Kartoffel: Bestellung, Pflege, Ernte
Bestellung

- Legemaschinen ziehen eine Legerinne in den Boden, legen die Kartoffelknollen unterschiedlicher Form und Größe gleichmäßig tief ab und bedecken sie mit lockerem Boden.
Foto: T. Stephan
Je schwerer der Boden, desto wichtiger ist die Frostgare und damit die Pflugarbeit vor dem Winter, um ein klutenfreies, strukturstabiles Pflanzbett im Frühjahr vorzufinden. Bei leichteren Böden kann die Pflugarbeit in den Winter verlegt werden, da dann bei abgekühlten Böden die Gefahr von Auswaschungsverlusten minimiert ist. Alternativ kann auch im Frühjahr bei guter Einarbeitung des Aufwuchses (mit exakt eingestelltem Vorschäler) auf mittleren bis leichten Böden guter Erfolg erzielt werden. In trockenen Regionen ist allerdings der Wasserverlust zu bedenken. Trockene Arbeitsbedingungen sind höchstes Gebot, denn die Kartoffel reagiert sehr empfindlich auf Strukturschäden. Auf schweren Böden kann auch das Vorziehen von Herbstdämmen sinnvoll sein, da durch die größere Oberfläche mit der verbesserten Frostgare die Klutenbildung verhindert wird.
Auf leichten Böden wird die Pflanzbettvorbereitung auf vielen Betrieben mit einer Saatbettkombination (Federzinken mit Stabwalze) durchgeführt. Auf schwereren Böden sind zapfwellengetriebene Geräte wie die Kreiselegge oder Rüttelegge stärker im Einsatz, um ein klutenfreies Pflanzbett zu schaffen. Eine Bearbeitungstiefe von etwa 15 Zentimeter sollte eingehalten werden, um genügend lockeres Bodenmaterial für den Dammaufbau zur Verfügung zu haben.
Auf mittleren bis schweren Böden können mit der (Front-) Kreiselegge angebaut und kombiniert mit einem Formblech die Dämme bereits vorgeformt werden. Lockeres Erdmaterial wird damit bei Verwendung von Pflegebereifung nicht mehr überfahren.
Eine mittlere Pflanzdichte von 40.000 Knollen pro Hektar ist bei mittleren Böden und mittlerer Sortierung angebracht. Bei einem 100-Knollengewicht von 60 Gramm bedeutet dies 24 Dezitonnen Pflanzgut pro Hektar. Bei guten Böden und bei kleiner fallender Ware kann auch enger gepflanzt werden und umgekehrt. Die zertifizierte Pflanzgutsortierung wird vom Züchter jährlich festgelegt und ist meist bei langovalen Sorten 30 bis 50 Millimeter und bei runden Sorten 35 bis 52 (55) Millimeter Sortiergröße. Die Kartoffel sollte beim Legen acht bis zehn Zentimeter mit lockerem Boden bedeckt sein.
Pflege

- Auf schweren Böden ist die Dammfräse unentbehrlich.
Foto: Naturland e.V.
In der Pflege wird zwischen Abstriegeln und Anhäufeln der Dämme gewechselt. Dem Unkraut kann im frühen Stadium (Fädchenstadium) am besten zu Leibe gerückt werden. Die Netzegge passt sich der Oberfläche optimal an.
Auf leichten Böden werden meist mit Scharhäufler - kombiniert mit Dammstriegel oder Dammformgerät - die Dämme gepflegt und aufgebaut. Auf schwereren Böden wird vorzugsweise die Reihenfräse oder ein Scheibenhäufler für den Dammaufbau verwendet. Die Verletzung von Stolonen muss allerdings vermieden werden.
Zur Vermeidung von Übergrößen in der Pflanzguterzeugung oder manchmal auch bei Speisekartoffeln kann ein Abschlegeln des Krautes sinnvoll sein. Allerdings kann diese Maßnahme nur bei Abreifeerscheinungen des Krautes durchgeführt werden, da sonst die Gefahr des Wiederaustriebes gegeben ist.
Mit einem Abflämmgerät lässt sich der Erfolg der Krautabtötung verbessern. Hierbei wird ein ganzflächig auf drei Meter Breite arbeitendes Gerät verwendet. Die erforderliche Gasmenge (ca. 80 kg/ha) müssen dabei aus einem mitgeführten Flüssiggastank entnommen werden. Dieses Gerät wird auch zur Beseitigung von Beikräutern verwendet, die nach dem Absterben des Kartoffellaubes aufgelaufen sind. Ziel hierbei ist es, die Rodebedingungen zu verbessern und das Aussamen von Beikräutern zu verhindern.
Ernte
Nach dem kompletten Absterben des Krautes sollte nach Erreichen der Schalenfestigkeit (zwei bis drei Wochen) die Ernte beginnen. Denn die Drahtwurm-, Silberschorf- und Rhizoctoniagefahr steigt beim Verbleib im Damm.
Lagerung

