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Kulturdatenblatt Ackerbohne

 
Ackerbohnenbestand
Aufgrund der Forderung nach heimischen Eiweißfuttermitteln in der Ökotierfütterung gewinnt die Ackerbohne zunehmend an Bedeutung.
Foto: T. Stephan

Die Ackerbohne (Vicia faba minor) ist neben der Erbse die Körnerleguminose mit der größten Anbaubedeutung und stellt zum einen ein wichtiges Fruchtfolgeglied für den Ökolandbau dar. Zum anderen liefert sie wertvolles Tierfutter, das vor allem bei der Rinderfütterung zum Einsatz kommt. Der Anbauumfang ist durch verbesserte Erbsensorten verringert worden, aber zunehmender Eiweißbedarf im Ökosektor und neue Sorten ermöglichen wieder eine Ausweitung des Bohnenanbaus. Im Jahr 2009 betrug die Anbaufläche in Deutschland etwa 6.000 Hektar (Bioanteil 50 Prozent). Eine gute Stickstofffixierung und die Bildung hervorragender Bodengare sind neben der nötigen Abwechslung in der Fruchtfolge wichtige Argumente, die für den Ackerbohnen-Anbau in ökologisch wirtschaftenden Systemen sprechen.

Für viehhaltende Betriebe steht die Verwertung durch eigene Tiere im Vordergrund. Marktfruchtbetriebe bauen die Bohne unter Fruchtfolgeaspekten an, müssen aber bei der Vermarktung auf Grund der etwas schwächeren Eiweißqualität und Schmackhaftigkeit im Vergleich zur Erbse leichte Abschläge im Erlös hinnehmen. Die Sortenwahl kann dies zum Teil etwas kompensieren. Die Wirtschaftlichkeit dürfte sich künftig tendenziell wieder verbessern, da der Eiweißbedarf aus ökologischer Erzeugung generell steigt und neue bitterstoffarme Ackerbohnen-Sorten weitere Einsatzbereiche eröffnen.

Standort

Die Ackerbohne hat einen hohen Wasserbedarf. Sie benötigt gute oder schwere Böden mit entsprechendem Wasserspeichervermögen oder mittlere Standorte mit ausreichenden Niederschlägen. Wichtig ist eine gute Kalkversorgung mit pH-Werten über sechs. Für die Ausbildung der Pfahlwurzeln sind tiefgründige Böden erforderlich.

Fruchtfolge

Die Stellung der Ackerbohne in der Fruchtfolge ist meist nach beziehungsweise vor einer oder zwei Getreidekulturen. Die Folgekultur darf hierbei durchaus höhere Ansprüche haben als bei der Erbse, weil mehr Stickstoff gebildet wird und die besondere Gare dem Getreide optimale Bedingungen eröffnet. Eine Impfung mit entsprechenden Bakterienstämmen ist notwendig, wenn noch nie Ackerbohnen auf der Fläche angebaut wurden. Aufgrund der Selbstunverträglichkeit sind Anbaupausen von mindestens vier bis fünf Jahren einzuhalten.

Saat

Die Aussaat kann und sollte frühzeitig ab Februar, zum Teil auf noch gefrorenem Boden, erfolgen (Keimtemperatur 2-3°C). Eine Herbstfurche ist erforderlich, um den Wasserbedarf zu sichern, und weil eine Frühjahrsfurche so zeitig kaum möglich ist. Die Saatstärke beträgt etwa 30 bis 40 keimfähige Körner. Ein Zuschlag wegen mechanischer Pflege ist bei Ackerbohnen nicht zwingend. Ebenfalls bieten sich Mulchsaatverfahren an, wo in eine abgefrorene Zwischenfrucht ausgesät werden kann. Sollte der Bestand nicht abgefroren sein, so ist der Aufwuchs vorher abzuschlägeln. Nach einer anschließenden Bearbeitung, beispielsweise mit einer Kurzscheibenegge, können Bohnen mit einer Scheibensämaschine gedrillt werden. Voraussetzung der Mulchsaat ist, dass eventuelle Bodenverdichtungen vor einer Zwischenfruchtaussaat gelockert werden, um eine tiefe Durchwurzelung und eine hohe Wasserspeicherung durch die Zwischenfrucht zu gewährleisten.

