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Kulturdatenblatt Hafer

 
Haferrispen
Im ökologischen Landbau wird sowohl bespelzter Hafer als auch Nackthafer angebaut.
Foto: T. Stephan

Bis ins späte Mittelalter hinein war Hafer das wichtigste Grundnahrungsmittel für den Menschen. Mit der Einführung der leichter zu kultivierenden Kartoffel verlor er für die menschliche Ernährung jedoch schnell an Bedeutung. Damals wie heute ist Hafer auch ein energiereiches Kraftfutter für Tiere, vor allem für das Pferd. Seit keine Arbeitspferde mehr eingesetzt werden, ist sein Anbauumfang allerdings stark zurückgegangen. 2009 wurden 21.000 Hektar Ökohafer angebaut.

Hafer aus ökologischem Anbau dient vor allem der Flockenherstellung, als Komponente bei der Brotherstellung und als Futtergetreide. Der Haferanbau für Konsumzwecke ist lohnend, wenn geeignete Vermarktungswege geklärt beziehungsweise vertraglich abgesichert sind. Die Anforderungen des Verarbeiters an Sorte und Qualität sollten vorab geklärt sein.

Standort

Hafer ist vor allem in feuchteren und kühleren Gebieten Mittel- und Nordeuropas verbreitet.

Fruchtfolge

Hafer ist unter den Getreiden von gutem Vorfruchtwert. Er gilt als Gesundungsfrucht, denn für viele Erreger von Getreidekrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) ist Hafer keine Wirtspflanze. So trägt er dazu bei, die Anbaufläche gesund zu halten.

Hafer hat ein sehr leistungsfähiges Wurzelsystem und kommt - eine gute Wasserversorgung vorausgesetzt - mit praktisch allen Bodenarten zurecht. Der vergleichsweise hohe Wasserbedarf ist in trockeneren Gebieten auch in der Fruchtfolge zu beachten.

Saat

Die Aussaat erfolgt so zeitig im Frühjahr, wie es der Boden zulässt. Hafer reagiert empfindlich auf zu späte Saat - er hat eine lange Entwicklungszeit und braucht die Bodenfeuchte des Frühjahrs. Außerdem sind frühe Saaten relativ gut vor dem Befall durch die Fritfliege geschützt. Die Saatstärke beträgt je nach Bodengüte 100 bis 150 Kilogramm Samen pro Hektar, wobei leichtere Böden die geringere Saatstärke erfordern. Hafer verträgt eine tiefere Saatablage von 2,5 bis sechs Zentimetern je nach Bodentyp. Das Anwalzen der Saat hat sich bewährt.

Sortenwahl

 

Gängige Sorten für den Öko-Landbau

Aragon

frühreifer Gelbhafer mit geringer Reifeverzögerung des Strohs, standfest, überwiegend Futterhafer

Domenik

halmstabiler Gelbhafer mit großer Standortflexibilität, sehr hohes Ertragspotential, nicht immer sichere Schälqualitäten

Flämingsprofi

mittelspäter Weißhafer mit geringem Spelzenanteil, mittlere Pflanzenlänge

Ivory

frühe, sehr großkörnige Weißhafersorte mit guter Standfestigkeit, großes Ertragspotential

Jumbo

bewährter Gelbhafer ideal für die Herstellung von Haferflocken, reift früh und gleichmäßig ab und hat eine gute Bodenbeschattung

Lutz

frühreifer Gelbhafer mit zügiger Jugendentwicklung mit guter Schäleignung, für leichtere Standorte sowie für Höhenlagen geeignet, Spätsaaten

Düngung

Hafer speichert im Vergleich zu anderen Getreiden relativ große Mengen an Nährstoffen im Stroh. Dies muss beim Nährstoffbedarf berücksichtigt werden. Hafer eignet sich als abtragende Frucht nach anderen Getreidearten vor einer Blattfrucht. Bei Hafer ist auf die Versorgung des Bodens mit Spurennährstoffen zu achten. Auf Manganmangel reagiert Hafer mit der Dörrfleckenkrankheit, auf Kupfermangel mit der Heidemoorkrankheit.

Unkrautregulierung

Die Beikrautregulierung beim Hafer erfolgt durch einen Striegelstrich im Vorauflauf sowie vorsichtiges Striegeln ab dem Vierblattstadium. Ältere, dichte Bestände sind konkurrenzstark gegenüber Unkräutern.

Krankheiten

Als Krankheit kann bei dem ansonsten wenig anfälligen Hafer der Flugbrand auftreten. Durch sorgfältige Saatguthygiene (ggf. Warmwasserbeize) wird dieser Pilzkrankheit vorgebeugt.
Als Schädling treten beim Hafer neben der Fritfliege vor allem das Haferzystenälchen auf. Diesen Nematoden hält man durch eine Anbaupause von mindestens vier bis fünf Jahren in Schach.

Besonderheiten 

Bei der Ernte ist darauf zu achten, dass der Hafer nicht zu feucht eingelagert wird. Hafer hat im Vergleich zu anderen Getreiden hohe Fettgehalte und sollte eine Kornfeuchte von 14 Prozent nicht überschreiten. Dies ist häufig nur durch eine zusätzliche Trocknung zu erreichen.

Geforderte Qualitätseigenschaften beim Hafer sind 55 Kilogramm Hektolitergewicht, eine Sortierung von 90 Prozent über zwei Millimeter Korngröße, ein Proteingehalt von über 14 Prozent, gesunder Geruch, helle Farbe sowie bei bespelztem Hafer gute Entspelzbarkeit.

Aus der Forschung - für die Praxis

Züchtung von Hafer für den Ökolandbau

Die Pilzkrankheit Haferflugbrand kann bei dem ansonsten wenig anfälligen Getreide bedeutende Schäden hervorrufen. Für den Bioanbau von Hafer gibt es bislang keine hochwirksamen Bekämpfungsmöglichkeiten gegen den samenbürtigen Erreger. Ein Forschungsprojekt hat die Möglichkeiten der Resistenzzüchtung untersucht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtZüchtung von Hafer für den Ökolandbau

Aus der Forschung - für die Praxis

Anbauverfahren Weite Reihe bei verschiedenen Druschfrüchten

Das Anbauverfahren Weite Reihe hat sich im ökologischen Weizenanbau bewährt: Durch den vergrößerten Reihenabstand erhält die Einzelpflanze mehr Stickstoff; dies führt zu verbesserten Qualitätsparametern bei einem stabilen Ertragsniveau. Zudem verbessert das Anbauverfahren die Wachstumsbedingungen für Untersaaten und ermöglicht, diese im Getreidebestand zu regulieren. Ziel des Forschungsvorhabens war es, die pflanzenbaulichen und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der "Weiten Reihe" in verschiedenen Druschkulturen zu untersuchen.

Näheres zum Projekt:
externer Link folgtAusweitung des Anbaukonzeptes Weite Reihe bei Winterweizen auf Roggen, Hafer, Raps und Körnererbsen. Eine pflanzenbauliche und betriebswirtschaftliche Untersuchung unter Berücksichtigung der Vorfruchtwirkungen (FKZ 03OE100)

Letzte Aktualisierung: 02.08.2011

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