Kulturdatenblatt Lupine
Der Anbau von Lupinen findet hauptsächlich auf den sandigen Standorten Ost- und Norddeutschlands statt. Auf diesen Standorten ist die Lupine neben der Erbse die wichtigste Körnerleguminose. Während 1994 noch etwa 85 Prozent der Anbaubaufläche von der Gelben Lupine und 15 Prozent von der Weißen Lupine eingenommen wurde, haben sich die Relationen radikal verschoben. 2004 teilte sich die Anbaufläche in 92 Prozent Blaue Lupine, sieben Prozent Gelbe Lupine und ein Prozent Weiße Lupine auf. Der Grund des Wandels liegt in der 1995 erstmals aufgetretenen Lupinenkrankheit "Anthracnose", die den Anbau der anfälligen Gelben und Weißen Lupinen zum Erliegen gebracht hat.
Auf rund 8.000 Hektar wurden im Jahr 2009 Lupinen im ökologischen Landbau angebaut, das entspricht circa 40 Prozent der Gesamtlupinenanbaufläche in Deutschland.
Die meisten der im Handel befindlichen Sorten können mit einem Alkaloidgehalt von kleiner als 0,05 Prozent als bitterstoffarme Sorten beziehungsweise Süßlupinen bezeichnet werden. Durch die Hochwertigkeit ähnlich dem Sojaeiweiß können Lupinenprodukte zur menschlichen Ernährung überall dort verwendet werden, wo auch Soja verwendet wird. Der hierfür geforderte Alkaloidgehalt von kleiner als 0,02 Prozent wird insbesondere von Sorten der Weißen Lupinen erreicht. Der Einsatz von Lupinenprodukten in der menschlichen Ernährung ist zurzeit noch unbedeutend, dürfte aber bei Diskussionen um die gefährdete Gentechnikfreiheit der Sojabohne Auftrieb erhalten.
In der Tierernährung ist die Lupine durch ihre höheren Eiweißgehalte und sehr gute Verdaulichkeit insbesondere für die Schweine- und Geflügelfütterung interessant. Trotz der höheren Proteingehalte erlöst die Lupine aber selten die erforderlichen Mehrpreise gegenüber Erbsen und Ackerbohnen. Durch ihren Anbau auf den eher besseren Standorten erzielt im deutschen Ökoanbau die Weiße Lupine die höchsten Eiweißgehalte. Neben den Süßlupinen befinden sich noch Blaue und Gelbe Bitterlupinen zur Gründüngung im Handel.
Standortansprüche
Die drei in Mitteleuropa angebauten Lupinenarten - die Gelbe (Lupinus luteus), die Blaue oder Schmalblättrige (Lupinus angustifolius) und die Weiße Lupine (Lupinus albus) - unterscheiden sich in ihren Standortansprüchen. Allen ist jedoch gemein, dass sie auf hohe Kalkgehalte sehr empfindlich reagieren (Kalkchlorosen). Bevorzugt werden leichte, gut durchlässige Böden.
- Gelbe Lupine: Sandstandorte mit einem pH-Wert unter 6,0. Ertragspotenzial bis 20 dt. Abreife je nach Sorte circa zwei Wochen nach der Körnererbse.
- Blaue Lupine: Sandstandorte mit einem pH-Wert unter 6,5. Ertragspotenzial bis 25 dt. Abreife je nach Sorte zwischen null Wochen (endständige Sorten) und zwei Wochen (Verzweigungstypen) nach der Körnererbse.
- Weiße Lupine: Auch auf etwas besseren Standorten mit einem pH-Wert unter 6,8. Unter diesen Bedingungen Ertragspotenzial bis 40 dt. Abreife je nach Sorte etwa vier Wochen nach der Körnererbse.
Fruchtfolge
An die Vorfrucht werden keine Ansprüche gestellt. Lupinen sind Stickstoffsammler mit einem guten Wurzelsystem. Sie sind allerdings nicht selbstverträglich. Eine Anbaupause von mindestens vier Jahren sollte daher eingehalten werden.
