oekolandbau.de - Das Informationsportal



Erfolgreich düngen mit später Zwischenfrucht

 
Junge Maispflanzen in Reihe
Nach Erbsen ist der Mais besonders grün; deutlich kleinerer und gelber Mais wächst nach Roggen und Winterbrache;
Foto: A. Gonzales

Vor Mais und Gemüse kann sich eine späte Zwischenfrucht noch lohnen, fanden Wissenschaftler am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz heraus. Der Anbau von Wintererbsen als Gründüngung ermöglicht auch während der kurzen Vegetationsperiode von Oktober bis Ende April, beträchtliche Mengen Stickstoff zu erzeugen.

Für Landwirte und Gärtner im Öko-Landbau ist Stickstoff ein limitierender Faktor, insbesondere für viehlos wirtschaftende Betriebe. Leguminosen stellen hier die einzige Möglichkeit dar, eigenen Stickstoff zu gewinnen. Die Wissenschaftler am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz haben nach Arten gesucht, die erst ab Oktober gesät werden können und bis Ende April viel Grünmasse entwickeln; so sind sie nach spät räumenden Hauptfrüchten für Mais und Gemüse eine ideale Vorfrucht. Für diesen Einsatz testeten die Wissenschaftler neben den Winterackerbohnen, der Wintereiweißerbse und der Zottelwicke auch die Winterfutterbsensorte ‚EFB 33’. Diese Sorte wurde mit Erfolg bereits an der Universität Kassel-Witzenhausen in Maisfruchtfolgen zur Silonutzung oder für die Biogasanlage mehrjährig getestet.

Im Versuchsbetrieb des FiBL wurden die Versuche auf einem lehmigen Tonboden seit zwei Jahren mit Dinkel oder Weizen als Vorkultur und Silomais als Nachkultur getestet. In beiden Versuchsjahren wurde gleich vorgegangen:

  • Gründüngungssaat Mitte Oktober: Pflugfurche, Leguminosensaat mit Zinkenrotor-Drillsämaschinekombination.
  • Einarbeitung der Gründüngung innerhalb einer Woche Ende April: Mulchen, Stoppelhobel (fünf bis sieben Zentimeter tief), Zinkenrotor (zehn bis 15 Zentimeter tief) und anschließende Maissaat.

Die Grundbodenbearbeitung wurde dabei bewusst auf den Herbst vorverlegt, da im Frühling sonst im Tonboden kein optimaler Bodenschluss mehr erreicht werden kann. Die Saat der Leguminosen erfolgte 2006 am 16. und 2007 am 12. Oktober. Der Mais des zweiten Versuchsjahres stand zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch vor der Ernte, einige Tendenzen waren jedoch schon erkennbar.

Deutlicher Mehrertrag nach Leguminosenvorfrucht

Im milden Winter 2006/2007 haben sich die Gründüngungen erwartungsgemäß gut entwickelt; so auch die Zottelwicken, die üblicherweise bereits Mitte September gesät werden sollten. Sie haben den späten Saattermin gut vertragen und erreichten Ende April eine Grünmasse von 2,1 Kilogramm pro Quadratmeter. Die anderen Gründüngungen mit Ausnahme des Roggens erreichten drei Kilogramm pro Quadratmeter. In der Leguminosengrünmasse - auch bei der Wicke - wurden Stickstoffmengen zwischen 130 bis 150 Kilogramm pro Hektar gemessen. Im gemulchten Roggen befand sich hingegen mit 68 Kilogramm Stickstoff je Hektar nur die Hälfte.

Entsprechend sah der Mais aus: Nach Erbsen und Wicken präsentierte er sich sattgrün, während nach der Winterbrache und dem Roggen chlorotischer, kleinwüchsiger Mais zu sehen war. Nach Ackerbohnen wuchs der Mais etwas schwächer und heller als nach Erbsen. In den besten Verfahren konnte ein Ertrag von 220 Dezitonnen Trockenmasse eingefahren werden und dies ohne zusätzliche Düngung. Mist und Gülle kamen zuletzt zur Vorkultur Dinkel auf die Parzelle. Die verzögerte Mineralisationsleistung der Ackerbohne gegenüber den Erbsen bestätigte sich auch in Laborversuchen.