Eine Ablagetiefe von sechs bis acht Zentimetern ist nötig, damit die Bohnen immer ausreichend Wasser ziehen können und die Standfestigkeit erhöht wird. Um dies zu erreichen, muss die entsprechende Technik vorhanden sein. Der Abstand erfolgt in doppelter Getreidereihenweite oder noch weiter. Je schmaler, desto besser kann der Bestand selbst die Unkrautkonkurrenz unterdrücken. Je weiter, desto besser kann gehackt und vor allem Luft in den Boden gebracht werden. Dies ist besonders bei schweren Böden unter hohen Niederschlägen für die Stickstoffbindung vorteilhaft. Mit einem Einzelkornsägerät wird zudem eine bessere Tiefenführung und Standraumverteilung erreicht. Besonders gut eignen sich pneumatische Sägeräte, weil die Bohnen verschieden kalibriert sind und schonend in den Boden gelangen. Leichte Böden erfordern den Einsatz einer Ackerwalze nach der Bestellung.

Beim Saatgut ist die Gesundheit zu beachten. Der Ascochyta-Pilz kann die Keimfähigkeit stark beeinträchtigen. Zertifiziertes Saatgut aus ökologischer Erzeugung wird darauf geprüft. Bei eigenem Nachbau ist vor der Aussaat eine Analyse auf samenbürtige Krankheiten durchzuführen.

Sortenwahl

Marktfruchtbetriebe wählen Sorten, die der Abnehmer fordert. Dies sind die tanninfreien beziehungsweise vicin-/ covicinarmen Neuzüchtungen, die in der Regel allerdings ertraglich etwas schwächer sind (z. B. Valeria, Tangenta, Tattoo beziehungsweise Divine). Rinderhaltende Betriebe setzen weiterhin auf die ertragsstärkeren tanninhaltigen Sorten (z. B. Fuego, Espresso, Isabell). Die Nährstoffdichte der Bohnen ist auch ein Kriterium bei der Auswahl, weil die unerwünschten Bestandteile den Einsatz im Futter begrenzen. Auf leichteren oder zur Trockenheit neigenden Standorten wird auf Sorten mit kleinerer Samengröße zurückgegriffen. Die Züchtung neuer Ackerbohnensorten wurde in Deutschland wegen der zurückgehenden Anbaufläche in den letzten Jahren leider stark reduziert.

Düngung

Bei guter Versorgung der Böden mit Kalium und Phosphat mit zweistelligen Milligrammwerten sind weitere Düngungsmaßnahmen nicht erforderlich. Die Bohnen haben einen hohen Bedarf an diesen Grundnährstoffen,  können aber auch bei entsprechendem Nährstoffvorrat viel aus dem Boden mobilisieren. Ein allzu hoher Gehalt an verfügbarem Stickstoff behindert die Stickstoffbindung durch die Knöllchenbakterien. Der Anspruch an die Bodenreaktion ist hoch, so dass auf ausreichende Kalkversorgung geachtet werden sollte. Nach neueren Erkenntnissen ist auch auf die Versorgung mit Schwefel, Bor und Molybdän zu achten.

Unkrautregulierung

Die Saat in doppeltem Getreideabstand hat einen früheren Bestandesschluss zur Folge, so dass der Bestand selber besser Unkraut unterdrücken kann und Striegeln häufig als alleinige Regulierungsmaßnahme ausreicht. Auf vielen Betrieben wird die Bohne jedoch in größeren Reihenabständen ausgesät, damit ein Hackgerät optimal eingesetzt werden kann. Willkommener Nebeneffekt ist dabei, dass insbesondere in schweren Böden der Gasaustausch und damit die Stickstoffbindung gefördert wird.

Am Anfang der Bestandespflege steht aber in jedem Fall der Einsatz des Striegels. Bevor der Keimling die oberen drei Zentimeter des Bodens erreicht, muss ein- oder zweimal ein Blindstriegeln erfolgen. Nach dem Auflaufen wird erst nach Ausbildung des dritten Blattpaares wieder gestriegelt. Die Bohnen dürfen beim Striegeln nicht vollständig mit Erde bedeckt werden.

Die Hacke kann bis zur Blüte bzw. bis zum Reihenschluss eingesetzt werden, wenn das Gerät eine ausreichende Durchgangshöhe hat. Bei kleinen Pflanzen wird durch Schutzscheiben ein Verschütten verhindert. Ab 25 Zentimeter Wuchshöhe wird dann ein Häufeleffekt angestrebt. Möglichst beikrautfreie Bestände reduzieren das Risiko der Spätverunkrautung, wenn bei der Abreife wieder viel Licht auf den Boden gelangt. Insbesondere die Quecke kann sich sonst stark ausbreiten.

