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Kulturdatenblatt Gerste

 
Gerstenähren
Bei gegebener Produktionstechnik und guten Standortvoraussetzungen (insbesondere auf klassischen Braugerstenstandorten) sowie im Futterbau behauptet Sommergerste agronomisch wie wirtschaftlich mit Recht ihren Platz.
Foto: T. Stephan

Der Stellenwert von Winter- beziehungsweise Sommergerste im ökologischen Landbau leitet sich insbesondere im Marktfruchtbau vom notwendigen Fruchtwechsel zwischen den Getreidearten sowie zwischen Sommer- und Winterungen ab. Die Statistik weist 2009 im ökologischen Anbau 12.500 Hektar Sommergerste und 11.000 Hektar Wintergerste aus.

Ein im Vergleich zu anderen Getreidearten eher unterdurchschnittliches Ertragspotenzial und die bei Braugerste höheren Qualitätsrisiken, werden von den geringeren Ansprüchen an Standort und Nährstoffversorgung nicht immer vollständig wettgemacht.

Sommergerste wird für Brauzwecke und als Futter- und Speiseware angebaut. Bei Erreichen guter Brauqualitäten von Sommergerste (Eiweißgehalt < 11,5 Prozent, hoher Vollgerstenanteil mit gut ausgebildetem Korn - größer 2,5 Millimeter - und feiner Spelze, hohe Keimfähigkeit - größer 97 Prozent -, ohne Beschädigungen und Fremdgerüche) lässt diese sich meist gut vermarkten.

Wintergerste hingegen dient nicht der Bierherstellung. In Veredelungs- und Futterbaubetrieben wird Wintergerste im eigenen Betrieb verfüttert. Von Marktfruchtbetrieben wird sie meist über Erzeugerzusammenschlüsse an Futtermittelhersteller vermarktet. Mit Ausdehnung der Schweinehaltung wird auch der Bedarf an Futtergerste weiter steigen.

Standort

Sommergerste besitzt eine relativ breite Anbaueignung und gedeiht, wenn auch mit geringerer Ertragserwartung, auch auf schwächeren Standorten. Ausschlaggebend für den Anbauerfolg ist unter anderem die frühe Befahrbarkeit der Böden. Eine zeitige Saat ohne jegliche Strukturschäden muss sichergestellt sein.

Auf Staunässe, schlechte Durchlüftung und andere Verdichtungsmomente reagiert Braugerste durchweg negativ. Zum Beispiel sind feuchte Frühjahrsbedingungen auf schweren Böden, die eine Entwicklung des Wurzelwerks erschweren, oder Einschmieren der Saat durch keine Maßnahme auszugleichen. Eine gute Bodenstruktur ergänzt durch eine ausreichende Kalkversorgung ist daher besonders wichtig.

Böden mit gutem Nährstoffangebot, insbesondere in der Jugendphase, die während der Einkörnung nur eingeschränkt zur Mineralisierung neigen, sind Voraussetzung für gute Brauqualitäten. Lehmige und tiefgründige Böden setzen vor allem in kühleren Lagen Stickstoff aus organischer Substanz langsam und kontinuierlich frei. Insbesondere in Betrieben mit nennenswertem Viehbesatz und/ oder starkem Kleegrasanbau muss auf solchen Standorten bei höheren Bodentemperaturen, ausreichender Bodenfeuchte und guter Durchlüftung mit hohen Stickstoffnachlieferungsraten gerechnet werden. Ein schwer kalkulierbarer Stickstofffluss mit dem Risiko zu hoher Eiweißgehalte ist die Folge. Sandige oder flachgründige und humusreiche Böden bieten bessere Voraussetzungen. In wärmeren Lagen mineralisieren sie den vorhandenen Stickstoff aus organischer Substanz relativ schnell, aber nicht besonders lang anhaltend.

Die Kunst des erfolgreichen Anbaus von Braugerste besteht vor allem darin, alle anbautechnischen Maßnahmen optimal auf die Gegebenheiten des Standortes abzustimmen.

