Praxis-Feldtag 'Stoppelbearbeitung'
Reichlich Auswahl an Geräten und Verfahren
Welche Geräte und Arbeitsweisen eignen sich für unterschiedliche Bearbeitungsziele in der Stoppelbearbeitung? Bei einem Praxis-Feldtag wurden Ende August 2007 Maschinen für Landwirte und Technikbegeisterte vorgestellt.
Das Bioland-Hofgut von Rainer Möhl, der Bergnershof bei Treuchtlingen, ist bei einer Fläche von über 250 Hektar geprägt von stark wechselnden, hängigen und vor allem steinigen Böden. Die ökologische Wirtschaftsweise und die Betriebsstruktur spielten bei der Vorauswahl der Maschinen eine entscheidende Rolle. So sollten die Geräte mit einer guten Steinsicherung und einer hohen Schlagkraft ausgestattet sein. Die Zeit nach der Ernte und die Strohabfuhr stellen gerade im Bio-Betrieb eine besondere Arbeitsspitze dar.
Vielfältige Aufgaben auf dem Biobetrieb
Für Bio-Bauern ist eine möglichst einfache und in der Wartung günstige Bauweise der Stoppelbearbeitungsmaschinen oberstes Ziel bei der Auswahl der richtigen Technik. Gleichzeitig sind gute Einstellmöglichkeiten etwa bei der Tiefenführung und Rückverfestigung sowie ein möglichst geringer Scharwechselaufwand durch Wechselscharsysteme wichtig. Zudem stellen die Flächen des Bergnershofs besondere Anforderungen an die Hangtauglichkeit.
Besonders wichtig ist es im Bio-Betrieb, Wurzelunkräuter effektiv mechanisch einzudämmen. Leguminosen und andere Zwischenfrüchte sollten möglichst schnell, wassersparend und sicher eingesät werden. So kamen beim Feldtag Ende August auch Schälpflüge zum Einsatz. Kritisch beobachteten die Bauern den Zugkraftbedarf und die notwendige Arbeitsgeschwindigkeit der Maschinen. Der flächenstarke Betrieb von Rainer Möhl erfordert ausreichend Schlagkraft. Gleichzeitig müssen die Maschinen einen zufriedenstellenden, je nach Zielsetzung mehr oder weniger intensiven Arbeitseffekt leisten. Schnell entsteht hier ein Zielkonflikt, da der steigende Kraftbedarf mit zunehmenden Schleppergewichten und Bodenbelastungswerten einhergeht. Umso wichtiger ist es, den Bodendruck möglichst gering zu halten und den optimalen Bearbeitungszeitpunkt zu wählen.
Prioritäten festlegen
Vor der Neuanschaffung von Arbeitsgeräten und vor jeder Bearbeitung im Feld ist das wichtigste Ziel im Betrieb und in der Fruchtfolge festzulegen. Entsprechend werden das Gerät und die Einstellung ausgewählt. Eine Technik für alle Ziele gibt es nicht. Unbedingt sollte das Arbeitsergebnis nicht nur oberflächlich, sondern auch durch Freilegen der Arbeitsschichten beurteilt werden. Bei dem Feldtag wurden 22 unterschiedliche Techniken vorgeführt und hinsichtlich der gesteckten Arbeitsziele (siehe Kasten) ausgewertet.
Ziele der Stoppelbearbeitung
- Strohrotte fördern
- Auflauf von Ausfallgetreide fördern
- Wurzelunkräuter bekämpfen
- Auflauf von Unkrautsamen und Unterbrechung der Kapillaren fördern
- Felder einebnen und Bodengare fördern
- Stroh und organische Wirtschaftsdünger intensiv einmischen
Für die flache Stoppelbearbeitung mit einer Tiefe von vier bis sechs Zentimetern wurden Spezialpflüge, Leichtgrubber, Kurzscheibeneggen und Grubber mit möglichst flach arbeitenden Scharen eingesetzt.
Stoppelhobel
Der Stoppelhobel schnitt den Boden gut durch und brachte sehr gute Ergebnisse bei der Bekämpfung von Wurzelunkräutern. Er konnte auf dem feuchten schweren Boden die Arbeitstiefe von etwa sechs Zentimetern sehr gut einhalten. Der Stoppelhobel durchmischt den Boden deutlich besser als konventionelle Pflüge, und zwar bewusst beschränkt auf die obere Krumenschicht. Das intensive Einmischen größerer Strohmengen war hier nicht das Ziel. Für nachfolgende Zwischenfruchtansaaten ist eine zapfwellengetriebene Saatbettbereitung vorteilhaft, während bei problematischer Wurzelverunkrautung weitere Arbeitsgänge mit dem Stoppelhobel nötig sind. Für den Auflauf von Ausfallgetreide reicht durch die Kapillarwirkung meistens die Feuchtigkeit auf der flachen Pflugsohle aus, obwohl keine Rückverfestigung erfolgt. Wichtig für einen guten Bodeneinzug des Gerätes sind ausreichend scharfe Schare. Zusätzlich wäre eine Steinsicherung wünschenswert.
Scheibeneggen
Eine ganze Reihe von Kurzscheibeneggen wurden vorgeführt: Die Bauartunterschiede in Gewicht, Scheibendurchmesser, Scheibenstellung und Rückverfestigungstechniken zeigten sehr unterschiedliche Arbeitsbilder. Der Zugkraftbedarf lag bei etwa 40 PS pro Meter Arbeitsbreite. Eine Arbeitstiefe von fünf Zentimetern war mindestens notwendig, um den Boden gut zu bearbeiten.
