Kartoffel: Krankheiten und Schädlinge
Die Regulierung von Krankheiten und Schädlingen erfolgt im ökologischen Landbau vor allem durch vorbeugende Maßnahmen.
Krankheiten

- Vorgbeugende Maßnahmen gegen die Krautfäule sind im ökologischen Kartoffelbau besonders wichtig.
Foto: Naturland e.V.
Die Kraut- und Knollenfäule ist eines der maßgeblichen Anbauprobleme im ökologischen Kartoffelbau. Der Pilz Phytophthora überwintert in der Knolle. Im Frühjahr gelangt er durch Primärinfektionen aus der Pflanzknolle durch Sporulation wieder in die Bestände und verbreitet sich bei feuchtwarmer Witterung sehr rasch. Der weiße Schimmelrasen blattunterseits während der Morgenstunden ist das sicherste Erkennungszeichen. Trockene Witterung stoppt die Verbreitung.
Beim Anbau mehrerer Sorten auf einem Schlag sollten die anfälligeren Sorten auf der windabgewandten Seite des Feldes gelegt werden. Ein frühes Verschleppen einer auftretenden Infektion kann damit etwas verzögert werden. Das Verfrühen der Ertragsbildung durch Vorkeimen und die Wahl von Sorten mit frühem Knollenansatz und geringer Anfälligkeit ist eine Haupteindämmungsstrategie gegen die Krautfäule.
Der Einsatz von Kupferpräparaten als direkte Maßnahme muss nach Warndienstempfehlung und intensiver Bestandskontrolle relativ frühzeitig erfolgen. Kupfermittel wirken protektiv, also nur über einen Blattbelag, der nach Auftreten von Niederschlägen abgewaschen wird. Es dürfen bei Betrieben eines ökologischen Anbauverbandes maximal drei Kilogramm Reinkupfer pro Hektar und Jahr ausgebracht werden. Die Ausbringung erfolgt gesplittet in mehreren Spritzungen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Kupferreduzierung durch Sortenwahl und Spritztechnik
Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesprogramms Ökologischer Landbau testete das Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland des JKI Möglichkeiten, die eingesetzte Kupfermenge bei der Regulierung der Kraut- und Knollenfäule im ökologischen Anbau zu verringern.
Näheres zum Projekt:
In Versuchen mit verschiedenen Pflanzenstärkungsmitteln als Alternative zum Kupfereinsatz sind die erreichten Mehrerträge gegenüber den Ausbringkosten in vielen Fällen nicht kostendeckend.
Die Braunfäule der Knollen kann am wirksamsten durch die Ernte von ausreichend schalenfester Ware vermieden werden. Ein Abstand von drei Wochen nach dem Krautabsterben bis zur Rodung verringert die Wahrscheinlichkeit der Infektion, da mit zunehmender Zeit nach dem Absterben des Krautes die Gefährdung der Neuinfektion durch im Boden befindliche Erreger abnimmt. Durch hohe Dämme wird das Einwaschen der Sporen zusätzlich verringert.
Durch Schorf wird allein die äußere Qualität beeinträchtigt und kann bei starkem Auftreten zur Ablehnung oder Minderung einer Speisepartie führen. Der bodenbürtige Pilz tritt vor allem auf leichten Böden oder Böden mit hohen pH-Werten auf. Kalken vor und zur Kartoffel sollte daher unterlassen werden. Durch Beregnung bereits mit Beginn der Knollenbildung und den folgenden acht Wochen kann der Schorfbefall relativ sicher unterbunden werden. Auf gefährdeten Standorten müssen Sorten mit hoher Schorfanfälligkeit vemieden werden.
Die Wurzeltöterkrankheit (Rhizoctonia solani) verursacht Auflaufprobleme im Frühjahr und damit Fehlstellen. An den Knollen treten schwarze Pocken, sogenannte Sklerotien, auf. Als äußerer Qualitätsmangel bei der Bonitur von Speisekartoffeln besonders als Waschware führt dies zur Minderung einer Partie. Knollenverformung und im ungünstigsten Fall das Auftreten von "Dry core" (bis zu sechs Millimeter tiefe Löcher, ähnlich einem Drahtwurmfraß) bei anhaltend hoher Bodenfeuchte können auch Ablehnungen zur Folge haben. Der Erreger kommt in vielen Böden vor und wird vor allem durch stark befallenes Pflanzgut übertragen.
