Qualitätserzeugung von Biobraugerste: Teil 6
Mit diesem Beitrag wird die Reihe von Fachartikeln zum Ökobraugerstenanbau abgeschlossen. Die einzelnen Beiträge behandeln jeweils relevante Faktoren einer erfolgreichen Biobraugerstenerzeugung. Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen des Projektes "Biogetreide für die Marke" gewonnen, das im Sommer 2008 startete. In der Nachricht vom
20. Oktober 2008 erhalten Sie weitere Informationen zum Projekt.
1. Qualität erzeugen
Im Projekt "Biogetreide für die Marke" aus Schleswig-Holstein wurden wesentliche Erfolgsfaktoren für die Erzeugung der gewünschten Verarbeitungs-Qualität bei Braugerste beleuchtet. Eine jeweils gute bis optimale Ausprägung der Einzelfaktoren sieht folgendermaßen aus:
- Standort: sandiger Lehm, 40 Bodenpunkte, 700 Millimeter Niederschlag
- Vorfrucht: Vor-Vorfrucht Kleegras, Vorfrucht Getreide plus Zwischenfrucht Senf/Raps
- Sorte: Marthe (Stand 2009)
- Saatzeit/Menge: Anfang April/ 350 Körner pro Quadratmeter
- Bestellqualität: Frühjahrsfurche, keinerlei Gareschäden bei der Bestellung und voller Feldaufgang
Erwünschtes Ergebnis:
- 60 Kilogramm Korn-Stickstoffertrag
- 40 Dezitonnen pro Hektar Kornertrag mit zehn Prozent Eiweiß
- Vollgersteanteil größer als 90 Prozent
2. Qualität erhalten
Ziel des Projektes war es allerdings nicht allein, bestimmende Faktoren und deren optimale Ausprägung für die Qualitätserzeugung herauszuarbeiten. Auch der Weg vom Feldbestand bis zum Verarbeitungsbetrieb war Gegenstand der Betrachtung. Für den Qualitätserhalt der Ware erwiesen sich folgende weitere Faktoren als wichtig:
Ernten: Hier ist das vollständige Erhalten der Keimfähigkeit das oberste Ziel. Für die Einstellung von Drehzahl und Korbabstand an der Druschtrommel des Mähdreschers gilt die Vorgabe "Granne entfernt aber keinerlei Bruchkorn". Eine maximale Kornschonung bei der Ernte wird zudem erreicht durch ein Abwarten bis zur Totreife der Gerste (oberster Halmknoten weist keinerlei Grünfärbung mehr auf) und durch einen hohen Durchsatz in den Druschorganen durch eine entsprechende Vorfahrtgeschwindigkeit.
Reinigen: Für sämtliche Qualitätsgetreideprogramme gilt als Standard eine Windreinigung vor und nach der Trocknung. Wenn Trommeln und Siebe für das Heraussortieren grober und schwerer Beimengung hinzukommen, ist es optimal.
Trocknen: Auch hier bestimmt das Erhalten der Keimfähigkeit die Vorgehensweise. Daher gilt für die Trocknung die Devise "hohe Luftmenge, wenig Temperatur"; 40 Grad Celsius am Korn dürfen nicht überschritten werden. Vorteilhaft ist zudem eine vorgeschaltete Belüftung der Ware, um eine gleichmäßige Eingangsfeuchtigkeit herzustellen. Satztrockner mit einer zu großen Schichtstärke sind für die hohen Ansprüche bei Braugerste nicht geeignet. Auch Durchlauftrockner mit einer Trocknungs-Schichtstärke von über 30 Zentimetern haben schon zu Problemen geführt (Übertrocknung am Schichteingang und Untertrocknung am Ausgang).
Belüften: Die oben genannte Eingangsbelüftung dient dem Feuchtigkeitsausgleich innerhalb der Partie. Nach der Trocknung auf 14 Prozent muss die eingelagerte Ware über mehrere Stufen mit Außenluft auf Lagertemperatur heruntergekühlt werden. Hierzu muss die Außenluft jeweils mindestens fünf Grad kälter sein als der Getreidestapel und sollte nicht mehr als 70 Prozent relative Feuchtigkeit am Gebläseeingang enthalten. Nach der Einlagerung im Sommer sollte auf 20 Grad herunter gekühlt werden. Von September bis Dezember folgen dann mindestens zwei weitere Durchgänge mit 15 Grad und abschließend mit zehn Grad. Bei 14 Prozent Feuchtigkeit und zehn Grad Stapeltemperatur sind stabile Lagerbedingungen erreicht.
3. Qualität sichern
Der Maßnahmenpunkt Qualitätssicherung kann in zwei Bereiche unterteilt werden:
- Vermeidung einer hygienisch nicht zulässigen Verschmutzung der Ware.
- Management-Systeme, die dazu beitragen, dass die technologischen und die hygienischen Qualitätsziele erreicht werden.
Der erste Punkt umfasst ein konsequentes Vermeiden von organischen und nichtorganischen Schadstoffeinträgen in die Ware - von der Saatgutherkunft bis zur Verladung auf den LKW. Besonders aufmerksam muss dabei die Lagerhaltung überprüft werden. Ein Lager-Check in zwölf landwirtschaftlichen Lagern ergab insgesamt ein erfreulich hohes Qualitätsniveau. Überwiegend konnte ein vollständiger oder weitgehender Erfüllungsgrad bei Forderungen wie "besenrein vor der Ernte" bis zu "keine Lagerung sonstiger Stoffe im Getreidelager" festgestellt werden. Zur vollständigen Erfüllung der Vorgabe "frei von Schadnagern und Vogelkot" für die Lagerhaltung wird in diesem Zusammenhang Folgendes empfohlen:
- Erteilen Sie einem gewerblichen Schädlingsbekämpfer den Auftrag zur Betreuung ihrer Getreideanlage.
- Verschließen Sie offene Tore in der Gebäudehülle durch Rollo-Tore und kleinere Öffnungen und Spalten durch Geflügeldraht.
Managementsysteme zum Erreichen der Qualitätsziele können sehr umfangreich sein. Im Projekt "Biogetreide für die Marke" wurden die entscheidenden Punkte auf drei Seiten zusammengefasst: Maßnahmenplan "Qualität im ökologischen Anbau".
Letzte Aktualisierung: 17.11.2009


