Kulturdatenblatt Zuckerrübe

- Die Ökozuckerrübe - Marktfrucht mit Zukunft?
Foto: T. Stephan
In Deutschland wurden im Jahr 2008 etwa 1.400 Hektar Ökozuckerrüben angebaut. Das entspricht etwa 0,4 Prozent der Gesamtproduktion. Insofern nimmt der Zuckerrübenanbau eine Nische innerhalb des Ökolandbaus ein, die aber durchaus Perspektive hat.
Zurzeit sind drei Abnehmer auf dem deutschen Markt präsent, die den Rübenanbau zu vergleichbaren Konditionen vergüten. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Rüben ein, welche für den Export in die Schweiz angebaut werden, weil hier die Kontingent-Bindung entfällt. Alle Abnehmer haben für die Ernte 2009 eine weitere Ausdehnung des Ökozuckerrübenanbaus angekündigt. Die mittelfristige Entwicklung des Anbaus wird neben der Marktentwicklung für Ökozucker davon abhängen wie sich der Markt und die Preise für andere Hackfrüchte wie Kartoffeln und Möhren oder der intensive Rapsanbau im Vergleich zur Zuckerrübe entwickeln.
Standort
Zuckerrüben gedeihen gut auf tiefgründigen, mittleren bis schweren, steinfreien "Zuckerrüben-"Böden (pH > 6,5, Humus >1 Prozent). Sie sind Nährstoffzehrer, nutzen aber auf Grund ihres Wurzelsystems auch Nährstoffe aus der Tiefe. Damit sind Zuckerrüben willkommene Konkurrenzpflanzen für tief wurzelnde Unkräuter (z.B. Distel und Ampfer). In getreidereichen Fruchtfolgen stellen sie eine Bereicherung dar und verfügen über einen guten Vorfruchtwert.
Eine gesicherte Wasserversorgung in den 140 bis 160 Vegetationstagen ist entscheidend für eine Ertragserwartung von 35 bis 55 Tonnen pro Hektar Ökozuckerrüben, die in Einzelfällen auch übertroffen werden kann. Ausreichend Sonne in der Hauptwachstumszeit fördert den Zucker- und Trockensubstanzgehalt, was unter den Bedingungen der Frührodung (die Ökorübenkampagne wird dem Start der üblichen Kampagne im September vorangestellt) besonders bedeutsam ist.
Fruchtfolge
Ideale Vorfrucht ist ein früh räumendes Getreide, das selber nach Kleegras o.ä. steht und eine nachfolgende, gut entwickelte Zwischenfrucht ermöglicht.
Eine Herbstfurche vor Zuckerrüben oder ein mehrfacher Grubberstrich ist deutlich unkrautärmer als die "riskante" Frühjahrsfurche.
Bedingt geeignet sind Bohnen, Soja, Ackerbohnen, Erbsen. Sie sind Luxus-Vorfrüchte. Bodennährstoffe werden dabei schlecht genutzt. Kleegras stellt bezüglich der Stickstoffversorgung ebenfalls eher eine Luxus-Vorfrucht dar. Kleegras bringt auch die Gefahr von geringeren Zuckerausbeuten durch zu starke Stickstoffmineralisierung und die Bildung von Amino-Stickstoff in der Rübe, der die Zuckerausbeute reduziert, sowie weitere mögliche Probleme mit sich (z.B. Narbenreste bzw. Durchwuchs und Schädlinge wie Drahtwürmer, Erdschnakenlarven, Schnecken und Engerlinge). Wenn, dann ist einjähriges Kleegras mit Sommerumbruch und anschließender Zwischenfrucht zu wählen. Kartoffeln sind eigentlich gut geeignet, allerdings ist Vorsicht mit Durchwuchs und Ausfallknollen geboten. Sonnenblumen und (frühe) Karotten sind Wirte des Rübenkopfälchens. Bei Silomais sind Ernterückstände gut einzuarbeiten, bei der Ernte dürfen keine Verdichtungen entstehen.