Fruchtfolge

Wintergerste hat den Nachteil, dass sie - bis auf klimatisch besonders begünstigte Lagen- bis spätestens Ende September im Boden sein muss, da sonst die Gefahr der Auswinterung steigt. Vorfrüchte müssen deshalb früh räumen. Die frühe Bestellung kann mit einem enormen Unkrautdruck vor dem Winter einhergehen.

Hinsichtlich der Fruchtfolgestellung kann Sommergerste als wesentliche Stärke ihre Flexibilität ausspielen und ist je nach Standort auf allen Plätzen prinzipiell anbaubar. In der Praxis findet sie ihren Platz jedoch oft in zweiter oder dritter Tracht einer Abfolge von Marktfrüchten und steht meist nach Wintergetreide. Bisweilen ist die Stickstoffverfügbarkeit unter diesen Bedingungen eingeschränkt. Sommergerste dankt jedoch einer Vorfrucht, die ihr für eine optimale Jugendentwicklung und Bestandesdichtebildung genügend Stickstoff zur Verfügung stellt.

Auf Böden mit hoher Umsetzungsaktivität kann eine nicht zu wüchsige Gründüngung - im Spätherbst eingearbeitet - Vorteile bringen. Bei Kartoffelbaubetrieben kommt diese aufgrund der Bodenstruktur als gute Vorfrucht in Frage. Kombiniert mit der neuen Feldfutter/ Kleegemenge-Untersaat ist Sommergerste auch als abtragende Frucht gut platziert, da sie der Untersaat ideale Voraussetzungen bietet.

Saat

Sommergerste hat ein relativ schwaches und vor allem empfindliches Wurzelwerk und benötigt deshalb einen gut durchwurzelbaren Oberboden ohne Verdichtungen. Trockene Grundbodenbearbeitung gehört daher ebenso zu den zwingenden Voraussetzungen eines erfolgreichen Gerstenanbaus wie das Aufbrechen gegebenenfalls vorhandener alter Verdichtungen im Pflugsohlenbereich. Im Regelfall ist eine sorgfältige, nicht zu flache Herbstfurche allen anderen Bearbeitungsvarianten vorzuziehen. Eine Frühjahrsfurche zieht besonders auf leichteren Böden oft eine zu knappe Wasserversorgung nach sich.

Die Aussaat erfolgt bei abgetrockneten Böden und feinem Saatbett ab Mitte März bis Mitte April. Da die Sommergerste nur bedingt frostempfindlich ist, wäre eine Saat im März aus ertraglicher Sicht zu empfehlen. Im Zweifelsfall gilt jedoch "trocken vor früh". Keine Getreideart reagiert empfindlicher auf Bearbeitungsfehler als Gerste. Die Saatbettbereitung ist schonend mit möglichst wenig Bodendruck durchzuführen. Zur besseren Durchlüftung ist eine tendenziell tiefere Saatbettbereitung sinnvoll.

Beste Auflaufbedingungen vorausgesetzt, reichen die sorten- und gegendtypischen Saatstärken von meist 330 bis 350 keimfähigen Körnern je Quadratmeter aus. Etwas höhere Saatstärken (380 bis 400 Körner/ m2) wirken sich bei regelmäßig zu knappen Bestandesdichten eher positiv aus. Dünnsaaten sind im System ökologischer Landbau nur mit großer Vorsicht auszuprobieren.

Wie bei allen Druschfrüchten wird die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit auch bei erschwerten Bedingungen (Kalttest) unbedingt empfohlen und auf zertifiziertes Ökosaatgut oder entsprechend getesteten Nachbau verwiesen.

Die anzustrebende Ablagetiefe in das feinkrümelige, abgesetzte Saatbett liegt bei zwei bis drei Zentimetern. Die üblichen Reihenabstände von neun bis zwölf Zentimetern sind ohne Alternative. Um einen schnellen Feldaufgang zu gewährleisten, ist ein Anwalzen aufgrund der intensiven Saatbettbereitung oft zwingend.

