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Meisterstück Körnerleguminosen

 

Warum wird der Anbau von Körnerleguminosen im ökologischen Anbau immer schwieriger? Über diese für den Ökolandbau essentielle Frage hat sich Pflanzenbauberater Günter Völkel vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Gedanken gemacht.

Vertrocknete Leguminosenpflanze
Bei zu enger Fruchtfolge sind Fusarium und Rhizoctonia der Tod der Leguminosenpflanze,
Foto: G. Völkel

Über die Bedeutung von Körnererbsen, Ackerbohnen, Lupinen und in einigen Gegenden auch die Sojabohne gibt es im ökologischen Anbau keine Diskussion. Eigentlich sollten die Stickstoffsammler, die auch als eiweißreiches Futter dringend benötigt werden, in jeder Fruchtfolge zu finden sein. In der Praxis jedoch verzichten immer mehr Bio-Landwirte – und besonders die alten Hasen – auf den Anbau von Körnerleguminosen. Aus der Praxis mehren sich die Hinweise, dass der Körnerleguminosenanbau in den ersten Anbaujahren meist noch mehr oder weniger gut gelingt, im Laufe der Zeit aber immer mehr Missernten und Totalausfälle auftreten. Woran aber kann es liegen, wenn die Körnerleguminosen den Böden schon nach einigen Jahren ökologischer Bewirtschaftung die "Rote Karte" zeigen?

Sorten

Mit der Reduzierung des Bitterstoffgehaltes bei Erbsen und Bohnen ist auch die Anfälligkeit gegenüber den bekannten Krankheiten wie Ascochyta, Fusarium, Rhizoctonia, Botrytis, Viruskrankheiten und Lager gestiegen. Gleichzeitig reagieren die Sorten mit deutlich langsamerer Jugendentwicklung, besonders die tanninarmen Ackerbohnen. Das Tausendkorngewicht der neuen Sorten hat stark zugenommen. Sie benötigen weitaus mehr Keimwasser als kleinkörnige Sorten und sind empfindlicher gegenüber Beschädigungen bei Ernte und Trocknung. Wegen des höheren Saatgutaufwandes bei großkörnigen Sorten wird entsprechend bei der Aussaatmenge gespart.

Saatgutqualität/Aussaatmenge

Vorhandene samenbürtige Krankheiten können im ökologischen Anbau nicht durch Beizung eingeschränkt werden. Ist das Saatgut mit Pilzkrankheiten wie Ascochyta, Fusarium oder Rhizoctonia infiziert, können diese bei feucht-kalter Frühjahrswitterung die auflaufenden Pflänzchen schädigen. So schädigt ein samenbürtiger Ascochytabefall von zehn Prozent einen Bestand deutlich über diesen Prozentsatz hinaus. Mit der Einführung der Verpflichtung, nur noch ökologisches Saatgut einzusetzen (Anfang 2004), hat sich das Problem der Saatgutqualität verstärkt.

Eine klare Definition im Saatgutgesetz über den Umfang des Befalls von samenbürtigen Krankheiten bei Körnerleguminosen gibt es erst seit 2003. Ab diesem Zeitpunkt haben sich die Anerkennungsstellen auf eine einheitlichen Vorgehensweise geeinigt. So wird erst ab einem Ascochytabefall von zehn Prozent des Saatguts eine besondere Gesundheitsprüfung auf diese Krankheit hin durchgeführt. Erst ab dreißig Prozent Befall wird die Anerkennung verweigert. Bei Befall bis zu dreißig Prozent erfolgt eine Anerkennung mit der Auflage zu beizen, was aber im ökologischen Anbau nicht erlaubt ist.

Bei Fusarium- und Rhizoctonia-Befall gibt es bisher keine einheitliche Regelung. Einige Untersuchungsstellen testen gegen eine zusätzliche Gebühr auf diese wichtigen Gesundheitsparameter. Insgesamt sind diese auf konventionelle Bedingungen ausgelegten Regelungen für den ökologischen Anbau nicht ausreichend. Eine Kalttestuntersuchung wie beim Weizen könnte den Gesundheitsstatus des Saatgutes deutlich verbessern und sollte zumindest bei den Verbandsbetrieben eingeführt werden.

Es liegt in der Verantwortung des Öko-Vermehrers, seinen Kolleginnen und Kollegen gesundes Saatgut zur Verfügung zu stellen. Wer Saatgut produziert hat, möchte dieses natürlich auch verkaufen. Eine Gesundheitsuntersuchung sollte jedoch zur Selbstverständlichkeit gehören.

Empfehlung

Nur Saatgut mit Gesundheitsnachweis über den Befall mit samenbürtigen Krankheiten kaufen oder eigenes Saatgut untersuchen lassen. Saatmengen am Gesundheitsstatus ausrichten, bei Erbsen nicht weniger als 100 keimfähige Körner je Quadratmeter aussäen, bei Bohnen 40 bis 45. 