Krankheiten und Schädlinge

Die Verbreitung von samenbürtigen Krankheiten und Schädlingen muss durch zertifiziertes Ökosaatgut oder eigene Laboranalysen vermieden werden. Hierzu zählen der Ascochyta-Pilz, Stängelälchen und Bohnenkäfer. Als Fruchtfolgekrankheiten gelten unter anderem Rhizoctonia solani und Fusarien-Arten. Ertragsmindernd wirkt sich starker Bohnenlausbefall aus, der vor allem unter Trockenstress auftreten kann. Dem kann durch Blühstreifen am Feldrand zur Nützlingsförderung entgegen gewirkt werden. Der Einsatz von Ton- oder Gesteinsmehlen zur direkten Bekämpfung ist möglich, aber selten sinnvoll. Die Blattläuse schädigen durch Saugen und Übertragen von Virosen. Blattrandkäfer reduzieren bei verzögerter Jugendentwicklung der Bohnenpflanze die Bestände. Die Anbaupausen stehen als Mittel der Wahl im Vordergrund für viele der vorgenannten Schadbilder.

Ernte

druschreifer Ackerbohnenbestand
Die Reife ist erreicht, wenn Blatt und Stengel der Ackerbohne schwarz verfärbt sind.
Foto: T. Stephan

Der Mähdrusch erfolgt mit einem gängigen Gerät zumeist aus stehenden Beständen. Die Reife ist erreicht, wenn Blatt und Stengel schwarz verfärbt sind. Ackerbohnen werden oft erst Ende August oder im September geerntet. Bei einem Feuchtegehalt um 18 Prozent ist der Bohnensamen wenig bruchgefährdet, was vor allem bei der Saatguterzeugung wichtig ist. Die Druschorgane werden möglichst sanft eingestellt und die Windeinstellung auf maximale Position gewählt. An der Zufuhrschnecke zum Überkehrelevator wird die Klappe entfernt oder ein grobes Sieb eingebaut, da hier vor allem Besatz oder Bruchkorn anfallen, die den Drusch unnötig behindern. Die Kornerträge liegen je nach Standort und Witterung in einem weiten Bereich zwischen 25 und 40 Dezitonnen pro Hektar.

Besonderheiten

Die Bohne ist von Natur aus robust. Sie bedarf aber einer intensiven Bestandespflege und hat relativ hohe Bodenansprüche. Sind die Vorraussetzungen günstig, können durchaus hohe Naturalerträge erzielt werden und die Vorfruchtwirkung ist gut. Die Risiken liegen vor allem im Bereich der Krankheiten und Schädlinge. Die Sorten müssen weiterhin auf den Bedarf in der Fütterung ausgerichtet werden, damit der Anbau von Bohnen den Veredelungs- und Marktfruchtbetrieben Nutzen bringt.

Winterackerbohne Hiverna

Sortentelegramm von Ulrich Ebert, Ökoring Niedersachsen e.V./ Bioland Beratung GmbH

Der Anbau der Winterackerbohne ist in den letzten Jahren an verschiedenen Standorten erfolgreich durchgeführt worden. In der Deutschen Sortenliste und auf dem Saatgutmarkt wird nur eine Sorte geführt: Hiverna von der NPZ. Die Winterhärte ist "relativ" gut und ein Ertragsvorteil der Winterackerbohne gegenüber der Sommerackerbohne ist in Jahren mit verspäteter Aussaat im Frühjahr und Trockenheit im Sommer wie zum Beispiel im Jahr 2006 gegeben.

Saattermin: In der letzten Septemberwoche/ersten Oktoberwoche. Ziel ist die Winterackerbohne mit 4 bis 6 Blättern in den Winter gehen zu lassen.

Saatstärke: 15 (auf schweren Böden) bis 20 Pflanzen (auf leichten Böden) pro m² sind Ziel. Bei kalkulierten Pflanzenverlusten von 10 bis 15 Prozent über den Winter sollten auf mittlerem Boden 22 Pflanzen pro m² angestrebt werden. Diese relativ geringen Bestandesdichten sollten nicht überschritten werden. Winterackerbohnen bilden im Frühjahr bis zu 5 gleichwertige Triebe, die alle zur Ertragsbildung beitragen und zu einem geschlossenen Bestand führen. Zu dichte Bestände führen zu Lagerdruck und Ertragseinbußen. Die Einzelkorn­sätechnik wäre ideal zum Erreichen der Saattiefe von mindestens 6 cm, am besten 10 cm.