Sortenwahl

Während bei Futtergerstensorten maximaler Ertrag und ausreichende Pflanzenlänge die Auswahlkriterien darstellen, gilt es bei den Braugerstensorten für den ökologischen Landbau die Balance aus Qualitätsanforderungen der Abnehmer und pflanzenbaulichen Eigenschaften zu finden.

Gängige Gerstensorten für den ökologischen Anbau:

Futtergerste

  • Lomerit
  • Fridericus
  • Mercedes
  • Highlight
  • Orthega
  • Eunova
  • Armada

 

Braugerste

  • Marthe
  • Quench
  • Braemar
  • Wintmalt (Winterbraugerste)

Stand: 2009

Düngung

Das Ziel, mit einer guten Stickstoffversorgung im Frühjahr ausreichende Bestandesdichten zu erreichen, kann im viehhaltenden Betrieb durch Gülle oder Jauche unterstützt werden. Bei dünnen Beständen kann mit zehn bis 20 Kubikmeter Gülle, die vor der Saat eingearbeitet werden, die Bestandesdichte gefördert werden. Stallmist- oder Kompostdüngung ist wegen des unwägbaren Mineralisierungsverhaltens bei Braugerste zu vermeiden.

Unkrautregulierung

Gerste verfügt über eine relativ geringe Konkurrenzkraft und reagiert besonders bei schüttenden Böden auch noch im Drei-Blatt-Stadium empfindlich auf das Striegeln.

Wintergerste striegeln die Ökolandwirte im Frühjahr, um den Beikrautbesatz einzudämmen. Um Schäden zu vermeiden, striegeln viele Betriebe Sommergerste im Vorauflauf und dann erst wieder ab Bestockungsbeginn. Intensive mechanische Unkrautbekämpfung, insbesondere spätes Hacken sollte noch vor dem Zwei-Knoten-Stadium abgeschlossen sein, um unerwünschte Stickstofffreisetzungen sowie Zwiewuchs zu vermeiden. Bei starkem Flughaferdruck ist der Anbau von Sommergerste nicht zu empfehlen.

Krankheiten

Trotz der - mangels üppiger Stickstoffversorgung - geringeren Dynamik im Infektionsgeschehen ist gerade Braugerste in witterungsbedingten Stresssituationen anfällig gegenüber einzelnen Pilzkrankheiten, die eine schwache Kornausbildung und erhöhte Eiweißgehalte nach sich ziehen können. Zu nennen sind die Anfälligkeit gegen Netzflecken bei feucht-warmer Witterung, Rhynchosporium-Blattflecken bei feucht-kühler Witterung und seltener Mehltau bei Trockenheitsstress. Gerade im ökologischen Landbau ist daher auf blattgesunde Sorten und auf Verwendung von gesundem Saatgut zu achten.

Besonderheiten

Da chemischer Pflanzenschutz und Mineraldüngung laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht erlaubt sind, wird im ökologischen Landbau mit allen klassischen, ackerbaulichen Maßnahmen (vor allem Fruchtfolge, Grundbodenbearbeitung, Saatbeetbereitung und Saat) die Basis für Ertrag und Qualität gelegt. Von den drei Ertragsfaktoren (Kornzahl, Tausendkorngewicht, Bestandesdichte) ist gerade die zweizeilige Sommergerste bei der Kornzahl pro Ähre beschränkt.

Neben einer guten Kornausbildung ist die Kultur daher besonders auf hohe Bestandesdichten von 500 bis 600 Ähren pro Quadratmeter angewiesen. Bei allen kulturtechnischen Maßnahmen steht deswegen das Erreichen einer ausreichenden Bestandesdichte im Vordergrund. Das größte Risiko des Braugerstenanbaus (zu hoher Eiweißgehalt) wird so - quasi nebenbei - entschärft. Entscheidend ist in jedem Fall die optimale Abstimmung aller Maßnahmen auf die Eigenheiten des Standorts.

