Kulturdatenblatt Mais

- Auch im Ökolandbau wird Mais vorwiegend als Silomais angebaut.
Foto: T. Stephan
Der Maisanbau war im Ökolandbau lange Zeit nur von geringer Bedeutung. Dies ist mit den Herausforderungen, die er im Anbau stellt, sowie seinen möglichen Umweltwirkungen zu erklären. Aber auch der geringe Anteil, den die tierische Erzeugung - insbesondere die Veredelung - im ökologischen Landbau lange einnahm, spielte hier eine Rolle.
Nachdem seine "kritischen" Seiten offensiv angegangen wurden und damit auch die Vorteile und Stärken (vor allem die Energiedichte im Grundfutter) genutzt werden können, wird nun seit einigen Jahren auch im Ökolandbau vermehrt Mais angebaut. Die Fördersituation und damit die Wirtschaftlichkeit tragen ein Übriges dazu bei. Auch im Ökolandbau hat Mais seinen Anbauschwerpunkt als Silomais (12.000 Hektar in 2009), nachdem der Anteil von Futterbaubetrieben ab Mitte der 90er-Jahre deutlich zugenommen hat. Aber auch bei Körnermais ist eine deutliche Anbauausweitung erfolgt (5.000 Hektar in 2009). Hier hat insbesondere der Ausbau der Geflügelhaltung entsprechende Nachfrage geschaffen. Zuckermais und sonstige Spezialitäten (Popkorn etc.) sind eher Randprodukte.
Standort
Mais stellt aufgrund seiner Herkunft hohe Anforderungen an die Wärme, um optimal gedeihen zu können. Dies ist gerade im Ökolandbau - wo Regulative nur begrenzt zur Verfügung stehen - von Anfang an zu beachten. Leichtere, humosere Böden, die sich schnell und gut erwärmen können, sind deshalb im Vorteil, ebenso nach Süden geneigte Flächen. Neben den Wachstumsbedingungen für den Mais selbst ist eine schnelle Abtrocknung und Erwärmung des Standortes auch wichtig, um immer zeitgemäß Striegeln und Hacken zu können. Die geringe Unkrauttoleranz im Jugendstadium macht dem Mais ansonsten schwer zu schaffen.
Schwere, vor allem staunasse Böden, insbesondere wenn sie nach Norden ausgerichtet sind, sind dagegen kritisch und nur in sehr günstigen Jahren mit Erfolg zu nutzen. Hanglagen sind auf Grund der Erosionsgefährdung problematisch, selbst wenn diese im ökologischen Landbau generell niedriger einzustufen ist.
Fruchtfolge
Die hohen Nährstoffansprüche des Maises und die ausgeprägte Sensibilität gegenüber Unkrautkonkurrenz erfordern eine gute Fruchtfolgestellung. Im Idealfall steht Mais nach Kleegras. Nur bei guten Böden mit geringem Unkrautdruck ist eine gelungene Leguminosen-Zwischenfrucht (zum Beispiel Erbs-Wick-Gemenge) nach Getreide ausreichend. Der Abstand zum Unkraut unterdrückenden Kleegras sollte aber nicht zu groß sein. Die Kultur, die in der Fruchtfolge nach Mais angebaut wird, muss wegen der zunehmenden Fusarien-Problematik stärker Beachtung finden. Hier sind insbesondere alle Leguminosen geeignet.
Düngung
Mais hat einerseits hohe Ansprüche an die Stickstoffversorgung, andererseits ist er aber auch ein guter Verwerter von organischen Düngern. Mistdüngung sollte auf schwereren Böden schon im Herbst erfolgen. Ansonsten ist zur Saatbettbereitung eine Güllegabe (mit ca. 20 Kubikmeter pro Hektar) bei guter Vorfrucht je nach Bodenbonität ausreichend.
