Kulturdatenblatt Triticale
Triticale ist eine aus Roggen und Weizen gezüchtete Getreideart: Sie verbindet einen hohen Ertrag, hohe Eiweißgehalte und eine hohe biologische Eiweißwertigkeit mit relativ geringen Ansprüchen an den Standort und die Nährstoffversorgung. Diese Kombination macht Triticale auch für den ökologischen Anbau sehr interessant. Triticale ist erstmals 1987 in der Beschreibenden Sortenliste erschienen. 2009 wurden in Deutschland 24.000 Hektar Öko-Triticale angebaut.
Triticale wird als Futterware angebaut, lässt sich aber auch zusammen mit Weizen verbacken. Technisch ist Triticale zwar problemlos als Backgetreide zu verwenden, die Vermarktung als Backgetreide ist derzeit aber nur in sehr geringem Umfang möglich. In der Regel wird Triticale im eigenen Betrieb verfüttert oder an Futtermühlen vermarktet. Die Inhaltsstoffe (z.B. Energie und Eiweißgehalte) liegen auf dem Niveau von Weizen und machen dieses Getreide in Futtermischungen bei Rindern und Schweinen interessant. In den Rationen werden entweder Weizen oder Gerste ersetzt. In der Geflügelfütterung ist der Einsatz eher verhalten und wird mit maximal 30 Prozent angeraten.
Standort
Ähnlich wie Roggen kann Triticale auf schwächeren Standorten, auch auf Grenzstandorten und in Höhenlagen angebaut werden. In Regionen, in denen Weizen keine ausreichenden Erträge mehr bringt, kann mit Triticale noch ein ausreichender Ertrag erzielt werden. Die gute Winterhärte (sortenabhängig) macht Triticale spätsaatverträglich, was bei Windhalm- und Fuchsschwanzproblemen hilfreich sein kann. Auf schweren Böden und bei nasser Witterung sollte auf keinen Fall die Saat "eingeschmiert" werden. Das ausgeprägte Wurzelwerk und der Grannenwuchs lassen Triticale auch auf trockenen Standorten vertretbare Ernten erreichen.
Fruchtfolge
Hinsichtlich ihrer Ansprüche an die Vorfrucht ist Triticale ähnlich wie der anspruchsarme Roggen einzustufen. Als abtragendes Glied ist sie auch mit Untersaaten für das folgende Feldfutter bzw. Kleegemenge gut platziert. Nach Kulturen, die erhöhten Unkrautdruck hinterlassen, kann Triticale mit ihrem dominanten, bestockungsintensiven und - je nach Sorte - mittellangen bis langen Wuchs gestellt werden. Die Spätsaatverträglichkeit macht es gegebenenfalls auch möglich, bei früh räumender Vorkultur eine erfolgreiche Zwischenfrucht vorzuschalten.
Saat
Saatzeit / Saatstärke: Hier kann auf die schlagbezogenen Bedürfnisse gut eingegangen werden. Eine tendenziell etwas frühere Aussaat führt zu einer ausreichenden Bestockung im Herbst, so dass der Bestand gut entwickelt in den Winter gehen kann. Die spätere Saat hilft eine zu starke Vorwintermineralisierung von Stickstoff zu vermeiden und vermindert den Unkrautdruck und ist deshalb im ökologischen Landbau vorzuziehen.
Die Saatmenge liegt je nach Standort und Tausendkorngewicht (ca. 34 - 48 g) bei 120 bis 190 Kilogramm je Hektar.
Standort | Aussaattermin | Saatmenge |
leichte Standorte | 20. Sept. bis 25. Nov. | 250 - 300 |
mittlere Böden | 25. Sept. bis 25. Nov. | 270 - 320 |
gute Böden | 25. Sept. bis 05. Nov. | 270 - 320 |
Auch hier ist die Verwendung von Saatgut mit hoher Keimfähigkeit bei erschwerten Bedingungen (Kalttest) unbedingt zu beachten. Zertifiziertes Ökosaatgut verfügt über diese Keimfähigkeit. Ein Nachbau ist grundsätzlich möglich, trotzdem ist auch hier Vorsicht angesagt. Triticale ist zwar Selbstbefruchter, jedoch können in Abhängigkeit von der Sorte bis zu 30 Prozent Fremdbefruchtung auftreten. Kreuzungsmöglichkeiten zwischen Triticale und Weizen sowie auch zwischen Triticale und Roggen bestehen nicht. Es zeigt sich bei häufigerem Nachbau, dass die Sorten zunehmend aufspalten und die positiven Eigenschaften der Kreuzung abgebaut werden.
Die Ablagetiefe sollte tiefer als bei Roggen, aber flacher als bei Weizen sein. Zwei bis drei Zentimeter sind für den Flachkeimer Triticale ausreichend, um die an der Erdoberfläche ansetzende Bestockung gut zu gewährleisten. Ein gut abgesetztes und rückverfestigtes Saatbett ist ein Muss. Reihenabstände von neun bis zwölf Zentimetern ermöglichen eine optimale Standraumverteilung Ein Anwalzen im Frühjahr, nachdem Böden hochgefroren sind, ist äußerst wichtig.