Die Wintergerste wird früh gedroschen und gibt damit den Acker für eine gründliche Stoppelbearbeitung und den Zwischenfruchtanbau frei. Die notwendige Stickstoffversorgung erfolgt über die Vorfrucht oder eine Gülle- bzw. Jauchedüngung. Besonders leichte Bodentypen benötigen Gülle- oder Jauchedüngung, da sie Stickstoff leicht in unerreichbare Bodenschichten verlagern.

Weitere Informationen:

Management-Handbuch für die ökologische Landwirtschaft: umfangreiche Auszüge aus dem Betriebszweig Getreidebau

Aus der Forschung - für die Praxis

Streifenkrankheit bei Sommergerste

Die Streifenkrankheit Pyrenophora graminea gehört in unseren Breiten zu den bedeutendsten saatgutübertragbaren Krankheiten der Gerste. Ein Forschungsvorhaben hat das deutsche Sommergerstensortiment auf seine Anfälligkeit gegen die Streifenkrankheit unter ökologischen Anbaubedingungen untersucht. Die Sorten Peggy und Baccara zeigten mit unter 0,1 Prozent Befall neben den Resistenzträgern Vada, Betzes, Ricardo und Trysil die ausgeprägteste Widerstandsfähigkeit. Weitere zehn Sorten blieben im Durchschnitt unter einem Prozent Befall. Mit über fünf Prozent Befall erreichten 13 Sorten ein ertragsgefährdendes Anfälligkeitsniveau. Bei der Sorte Prestige wurde ein Befallsgrad bis zu 38 Prozent festgestellt. Die Standortbedingungen, unter denen die Infektion in die Blüte stattfand, hatten neben der sortenspezifischen Anfälligkeitsneigung den größten Einfluss auf den Befallsgrad in der Folgegeneration.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtStreifenkrankheit bei Sommergerste

Aus der Forschung - für die Praxis

Zuchtgarten-Befallsmanagement für die Züchtung flugbrandresistenter Sommergersten

Bei der Züchtung und Vermehrung von Sommergersten unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus stellen die saatgutübertragbaren Krankheiten ein Hindernis dar; als Lösung bietet sich die Züchtung resistenter Sorten an. Jedoch schreckt viele Züchter die Möglichkeit einer unkontrollierten Ausbreitung der Krankheit im Zuchtgarten ab. In einem Forschungsvorhaben wurde ein Zuchtgarten-Befallsmanagement für die Züchtung flugbrandresistenter Sommergersten entwickelt. Nach Auswertung der Untersuchungen schlagen die Forscher vor, durch drei Generationen von F4 bis F6 Infektionsstreifen für die Flugbrandausbreitung zu verwenden und die künstliche Inokulation nur für eine Nachprüfung der Resistenz in F7 und für neu zu prüfende Muster einzusetzen. Nach Ansicht der Wissenschaftler können mit dieser Methode unterschiedliche Resistenzquellen parallel bearbeitet werden, und es ist möglich, mit geringem Aufwand darüber hinaus quantitative Resistenzen zu entwickeln.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtEntwicklung eines Zuchtgarten-Befallsmanagements für die Züchtung flugbrandresistenter Sommergersten unter natürlichen Befallsbedingungen

Aus der Forschung - für die Praxis

Saatgutbehandlungsmittel gegen Gersten- und Weizenflugbrand

Gersten- und Weizenflugbrand können Ertragseinbußen verursachen und die Sporen sind toxikologisch bedenklich. Im Ökolandbau werden gegen die saatgutübertragbaren Erkrankungen der Ähre keine chemischen Beizmittel eingesetzt. Ein Forschungsvorhaben hat alternative Saatgutbehandlungsmittel untersucht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtUntersuchung von Saatgutbehandlungsmitteln/ Resistenzinduktoren mit Wirksamkeit gegen Gersten- und Weizenflugbrand

Letzte Aktualisierung: 02.08.2011

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