oekolandbau.de - Das Informationsportal



Kulturdatenblatt Roggen

 
Roggenbestand. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Auch im ökologischen Landbau ist Roggen das wichtigste Brotgetreide. Seine Mehlausbeute ist extrem hoch.
Foto: T. Stephan

Die ökologische Anbaufläche von Roggen betrug in Deutschland im Jahr 2009 etwa 63.000 Hektar. Roggen ist damit die Kultur mit dem größten Anbauumfang. Er spielt auch in den Fruchtfolgen des ökologischen Anbaus, insbesondere auf schwächeren Standorten, eine wichtige Rolle.

Das Absatzpotenzial am Ökomarkt ist aufgrund der Konsumgewohnheiten klar begrenzt. Die Verwertung erfolgt praktisch ausschließlich als Backroggen. Voraussetzung ist, dass die Qualitätsansprüche erfüllt werden (Fallzahl: >120; Verkleisterungstemperatur > 63 Grad; Schrot-Amylogramm > 270; Hektolitergewicht >70 kg/hl; wichtig: frei von Mutterkorn). Der Futterwert und mögliche Einsatzumfang in der Ration sowohl für Rinder als auch für Schweine (bis zu 50 Prozent in der Ration) ist höher, als oft angenommen wird. Die Vermarktung als Futterroggen ist bei deutlich geringeren Erlösen dennoch nur begrenzt möglich.

Standort

Roggen ist eine der genügsamsten Getreidearten. Er ist recht selbstverträglich und kommt bei geringerem Ertragsniveau auch mit schwachen, sandigen, kalten bzw. höher gelegenen Standorten und schlechter Kalkversorgung (bis pH-Wert fünf) klar. Bei schweren Böden und kalten, nassen Frühjahren kann es zu Problemen kommen. Roggen kann aufgrund seines guten Wurzelwerkes und der früheren Abreife Sommertrockenheit besser vertragen als Weizen. Intolerant ist er auf nassen Standorten; "Einschmieren" verträgt er nicht.

Fruchtfolge

Durch den langen Wuchs und seine Genügsamkeit steht der Roggen in der Regel als abtragendes Glied im Fruchtfolgegeschehen. Wenn vor Futterleguminosen der (Wurzel-) Unkrautdruck zunimmt, ist er das Getreide, welches mit diesen Bedingungen noch am besten zurecht kommen kann. Das Einbringen der anschließenden Kleegemenge-Hauptfrucht als Untersaat im Roggen ist - abgeschwächt durch die Konkurrenz in wüchsigen Beständen - doch möglich.

Saat

Eine zeitige Aussaat führt zu einer ausreichenden Bestockung im Herbst, so dass Roggen wie erwünscht mit zwei bis drei (vier) kräftigen Trieben gut entwickelt in den Winter gehen kann. Eine spätere Aussaat hat tendenziell weniger Herbstverunkrautung zur Folge, trägt aber auch das Risiko von Ertragsverlusten bei unzureichender Vorwinterentwicklung. Ortsübliche Aussaattermine liegen je nach Standort in der Zeit vom 15. September bis 15. Oktober. Bei früher Saat kann eventuell abhängig vom Standort noch im Herbst gestriegelt werden.

Die Saatmenge liegt je nach Standort und Tausendkorngewicht (ca. 28 bis 40 g) bei 90 bis 180 Kilogramm je Hektar. Bei Hybridsorten kann die Aussaatmenge um etwa 20 Prozent reduziert werden. Allgemein ist bei ungünstigen Aussaatbedingungen und späterer Saat eine Aussaatmengenerhöhung um zehn Prozent sinnvoll.

Saattermine und Saatmengen für Roggen

Standort

Saattermin

Saatmenge
(Körner pro m2)

leichte Standorte

15. Sep bis 05. Okt  

250 - 300

mittlere Böden
über 400 m Höhe

20. Sep bis 10. Okt  
15. Sep bis 05. Okt 

270 - 320
300 - 350

gute Böden

20. Sep bis 15. Okt

270 - 320

Die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit auch bei erschwerten Bedingungen (Kalttest) ist unbedingt zu beachten. Zertifiziertes Ökosaatgut verfügt über diese Keimfähigkeit und muss bei Hybridroggen verwendet werden (Nachbau ist möglich, hat aber Mindererträge zur Folge). Bei Populationssorten kann nachgebaut werden. Es empfiehlt sich aber auch hier die Verwendung zertifizierten Saatguts, da es bei Roggen als Fremdbefruchter durch Nachbarfelder und Feldraine zu unerwünschter Bestäubung kommen kann und sich damit die Leistungsfähigkeit der Sorte möglicherweise reduziert.