Sortenwahl
Leider hat Triticale die Auswuchsschwäche vom Roggen geerbt. Daher sind maximaler Ertrag, Auswuchs- und Standfestigkeit, aber auch ausreichende Pflanzenlänge die Auswahlkriterien für den ökologischen Landbau. Dass die Mutterkornbildung je nach Anteil der Fremdbefruchtung auch hier eine Rolle spielt, soll nicht verschwiegen werden. Daher liegt hier ein weiteres Auswahlkriterium.
Gängige Triticalesorten für den ökologischen Anbau:
- Benetto
- Massimo
- Madilo
- Grenado
- Korpus
- Cando
Stand: 2009
Düngung
Die Nährstoffaneignung von Triticale ist besser als bei Weizen. Von den Nährstoffansprüchen im Vegetationsverlauf ähnelt Triticale eher dem Weizen. Allerdings variiert züchtungsbedingt die Nähe zu Roggen bzw. Weizen je nach Sorte. Trotz der Genügsamkeit wird eine gute Stickstoffverfügbarkeit mit hohen Erträgen gedankt. Ein feiner Mistschleier im Herbst oder eine Gülle- bzw. Jauchegabe im zeitigen Frühjahr kann eine angepasste Stickstoffversorgung sicherstellen.
Unkrautregulierung
Triticale bildet - je nach Sorte - mittlere bis hohe sowie dichte Bestände und verfügt über eine relativ gute Konkurrenzkraft. Die Bestockung ist recht intensiv und von der Sorte abhängig. In der Regel sind ein, maximal zwei Striegelgänge um den Zeitpunkt der Bestockung herum ausreichend. Dabei sollten mindestens drei bis vier kräftige Blätter vorhanden sein, bevor der Striegel zum Einsatz kommt.
Krankheiten und Schädlinge
Grundsätzlich ist Triticale unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus ein sehr gesundes Getreide ohne ausgeprägte Schwächen gegenüber Pilzkrankheiten. Schneeschimmel spielt unter guten Infektionsbedingungen (frühe Saat, dichte Bestände, feuchte Schneelagen) nur eine geringe Rolle. Darüber hinaus kann Mutterkorn Probleme bereiten (sortenabhängig). Das Auftreten ist wie beim Roggen erheblich von der Witterung bestimmt. Viel Regen in der Blüte fördert die Problematik. Im Vergleich zu Roggen ist das Potenzial für den Mutterkornbefall bei Triticale deutlich abgeschwächt. Trotzdem sind vorbeugende Maßnahmen, welche die Mutterkornbildung von vorn herein erschweren, auch hier angebracht.
Schadinsekten sind in der Regel kein Problem. Blattläuse können hin und wieder auftreten, die Schäden sind dann aber meist überschaubar bis gering. Die Halmfliege ist bei Beachtung der Fruchtfolge (Getreideanteil) ebenfalls kein Thema.
Besonderheiten
Die Auswuchsneigung muss Beachtung finden. Für Futtergetreide ist ein Auswuchs nicht wertmindernd. Damit einher geht jedoch eine verstärkte Gefahr der Verpilzung. Auch die Keimfähigkeit kann Schaden nehmen. Daher sind stehende Bestände und rechtzeitiger Drusch wichtig. Gegebenenfalls ist eine Beerntung auch mit höheren Feuchten und anschließendem Trocknen die richtige Maßnahme für qualitativ hochwertiges Saat- und Futtergetreide.
Weitere Informationen:
Aus der Forschung - für die Praxis
Anbaustrategien zur Erhöhung der Stickstoff-Effizienz
Im ökologischen Landbau kann Stickstoff vor allem auf viehlos wirtschaftenden Betrieben zum limitierenden Wachstumsfaktor werden. Eine mangelnde Stickstoff-Versorgung schlägt sich sowohl auf den Ertrag als auch auf die Qualität der angebauten Feldfrüchte nieder. Ein Forschungsvorhaben hat Anbaustrategien untersucht, die diesem Problem begegnen sollen.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Triticale mit verbesserter Stickstoffeffizienz
Die Stickstoff-Versorgung ist im ökologischen Landbau vergleichsweise niedrig. Eine gezielte Züchtung von Triticalesorten, die den zur Verfügung stehenden Stickstoff effizienter nutzen, kann somit einen Beitrag zur Steigerung der Produktivität des ökologischen Landbaus leisten. Auch auf die beiden Elternarten Weizen und Roggen können die in einem Forschungsprojekt der Universität Hohenheim gewonnenen Erkenntnisse übertragen werden.
Näheres zum Projekt:
Triticale mit verbesserter Stickstoffeffizienz (FKZ 03OE617)
Letzte Aktualisierung: 01.08.2011


