Kulturdatenblatt Dinkel
Der bespelzte Dinkel (Triticum spelta), auch Spelz oder Spelzweizen genannt, weist als alte Kulturpflanze im Gegensatz zu Einkorn und Emmer den gleichen hexaploiden Chromosomensatz wie Weizen auf. Die ökologische Anbaufläche von Dinkel beträgt in Deutschland im Jahr 2009 rund 22.000 ha (2005: rund 15.000 Hektar; 2007: 17.500 Hektar) und steigt somit kontinuierlich an.
Dinkel unterliegt im Anbau und damit auch im Preis als relativ "kleine" Kultur zum Teil starken Schwankungen. Nach dem Entspelzen wird er hauptsächlich zu Backzwecken genutzt, wobei wie beim Weizen hohe Anforderungen an Proteinmenge und -qualität gestellt werden. Weitere wichtige Nutzungsmöglichkeiten bestehen in der Nudel- und Flockenherstellung. In der Teigreife geernteter Dinkel wird in speziellen Darren zu Grünkern verarbeitet.
Standort
Dinkel bevorzugt gute tiefgründige Böden. Er kann aber auch auf leichteren Standorten zufrieden stellende Erträge bringen, hat dort aber häufiger Probleme mit der Backqualität. Zu beachten ist, dass Dinkel bei zu hohen Stickstoffnachlieferungen mit Lagerneigung reagiert.
Fruchtfolge
Dinkel steht wie Weizen vorzugsweise nach Leguminosen, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Feldgemüse, in der Regel aber nach der etwas schwächeren Vorfrucht im Vergleich zum Weizen. Aufgrund schwächerer Standfestigkeit ist der Anbau nach Körnerleguminosen oft dem Anbau nach Futterleguminosen vorzuziehen. Der Anbau nach Weizen oder Getreide ist wegen erhöhten Pilzdrucks, insbesondere Fußkrankheiten, nur im Ausnahmefall sinnvoll.
Saat
Die Saatzeit liegt je nach Region etwa eine Woche vor dem Winterweizen. Die Saatstärke beträgt 250 bis 400 bespelzte Körner (Fesen) pro Quadratmeter. Dies entspricht einer Aussaatstärke von 200 bis 250 Kilogramm pro Hektar (Bodenklappe weit öffnen). Die Saattiefe soll vier bis fünf Zentimeter sein.
Ein Reihenabstand von zehn bis 16 Zentimetern ermöglicht eine gleichmäßige Standraumverteilung der Einzelpflanzen. Anbausysteme mit weiterem Reihenabstand, bei denen zwischen den Reihen gehackt oder gemulcht wird, dienen insbesondere der Qualitätsabsicherung oder der Unkrautregulierung. Über eine Reduzierung des Ertrages bzw. eine zusätzliche Mineralisation wird eine Verbesserung der Backqualität angestrebt.
Sortenwahl

- Seit Jahren wird der Dinkelanbau im ökologischen Landbau ausgeweitet.
Foto: T. Stephan
Dinkelsorten, bei denen kaum Weizen eingekreuzt wurde, sind beispielsweise Oberkulmer Rotkorn, Schwabenspelz, Schwabenkorn. Diese Sorten werden von vielen Abnehmern bevorzugt. Sorten mit einem hohen Tausendkorngewicht (z.B. Oberkulmer Rotkorn) werden vor allem für die Direktvermarktung bevorzugt. Ein besonderes Merkmal dieser Sorten ist der über Jahre hohe Feuchtkleber- und Rohproteingehalt.
Sorten wie Frankenkorn, Badengold und Zollernspelz sind ertragreicher und eher für den Anbau auf besseren Standorten auszuwählen. Die Qualitätsmerkmale sind im Vergleich mit den anderen Sorten eher schwächer ausgeprägt. Direkte Absprachen mit abnehmenden Bäckern sind sinnvoll, um die Sorte nach dessen Ansprüchen und dem eigenen Standort zu wählen. In Norddeutschland wird häufig auch Frankenkorn angebaut. Bauländer Spelz wird für die Grünkerngewinnung angebaut.
Düngung
Die Stickstoffnachlieferung erfolgt aus der Vorfrucht (Leguminosen). Wegen der Lagergefahr sollte je nach Sorte nur verhalten Stallmist, Gülle, Jauche oder anderer organischer Dünger verwendet werden. Weitere Düngemaßnahmen (Kalium, Phosphor, Calcium) im Rahmen der Fruchtfolge sollten nur nach vorheriger Bodenuntersuchung vorgenommen werden.