Mit Schleppschlauch-Verteiltechnik und geeigneter Bereifung kann noch einmal vor Reihenschluss, insbesondere bei schwächer versorgten Böden bzw. Beständen, mit Gülle (zehn bis 15 Kubikmeter pro Hektar) gedüngt werden. Eine gute Befahrbarkeit ist allerdings unbedingte Voraussetzung, da sich ansonsten entstehende Strukturschäden negativer auswirken als die zugeführten Nährstoffe Vorteile bringen. Bei gutem Strukturzustand des Bodens ist allerdings die zweite Güllegabe meist nicht erforderlich.
Bodenbearbeitung
Die beiden Aspekte, auf die der Mais besonders anspruchsvoll reagiert, weisen den Weg in der Bodenbearbeitung. Sowohl bezüglich der Erwärmung und nachfolgender Mineralisierung als auch hinsichtlich der Unkrautunterdrückung ist der Pflug ackerbaulich in der Regel das Maß aller Dinge und deswegen gerade zum Mais hin angebracht.
Saat
Unter ökologischen Bedingungen ist die Förderung einer schnellen Jugendentwicklung von besonderer Bedeutung. Folglich sollte die Saat in einen gut erwärmten Boden und damit etwas später erfolgen. So hat der Mais beste Startbedingungen und kann zügig loswachsen.
Auf leichteren Böden wird der erste Aufwuchs des Kleegrases Ende April bis Anfang Mai siliert, anschließend werden die Bodenbearbeitung (meist heiler Umbruch mit Pflug) sowie Saatbettbereitung und Saat durchgeführt. Eine Rückverfestigung mit Stabwalze als Nachläufer ist auf leichten Böden oft ausreichend. Bei sommertrockenen Lagen ist allerdings der Wasserverlust durch Kleegrasaufwuchs und Pflügen im Frühjahr oft begrenzend. Bei ausreichenden Niederschlägen sind die Stickstoffkonservierung über den Winter und der zusätzliche Futterschnitt im Frühjahr vorteilhaft. Beim direkten Pflügen vor der Saat ist auch der Unkrautaufgang sehr zögerlich.
Die mechanische Beikrautregulierung und gebietsweises Auftreten von Tauben- und Krähenfraß erfordern eine etwas tiefere Ablage (sechs Zentimeter) des Saatkorns und somit auch eine tiefere Saatbettbereitung. Die Saatstärke beträgt bei Körnermais zwischen acht (mittlere bis späte Sorten) und neun (frühe bis mittelfrühe Sorten), bei Silomais zwischen neun (mittlere bis späte Sorten) und zehn (frühe bis mittelfrühe Sorten) Körner pro Quadratmeter.
Bei der Sortenwahl sind eine zügige Jugendentwicklung, eine gute Beschattung/ Unkrautunterdrückung sowie eine effiziente Nährstoffaneignung wichtige Kriterien. Sehr kurze Sorten erfüllen diese Kriterien in der Regel nicht. Meist werden tendenziell etwas früher reife Sorten angebaut, um das Witterungsrisiko im Herbst nicht überzustrapazieren.
Folgende Sorten sind von Bedeutung und grundsätzlich auch als Ökosaatgut verfügbar:
- Silomais: überdurchschnittliche Trockenmasse-Erträge beziehungsweise Energieertragsleistungen: Amadeo (S 220), Nathan (S 240), Romario (S 240), PR39G12 (S 220);
mittlerer Ertrag und überdurchschnittliche Qualität: Justina (S 210), Fjord (S 240) - Körnermais: PR39G12 (K 220), Amadeo (K 230), L632.26 Lukas (K 240), Nathan (K 240)
Unkrautregulierung
Aufgrund der schwachen Unkrautkonkurrenz im Jugendstadium sind alle Maßnahmen zur Reduzierung dieser Konkurrenz förderlich - so lange sie nicht gleichzeitig Struktur- oder Bestandsprobleme verursachen. Bei einer Herbstfurche auf mittleren bis schwereren oder niederschlagsarmen Standorten kann ein Abschleppen bei trockenen Bedingungen im Frühjahr erfolgen. Das kann die erste Unkrautgeneration zum Auflaufen bringen, die bei der Saatbettbereitung bereits eingedämmt wird. Mais ist spätsaatverträglich und wird in der Regel Ende April bis Mitte Mai gedrillt, wodurch eine erste mechanische Vorauflauf-Maßnahme gegen Beikräuter möglich ist.