Diagramm zur Darstellung der Trockensubstanzerträge von Mais nach verschiedenen Zwischenfrüchten
Maisertrag in Dezitonnen Trockensubstanz pro Hektar nach verschiedenen Winterleguminosen und Roggen, Versuch 2006/2007 (Grafik kann durch Anklicken vergrößert werden);
Quelle: FiBL

Im Jahr 2008 präsentierten sich die Gründüngungen und der nachfolgende Mais entsprechend der Vorfrucht ähnlich wie im Vorjahr. Die Erbsen hatten wieder gut überwintert, während die Ackerbohnen und erstaunlicherweise auch der Roggen im Frühjahr dünn dastanden. Nachdem im milden Winter kaum Unterschiede zwischen der Dichtsaat von fünf Dezitonnen pro Hektar und der Normalsaat auftraten, entwickelten sich die dichter gesäten Gründüngungen im Winter 2007/2008 eindeutig besser. Daraus lässt sich für die Praxis ableiten, dass die Erbsen bei kurzer Vegetationszeit - das heißt bei später Aussaat im Herbst und erwartetem frühem Wintereintritt in rauen Lagen - dichter gesät werden müssen. Während der Versuche wurde neben der Stickstoffbindung eine späte aber effektive Unkrautkur gegen mehrjährige Unkräuter festgestellt.

Futtererbse am besten

Die Erbsen entwickeln sich unter schweizerischen Bedingungen auch bei relativ später Saat gut. Im ersten Versuchsjahr sind sogar Saaten am 8. November erfolgreich gewesen. Bei später Saat keimen die Erbsen jedoch häufig erst im Januar oder Februar. Sofern sie in ein gutes Saatbeet mit drei bis vier Zentimetern genügend tief gesät werden und die Parzelle nicht zu Staunässe neigt, ist die späte Keimung nach Erfahrungen der FiBL-Wissenschaftler unproblematisch. Die Sorte ‚EFB 33’ keimt schneller und bedeckt den Boden besser als andere Wintererbsensorten, ansonsten gibt es wenige Unterschiede in den Anbaueigenschaften zur Eiweißerbse. Winterackerbohnen sind weniger winterhart und müssen wie die Zottelwicken zwei bis vier Wochen früher als die Erbsen gesät werden. Bei Zottelwicken schlagen zusätzlich die fast doppelt so hohen Saatgutkosten negativ ins Gewicht.

Winterfuttererbsenbestand
Winterfuttererbsen als Gründüngung können beträchtliche Mengen Stickstoff hinterlassen;
Foto: M. Koller

Die Einarbeitung der Leguminosen war auch im zweiten, deutlich nasseren Frühling unproblematisch. Das Feld ließ sich gegenüber gepflügtem, frostgarem Acker besser bearbeiten, da die Leguminosen über den Winter Wasser entziehen und den Boden durchwurzeln. In einem bereits Ende September gesäten Streifen wuchsen die Erbsen enorm und erreichten einen Frischmasseertrag von fünf bis sechs Kilogramm je Quadratmeter; dies entspricht 200 bis 250 Kilogramm Stickstoff pro Hektar.

Negativ fallen die Einschränkungen in der Fruchtfolge ins Gewicht; so ist es nicht sinnvoll, eine Erbsenbegrünung im Frühjahr frühzeitig umzubrechen und eine andere Kultur anzubauen, da das Hauptwachstum erst in der zweiten Aprilhälfte stattfindet. Erbsen sind selbstunverträglich und dürfen daher nicht zu häufig hintereinander angebaut werden.

Wirtschaftlichkeit

Das Verfahren macht nur Sinn, wenn die Kosten mit anderen Düngungsarten vergleichbar sind. Bei Kostenkalkulationen muss man den zusätzlichen Aufwand und die Saatgutkosten berücksichtigen. Dabei fallen im Herbst Kosten für die Aussaat und im Frühjahr für den Mulchgang an. Dafür können rund 130 Euro als Lohnarbeit angesetzt werden. Die anderen Bearbeitungsgänge fallen auch sonst für die Maissaat an. Das Saatgut der Winterfuttererbse kostete ca. 100 Euro pro Dezitonne. Wenn ein wirksamer „Stickstoffertrag“ von 100 Kilogramm pro Hektar erwartet wird, kostet ein Kilogramm Stickstoff etwa drei Euro. Dieser Betrag ist mit organischem Handelsdünger oder mit den Kosten zum Gülleausbringung mit Schleppschlauch vergleichbar. Je nach Herkunft und Sorte des Saatgutes - der Körnertyp ist etwas kostengünstiger - können die Kosten sogar noch geringer ausfallen.