Vorkeimen mit guten unverletzten Lichtkeimen und alle Maßnahmen zum schnellen Auflaufen (lockerer, gut erwärmbarer Boden) vermindern eine Infektion. Vermeidung von Stolonenverletzungen während der mechanischen Unkrautregulierung (sauber angelegte gerade Dämme) und das Vermeiden des Ausbringens von unverrottetem Mist und Stroh sind wirksame, vorbeugende Maßnahmen. Nach Erreichen der Schalenfestigkeit sollte eine zügige Rodung erfolgen, da der Sklerotienbesatz in dem Zeitraum rasch zunimmt.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Mit Pilzen gegen Rhizoctonia
Ein Forschungsprojekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau hatte zum Ziel, eine biologische Methode zur Kontrolle des Erregers Rhizoctonia solani im Kartoffel-, Zuckerrüben-, Kohl- und Salatanbau zu entwickeln:
Näheres zum Projekt:
Biologische Bekämpfung von Rhizoctonia solani im ökologischen Anbau (BÖL-Projekt 02OE298)
Schädlinge
Die Larven des Kartoffelkäfers können in trockenen, heißen Jahren durch ihren starken Blattfraß zum Teil erhebliche Schäden verursachen. Der Käfer besiedelt im Mai die Kartoffelfelder und legt blattunterseits die gelben Eigelege ab. Die daraus schlüpfenden Larven fangen bei schwachen Stauden im Vorgewende oder bei virusgeschwächten Pflanzen den intensiven Blattfraß an.
Bei normaler Witterung mit ausreichend Niederschlägen sind die auftretenden Schäden meist gering. Nur in besonders stressgeplagten Beständen (Strukturschäden im Boden oder Witterungsstress) ist auch die Schädigung hoch.
Durch eine Spritzung kann das bei Larven gut wirksame Bacillus thuringiensis- Präparat Novodor ausgebracht werden. Das Fraßgift zerstört die Darmwand der jungen Larven. Ältere Larven (im L 4) und Käfer werden nicht oder kaum geschädigt. Die Tagestemperaturen sollten nicht über 28 Grad sein und es sollte möglichst zwei Tage keinen Niederschlag geben.
Ein weiteres wirksames, aber teureres Präparat wird aus einem Extrakt des Neembaumes gewonnen und ist unter dem Handelsnamen NeemAzal-T/S erhältlich. Es ist ebenfalls sehr gut wirksam und hitzetoleranter in der Anwendung. Die Wirkung beruht auf einer Blockade der Häutung und Entwicklung der Larven und Käfer. Beide Mittel sind nützlingsschonend und eine Randbehandlung ist oft ausreichend.
Drahtwürmer können in trockenen Jahren enormen Schaden durch ihren Lochfraß an den Knollen anrichten. Dies kann bis zur Abnahmeverweigerung ganzer Partien durch den Handel führen. Der Saatschnellkäfer legt vorzugsweise seine Eier in bewachsene, ungestörte Gras- oder Kleegrasbestände. Nach dem Schlüpfen durchlaufen die Larven (der Drahtwurm) je nach Art bis zu 14 Larvenstadien. Eine Schädigung ist bis zu vier Jahren nach dem Umbruch bemerkbar und tritt vor allem bei trockenen Bodenverhältnissen auf.
Mehrjähriges Kleegras und Grünlandumbruch sollten als Vorfrucht gemieden werden, einjähriges Kleegras ist weit weniger belastet. Sommerkleegras und andere Sommerungen wie Körnerleguminosen sind unproblematischer. Eine Stoppelbearbeitung bei warmer Witterung soll ebenfalls eine Minderung des Drahtwurmdruckes durch Beschädigung, Insekten- und Vogelfraß bewirken. Die Ernte der Kartoffeln sollte erfolgen, sobald die Schalenfestigkeit erreicht ist, da das Risiko einer Schädigung steigt. Der Drahtwurm schafft durch seinen Fraß an den Kartoffeln eine Eintrittspforte für den Rhizoctonia-Pilz, der dann mit dem Krankheitsbild "Dry core" (s.o.) zusätzlichen Schaden verursacht.