Saattiefe, Reihenabstand, Walzen: Roggen sollte flach, das heißt ein bis drei Zentimeter tief in ein gut abgesetztes, rückverfestigtes Saatbett ausgesät werden. Bewährte Reihenabstände liegen bei neun bis zwölf Zentimeter. Damit wird die optimale Standraumverteilung erreicht. Wichtig ist möglicherweise ein Anwalzen im Frühjahr, wenn im Winter die Böden hochgefroren sind.

Sortenwahl

Für den ökologischen Anbau sind neben dem Ertrag auch Standfestigkeit bei maximaler Länge, Auswuchsfestigkeit und geringe Neigung zur Mutterkornbildung entscheidend.

Hybridsorten bringen gegenüber Populationssorten sieben bis 16 Prozent Mehrertrag. Sie haben tendenziell eine höhere Neigung zu Mutterkorn und benötigen Standorte, die ihrem Potenzial gerecht werden können. Das Saatgut ist erheblich teurer, die Saatmenge wird aber etwas reduziert. Zur besseren Bestäubung sollten mindestes zehn Prozent Populationssortensaatgut (möglichst länger als der Hybride und mit gleichem Blühzeitpunkt) zugemischt werden. Eine Umrandung des Schlages mit Populationssaatgut ist zusätzlich denkbar.

Gängige Sorten für den ökologischen Anbau

Hybridsorten: Visello, Askari, Rasant

Populationssorten: Conduct, Ducato, Matador, Amilo, Recrut

Synthetische Sorten: Carotop, Cantor, Kapitän

(Stand: 2009)

Auf schwächeren Standorten sind Populationssorten nach wie vor eine richtige Wahl. Neu am Markt sind synthetisch hergestellte Sorten. Sie basieren auf Linien aus der Hybridsortenzüchtung und liegen im Ertragsniveau zwischen Populations- und Hybridsorten.

Düngung

Trotz Genügsamkeit ist Roggen ein dankbarer Verwerter von mäßigen Stickstoffgaben. Diese sollten bevorzugt im zeitigen Frühjahr in Form von Gülle oder Jauche ausgebracht werden. Mistgaben im Herbst sind aus Sicht der Stickstoffverwertbarkeit nicht zu empfehlen.

Unkrautregulierung

Roggen ist die Getreideart, die am ehesten mit hohem Unkrautdruck zurecht kommen kann. Bedingt durch gute Winterhärte, zügiges Wachstum bereits bei geringen Temperaturen mit großen Blättern im Frühjahr sowie durch die Länge des Roggens hat das Unkraut wenig Chancen.

Wenn ein Striegeleinsatz erfolgt, ist dieser mit Vorsicht auszuführen (besonders bei Nachtfrösten), da hier die Bestockungsknoten dicht unter der Ackeroberfläche liegen. Es wird in der Regel ein- bis maximal zweimal um den Bestockungszeitpunkt herum gestriegelt. Die Pflanzen sollten aber immer mindestens drei kräftige Blätter aufweisen. Ein Unkrautkämmen vor dem Ährenschieben ist ebenfalls möglich. Hier muss dann der Nutzen zum möglichen Schaden gut abgewogen werden.

Krankheiten und Schädlinge

Die Widerstandsfähigkeit von Roggen erstreckt sich auch auf die Krankheiten. Schneeschimmel und Roste können vor allem bei früher Saat, in gefährdeten Lagen oder verstärkt durch die Sortenwahl hin und wieder Probleme bereiten.

Ein weiteres Problem kann der Mutterkornbefall sein. Mangelnde Bestäubung bei der offenen Blüte sind die Ursachen für ein verstärktes Auftreten. Dies ist sorten- aber mehr noch wetterabhängig. Eine trockene Witterung in der Blütezeit (8 bis 10 Tage) erlaubt eine bessere Bestäubung, eine feuchte bzw. nasse dagegen erschwert dies. Damit geht dann eine erhöhte Infektionsgefahr einher. Tendenziell nimmt die Anfälligkeit in der Reihenfolge Populations-, Hybridsorten und synthetische Sorten zu.