- Günstige Rodebedingungen liegen vor, wenn die Knollen schalenfest sind. Die Bodentemperatur sollte möglichst hoch und der Boden siebfähig sein.
Foto: T. Stephan
Die Einlagerung sollte möglichst beschädigungsfrei und schonend erfolgen. Vielerorts werden Kisten (etwa eine Tonne Fassungsvermögen) verwendet, die bereits am Feld befüllt werden. Vorraussetzung ist eine gute Arbeit am Verlesetisch des Roders, da sonst zu viele Kluten oder faule Knollen ins Lager gelangen. Allerdings geht damit eine geringere Rodeleistung durch längere Überladezeiten einher. Weitere Beschädigungen werden aber vermieden.
Die Kisten werden dann ins Lager gestellt und belüftet. Die Kartoffeln sollen trocken sein oder durch die Belüftung abtrocknen. Während der Wundheilungsphase, die zwei Wochen bei 15 Grad dauert, werden aufgetretene Verletzungen verkorkt. Danach wird in der Regel bei Speisekartoffeln auf die optimale Lagertemperatur abgekühlt (je nach Sorte unterschiedlich bei etwa vier Grad). Chips- oder Pommesware wird bei acht Grad gelagert, da bei niedrigeren Temperaturen durch eine erhöhte Entstehung von reduzierenden Zuckern in der Knolle die Verarbeitungsprodukte ( Pommes, Chips) sich durch den Zuckergehalt dunkel verfärben können. Somit sind Verarbeitungskartoffeln nur bedingt lagerfähig. Vor dem Auslagern und Sortieren muss auf eine Kerntemperatur der Knollen von zehn Grad angewärmt werden, da ansonsten die auftretenden Beschädigungen zu stark sind.
Aus der Forschung - für die Praxis
Drahtwurmregulierung im Ökokartoffelbau
Drahtwurmfraß kann zu Ertragseinbußen und schlechten Qualitäten führen. Zur Regulierung der Larven des Schnellkäfers sind im Ökokartoffelanbau verschiedene Maßnahmen möglich, werden jedoch teilweise noch nicht in der Praxis angewendet. Ein Forschungsvorhaben hat Strategien zur Drahtwurmregulierung im ökologischen Kartoffelanbau und deren Umsetzung in die Praxis erprobt.
Näheres zum Projekt:
Erprobung von Strategien zur Drahtwurmregulierung im Ökologischen Kartoffelbau
Aus der Forschung - für die Praxis
Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion
Der Anbau von Ökokartoffeln unterliegt seitens der Vermarktung hohen Anforderungen im Hinblick auf die optische und sensorische Qualität. Für die betriebswirtschaftliche Rentabilität muss zudem ein ausreichender Ertrag erzielt werden. Ein Verbundvorhaben hat sich mit der Weiterentwicklung und Optimierung des ökologischen Kartoffelanbaus beschäftigt. In einem Abschlussworkshop wurden die Ergebnisse aus dem Gesamtprojekt vorgestellt und anschließend als Abschlussbericht in Form eines Sonderheftes der Landbauforschung (Sonderheft 348, Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion) veröffentlicht. Die Projektergebnisse fanden auch Eingang in das "Merkblatt Biokartoffeln", das vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Bioland Beratung, dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und Bio-Austria in Zusammenarbeit mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Neuauflage herausgegeben wurde und kostenfrei zur Verfügung steht.
vTI: Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion (Landbauforschung Sonderheft 348)
FiBL: Biokartoffeln - Qualität mit jedem Anbauschritt (Merkblatt)
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 17.08.2011