Vorläufige Empfehlungen

  • Geeignetster Typ: Winterfuttererbse ‚EFB 33’
  • Alternative: Wintereiweißerbse
  • Saatzeit: Anfang bis Mitte Oktober (in milden Lagen später möglich)
  • Mulchen: Ende April bis Anfang Mai (max. bei drei bis vier Kilogramm Frischmasse pro Quadratmeter)
  • Einarbeiten: Möglichst regelmäßige, nicht zu tiefe Einmischung (kein Pflug)
  • Saatmenge: 1,8 bis zwei Dezitonnen pro Hektar (bei später Saat Menge erhöhen)
  • Saattiefe: drei bis vier Zentimeter
 
Getestete Gründüngungsarten und deren Saatmengen in den Versuchsjahren 2006/07 und 2007/08

Art

Sorte

2006/2007 Saatdichte (dt/ha)

2007/2008 Saatdichte (dt/ha)

Winterbrache

 -

 -

Winterroggen

Matador

1,8

1,8

Zottelwicke

Dr. Maumanns Ostsaat

1,4

Nicht im Versuch

Futterwintererbse

EFB 33

2,2 / 5

1,8 / 4,6

Wintereiweißerbse

Isard

2,2 / 5

1,8 / 4,6

Winterackerbohnen

Olan

5

3,6

Fazit

Auf Betrieben mit wenig oder keinen Hofdüngern und ohne andere Erbsenkulturen in der Fruchtfolge lohnt sich nach Meinung der beteiligten Wissenschaftler der Anbau von Winterleguminosen, sofern die Lage nicht zu rau ist. Am besten geeignet ist das Verfahren vor Mais oder Lager- und Sommergemüse, da die Begrünung frühestens Ende April gemulcht und eingearbeitet werden kann. Die FiBL-Wissenschaftler empfehlen die Winterfuttererbse, da deren Anbau durch hohe Winterfestigkeit und schnellen Wuchs am sichersten ist.

Autoren: Martin Koller, Alvaro Gonzales, Pius Allemann (FiBL)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 09/2008

Aus der Forschung - für die Praxis

Phosphat-Mobilisierung durch Haupt- und Zwischenfrüchte

Im Öko-Landbau ist weicherdiges Rohphosphat als Düngemittel zugelassen, seine Wirksamkeit ist jedoch gering. Wissenschaftler der Uni Gießen haben untersucht, ob weicherdiges Rohphosphat von phosphataneignungseffizienten Pflanzen für phosphataneignungsineffiziente Pflanzen mobilisiert wird.
"Weltweit sind die abbauwürdigen Rohphosphatreserven sehr stark begrenzt", sagt Prof. Dr. Diedrich Steffens vom Institut für Pflanzenernährung der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Aus diesem Grund müssen wir sehr sparsam mit dem Phosphor haushalten. Das gilt auch für den organischen Landbau, da hier nur geringlösliche Rohphosphate eingesetzt werden dürfen. Die Ergebnisse unseres Projekts deuten darauf hin, dass weicherdige Rohphosphate durch die Weißlupine für Spinat verfügbar werden. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass zitratlösliches Calciumhydrogenphosphat deutlich besser auf die Erträge wirkt als Rohphosphat. In nachfolgenden Feldversuchen wird gezielt untersucht, welche Phosphorform zur Phosphatdüngung im organischen Landbau die höchste Nachhaltigkeit aufweist."

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtPhosphat-Mobilisierung durch Haupt- und Zwischenfrüchte nach Düngung von weicherdigem Rohphosphat im ökologischen Landbau

Letzte Aktualisierung: 01.12.2011

Seitenende