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Kartoffel: Pflanzgutvorbereitung, Standortansprüche, Fruchtfolgestellung

Pflanzgutvorbereitung

vorgekeimte Kartoffelknollen
Das Vorkeimen von Kartoffeln bringt viele positive Effekte mit sich.
Foto: T. Stephan

Die Pflanzgutvorbereitung durch Vorkeimen ist gerade im ökologischen Landbau besonders wichtig. Durch die frühere Wachstumsentwicklung sind einige allgemeine Vorteile erreichbar:

  • Die Zeitspanne bis zum Auflaufen verkürzt sich um sieben bis zwölf Tage.
  • Bei kühler Frühjahrswitterung besseres Weiterwachsen.
  • Bessere Ausnutzung der Winterfeuchte bei Standorten mit Frühsommertrockenheit.
  • Schnellere Bodenbedeckung und damit Minderung der Erosionsgefahr und des Unkrautdrucks.

Unter den Bedingungen des Ökoanbaus machen sich folgende Aspekte besonders positiv bemerkbar (zum Teil sind sie hier ertragsentscheidend):

  • Möglichkeit zum Feststellen von Pilzen an den Keimen (zum Beispiel Fusarium) und Aussortieren
  • Minimierung von Auflaufproblemen zum Beispiel durch Rhizoctonia solani.
  • Erhöhung des physiologischen Alters und damit stärkere Ausprägung der apikalen Dominanz, das heißt verminderte Knollenzahl und damit größere Sortierung (bei Sorten mit hohem Knollenansatz besonders wichtig).
  • Ausnutzen der früher eintretenden Altersresistenz der Blätter gegenüber der Gefahr der Virusübertragung bei der Pflanzkartoffelerzeugung.
  • Höhere Ertragssicherheit gerade bei Jahren mit frühem und starkem Krautfäuledruck durch die schnellere bzw. frühere Ertragsbildung.

Nachteilig sind der hohe Arbeitsaufwand, die Notwendigkeit des sorgsamen Umgangs mit der Vorkeimware beim Pflanzen und die eventuelle Anschaffung schonender Vorkeim- und Legetechnik (zum Beispiel Vorkeimkisten, Vorkeimsäcke).

Das Pflanzgut wird zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Legetermin auf zehn bis 15 Grad angewärmt, um die Keimstimmung zu erreichen. Ohne Belichtung sollten die Keime nicht länger als zwei bis drei Millimeter sein. Bei Verzögerung des Legetermins muss die Temperatur zurückgenommen werden, denn das Abbrechen bei längeren Keimen ist kontraproduktiv.

Beim Vorkeimen wird die Temperatur vier bis sechs Wochen (Frühkartoffel zehn Wochen) vor dem Legetermin erhöht. Unter dem Einfluss von Licht soll sich ein stabiler, zehn bis 15 Millimeter langer Lichtkeim bilden. Meistens werden Vorkeimkisten (Plastikkisten mit zehn Kilogramm Fassungsvermögen, maximal zwei bis drei Kartoffelschichten aufeinander) oder auch Netzsäcke (mit 125 Kilogramm Fassungsvermögen auf Gestellen) verwendet.

Nach dem Einfüllen in die Kisten oder Säcke sollte ein Wärmestoß (17 bis 20 Grad) das Vorkeimen einleiten. Frühkartoffeln werden mit höherer Temperatur (bis 15 Grad) vorgekeimt, bei der Erzeugung von Pflanzkartoffeln werden niedrigere Temperaturen (bis 10 Grad) gefahren, da der Knollenansatz durch Förderung zu hoher apikaler Dominanz sonst zu gering ist (Übergrößen sind in der Pflanzguterzeugung nicht erwünscht). Am Ende des Vorkeimens werden die Knollen bei fünf Grad abgehärtet und vor dem Pflanzen wieder auf zehn bis 15 Grad Knollentemperatur angewärmt.