Nicht geeignet sind Körnermais und (späte) Möhren. Sie sind insbesondere kritisch wegen der Gefahr von Bodenverdichtungen. Raps, Rübsen oder Ausfallraps sind Überträger von Wurzelnematoden. Spinat und Mangold stammen aus der gleichen Familie wie Rüben und begünstigen daher eine Krankheitsübertragung. Zwiebeln sind Überträger der Kopfälchen. Mindest-Anbaupausen von fünf Jahren zu Zuckerrüben, drei Jahren zu Gänsefußgewächsen und Sonnenblumen/ Zwiebeln sind einzuhalten.
In Kartoffelbetrieben verschärft die Zuckerrübe die Arbeitsspitze im April/ Mai besonders während der Unkrautbekämpfungsphase.
Geeignete Zwischenfrüchte sind Phacelia, nematodenresistente Sorten von Senf (zum Beispiel Achilles; Accent ), Leguminosen-Phacelia-Gemenge und Sommer-Wicken, auch als Gemenge mit Getreide.
Düngung

- Mit entsprechendem Kontingent und einer funktionierenden, kostengünstigen Beikrautkontrolle kann die Zuckerrübe auch im ökologischen Landbau eine lohnende Kultur sein.
(c)Foto: T. Stephan
Die optimale Ernährung erfolgt vorrangig durch die Düngung der Vorkultur. Organische Dünger können gut mit anschließender Zwischenfrucht ausgebracht werden. Schnell- und mittelverfügbare organische Handelsdünger können auch im Frühjahr ausgebracht werden.
Soll Gülle im Anbaujahr ausgebracht werden, sollte dies möglichst vor der Saat erfolgen. Eine Kopfdüngung sollte nur bis zum Vier-Blattstadium und 1:1 verdünnt ausgebracht werden. Vorsicht vor zu starker Stickstoffdüngung mit übermäßigem Krautwachstum! Jeder Hackgang bewirkt eine Stickstoffmineralisation. Insgesamt ist der Stickstoffbedarf der Zuckerrübe relativ gering.
Liegt der pH Wert über 6,5, so ist eine Aufkalkung nötig. Diese wirkt gleichzeitig strukturfördernd. Saure Böden sind darüber hinaus besonders problematisch bezüglich des Wurzelbrandpilzes. Auch sollte die Versorgung mit Kali beachtet werden und bei Bodenwerten von weit unter zehn Milligramm eventuell eine Düngung erfolgen. Bei nachgewiesenem Bormangel (Gefahr der Herz- und Trockenfäule) ist ebenfalls eine Düngung angebracht.
Bodenbearbeitung
Eine möglichst späte Herbstfurche (auch im Winter, aber trocken) hat sich bewährt. Mulchsaatverfahren verfügen über einen zehn bis 20 Prozent höheren Feldaufgang. Sie haben den Vorteil, dass der Oberboden durch Stroh- und Stoppelreste eine gute Struktur behält und die Verschlämmungsgefahr verringert wird. Beim zu intensiven Abziehen vor der Saatbettbereitung besteht die Gefahr der Überlockerung und Austrocknung. Ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett ist Voraussetzung.
Saat
Der Termin ist so zu wählen, dass ein zügiges Durchwachsen möglich ist (Moosknopfkäfer, Unkraut). Die Bodentemperatur sollte mindestens fünf, besser acht Grad aufweisen. Kühle Perioden im Auflaufen erhöhen den Beikrautdruck, zu frühe Aussaaten sind im Ökolandbau deutlich riskanter, wahrscheinlicher Saattermin oft fünf bis zehn Tage nach dem konventionellen Saattermin.
