als Futterpflanzen (oder als Stilllegung) in Form eines ein- oder mehrjährigen Kleegrases bzw. einer Klee- oder Luzernereinsaat angebaut. Mit Reinsaaten ist eine höhere Stickstofffixierung zu erzielen.

Nach höheren Leguminosenanteilen kann die Stickstoffversorgung, insbesondere zur Erzeugung der vom Markt geforderten Qualitäten, schon knapp sein. Insbesondere Erbsen zeigen bezüglich der Stickstoffverfügbarkeit zwar eine relativ schnelle Umsetzung, aber wenig Nachhaltevermögen. Ackerbohnen sind hier etwas besser einzustufen, ohne in dieser Hinsicht wirklich gut zu sein.

Weizen kann auch erfolgreich nach Kartoffeln angebaut werden, wenn diese direkt nach Futterbau oder Stilllegung gesetzt wurden. Hier nutzt der Weizen insbesondere die von der Kartoffel hinterlassene gute Bodenstruktur sowie die Nachwirkungen der Kartoffel-Vorfrucht beziehungsweise den organischen Dünger aus Pflanzenrückständen. Sowohl beim Ertrag als auch bei der Qualität kann diese Stellung hinsichtlich des Weizens durchaus konkurrieren mit der umgekehrten Variante (also Kartoffel nach Weizen).

Die im konventionellen Anbau klassischen Weizenvorfrüchte Raps, Zuckerrüben und  Mais spielen vom Anbauumfang her eine untergeordnete Rolle und lassen einen Qualitätsweizenanbau unter den meisten Standortvoraussetzungen nicht zu. Diese Fruchtfolgestellung hat meist nur in der Umstellung oder zur Futtererzeugung eine Bedeutung. Weizen sollte unter ökologischen Bedingungen nie nacheinander oder nach eine andere Getreideart gestellt werden.

Alle anderen Getreidearten sind im Vergleich zu Weizen weniger anspruchsvoll. Sie können jeweils direkt nach Weizen folgen. Hinsichtlich ihrer Ansprüche können sie in einer Rangfolge wie folgt eingegliedert werden: Gerste > Triticale > Hafer > Roggen.

Dinkel

Dinkel nimmt eine gewisse Sonderstellung ein, weil seine Verwandtschaft zum Weizen auch ein zusätzliches Pilzproblem mitbringt, so dass ein Anbau nach Weizen möglichst zu vermeiden ist. Er wird meist anstelle von Weizen auf den etwas schwächeren Standorten oder nach Körnerleguminosen angebaut.

Sommergerste und Hafer

Sommergerste und Hafer sind als Sommerungen auch zum Wechsel in der Fruchtfolge interessant. Hafer stellt keine großen Fruchtfolgeansprüche. Er weist von allen Getreidearten den deutlich geringsten Ertragsrückgang nach einer Umstellung auf ökologischen Landbau auf, sofern die Wasserversorgung gesichert ist.

Roggen

Roggen hat von allen Getreidearten die insgesamt geringsten Ansprüche. Er verträgt darüber hinaus auch ohne Schwierigkeiten einen Nachbau. Der zweite Roggen kann möglicherweise sogar besser im Ertrag sein, wenn es ein insgesamt besseres Roggenjahr ist.

Winterformen

Die Winterformen von Gerste, Roggen und Triticale haben wegen ihres relativ frühen Startes einen entsprechend frühen Nährstoffbedarf. Dieser kann in der Regel nicht aus Bodenvorräten gedeckt werden, weil zu diesem Zeitpunkt bei kaltem Boden noch eine ausreichende Mineralisierung gegeben ist. Hier ist gegebenenfalls eine Güllegabe insbesondere in kalten, nassen Frühjahren hilfreich.