Eine ganzflächige Bearbeitung schaffte keine der Maschinen. Die Rückverfestigung nahm mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit ab. Richtig ausgewählte und gut eingestellte Kurzscheibeneggen bringen in der flachen Bodenbearbeitung gute Ergebnisse und Flächenleistungen. Dabei ist aber der Energiebedarf verhältnismäßig hoch, da ein sicherer Einzug unter schwierigen Bedingungen, zum Beispiel bei Trockenheit, hohe Maschinengewichte und schwere Nachläufervarianten voraussetzt. Im Feld mit relativ vielen und größeren Steinen brachte der Seitenzug die Scheibeneggen mit großen Scheibendurchmessern und damit höherer Erdmengenbewegung an ihre Grenzen. Die Geräte haben auch bei Wurzelunkräutern wie Quecke ihre Schwächen.
Onlandpflug von Einböck/Ovlac
Mit zehn Scharen und knapp vier Meter Arbeitsbreite genügte das Gerät den Anforderungen an die auf dem Bergnershof erforderliche Schlagkraft. Die Belastung durch die zahlreichen und unterschiedlich großen Steine war beachtlich. Für einen guten Einzug und eine stabile Selbstführung in der Furche benötigt der onland-gezogene Pflug eine gewisse Mindestarbeitstiefe, die im vorgeführten Feld bei über zehn Zentimetern lag. Damit zeigte sich der Pflug nicht als typischer Schälpflug, sondern hatte seine Vorteile eher in einer guten Wendelung und Eindrehung relativ schmaler Erdbalken und in der Bereitstellung ausreichender Erdmengen – etwa für die sichere Ansaat einer Zwischenfrucht.
Leichtgrubber
Leichtgrubber haben mit ihren Federzinken einen relativ geringen Zugkraftbedarf von etwa 25 PS pro Meter Arbeitsbreite. Durch ihr niedriges Gewicht können auch größere Arbeitsbreiten in der Dreipunktaufhängung getragen werden. Die gewünschte Arbeitstiefe von vier bis sechs Zentimetern erreichten sie auf dem schweren und festen Boden teilweise.
Beeindruckt hat die hohe Flächenleistung mit einem relativ geringen Energieaufwand, eine verhältnismäßig gute Einebnung der Oberfläche und die gute Unterbrechung der Kapillaren. Allerdings wichen die Zinken Bodenverdichtungen aus und trennten Wurzelunkräuter nicht sicher ab. Das niedrige Gewicht der Leichtgrubber vermeidet eine stärkere Rückverfestigung des Bodens. Diese Geräte sind auf den mehrmaligen Einsatz mit zunehmender Arbeitstiefe oder auf die Kombination mit einem weiteren Arbeitsgerät wie Schälpflug oder Fräse ausgelegt.
Ringschneide
Der eingesetzte Ringschneidgrubber, verbunden mit einer Stempelwalze, zeigte eine gute, mischende Wirkung. Die Leichtzügigkeit war von Vorteil; ein ganzflächiges Durcharbeiten des Bodens erreicht die Ringschneide wegen der Ringbauweise allerdings nur bei etwas tieferer Arbeit und mit höherem Zugkraftbedarf. Intensive Mischarbeit ist mit der Ringschneide allerdings nicht das Ziel, weitere Arbeitsgänge in Kombination mit anderen Geräten sind dann sinnvoll.
Schwergrubber
Bei den Schwergrubbern entscheidet die Scharform über die Arbeitsqualität. Der Zugkraftbedarf variiert selbst bei der flachen Bearbeitung zwischen 35 und 45 PS je Meter Arbeitsbreite. Beim Schwergrubber zeigte sich am deutlichsten, dass eine hohe Schlagkraft und ein intensives Bearbeiten des Bodens zu Konflikten hinsichtlich Bodendruck und Bodenverdichtung führt.
Bei Schwergrubbern geht eindeutig ein Trend zu drei- und mehrbalkigen Grubbern. Das ganzflächige Durchschneiden des Bodens ist bei der richtigen Wahl des Grubberschares und bei guten Bodenbedingungen nur mit recht tiefer Bearbeitung möglich, gelingt aber selten vollständig. Hartnäckige Wurzelunkräuter können seitlich ausweichen oder wieder anwachsen.
Um bei der Mulchsaat ein gutes Saatbett mit ausreichendem Bodenkontakt der Saat zu erreichen, sind drei- und vierbalkige Grubber mit einem Zugkraftbedarf von mindestens 50 PS pro Meter Arbeitsbreite notwendig. Obwohl der Boden am Feldtag für die tiefere Bearbeitung noch etwas zu feucht war, zeigte sich, dass es unmöglich ist, die Arbeitstiefe zu verringern, ohne ein schlechteres Ergebnis beim ganzflächigen Durcharbeiten hinnehmen zu müssen.
Grubberschare für tiefere Bearbeitung sind zunehmend gewendelt oder seitlich abgeflacht, um den Zugkraftaufwand etwas zu reduzieren. Bei Grubbern mit eigenem Laufwerk werden die Tiefeneinstellungen zunehmend hydraulisch vom Schlepper aus erledigt, was die Arbeit erheblich erleichtert.
Ein Gerät für alles nicht möglich
Die moderne Technik bietet eine Fülle von Möglichkeiten, dennoch kann ein einziges Gerät nicht alle Ziele der Stoppelbearbeitung erreichen. So hat der Landwirt bei der Auswahl der Technik oft die Qual der Wahl. Die Liste aller eingesetzten Maschinen kann beim Verfasser angefordert werden.
Autor: Alfred Schaller
Erschienen in "bioland", Ausgabe 11/2007
Letzte Aktualisierung: 30.11.2011