Pflanzenzahl: Ziel sind Bestandsdichten von 90.000 bis 95.000 Pflanzen pro Hektar. Der Feldaufgang liegt bei günstigen, warmen Auflaufbedingungen ebenso wie im konventionellen Landbau bei 95 Prozent (bei ungünstigen Bedingungen bei etwa 70 bis 80 Prozent, und damit um 15 bis 25 Prozent geringer im Vergleich zum konventionellen Anbau). Eine ausreichende Saatstärke mit 1,5 bis 2,5 Einheiten je Hektar (das heißt bis zu einer zweifachen der konventionellen Saatstärke) ist wichtig.
Die Ablageweite kann - je nach Schädlingsdruck und Risikobereitschaft - verschieden gehandhabt und vom halben Endabstand von neun Zentimeter (-> Vereinzeln ist notwendig; höchstmögliche Sicherheit, aber doppelte Saatgutkosten) über mittlere Weiten von zwölf Zentimeter (-> Vereinzeln schwieriger, aber notwendig) bis hin zum Endabstand von 18 Zentimeter (-> ist risikoreicher, da weniger "Ausfallpflanzen" und damit zu geringer Pflanzenpuffer) möglich.
Bei ausreichend warmen Frühjahrstemperaturen wie in den letzten Jahren kann bei guten Bodenbedingungen auf Endabstand gedrillt werden.
Das Saatgut sollte pilliert, aber ungebeizt/ unbehandelt sein und nach Möglichkeit ökologisch vermehrt. Eine Ablagetiefe von ein bis zwei Zentimetern begünstigt schnelles Auflaufen (bei vorgesehenem Striegeleinsatz sollte sie zwei bis vier Zentimeter betragen).
Frohwüchsige, frührode-geeignete Sorten mit geringer Anfälligkeit bezüglich Blattflecken sowie Toleranz gegen Wurzelbärtigkeit sind zu bevorzugen. Wichtig ist eine frühe und gute Blattentwicklung. Für Zuckerrüben ist ökologisches Saatgut verfügbar.

- Der Ökozuckerrüben-Anbau ist arbeitsaufwändig: Notwendig sind in der Regel zwei bis drei Maschinenhacken und 100 bis 200 Hand-AKh/ ha.
Foto: T. Stephan
Unkrautregulierung
Der Handarbeitsaufwand für die Unkrautregulierung ist der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit des ökologischen Zuckerrübenanbaus. Zuckerrüben zeichnen sich durch langsames Jugendwachstum und späten Reihenschluss aus. Besonders wichtig ist daher eine geringe Konkurrenz durch Unkraut im Jugendstadium, insbesondere von der vierten bis achten Woche nach dem Auflaufen.
- Vorkultur: Wurzelunkräuter sollten in der Fruchtfolge reguliert werden (Quecke, Distel).
- Unkrautkur: Vor der Saat ein- oder mehrmaliges flaches Bearbeiten (Abstand ca. 7 Tage), in der Regel mit dem Striegel. Nur gut abgetrockneten Boden befahren (Vorsicht: Gefahr der Bodenverdichtung -Breitreifen benutzen, Reifeninnendruck optimieren!). Auflaufende Unkräuter werden beim Saatvorgang erfasst und beseitigt.
- Blindstriegeln: Nur möglich bei tieferer Ablage von zwei bis vier Zentimetern (tiefe Ablage wirkt schnellem Auflaufen entgegen). Bringt aber selten den gewünschten Erfolg, da das Unkraut in so kurzer Zeit nach der Saatbettbereitung noch nicht vor den Rüben aufgelaufen ist und bedeutet ca. 20 Prozent geringeren Pflanzenaufgang.
- Abflammen: Die erste Unkrautwelle lässt sich bei relativ später Saat und warmem Boden im Vorauflauf gut regulieren. Geeignete Technik - ist "teuer" (ca. 150-200 Euro je Hektar), aber auch wieder "günstig" (spart ca. 50 Hand-AKh).
