Kartoffel: Einordnung, Sortenwahl
Einordnung

- Die Kartoffel ist häufig ein Hauptprodukt der Hofvermarktung.
Foto: Naturland e.V.
Die Bedeutung des Kartoffelanbaus im ökologischen Landbau ist je nach Region und Betriebstyp stark unterschiedlich. Circa 75 Prozent des Absatzes geht über die Vermarktung im Lebensmitteleinzelhandel. Wichtigster Absatzweg ist dabei der Discount-Handel mit circa 50 Prozent der abgesetzten Ware.
Die Anforderungen an größere, einheitlichere Partien mit höchsten Ansprüchen an die Schalenbeschaffenheit und Formschönheit können nur in guten Kartoffellagen durch spezialisierte Betriebe erfüllt werden. 2009 wurden gut 160.000 Tonnen Ökokartoffeln auf rund 8.400 Hektar geerntet. Da es sich bei Ökokartoffeln meist um Speisekartoffeln handelt, die als Frischkartoffeln vermarktet werden, haben Ökokartoffeln in diesem Marktsegment einen hohen Anteil von gut sieben Prozent am gesamten Umsatz.
Sortenwahl
In kaum einer Kultur ist die Sortenvielfalt so groß, sind die Merkmale in den einzelnen Sorteneigenschaften so breit gestreut wie bei der Kartoffel. Der Anbauer muss die Sortenwahl an die Bedürfnisse seiner Marktpartner, seiner Kunden und seines Standortes anpassen.
Die beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes und die Veröffentlichungen von ökologischen Sortenversuchen helfen bei der Sortenbeschreibung. Die besonderen Bedingungen der ökologischen Bewirtschaftung haben eine Verschiebung der einzelnen Auswahlkriterien und damit auch des Sortiments zur Folge.
Für den Ökolandbau mit dem etwas geringeren Stickstoffdüngeniveau sind Sorten mit maximal mittlerer Knollenzahl und der Neigung in der Sortierung zu wenige Untergrößen vorteilhaft. Da die Bestände meist eine geringere Vegetationsdauer erreichen, spielt die Schnelligkeit bei der Entwicklung der Knollen eine wichtige Rolle. Weniger Knollen sind früher weiter entwickelt, so dass der Anteil marktfähiger Ware bei Beendigung des Wachstums höher ist. Aus diesen Gründen haben gerade die Kartoffeln der frühen Reifegruppen eine große Bedeutung, da hier schneller die Ertragsbildung erfolgt als bei der mittelfrühen oder späten Reifegruppe.
Als eines der wichtigsten Auswahlkriterien ist die Gesundheit der einzelnen Sorten zu beachten. Die Anfälligkeit für Rhizoctonia oder die Neigung zu Hohlherzigkeit auf wüchsigen Standorten müssen in der Sortenwahl Berücksichtigung finden. Insbesondere der Krautfäuleanfälligkeit muss unter ökologischen Bedingungen Augenmerk geschenkt werden. Eine Resistenz gibt es hier nicht, aber die Sorten sollten entweder eine relative Toleranz aufweisen oder eine so schnelle Entwicklung haben, dass vor der Infektion mit Krautfäule ein ausreichender Ertrag gebildet werden kann. Auf leichten Böden spielt natürlich auch die Sortenneigung zu Schorf und Eisenfleckigkeit eine Rolle.
Als äußere Qualitätsmerkmale sollte eine Sorte eine formschöne Knolle mit geringer Neigung zu Missbildungen und einer glatten Schale mit möglichst flachen Augen bieten - auch der Ökokunde "isst" zunächst mit dem Auge. Für Abpackware und Schälware werden unter anderem Princess, Ditta und Nicola verwendet.
Die Schalenfarbe kann von gelb bis rot oder violett variieren. Letztere werden als "Schmankerl" in der Direktvermarktung angeboten. Eine tiefgelbe bis gelbe Fleischfarbe wird im deutschsprachigen Raum bevorzugt. Hingegen werden im englischsprachigen Raum Sorten mit hellgelber bis weißer Fleischfarbe mehr verkauft.
Bei der Einteilung in Kochtypen wird zwischen festkochenden Salatsorten, vorwiegend festkochenden und mehligen Typen zum Kartoffelbrei unterschieden. Eine regionale Präferenz ist auch bei Ökokunden in gleicher Weise ausgeprägt: In Norddeutschland sind mehr festkochende Sorten, in Ostdeutschland mehr mehlige Sorten und in Süddeutschland alle drei Kochtypen vorzufinden, wobei die festkochenden Sorten im Lebensmitteleinzelhandel eindeutig die Präferenz besitzen.
Die Lagerfähigkeit einer Sorte muss in der Vermarktungsstrategie berücksichtigt werden. Die Lagerfähigkeit ist abhängig von der Keimfreudigkeit der Sorte (in der Regel sind frühreife Sorten keimfreudiger) und vom physiologischen Alter der Knollen. Heiße Sommer mit hoher Wärmesumme oder hohe Lagertemperaturen lassen die Knollen schneller physiologisch altern. Diese sind in der Folge "unruhiger" im Lager.
Der Geschmack der einzelnen Sorten wird meist sehr subjektiv beurteilt. Neben der starken Sortenausprägung gibt es auch eine deutliche Abhängigkeit vom Standort, Düngungsniveau und von der jeweiligen Jahreswitterung.
Aus der Forschung - für die Praxis
Optimierung des Anbaus von Ökoverarbeitungskartoffeln
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Anbau von Verarbeitungskartoffeln sind außer einem hohen Ertrag vor allem die von der kartoffelverarbeitenden Industrie geforderten produktspezifischen Qualitäten: Für die Verarbeitung zu Pommes frites muss zum Beispiel ein hoher Anteil großer Knollen realisiert werden, bei Chipskartoffeln bestehen strenge Vorgaben für die Gehalte an reduzierenden Zuckern. In einem Forschungsvorhaben im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wurden daher Strategien für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Verarbeitungskartoffeln nach den Richtlinien des Ökolandbaus geprüft.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion
Der Anbau von Ökokartoffeln unterliegt seitens der Vermarktung hohen Anforderungen im Hinblick auf die optische und sensorische Qualität. Für die betriebswirtschaftliche Rentabilität muss zudem ein ausreichender Ertrag erzielt werden. Ein Verbundvorhaben hat sich mit der Weiterentwicklung und Optimierung des ökologischen Kartoffelanbaus beschäftigt. In einem Abschlussworkshop wurden die Ergebnisse aus dem Gesamtprojekt vorgestellt und anschließend als Abschlussbericht in Form eines Sonderheftes der Landbauforschung (Sonderheft 348, Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion) veröffentlicht. Die Projektergebnisse fanden auch Eingang in das "Merkblatt Biokartoffeln", das vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Bioland Beratung, dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und Bio-Austria in Zusammenarbeit mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Neuauflage herausgegeben wurde und kostenfrei zur Verfügung steht.
vTI: Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion (Landbauforschung Sonderheft 348)
FiBL: Biokartoffeln - Qualität mit jedem Anbauschritt (Merkblatt)
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 09.08.2011