Saatzeit/Aussaat

Körnerleguminosen sind bekanntlich Langtagspflanzen und sollten möglichst frühzeitig ausgesät werden. Unter konventionellen Anbaubedingungen, also mit gegen samenbürtige Krankheiten gebeiztem Saatgut, ist das sicher richtig – unter ökologischen Bedingungen kann dies aber falsch sein. Die Samen liegen bei feuchtem und kaltem Boden ungeschützt in der Erde und können leicht infiziert werden.

Empfehlung

Körnerleguminosen zwar möglichst früh, aber immer erst nach einer ausreichenden Bodenerwärmung auf sechs bis acht Grad und bei einer günstigen mittelfristigen Wettervorhersage aussäen. Auf keinen Fall bei tieferer Saat und feuchten Bodenbedingungen mit der Kreiselegge arbeiten: Dabei entstehende Bodenverdichtungen sind für Körnerleguminosen tödlich.

Vogelfraß

Besonders in Stadt- und Dorfnähe, bei Müllplätzen, Hochspannungsleitungen und in Waldrandnähe können Bohnen und Erbsen empfindlich durch Vogelfraß geschädigt werden. Versuche, das Saatgut zu vergällen, haben bisher keinen sicheren Erfolg gebracht. Eine Einfärbung des Saatgutes mit Lebensmittelfarbe hilft nur gegen Samen-, nicht aber gegen Keimlingsfraß. Auf den Flächen und dem Vorgewende dürfen keine Samen offen liegen.

Empfehlung

Gegen das Herauspicken der Samen hilft nur eine sehr tiefe Saat von acht bis zehn Zentimetern bei Bohnen und sechs bis acht Zentimetern bei Erbsen, allerdings nur bei ausreichend erwärmtem Boden. Nach dem Auflaufen werden leicht angehäufelte und tiefer abgelegte Keimlinge weniger gern abgefressen. Eine gezielte Ablenkfütterung kann helfen, den Schaden zu reduzieren. Bei extremer Gefahr sollte im Herbst eine Senfaussaat als abfrierende Zwischenfrucht eingesät und vor dem Winter gewalzt werden. Die abgeknickten Stängel frieren dann bei dem leichtesten Frost ab und die Körnerleguminosen können direkt in den Bestand gesät werden. Der stängelige Aufwuchs des Senfs hält Tauben und Krähen ab, in die Bestände einzufliegen.

Verunkrautung

Eine starke Verunkrautung spielt zum einen als Wachstumskonkurrent eine Rolle und behindert zudem gravierend die Ernte. Ein starker Durchwuchs von Kamille, Gänsefuß oder Melde kann die Ernte nahezu unmöglich machen. Bei Erbsen ist der Striegeleinsatz im Nachauflauf auf einen kurzen Zeitraum begrenzt, die Hauptanstrengung bei der Unkrautreduzierung muss also im Vorauflauf liegen. In Ackerbohnen und Lupinen kann später die Hackmaschine eingesetzt werden.

Empfehlung

Ein frühes Abschleppen der Flächen und ein danach folgender erster Eggen- oder Leichtgrubbereinsatz auf Saattiefe mindestens 14 Tage vor der Saat aktiviert die Frühjahrskeimer, die dann bei der Saatbettbereitung vernichtet werden können. Eine tiefere Saat macht ein Blindstriegeln länger möglich und muss unbedingt zur Rückdrängung der Frühverunkrautung erfolgen. Kann aufgrund feuchter Bodenbedingungen oder schlechter Krümelstruktur nicht blind gestriegelt werden, sollte auch kein späterer Striegeleinsatz erfolgen. Dies würde die Lichtkeimer wie Gänsefuß und Melde aktivieren. Bei Ackerbohnen und Lupinen ist wegen der Distelgefahr eine Hackmaschine mit Häufeleffekt günstig. Ein früher und gezielter Striegeleinsatz kann aber auch hier sehr viel Unkraut im frühen Stadium vernichten. Aufgrund der wenigen Feldarbeitstage im Frühjahr ist dies besonders in feuchten Jahren ein Problem, hier muss dann die höchste Priorität liegen.

Schädlinge/Blattrandkäfer

Der Blattrandkäfer schädigt Erbsen und Bohnen früh im Jahr. Bisher wurde er meist wenig beachtet, da der Blattrandfraß sich später auswächst und größere Schäden nicht zu erkennen sind. Allerdings hat sich der Käfer immer stärker vermehrt. Zudem geht die Gefahr weniger von den Käfern, sondern in viel größerem Umfang von seinen Larven aus, die sich nach dem Schlüpfen an den Wurzeln und Knöllchen der Leguminosen ernähren und so das Wachstum der Pflanzen sehr stark schädigen können.