Standortansprüche, Fruchtfolgestellung

Kartoffeln bevorzugen nährstoffreiche, humose, siebfähige Böden mit ausgeglichener Wasserführung. Eine gute Kaliumverfügbarkeit sollte gegeben sein, damit möglichst geringe Knollenverfärbungen (Schwarzfleckigkeit, Kochdunkeln) auftreten. Das Optimum der Tagestemperatur für die Knollenbildung liegt bei 20 bis 22 Grad.

Durch die Fruchtfolgestellung müssen der Stickstoffbedarf (der gesamte Bedarf oder ein Teil davon) und eine gute Struktur sichergestellt werden. Meist stehen Kartoffeln nach Getreide mit Zwischenfrüchten oder Körnerleguminosen mit Zwischenfrüchten. Der Anbau von Kleegras vor Kartoffeln empfiehlt sich nicht, da eine zu hohe Stickstoffnachlieferung und eine Gefährdung durch den Rhizoctonia-Pilz die Folge sein können.

Eine Düngung erfolgt meist mit sulfatischem Kali und bei einer zu erwartenden zu geringen Stickstofflieferung aus der Vorfrucht über den Einsatz von im ökologischen Landau zugelassenen organischen Stickstoff-Handelsdüngern. Je rascher die Ertragsbildung im Frühsommer durch genügend Stickstoffangebot im Boden fortgeschritten ist, desto weniger ertragsrelevant ist ein Krautfäuleeinbruch. Einer ausreichenden Stickstoffversorgung kommt also im ökologischen Kartoffelanbau eine entscheidende Bedeutung zu.

Aus der Forschung - für die Praxis

Organische Düngung von Sommerweizen und Kartoffeln

Viehlos wirtschaftende ökologische Betriebe benötigen eine Alternative zu Stallmist als organischem Dünger. Dafür kommen auch Leguminosendünger in Frage. Ein Forschungsvorhaben hat deren Effekte auf Ertrag und Qualität von Kartoffeln und Weizen sowie auf die Humusentwicklung der Böden im Vergleich zu Stallmist geprüft.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtErtrag und Qualitätseigenschaften von Sommerweizen und Kartoffeln bei organischer Düngung tierischer Herkunft (Rottemist) und pflanzlicher Herkunft (Ackerbohnenschrot)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Widerstandsfähigkeit von Pflanzkartoffeln durch gezielte Belichtung stärken

Die Verbesserung der Pflanzgutqualität von Kartoffeln durch eine gezielte Belichtung der Knollen war das Ziel eines BÖL-Forschungsprojekts. Oekolandbau.de sprach mit Dr. Marianne Benker von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Sie hat das Projekt am Institut für Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit Dr. Rolf Peters von der KTBL-Versuchsstation Dethlingen durchgeführt.

Näheres zum Projekt:

Interview mit Dr. Marianne Benker zur Belichtung von Pflanzkartoffeln

Aus der Forschung - für die Praxis

Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion

Der Anbau von Ökokartoffeln unterliegt seitens der Vermarktung hohen Anforderungen im Hinblick auf die optische und sensorische Qualität. Für die betriebswirtschaftliche Rentabilität muss zudem ein ausreichender Ertrag erzielt werden. Ein Verbundvorhaben hat sich mit der Weiterentwicklung und Optimierung des ökologischen Kartoffelanbaus beschäftigt. In einem Abschlussworkshop wurden die Ergebnisse aus dem Gesamtprojekt vorgestellt und anschließend als Abschlussbericht in Form eines Sonderheftes der Landbauforschung (Sonderheft 348, Optimierung der ökologischen Kartoffelproduktion) veröffentlicht. Die Projektergebnisse fanden auch Eingang in das "Merkblatt Biokartoffeln", das vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), der Bioland Beratung, dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) und Bio-Austria in Zusammenarbeit mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Neuauflage herausgegeben wurde und kostenfrei zur Verfügung steht.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowOptimierung der ökologischen Kartoffelproduktion

Letzte Aktualisierung: 09.08.2011

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