Saat
Die Saat sollte ähnlich wie bei der Körnererbse in einen einigermaßen erwärmten Boden erfolgen, wobei die Lupine leichte Nachtfröste verträgt. Frühe Aussaatzeitpunkte sind nur auf Standorten ohne Unkrautdruck möglich beziehungsweise sinnvoll. Die Saattiefe sollte zwei bis drei Zentimeter betragen. Der Reihenabstand hängt davon ab, ob der Bestand gehackt werden soll. Die Lupine kommt mit trockenen Bedingungen auch nach der Saat zurecht, so dass Walzen nur auf Problemstandorten notwendig ist.
Aussaatstärke
Wegen der fehlenden Verzweigung müssen bei den Endständigen Sorten die Bestände dichter (120 bis 140 keimfähige Körner/m2)
gesät werden als beim Verzweigungstyp (90 bis 100 keimfähige Körner/m2).
Saatgut
Aufgrund des Risikos mit der samenbürtigen Pilzkrankheit "Anthracnose" darf nur geprüftes, zertifiziertes Ökosaatgut zum Einsatz kommen. Da auch Fremdbefruchtung vorkommt, ist bei Nachbau ein teilweiser Verlust der Bitterstofffreiheit nicht auszuschließen.
Sortenwahl
Gegenüber den Verzweigungstypen verfügen die endständigen Typen der Blauen Lupine über eine frühere Abreife, aber geringere Erträge und ein deutlich schwächeres Unkrautunterdrückungsvermögen. Die Verzweigungstypen der Gelben Lupine hatten zur Abreife häufig Probleme mit Zwiewuchs und Nachblühern. Bei den Blauen Lupinen ist insbesondere auf Sorten mit ausreichender Platzfestigkeit zu achten. In klimatisch eher bevorzugten Gegenden und vor allem besseren - aber kalkfreien - Böden kommt die Weiße Lupine aufgrund ihres höheren Ertragspotenzials und besserer Unkrautunterdrückung in Frage.
- Blaue Lupine, Verzweigungstypen: Dem Verzweigungstyp sind die Sorten Bordako, Boltensia, Bolivio, Bora, Borlana, Borlu, Arabella und Boregine zuzuordnen.
- Blaue Lupine, endständige Typen: Sonet, Prima, Boruta
- Gelbe Lupine: Bornal
- Weiße Lupine: Amiga, Fortuna.
Auf Standorten, auf denen noch nie Lupinen oder Serradella angebaut wurden, sollte insbesondere bei den Weißen Lupinen eine Impfung des Saatgutes mit Rhizobien (Knöllchenbakterien) erfolgen.
Saatgutimpfung
Auf Standorten, auf denen noch nie Lupinen oder Serradella angebaut wurden, sollte insbesondere bei den Weißen Lupinen eine Impfung des Saatgutes mit Rhizobien (Knöllchenbakterien) erfolg
Düngung
Durch ihr gutes Wurzelsystem ist die Lupine in der Lage, auch aus tieferen Bodenschichten Nährstoffe aufzunehmen. Es darf kein freier Kalk vorhanden sein. Hierbei ist zu beachten, dass die Blaue und Weiße Lupine unempfindlicher reagieren als die Gelbe Lupine.
Da die Blaue Lupine über ein sehr tiefes und leistungsfähiges Wurzelnetz verfügt, ist der Düngebedarf äußerst gering. Bei normaler Versorgung mit Grundnährstoffen ist deshalb eine Grunddüngung in der Regel nicht notwendig. Hervorzuheben ist insbesondere das hohe P-Aneignungsvermögen der Blauen Lupine. Sie schließt etwa doppelt soviel P auf, wie sie selbst benötigt. Voraussetzung hierfür ist ein gut durchwurzelbarer Boden, der keine Verdichtungen aufweist.