Bestellung, Pflege, Ernte

Hinsichtlich der Bestellung und insbesondere der Ernte zeigen sich bei den Getreidearten keine grundsätzlichen Unterschiede, die auf die ökologische Bewirtschaftung zurückzuführen sind. Die bekannten Eigenheiten der Früchte zeigen sich bei grober Betrachtung unabhängig von den Bewirtschaftungssystemen. Während Weizen etwa hohe Ansprüche an den Boden, aber geringe an die Saat stellt, ist Roggen wenig bedürftig gegenüber dem Boden, aber sehr anspruchsvoll bezüglich der Saatbedingungen. Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch durchaus Unterschiede.

Da das Wachstum unter ökologischen Bedingungen stärker von einer intakten Bodenstruktur und einem aktiven Bodenleben abhängig ist, sind die Ansprüche an möglichst optimale Bedingungen zur Bodenbearbeitung und Saat generell höher. Das zur Verfügung stehende Zeitfenster für die Bestellung im Mittel der Jahre ist tendenziell enger und in der Betriebsorganisation unbedingt zu beachten. Darüber hinaus ist normalerweise mit geringeren Bestockungsfaktoren zu rechnen. Dies sollte generell über eine in der Regel etwas höhere Aussaatstärke (circa 10 Prozent) und eine tendenziell etwas frühere Aussaat bei Winterungen kompensiert werden. So kann eine auch für die Unkrautunterdrückung notwendige ausreichende Bestandesdichte gewährleistet werden.

Der bekannte Antagonismus "Quantität - Qualität" zeigt sich insbesondere bei der sicheren Erzeugung von Qualitätsweizen. Frühe Aussaaten bringen zwar tendenziell höhere Erträge, aber erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, die geforderten Kleberwerte nicht zu erreichen. Spätsaaten stellen quasi eine künstliche Ertragsbegrenzung mit dem Ziel der Qualitätsabsicherung dar, bringen aber das Witterungsrisiko mit. Hier ist ein gutes Einschätzen der Standorteigenschaften, aber auch des eigenen Risikopotenzials besonders wichtig.

Spätsaaten bei Roggen sind fast immer problematisch. Was er vor Winter nicht angelegt hat, kann er im Frühjahr - im Gegensatz zum Weizen - nicht mehr ausgleichen. Die gegenteilige Entwicklung, also ausgesprochene Frühsaaten, ist aber auch - zumindest langfristig betrachtet - nicht frei von Risiken. Während diese beim Roggen auf Grund seiner geringen Pilz- und Unkrautgefährdung keine nennenswerte Bedeutung haben (und der Roggen ohnehin kaum durch eine überfrühe Saatzeit profitieren kann), ist das Gefährdungspotenzial beim Weizen deutlich höher. Ein warmer Herbst und ein milder, niederschlagsreicher Winter können hier für erhebliche Probleme sorgen.

Hackstriegel zur Unkrautregulierung
Der Hackstriegel ist das wichtigste Gerät zur Unkrautbekämpfung.
(c) Zwingel

Die Unkrautregulierung erfolgt zumeist über den Hackstriegel. In der Regel werden zwei Arbeitsgänge, bei Roggen eher weniger (teilweise überhaupt nicht), bei Weizen auch mal drei (zum Beispiel Kämmen von Klettenlabkraut) ausgeführt. Generell ist von zu häufigem Striegeln abzuraten, weil es zum einen für die Kulturpflanze ein gewisser Stress ist und zum andern auch kaum mehr zusätzliche Effekte bringen kann. Vor allem auf schweren Böden, bei denen die Wirkung des Hackstriegels an seine Grenzen stoßen kann, ist das Hacken auch in Getreide eine Alternative.

Die Ernte unter ökologischen Bedingungen stellt keine außergewöhnlichen und von konventionellen Vergleichen deutlich abweichenden  Themenfelder. Lediglich die normalerweise etwas frühere Abreife (geringere Stickstoffversorgung) und der in der Regel etwas höhere Unkrautsamenbesatz, der damit Feuchtigkeit in das Erntegut bringt, sind zu beachten und durch erhöhte Sorgfalt bei Reinigung, Belüftung und gegebenenfalls Trocknung auszugleichen.