Maßnahmen zur Reduzierung von Mutterkorninfektion:

  • Zehn Prozent Populationssorten bei Hybridroggen zusetzen und Feldränder mit Populationssorten ausstellen.
  • Zwiewuchs und damit verlängerte Blüte sollten durch Vermeidung von Bodenverdichtung und ungleichmäßigen Beständen verhindert werden. Fahrgassen zum Striegeln sollten so angelegt sein, dass ein Zwiewuchs ausgeschlossen ist. Auch späte Stickstoffgaben können zu einer Blühzeitverlängerung führen.
  • Extrem dünne Bestände vermeiden, diese können zu verspätet abblühenden Nebentrieben führen (Standort-angepasste Bestandsdichte)
  • Andere Gräserarten an Wegrändern und Feldrainen können Mutterkorninfektion auslösen, daher ist ein Pflegeschnitt dieser Randstreifen unter Berücksichtigung des Arten- und Biotopschutzes eine weitere Möglichkeit der Infektionsverringerung.
  • Der Einsatz des Pfluges, wie im ökologischen Landbau eigentlich üblich, ist für das Vergraben der Sporen eine entscheidende Maßnahme und damit unbedingt zu empfehlen.

Schadinsekten sind im Regelfall kein Problem. Blattläuse können hin und wieder auftreten. Die Schäden sind mangels gravierender Nährstoffimbalanz dann aber überschaubar bis gering. Die Halmfliege ist bei Beachtung der Fruchtfolge (Getreideanteil) ebenfalls kein Thema.

Besonderheiten

Die Auswuchsneigung von Roggen, bedingt durch die kurze oder fast nicht vorhandene Keimruhe, führt bei feuchten Bedingungen zur Abreife und meist unmittelbar zum Qualitätsverlust. Bei verzögerter Ernte wegen feuchter Witterung sind zu geringe Fallzahlen und damit mindestens eingeschränkte Backfähigkeit und die Saatgutverwendung ausgeschlossen. Eine rechtzeitige Ernte von stehenden Beständen ist wichtig. Je nach Witterungsverlauf in der Ernte kann es sehr viel sicherer sein den Roggen bereits mit 18 bis 20 Prozent Feuchte zu ernten und schonend herunterzutrocknen. Damit können Fallzahlen und Backqualitäten gesichert werden.

Weitere Informationen:

Management-Handbuch für die ökologische Landwirtschaft: umfangreiche Auszüge aus dem Betriebszweig Getreidebau

Aus der Forschung - für die Praxis

Stickstoffeinfuhr durch Lebendmulchsysteme mit Leguminosen

Die Stickstoffversorgung von Kulturen ist im ökologischen Landbau ein neuralgischer Punkt. Ein höherer Anteil an Leguminosen in der Fruchtfolge könnte sie verbessern; jedoch sind viele Leguminosen mit sich selbst oder anderen Arten unverträglich. In einem Projekt sind Leguminosen als Lebendmulch in Weizen und Roggen erprobt worden.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtLebendmulchsysteme mit einjährigen Leguminosen

Aus der Forschung - für die Praxis

Anbaustrategien zur Erhöhung der Stickstoff-Effizienz

Im ökologischen Landbau kann Stickstoff vor allem auf viehlos wirtschaftenden Betrieben zum limitierenden Wachstumsfaktor werden. Eine mangelnde Stickstoff-Versorgung schlägt sich sowohl auf den Ertrag als auch auf die Qualität der angebauten Feldfrüchte nieder. Ein Forschungsvorhaben hat Anbaustrategien untersucht, die diesem Problem begegnen sollen.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtNeue Anbaustrategien zur Erhöhung der N-Effizienz und zur Reduzierung des Unkrautdrucks im Ökologischen Landbau (FKZ 03OE180)

Aus der Forschung - für die Praxis

Anbauverfahren Weite Reihe bei verschiedenen Druschfrüchten

Das Anbauverfahren Weite Reihe hat sich im ökologischen Weizenanbau bewährt: Durch den vergrößerten Reihenabstand erhält die Einzelpflanze mehr Stickstoff; dies führt zu verbesserten Qualitätsparametern bei einem stabilen Ertragsniveau. Zudem verbessert das Anbauverfahren die Wachstumsbedingungen für Untersaaten und ermöglicht, diese im Getreidebestand zu regulieren. Ziel des Forschungsvorhabens war es, die pflanzenbaulichen und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der "Weiten Reihe" in verschiedenen Druschkulturen zu untersuchen.

Näheres zum Projekt:
externer Link folgtAusweitung des Anbaukonzeptes Weite Reihe bei Winterweizen auf Roggen, Hafer, Raps und Körnererbsen. Eine pflanzenbauliche und betriebswirtschaftliche Untersuchung unter Berücksichtigung der Vorfruchtwirkungen (FKZ 03OE100)

Letzte Aktualisierung: 01.08.2011

Seitenende