- Die Rollhacke hat sich für die Unkrautregulierung im Ökomaisanbau bewährt.
Foto: Naturland e.V.
Das Blindstriegeln wird je nach Witterung ein bis zwei Wochen nach dem Saatzeitpunkt, kurz vor dem Auflaufen, durchgeführt. Diese Maßnahme hat den besten Effekt der Beikrautregulierung, da das Unkraut im Fädchenstadium am empfindlichsten getroffen werden kann.
Beim Spitzen kann nach neueren Erkenntnissen auch mit einem Gasbrenner die Maisreihe oder auch die gesamte Fläche abgeflammt werden. Diese Behandlung beseitigt sicher die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter, schlägt aber auch mit circa 250 Euro pro Hektar zu Buche.
Ab etwa sechs bis zehn Zentimeter Wuchshöhe/ Vier-Blattstadium des Maises kann das zweite Mal vorsichtig gestriegelt werden. Anschließend wird noch zwei- bis dreimal gehackt bis zum Reihenschluss. Beim letzten Hackgang sollte durch ein Anhäufeln das Beikraut in der Reihe zugeschüttet werden. Mit insgesamt fünf mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen kann die Beikrautregulierung in der Regel erfolgreich gestaltet werden.
Krankheiten und Schädlinge
Der Vogelfraß durch Krähen, Tauben oder Fasane ist in manchen Regionen ein großes Problem. Eine tiefere Saatgutablage (mindestens sechs Zentimeter) hat sich hier bewährt. Das Einfärben des Saatgutes mit Lebensmittelfarbe (blau) hat zumindest bei Tauben eine abschreckende Wirkung gezeigt. Gegen den Maiszünsler können Schlupfwespen (Trichogramma) als Nützlinge eingesetzt werden. Nach mehrjährigem Kleegrasanbau sollte der Drahtwurmbesatz des Bodens kontrolliert werden. Angeschnittene Kartoffelköder können als Lockmittel benutzt werden. Man kann auch mit dem Spaten Ernterückstände auf Drahtwurm begutachten. Bei sehr hohem Auftreten ist ein Anbau auf dieser Fläche zu überdenken.
Ernte
Gegenüber den Ernteverfahren im konventionellen Betrieb gibt es keine großen Unterschiede. Allerdings hat die mit der Ernte verbundene Gefahr einer Strukturschädigung durch hohe Radlasten auf zu feuchten Böden im ökologisch wirtschaftenden Betrieb schwerer wiegende Auswirkungen und sollte deswegen unter allen Umständen vermieden werden. Auf mittleren bis leichteren Böden können bei sorgsamer Bestandesführung und guter Düngung auch in niederschlagsreicheren Gebieten beachtenswerte Maiserträge im ökologischen Landbau geerntet werden.
Besonderheiten
Als Reihenkultur ist der Mais einer höheren Erosionsgefahr ausgesetzt. Auf Hanglagen besteht bei Starkregen die Gefahr der Erdabschwemmung. Daher sollte hier der Maisanbau vermieden werden. Der Anbau quer zum Hang, die Einsaat von Grünstreifen (Weißklee-Weidelgras-Gemenge nach dem Blindstriegeln) oder Miststreifen haben eine bremsende Wirkung.
Bei geringem Unkrautdruck kann in manchen Fällen auf den letzten Hackgang verzichtet werden und nach dem ersten Hacken eine Weißkleeuntersaat (fünf bis acht Kilogramm je Hektar) ausgebracht werden. Bis zum Reihenschluss muss genügend Zeit vorhanden sein (circa vier Wochen), damit sich die Untersaat ausreichend entwickeln kann. Die Befahrbarkeit während der Ernte wird dadurch verbessert.
In getreidereichen Fruchtfolgen fördert der Mais den Fusarienbefall. Eine gute Einarbeitung der Stoppel muss erfolgen. Weizen und Triticale sollten nicht unmittelbar nach Mais angebaut werden.