Literaturhinweis

Titelblatt "Weite Reihe"
© Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Das Anbauverfahren Weite Reihe

In einer Gemeinschaftsaktion haben der Lehrstuhl für organischen Landbau an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit Unterstützung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für interessierte Praktiker jetzt die Broschüre  "Das Anbauverfahren Weite Reihe" herausgebracht.

Die 42-seitige Broschüre informiert über die neuesten Erkenntnisse zu diesem Anbauverfahren, das bei viehlos wirtschaftenden Ökobetrieben im Weizenanbau zu stabileren Erträgen und vor allem wesentlich besseren Qualitäten führen soll.

Sie kann bei den Beratungskräften des Ökoteams Hessen oder der Bibliothek des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (Kölnische Str. 48-50, 34117 Kassel) gegen eine Schutzgebühr von 3.- € (+ Versandkosten) bezogen werden. Sie steht außerdem zum Download im Internet unter externer Link folgthttp://www.LLH-hessen.de bereit.

Aus der Forschung - für die Praxis

Merkblatt "Biodinkel": Hochwertige Backwaren durch Optimierung von Anbau und Verarbeitung

Backwaren aus Biodinkel sind gefragt. Der Weizenverwandte gilt als gut verträglich und gesund; im Anbau wird Dinkel als anspruchloses und gesundes Getreide geschätzt. In der Verarbeitung hingegen treten immer wieder Probleme auf, die sich auch aus fehlendem Wissen im Umgang mit seinen speziellen Eigenschaften ergeben.

Im Rahmen zweier Forschungsvorhaben im Bundesprogramm Ökologischer Landbau haben der Ökoanbauverband Bioland e.V. und das Max-Rubner-Institut (Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide) einen Leitfaden erarbeitet, der in der Reihe der Merkblätter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) veröffentlicht wurde. Das FiBL-Merkblatt "Biodinkel" vermittelt Biolandwirten und -verarbeitern altes und neues Wissen im Umgang mit Dinkel. Neben anbautechnischen Empfehlungen zeigt der Leitfaden den Einfluss von Mahlverfahren und Sorte auf das Backverhalten und liefert zahlreiche Tipps zur Optimierung der Mahlerzeugnisverarbeitung.

Näheres zum Projekt:

Aus der Forschung - für die Praxis

Ackerbauliche Probleme langjährig ökologisch wirtschaftender Betriebe

Manche langjährig ökologisch wirtschaftenden Betriebe berichten von ackerbaulichen Problemen wie zum Beispiel Ertragsdepressionen oder Anbauschwierigkeiten einzelner Kulturen, die keinen eindeutigen Faktoren wie Managementfehlern, Standort- und Umweltfaktoren zuzuordnen sind. Ein Forschungsvorhaben ist diesen Problemen in Zusammenarbeit von Praxis, Beratung und Wissenschaft auf den Grund gegangen.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtUntersuchung ackerbaulicher Probleme langjährig ökologisch wirtschaftender Betriebe; Kooperationsmodell Praxis - Beratung - Wissenschaft

Die Ergebnisse wurden auch als Broschüre und als ausführlicher Ergebnisbericht veröffentlicht:

Schmidt, Harald (2007): Problembereiche im Öko-Ackerbau - Analyse von Praxisbeispielen. Verlag Dr. Köster, Berlin

externer Link folgtZur Buchbestellung

Aus der Forschung - für die Praxis

Stickstoffeinfuhr durch Lebendmulchsysteme mit Leguminosen

Die Stickstoffversorgung von Kulturen ist im ökologischen Landbau ein neuralgischer Punkt. Ein höherer Anteil an Leguminosen in der Fruchtfolge könnte sie verbessern; jedoch sind viele Leguminosen mit sich selbst oder anderen Arten unverträglich. In einem Projekt sind Leguminosen als Lebendmulch in Weizen und Roggen erprobt worden.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtLebendmulchsysteme mit einjährigen Leguminosen

Letzte Aktualisierung: 30.11.2011

Seitenende