Unkrautregulierung
Die erhältlichen Sorten besitzen eine gute Konkurrenzkraft gegen Unkraut, so dass in der Regel zwei Durchgänge mit dem Striegel ausreichen. Ein erster Striegeldurchgang ist möglichst zeitig ab dem Drei-Blatt-Stadium im Frühjahr durchzuführen, ein zweiter Durchgang drei bis vier Wochen später. In Einzelfällen kann im späteren Stadium ein "Herauskämmen" von Klettenlabkraut oder Unkrautwicke erfolgen. Bei geplanter Untersaat ist der letzte Striegeldurchgang vorzuverlegen.
Krankheiten und Schädlinge
- Echter Mehltau tritt nur selten bei überzogener Düngung auf.
- Zur Vermeidung der Spelzenbräune sollten je nach Standort Sorten mit mittlerer oder guter Resistenz gewählt werden.
- Braunrost tritt in den gefährdeten Gebieten bzw. bei entsprechendem Witterungsverlauf auf. An gefährdeten Standorten sind anfällige Sorten zu vermeiden.
- Fußkrankheiten (z.B. Halmbruch, Schwarzbeinigkeit, Rhizoctonia) sind in getreidestarken Fruchtfolgen und milden Wintern problematisch.
- Um samenbürtige Krankheiten (z.B. Steinbrand, Zwergsteinbrand, Flugbrand) zu vermeiden, sollte auf Brandsporen kontrolliertes Saatgut gekauft oder der eigene Nachbau entsprechend kontrolliert werden.
- Beim Anbau von Dinkel sind keine besonderen Schädlingsprobleme bekannt.
Besonderheiten
Ein hohes Bestockungsvermögen hat gute Kompensationsmöglichkeiten zur Folge, muss aber auch bezüglich Bestandesdichte und Lagergefahr beachtet werden.
Je nach Verwertung wird der Dinkel zu unterschiedlichen Zeitpunkten geerntet. Soll Grünkern hergestellt werden, findet die Ernte Anfang bis Mitte Juli zur Milch- bzw. Teigreife (bei 40 bis 50 Prozent Wassergehalt) statt. Der Dinkel wird dann in einem Verfahren mit Buchenholzfeuerung und Raucheinleitung (Darre) zu dem aromatisch schmeckenden, grünen Getreidekorn verarbeitet.
Dinkel für die Mehlherstellung wird nach völliger Abreife (Totreife) im Mähdruschverfahren etwa zur gleichen Zeit wie mittelspäter Weizen geerntet. Gedroschen werden sollte mit weit geöffnetem Dreschkorb und Sieb und gedrosselter Drehzahl.
Zu niedriger Feuchtigkeitsgehalt bei der Ernte führt zu vermehrten Verlusten durch Bruchkorn beim Schälen (Gerben).
Weitere Informationen:
Aus der Forschung - für die Praxis
Merkblatt "Biodinkel": Hochwertige Backwaren durch Optimierung von Anbau und Verarbeitung
Backwaren aus Biodinkel sind gefragt. Der Weizenverwandte gilt als gut verträglich und gesund; im Anbau wird Dinkel als anspruchloses und gesundes Getreide geschätzt. In der Verarbeitung hingegen treten immer wieder Probleme auf, die sich auch aus fehlendem Wissen im Umgang mit seinen speziellen Eigenschaften ergeben.
Im Rahmen zweier Forschungsvorhaben im Bundesprogramm Ökologischer Landbau haben der Ökoanbauverband Bioland e.V. und das Max-Rubner-Institut (Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide) einen Leitfaden erarbeitet, der in der Reihe der Merkblätter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) veröffentlicht wurde. Das FiBL-Merkblatt "Biodinkel" vermittelt Biolandwirten und -verarbeitern altes und neues Wissen im Umgang mit Dinkel. Neben anbautechnischen Empfehlungen zeigt der Leitfaden den Einfluss von Mahlverfahren und Sorte auf das Backverhalten und liefert zahlreiche Tipps zur Optimierung der Mahlerzeugnisverarbeitung.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Weizenformen mit Resistenzeigenschaften gegen Braunrost
Auf der Suche nach Weizenformen mit Resistenzeigenschaften gegen den Erreger des Braunrostes haben Wissenschaftler der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau resistente Formen gefunden. Davon sind einige Weizenformen direkt für den Anbau geeignet, während andere Eingang in Kreuzungsprogramme finden könnten.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 01.08.2011