Winterackerbohnen haben gute Unkrautunterdrückungseigenschaften und andererseits eine größere Wahrscheinlichkeit, Brennflecken und Schokoladenfleckigkeit zu bekommen. Ebenfalls ist die erhöhte Anfälligkeit gegenüber Fußkrankheiten (Fusarien, Rizoctonia) in Jahren mit feuchten, milden Wintern zu bedenken. Gegenüber der Schwarzen Bohnenlaus haben Winterackerbohnen im Vergleich zu Sommerackerbohnen einen Entwicklungsvorsprung.

Aus der Forschung - für die Praxis

Selektion auf Methioninreichtum bei heimischen Leguminosen

Ziel der ökologischen Wirtschaftsweise ist eine Fütterung der Tiere mit ausschließlich ökologisch erzeugten Futtermitteln. Als Eiweißfuttermittel bieten sich heimische Körnerleguminosen an; bei Schweinen und Geflügel kann sich dabei jedoch das Problem einer unzureichenden Methioninversorgung ergeben. Ein Forschungsvorhaben hat untersucht, wie man den Methioningehalt von Ackerbohne, Erbse und Lupine steigern kann.  Die Forscher schätzen die Züchtung von methioninreichen Körnerleguminosen bereits auf Basis der natürlichen Variabilität der Gehalte mit dem bestehenden Sortiment als durchaus erfolgversprechend ein. Sie empfehlen dazu eine breit angelegte Selektion von Einzelpflanzen aus bestehenden Sorten und Linien nach exakt bestimmten Aminosäuregehalten im Samen.

Näheres zum Projekt:

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Aus der Forschung - für die Praxis

Phosphat-Mobilisierung durch Haupt- und Zwischenfrüchte

Im Öko-Landbau ist weicherdiges Rohphosphat als Düngemittel zugelassen, seine Wirksamkeit ist jedoch gering. Wissenschaftler der Uni Gießen haben untersucht, ob weicherdiges Rohphosphat von phosphataneignungseffizienten Pflanzen für phosphataneignungsineffiziente Pflanzen mobilisiert wird.
"Weltweit sind die abbauwürdigen Rohphosphatreserven sehr stark begrenzt", sagt Prof. Dr. Diedrich Steffens vom Institut für Pflanzenernährung der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Aus diesem Grund müssen wir sehr sparsam mit dem Phosphor haushalten. Das gilt auch für den organischen Landbau, da hier nur geringlösliche Rohphosphate eingesetzt werden dürfen. Die Ergebnisse unseres Projekts deuten darauf hin, dass weicherdige Rohphosphate durch die Weißlupine für Spinat verfügbar werden. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass zitratlösliches Calciumhydrogenphosphat deutlich besser auf die Erträge wirkt als Rohphosphat. In nachfolgenden Feldversuchen wird gezielt untersucht, welche Phosphorform zur Phosphatdüngung im organischen Landbau die höchste Nachhaltigkeit aufweist."

Näheres zum Projekt:

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Aus der Forschung - für die Praxis

Genetische Adaptation an lokale Anbaubedingungen bei der Ackerbohne

Die Ackerbohne passt als Körnerleguminose und "low input"-Frucht gut zur ökologischen Landwirtschaft und bietet dem Anbausystem eine Reihe von Vorteilen. Ein Forschungsvorhaben hat Inzucht-Linien der Sommer- und Winter-Ackerbohne mit ihrer genetisch breiten Ausgangspopulation hinsichtlich ihres agronomischen Wertes für ökologisch bewirtschaftete Standorte verglichen. Alle verschiedenen Aspekte der Studie berücksichtigend erscheinen Heterozygotie und Heterogenität den Wissenschaftlern als notwendiges Charakteristikum einer Sorte, um zu den Bedingungen und Auflagen der ökologischen Landwirtschaft zu passen. Somit halten sie die synthetische Sorte für den angemessenen Sortentyp, der den Erfordernissen der ökologischen Landwirtschaft entspricht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtGenetische Adaptation an lokale, ökologische Anbaubedingungen: Vergleich zwischen bester reiner Linie und genetisch breiter Population am Beispiel Sommer- und Winterackerbohne

Letzte Aktualisierung: 04.08.2011

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