- Striegeln: Möglich ab zwei bis vier Blättern. Wirksam nur bei Unkräutern vom Auflaufen bis Zwei-Blattstadium. Nur bei höherer Aussaatstärke sinnvoll. Hat sich in der Praxis nicht durchgesetzt.
- Maschinenhacke erfolgt, sobald Reihen sichtbar sind. Schlagkräftige, gut funktionierende Technik ist Voraussetzung. Zuerst mit Hohlschutzscheiben, denn Rüben vertragen kein Überschütten des Pflanzenherzes. Je dichter an der Reihe, um so weniger Handhacke ist nötig.
- Versuche mit der Querhacke waren teilweise bei doppelter Saatstärke erfolgreich. Statt Gänsefußscharen eventuell Winkelmesser verwenden. Hackwerkzeug darf maximal 15 Zentimeter breit sein.
- Unbedingt sofort im Anschluss an eine Maschinenhacke erfolgt eine Handhacke, die spätestens nach sieben Tagen beendet sein soll - je schneller, desto besser. Notwendig sind ausreichend Arbeitskräfte und zügiges, sorgfältiges Arbeiten.
- Vereinzeln: Erfolgt es zu früh, können Spätschäden durch Schädlinge und Wurzelbrand nicht mehr ausgeglichen werden; zu spät wird die Bestandesentwicklung beeinträchtigt. In der Regel erfolgt das Vereinzeln zwischen dem Zwei- und Vier-Blattstadium in Verbindung mit einer Handhacke.
- Der Ökozuckerrüben-Anbau ist arbeitsaufwendig: Notwendig sind in der Regel zwei bis drei Maschinenhacken und 100 bis 200 Hand-AKh pro Hektar. Mehr Hand-AKh stellen die Ökonomie der Ökozuckerrübe in Frage.
Krankheiten und Schädlinge
Krankheiten kann durch Maßnamen wie Fruchtfolge, Aussaattiefe, Aussaatmenge, Saatgutwahl, Anbauabstand, Standortwahl etc. nur vorgebeugt werden. Direkte Maßnahmen sind nicht üblich.
Schneckenprobleme: Eine späte Pflugfurche vernichtet die Schneckeneier. Zuckerrüben sollten nicht in Nähe von Kleegrasschlägen, Grünland und Raps stehen. Hohlräume und damit grobklutige Felder sind zu vermeiden. Als Direktmaßnahme ist über eine Ausnahmegenehmigung der Einsatz von "Ferramol" möglich, aber kostenintensiv und damit meist nicht wirtschaftlich (bzw. nur in Teilbereichen, z.B. Randbehandlung).
Wichtig ist die Feldkontrolle:
- Bei Rübenaufgang: Sind bestandsgefährdende Schädlinge oder Erreger wie Wurzelbrand, Schnecken, Moosknopfkäfer, Drahtwürmer, Frost- und Wildschäden oder Rübenerdflöhe (hier kann Unkraut als Ablenkfütterung dienen) vorhanden?
- Fortwährend: Kontrolle des Unkrautwuchses, Bestimmen des optimalen Einsatzzeitpunkts des jeweiligen Gerätes, Erfassen der vorhandenen Pflanzenzahl.
Umbruchschwelle:
- Ende April ca. 44.000 Pflanzen je Hektar
- Anfang Mai ca. 40.000 Pflanzen je Hektar
- Mitte Mai ca. 36.000 Pflanzen je Hektar
Ernte
Der Termin der Ernte wird vom Abnehmer vorgegeben. Er liegt zurzeit am Beginn der Verarbeitungssaison der Zuckerfabrik. Nachteil: Deutlich weniger Massen- und Zuckerertrag je Hektar, es sind so keine Ertragsspitzen möglich. Vorteil: Hohe Wahrscheinlichkeit einer trockenen Ernte mit weniger Boden- und damit Strukturschäden, was den Folgekulturen zugute kommt.
Letzte Aktualisierung: 19.08.2011
