Netzwerk ökologische Pflanzenzüchtung
Projekt zur besseren Vernetzung von Initiativen in der Ökopflanzenzüchtung
Mit zunehmender Ausweitung des ökologischen Landbaus wird das Thema Pflanzenzüchtung insgesamt immer wichtiger und stärker als zuvor von Ökopraktikern wahrgenommen. Dies hat einerseits damit zu tun, dass man derzeit noch stark auf die Verwendung von konventionell gezüchteten Sorten angewiesen ist, die mehr oder weniger gut für den Anbau unter ökologischen Bedingungen geeignet sind. Andererseits wird der stetig zunehmende Einsatz molekularbiologischer Techniken in der Pflanzenzucht kritisch gesehen – auch wenn man von der im Biolandbau abgelehnten Gentechnik absieht. Experten sind sich daher einig, dass in der Ökolandbaupraxis ein hoher Bedarf an Vermehrungsmaterial besteht, das besser auf die Bedingungen des Ökolandbaus abgestimmt ist als das aktuell vorhandene.
Initiative, Information und Koordination
Damit es zu einer besseren Koordinierung und einem Fluss an Informationen zwischen den verschiedenen Akteuren wie Züchtern, Anbauern, Beratern, Verbandsvertretern und Wissenschaftlern kommt, wurde das Projekt "Netzwerk ökologische Pflanzenzüchtung" im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) ins Leben gerufen. Das Netzwerkprojekt mit einer Laufzeit von 2008 bis 2011 arbeitet auf zwei miteinander verknüpften Ebenen: Einerseits gibt es die kulturgruppenübergreifende Ebene, auf der vor allem übergeordnete Aspekte einer Pflanzenzucht für den Ökolandbau diskutiert werden. In der zweiten Ebene wird eine Untergliederung nach Kulturgruppen vorgenommen, damit die Betrachtung möglichst konkret bezogen auf die jeweilige Kulturgruppe erfolgen kann. Dieser Struktur entsprechend werden Veranstaltungen organisiert: So findet jährlich je ein Workshop für die Gruppen Ackerkulturen, gartenbauliche Kulturen sowie Obst und Reben statt und zudem die kulturgruppenübergreifenden Workshops, je einer zu Projektstart und –ende. Begleitet werden diese Informationsveranstaltungen durch Praxisdemonstrationen zu den verschiedenen Kulturen, in denen sich Praktiker mit Wissenschaftlern und weiteren Akteuren direkt "am Objekt" austauschen können. Dazu werden aus dem Projekt finanzierte Sortenversuche und –testungen angelegt.
Sortenzüchtung gemäß Prinzipien des Ökolandbaus
Im Mittelpunkt der Diskussionen des Netzwerks steht die Frage: Wie kommen wir zu geeigneten Sorten für den Ökolandbau, die mit Methoden erzeugt wurden, welche den Prinzipien des Öko-Landbaus entsprechen? Diese Frage klingt einfacher als sie ist: Pflanzenzüchtung ist ein sehr langwieriges Unterfangen, für das bei Getreidesorten zehn bis 15 Jahre oder bei Obstsorten gar 20 bis 25 Jahre und mehr ins Land gehen können, bevor eine Sorte für den Anbau zur Verfügung steht. Bei solchen Zeiträumen gilt es, die in der Zukunft an die Sorte gestellten Anforderungen vorweg zu nehmen und entsprechende Eigenschaften in der Sorte anzulegen. Um den Zuchtprozess abzukürzen, werden deshalb in der modernen Pflanzenzucht molekularbiologische Methoden eingesetzt, die mehr oder weniger gentechnischen Eingriffen nahe stehen. Inwieweit diese Labortechniken der Pflanzenzucht noch mit den prinzipiellen Erwägungen des Ökolandbaus wie Natürlichkeit, Integrität der Pflanze etc. im Einklang stehen und wo die Grenzen zu ziehen sind, steht momentan im Fokus der Diskussion. Das Netzwerk ökologische Pflanzenzüchtung will dazu die erforderlichen inhaltlichen Aspekte beisteuern und alternative Wege wie z. B. partizipative Ansätze für die Pflanzenzüchtung aufzeigen, in denen neben den Züchtern auch Anbauer, Verarbeiter und der Handel mit ihren Ansprüchen an Sorten einbezogen werden.
Wer Interesse an weiteren Informationen zum Projekt hat, kann sich an den Projektleiter Dr. Klaus-Peter Wilbois, Forschungsinstitut für biologischen Landbau Deutschland e.V. (FiBL), wenden (siehe rechte Spalte).
Letzte Aktualisierung: 30.11.2011