Aus der Forschung - für die Praxis
Phosphat-Mobilisierung durch Haupt- und Zwischenfrüchte
Im Öko-Landbau ist weicherdiges Rohphosphat als Düngemittel zugelassen, seine Wirksamkeit ist jedoch gering. Wissenschaftler der Uni Gießen haben untersucht, ob weicherdiges Rohphosphat von phosphataneignungseffizienten Pflanzen für phosphataneignungsineffiziente Pflanzen mobilisiert wird.
"Weltweit sind die abbauwürdigen Rohphosphatreserven sehr stark begrenzt", sagt Prof. Dr. Diedrich Steffens vom Institut für Pflanzenernährung der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Aus diesem Grund müssen wir sehr sparsam mit dem Phosphor haushalten. Das gilt auch für den organischen Landbau, da hier nur geringlösliche Rohphosphate eingesetzt werden dürfen. Die Ergebnisse unseres Projekts deuten darauf hin, dass weicherdige Rohphosphate durch die Weißlupine für Spinat verfügbar werden. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass zitratlösliches Calciumhydrogenphosphat deutlich besser auf die Erträge wirkt als Rohphosphat. In nachfolgenden Feldversuchen wird gezielt untersucht, welche Phosphorform zur Phosphatdüngung im organischen Landbau die höchste Nachhaltigkeit aufweist."
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Entwicklung von optimierten Maissorten für den Ökolandbau
Beim Anbau unter ökologischen Bedingungen müssen Maissorten neben den pflanzenbaulichen Standardkriterien zusätzliche Anforderungen erfüllen. So ist z.B. eine gute Keimfähigkeit des Saatguts (das nicht gebeizt werden darf) entscheidend für den Feldaufgang, eine rasche Jugendentwicklung ermöglicht eine erhöhte Konkurrenzkraft gegenüber Beikräutern und eine optimierte Nährstoffeffizienz ist vorteilhaft, da keine synthetischen Dünger eingesetzt werden. Ein Forschungsvorhaben hat Sorten, die hauptsächlich unter den Bedingungen des konventionellen Landbaus selektiert wurden, unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus geprüft. Anhand zweier Sets spezifisch entwickelter Hybriden konnten die Wissenschaftler zeigen, dass durch gezielte Selektion eine spezifische Anpassung an die ökologische Wirtschaftsweise erreicht werden kann. Wie erwartet zeigten die Populationssorten eine überdurchschnittliche Anpassung an die Bedingungen des ökologischen Landbaus. Die Testkreuzungsergebnisse von Landrassenpopulationen und –linien bestätigten nach Ansicht der Forschenden, dass dieses Material eine wertvolle genetische Ressource für die Züchtung von Ökosorten ist.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Alternativen im und zum Silomaisanbau im Ökologischen Landbau
Viele rinderhaltende Ökobetriebe bauen trotz ihres Bedarfs an einem energiereichen Grundfuttermittel keinen Silomais an, da verschiedene Anbauprobleme auftreten können. Andere Futterpflanzen sind aber meist weniger ertragreich und energieärmer; daher wächst das Interesse am Maisanbau im ökologischen Landbau. Ein Forschungsvorhaben hat Maisanbausysteme sowie Alternativen untersucht und evaluiert.
Näheres zum Projekt:
Alternativen im und zum Silomaisanbau im Ökologischen Landbau
Aus der Forschung - für die Praxis
Maisanbau auf suboptimalen Standorten
Der Bedarf an energiereichem Grundfutter ist auf Milchviehbetrieben sehr hoch. Silomais bietet sich auch für ökologisch wirtschaftende Betriebe als energiereiche Futterpflanze an. Allerdings befinden sich zahlreiche Ökomilchviehbetriebe auf Flussmarsch-Standorten; dort gestaltet sich der Silomaisanbau schwierig. Ziel eines Forschungsvorhabens im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau war, geeignete Anbau- und Beikrautregulierungsstrategien im Ökomaisanbau für solche Standorte zu zu entwickeln.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 18.08.2011