Unkrautregulierung
Die Saat auf Getreideabstand ist möglich, bietet sich aber nur für Standorte mit geringem Unkrautdruck an, da das Unkrautunterdrückungsvermögen der Lupine gering ist. Der ideale Reihenabstand für Hacksysteme würde wie bei der Ackerbohne bei doppeltem Getreideabstand liegen. Weitere Reihenabstände sind je nach Mechanisierung des Betriebes möglich, bringen aber Ertragsverluste. Blindstriegeln kann je nach Witterungsverlauf eingeplant werden. Der Striegeleinsatz im Bestand ist möglich, sobald die Pflanzen nicht mehr verschüttet werden.
Krankheiten und Schädlinge
Die gefährlichste Lupinenkrankheit ist die Anthracnose. Sie liebt feuchte, niederschlagsreiche Bedingungen. Als Symptome sind Verkrümmungen, welke Blätter, Brennflecken an Blättern und Hülsen, Lagerbestände, bis hin zum völligen Ertragsausfall zu nennen. Da diese Krankheit samenbürtig ist, liegt hier der entscheidende Schlüssel zum Lupinenbau. Bei Einhaltung risikomindernder Maßnahmen können in niederschlagsärmeren Regionen sogar die anthracnoseanfälligen Weißen und Gelben Lupinen angebaut werden. Als Vorsichtsmaßnahmen wären die Verwendung von absolut anthracnosefreiem Saatgut, kein Anbau in unmittelbarer Nähe von im Vorjahr befallenen Feldern sowie keine Verschleppung von Feld zu Feld durch Maschinen zu nennen. Lupinen können außerdem sehr beliebt bei Kaninchen, Hasen und Rehen sein.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Pilzresistenz weißer Lupinen
Ein Forschungsprojekt im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau hat Unterschiede in der genetischen Pilzresistenz verschiedener Linien der weißen Lupine untersucht:
Näheres zum Projekt:
Ernte
Die Blauen Lupinen sollten zur Vermeidung von Platzverlusten nicht zu spät geerntet werden. Endständige Sorten reifen Ende August relativ gleichmäßig ab, während Verzweigungstypen erst nach und nach bis Ende September abreifen und beim Drusch wegen des hohen Anteils an Nachblühern oft feuchtes Erntegut erbringen.
Die geeignete Lagerfeuchte liegt bei 14 Prozent Wassergehalt. Folglich ist eine Trocknung praktisch immer erforderlich. Die Erträge liegen bei etwa zehn bis 25 Dezitonnen pro Hektar bei der Gelben und 15 bis 35 Dezitonnen pro Hektar bei der Weißen Lupine.
Besonderheiten
Die Bedeutung der Lupine liegt im hohen Rohproteingehalt und der guten Eiweißwertigkeit, die unter deutschen Witterungsbedingungen auf einem größeren Standort-Potenzial als die Sojabohne zu erzielen sind. Zusätzlichen Wert erhält die Lupine - wiederum im Vergleich zur Sojabohne - durch die sichere Gentechnik-Freiheit.
Aus der Forschung - für die Praxis
Selektion auf Methioninreichtum bei heimischen Leguminosen
Ziel der ökologischen Wirtschaftsweise ist eine Fütterung der Tiere mit ausschließlich ökologisch erzeugten Futtermitteln. Als Eiweißfuttermittel bieten sich heimische Körnerleguminosen an; bei Schweinen und Geflügel kann sich dabei jedoch das Problem einer unzureichenden Methioninversorgung ergeben. Ein Forschungsvorhaben hat untersucht, wie man den Methioningehalt von Ackerbohne, Erbse und Lupine steigern kann. Die Forscher schätzen die Züchtung von methioninreichen Körnerleguminosen bereits auf Basis der natürlichen Variabilität der Gehalte mit dem bestehenden Sortiment als durchaus erfolgversprechend ein. Sie empfehlen dazu eine breit angelegte Selektion von Einzelpflanzen aus bestehenden Sorten und Linien nach exakt bestimmten Aminosäuregehalten im Samen.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Phosphat-Mobilisierung durch Haupt- und Zwischenfrüchte
Im Öko-Landbau ist weicherdiges Rohphosphat als Düngemittel zugelassen, seine Wirksamkeit ist jedoch gering. Wissenschaftler der Uni Gießen haben untersucht, ob weicherdiges Rohphosphat von phosphataneignungseffizienten Pflanzen für phosphataneignungsineffiziente Pflanzen mobilisiert wird.