Aus der Forschung - für die Praxis
Konzepte zur Reduzierung von Drahtwurmschäden
Drahtwürmer, die Larven der Schnellkäfer, verursachen in einer Reihe von acker- und gartenbaulichen Kulturen im ökologischen Landbau regelmäßig starke Schäden, die aufgrund erheblicher Qualitätseinbußen am Erntegut finanzielle Verluste für die Anbauer bedeuten. Eine effektive Bekämpfung des Drahtwurms ist in der ökologischen Praxis zurzeit nicht möglich. Wissenschaftler der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen haben sich deshalb auf die Suche nach wirksamen Strategien gegen den Drahtwurmbefall gemacht. In Feldversuchen untersuchten sie beispielsweise die Wirkung von Mulch-Untersaaten, photobiologischen Mulch-Folien, Komposten, Pflanzenstärkungsmitteln oder bestimmten Zwischenfrüchten. Außerdem versuchten sie, die Schnellkäferpopulationen mithilfe von Pheromonfallen zu reduzieren.Als erfolgreiche Maßnahme erwies sich die Kombination aus richtiger Vorfrucht, konsequenter Bodenbearbeitung und richtigem Erntezeitpunkt. "Kartoffeln blieben vor Fraßschäden durch Drahtwürmer weitgehend verschont, wenn wir vorher Weißkohl angebaut hatten. Außerdem konnten wir Schäden an Kartoffeln durch eine frühe Rodung der schalenfesten Kartoffeln stark vermindern", sagt Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Lange Verweilzeiten im Boden hingegen erhöhten das Schadensausmaß. Es kommt also auf die richtige Kombination aus Bodenbearbeitung, Wahl der Vorfrucht und Erntezeitpunkt an. Das Entscheidende dabei ist aber: Nur konsequentes langjähriges Handeln kann den Drahtwurmfraß dauerhaft reduzieren."
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Drahtwurmregulierung im Ökokartoffelbau
Drahtwurmfraß kann zu Ertragseinbußen und schlechten Qualitäten führen. Zur Regulierung der Larven des Schnellkäfers sind im Ökokartoffelanbau verschiedene Maßnahmen möglich, werden jedoch teilweise noch nicht in der Praxis angewendet. Ein Forschungsvorhaben hat Strategien zur Drahtwurmregulierung im ökologischen Kartoffelanbau und deren Umsetzung in die Praxis erprobt.
Näheres zum Projekt:
Erprobung von Strategien zur Drahtwurmregulierung im Ökologischen Kartoffelbau
Aus der Forschung - für die Praxis:
Widerstandsfähigkeit von Pflanzkartoffeln durch gezielte Belichtung stärken
Die Verbesserung der Pflanzgutqualität von Kartoffeln durch eine gezielte Belichtung der Knollen war das Ziel eines BÖL-Forschungsprojekts. Oekolandbau.de sprach mit Dr. Marianne Benker von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Sie hat das Projekt am Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit Dr. Rolf Peters von der KTBL-Versuchsstation Dethlingen durchgeführt.
Näheres zum Projekt:
Interview mit Dr. Marianne Benker zur Belichtung von Pflanzkartoffeln
Aus der Forschung - für die Praxis
Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion
Der Anbau von Ökokartoffeln unterliegt seitens der Vermarktung hohen Anforderungen im Hinblick auf die optische und sensorische Qualität. Für die betriebswirtschaftliche Rentabilität muss zudem ein ausreichender Ertrag erzielt werden. Ein Verbundvorhaben hat sich mit der Weiterentwicklung und Optimierung des ökologischen Kartoffelanbaus beschäftigt. In einem Abschlussworkshop wurden die Ergebnisse aus dem Gesamtprojekt vorgestellt und anschließend als Abschlussbericht in Form eines Sonderheftes der Landbauforschung (Sonderheft 348, Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion) veröffentlicht. Die Projektergebnisse fanden auch Eingang in das "Merkblatt Biokartoffeln", das vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Bioland Beratung, dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und Bio-Austria in Zusammenarbeit mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Neuauflage herausgegeben wurde und kostenfrei zur Verfügung steht.
vTI: Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion (Landbauforschung Sonderheft 348)
FiBL: Biokartoffeln - Qualität mit jedem Anbauschritt (Merkblatt)
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 17.08.2011
