Aus der Forschung: Maissorten für den Ökolandbau

- Foto: D. Menzler
Der Anbau von Mais war im Ökolandbau lange Zeit wenig verbreitet: Die Pflanze stellt hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung, die Unkrautregulierung ist schwierig und Probleme mit Vogelfraß, Bodenerosion und Nitratauswaschung können hinzukommen. Mit zunehmender Bedeutung der tierischen Erzeugung gibt es inzwischen jedoch immer mehr ökologisch wirtschaftende Betriebe, die Mais in ihre Fruchtfolge integrieren: Mit seinen hohen Erträgen an Trockenmasse und dem hohen Stärkegehalt bietet er sich als energiereiche Futterpflanze an.
Ökomaisanbau: Was ist anders?
Wie kaum eine andere Pflanze ist Mais in der Lage, während der Vegetationsperiode den durch Abbau organischer Substanz frei werdenden Stickstoff effizient zu nutzen. Unter diesem Aspekt betrachtet ist Mais wie geschaffen für den ökologischen Landbau. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger macht jedoch im Ökomaisanbau spezielle produktionstechnische Strategien nötig und hat nicht zuletzt auch Einfluss auf die Sortenwahl.
Denn nicht nur die üblichen Kriterien wie Energie- und Stärkeertrag, Energiedichte und Abreifeverhalten müssen berücksichtigt werden. Ohne die im konventionellen Anbau übliche Beizung und Unterfußdüngung sind eine rasche Keimung, die Jugendentwicklung und das Nährstoffaufnahmevermögen besonders wichtig. Im Ökoanbau ist daher auch eine etwa zehn Tage spätere Saat als im konventionellen Maisanbau üblich. Wegen der Folgefruchtbestellung wird eine frühzeitige Ernte angestrebt. Auch das Vermögen, Unkraut zu unterdrücken sowie ein schneller Reihenschluß und gute Bodenbeschattung sind erwünscht.
Gibt es speziell für den Ökoanbau geeignete Sorten?
Ziel eines Forschungsvorhabens im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL) war es, die Leistungsfähigkeit und das Abreifeverhalten aktueller Maissorten unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus vergleichend zu beurteilen. Das Projekt "Prüfung und Empfehlung von Maissorten für den Ökologischen Landbau" wurde vom Deutschen Maiskomitee e.V. konzipiert und durchgeführt. Es basierte auf einer zentralen Versuchsorganisation mit koordinierter Saatgutbestellung und -versendung, einer bundesweiten Verteilung der Versuchsanlagen (elf Standorte für Silomais, fünf Standorte für Körnermais) und einer zusammenfassenden, zentralen Auswertung der angelegten Versuche. Die praktischen Versuche wurden auf Standorten der Landwirtschaftskammern, Landesanstalten und Ämtern für Landwirtschaft durchgeführt.
Informationen zu aktuellen Sortenversuchen Silo- /Körnermais
Berichtshefte zu den Versuchsergebnissen
Die Ergebnisse der Sortenversuche wurden detailliert in Berichtsheften für die einzelnen Versuchsjahre festgehalten. Die Hefte enthalten ein Verzeichnis der jeweils geprüften Sorten, ein Verzeichnis aller Prüforte sowie eine Zuordnung der Sorten zu den Prüfstandorten. Die Versuchsergebnisse sind sowohl bundesweit zusammengefasst als auch für jeden Standort einzeln dargestellt. Standortdaten wie Anbaubedingungen, Pflegemaßnahmen oder Angaben zur Nährstoffversorgung sind um Textberichte zur Versuchsdurchführung ergänzt.
Ergebnisse kurzgefasst
Die in dem Forschungsvorhaben geprüften Maissorten zeigten - wie auch die konventionellen Sortenversuche der Länder - relativ große Leistungsunterschiede. Diese können jedoch nicht verallgemeinert werden, da die extreme Witterung (Trockenheit und Hitze) in den Versuchsjahren starken Einfluss auf die Sortenentwicklung hatte.
Die Versuche ergaben, dass sich die Sortenergebnisse weitgehend mit denen der konventionellen Prüfungen decken. Hinweise auf die spezielle Eignung einzelner Sorten für den ökologischen Anbau konnten aus den Versuchen nicht gezogen werden.
Dennoch hat das Forscherteam einige Vorschläge zur Sortenwahl für ökologisch wirtschaftende Maisanbauer: Sorten mit hohen Energie- und Stärkeerträgen bei möglichst früher Abreife verdienen den Vorzug. Wenn auch spätere Sorten in warmen Jahren mit normalen Niederschlägen, früher Saat und Ausnutzung der Vegetationszeit ihr höheres Leistungspotenzial ausspielen können, ist ihr Anbau in Jahren mit späterer Aussaat und kühler, nasser Witterung mit einem deutlich höheren Risiko verbunden. Früher abreifende Sorten sollten auch aus Sicht des Bodenschutzes und der rechtzeitigen Folgefruchtbestellung den Vorzug erhalten.
Weitere Informationen:
Weitere Forschungsergebnisse: Maisanbau auf suboptimalen Standorten

- Foto: T. Stephan
Der Bedarf an energiereichem Grundfutter ist auf Milchviehbetrieben sehr hoch. Silomais bietet sich auch für ökologisch wirtschaftende Betriebe als energiereiche Futterpflanze an. Allerdings befinden sich zahlreiche Ökomilchviehbetriebe auf Flussmarsch-Standorten; dort gestaltet sich der Silomaisanbau schwierig. Ziel eines weiteren Forschungsvorhabens im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau war, geeignete Anbau- und Beikrautregulierungsstrategien im Ökomaisanbau für solche Standorte zu zu entwickeln.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Entwicklung von optimierten Maissorten für den Ökolandbau
Beim Anbau unter ökologischen Bedingungen müssen Maissorten neben den pflanzenbaulichen Standardkriterien zusätzliche Anforderungen erfüllen. So ist z.B. eine gute Keimfähigkeit des Saatguts (das nicht gebeizt werden darf) entscheidend für den Feldaufgang, eine rasche Jugendentwicklung ermöglicht eine erhöhte Konkurrenzkraft gegenüber Beikräutern und eine optimierte Nährstoffeffizienz ist vorteilhaft, da keine synthetischen Dünger eingesetzt werden. Ein Forschungsvorhaben hat Sorten, die hauptsächlich unter den Bedingungen des konventionellen Landbaus selektiert wurden, unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus geprüft. Anhand zweier Sets spezifisch entwickelter Hybriden konnten die Wissenschaftler zeigen, dass durch gezielte Selektion eine spezifische Anpassung an die ökologische Wirtschaftsweise erreicht werden kann. Wie erwartet zeigten die Populationssorten eine überdurchschnittliche Anpassung an die Bedingungen des ökologischen Landbaus. Die Testkreuzungsergebnisse von Landrassenpopulationen und –linien bestätigten nach Ansicht der Forschenden, dass dieses Material eine wertvolle genetische Ressource für die Züchtung von Ökosorten ist.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 01.12.2011