"Weltweit sind die abbauwürdigen Rohphosphatreserven sehr stark begrenzt", sagt Prof. Dr. Diedrich Steffens vom Institut für Pflanzenernährung der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Aus diesem Grund müssen wir sehr sparsam mit dem Phosphor haushalten. Das gilt auch für den organischen Landbau, da hier nur geringlösliche Rohphosphate eingesetzt werden dürfen. Die Ergebnisse unseres Projekts deuten darauf hin, dass weicherdige Rohphosphate durch die Weißlupine für Spinat verfügbar werden. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass zitratlösliches Calciumhydrogenphosphat deutlich besser auf die Erträge wirkt als Rohphosphat. In nachfolgenden Feldversuchen wird gezielt untersucht, welche Phosphorform zur Phosphatdüngung im organischen Landbau die höchste Nachhaltigkeit aufweist."
Näheres zum Projekt:
Süßlupinen als Eiweißfuttermittel für den Ökolandbau
Aus der Forschung - für die Praxis
Süßlupinen als Eiweißfuttermittel für den Ökolandbau
Körnerleguminosen spielen im ökologischen Landbau durch ihr Stickstoffbindevermögen eine wichtige Rolle. Die Süßlupine gehört dabei neben der Ackerbohne und der Erbse zu den wichtigsten im Ökolandbau einsetzbaren Eiweißfuttermitteln. Ein Forschungsvorhaben hatte zum Ziel, Süßlupinen als Futtermittel mit hochwertiger Qualität für den ökologischen Landbau zur Verfügung zu stellen. Lupinen können einen Beitrag zur betriebseigenen Futterversorgung im ökologischen Betrieb leisten, so das Fazit der Wissenschaftler. Die Futtermittelqualität könne dabei sowohl durch züchterische Maßnahmen als auch durch die Wahl geeigneter Standortbedingungen beeinflusst werden.
"Das Erntegut der verschiedenen Lupinensorten analysierten wir eingehend. Unter anderem wollten wir wissen, wie viel Rohprotein, Fett und Zucker in den Pflanzen ist. Beim Rohproteingehalt schnitt vor allem die Sorte Borlu sehr gut ab. Es gelang uns, für die Bestimmung des Rohproteingehaltes eine kostengünstige und zerstörungsfreie Nahinfrarot-Spektroskopie in Einzelsamen zu entwickeln. Das freut besonders den Züchter, der die analysierten Körner anschließend wieder zur Aussaat bringen kann. Insgesamt können wir Lupinen zur betriebseigenen Futterversorgung im ökologischen Landwirtschaftsbetrieb auf jeden Fall empfehlen", sagt Gisela Jansen vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Groß Lüsewiz, dem Projektnehmer.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Anbaustrategien zur Erhöhung der Stickstoff-Effizienz
Im ökologischen Landbau kann Stickstoff vor allem auf viehlos wirtschaftenden Betrieben zum limitierenden Wachstumsfaktor werden. Eine mangelnde Stickstoff-Versorgung schlägt sich sowohl auf den Ertrag als auch auf die Qualität der angebauten Feldfrüchte nieder. Ein Forschungsvorhaben hat Anbaustrategien untersucht, die diesem Problem begegnen sollen.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 04.08.2011