Empfehlung

Die auflaufenden Bestände sollten intensiv auf Blattrandfraß kontrolliert werden und bei starkem Befall gegebenenfalls eine frühe Behandlung durchgeführt werden. Da sich die Käfer bei der geringsten Bewegung auf den Boden fallen lassen, müssen diese dort auch von dem Spritznebel getroffen werden. Eine hohe Wassermenge und ein sehr tief hängendes Spritzgestänge ist erforderlich. Die Herstellung eines Insektizides aus Pflanzenöl auf dem eigenen Betrieb ist nach dem Pflanzenschutzgesetz und EG-Öko-Verordnung möglich – bitte bei Verband und Kontrollstelle nachfragen. Allerdings dürfen weder Raps- noch Neemöl verwendet werden, da beide Stoffe eine Zulassung als Pflanzenschutzmittelwirkstoff haben und in den genannten Früchten nicht eingesetzt werden dürfen. Andere Öle aus Sonnenblumen, Lein oder Oliven sind jedoch möglich. Aus zehn bis 15 Liter Öl plus ein Liter Spülmittel wird mit Wasser eine Suspension hergestellt, die in 500 Liter je Hektar unter Rühren ausgebracht werden kann. Nicht bei direkter Sonneneinstrahlung, Hitze oder zu erwartendem Regen einsetzen.

Blattlausbefall an einer Leguminosenpflanze
Bei einem so hohen Blattlausbefall droht Totalschaden.
Foto: G. Völkel

Läuse

Blattlausschäden können den Ertrag bis zur Hälfte reduzieren, in manchen Jahren kann die schwarze Bohnenlaus sogar einen Totalverlust verursachen. Der Befall erfolgt immer vom Rand aus. Die Populationen können sich von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich entwickeln. Bei einem frühen und langsamen Einflug im April oder Mai kann sich meist ein Schädlings-/Nützlingsgleichgewicht einstellen. Nach einem warmen Winter ist jedoch mit einem massiven frühen Einfliegen der Läuse in die Bestände zu rechnen. Eine solche Populationsexplosion können Nützlinge kaum regulieren.

Empfehlung

Das Anlegen von Hafer- oder Blühstreifen (eine Drillmaschinenbreite) um die Erbsen- und Bohnenbestände erleichtert das Erkennen des Zufluges der Blattläuse und das Abschätzen der vorhandenen Nützlingspopulationen. Durch die Haferrispe werden anfliegende Blattläuse oft auch abgestreift. Bei hohen Tagestemperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung vertrocknet ein großer Anteil der schlüpfenden Jungläuse, was den Befall reduziert. Zeichnet sich ein starker Befall ab, sollte früh eine Rand- oder auch eine Ganzflächenbehandlung mit dem gleichen Mittelansatz wie bei den Blattrandkäfern erfolgen, wobei ein mehrmaliger Einsatz einzuplanen ist. Besonders Saatgutvermehrer sollten wegen der Virusverbreitung auf diesen Schädling achten.

Erbsenwickler und Bohnenkäfer

Diese Schädlinge sind für viele Saatgutvermehrer der Grund, keine Körnerleguminosen mehr anzubauen. Der Zuflug erfolgt sehr ungleichmäßig von Mitte Mai bis Juni und kann nur durch Pheromonfallen überwacht werden. Die Flugentfernung beträgt maximal zwei bis drei Kilometer vom Erbsenschlag des Vorjahres. Bereits zehn Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven der Käfer und bohren sich in die Hülsen hinein. Eine Bekämpfung wäre nur während des Hauptfluges möglich.

Empfehlung

Aufstellen von Pheromonfallen in Richtung der vorhergehenden Erbsen- und Bohnenschläge. Bei sehr starkem Zuflug kann eine Behandlung etwa zehn Tage nach dem Massenzuflug erfolgen (siehe Blattrandkäfer). Sehr späten Saatzeitpunkt wählen.

Pflanzenbauliches Geschick notwendig

Über die beschriebenen Schädlinge hinaus gehören auch Fruchtfolgekrankheiten, eine schlechte Nährstoffversorgung oder Bodenverschlämmungen zu den Faktoren, die das Gedeihen der Leguminosen beeinträchtigen. Ungeeignete pH-Werte oder eine sehr schlechte Phosphorversorgung des Bodens behindern den Knöllchenansatz, was die spätere Nährstoffbereitstellung behindert und zu Mindererträgen führt. Ist der Boden sehr gut mit organischen Nährstoffen versorgt, so kann es bei Erwärmung im Frühjahr zu Stickstoffschüben kommen, die die Knöllchenbildung behindern. In der Folge wird die Samenbildung beeinträchtigt und das Unkrautwachstum gefördert. Fruchtfolgeabstände von vier bis fünf Jahren bei Ackerbohnen und fünf bis sechs Jahren bei Erbsen sind unter ökologischen Anbaubedingungen mindestens einzuhalten, auch wenn diese in Gemengen oder als Zwischenfrüchte angebaut werden.

Trotz der aufgezeigten Problemfelder ist es mit einer guten pflanzenbaulichen Praxis durchaus möglich, auch bei diesen Früchten nachhaltig sichere Erträge zu erzielen. Das erforderliche Fingerspitzengefühl für diese Mimosenfrüchte sollte jedoch vorhanden sein, denn nur Aussäen und Ernten reicht hier nicht aus. Intensive Gespräche und Feldbegehungen mit Beratern sollten den Anbau dieser Früchte begleiten. Dann können sich abzeichnende Fehler oder Kalamitäten rechtzeitig erkannt und entsprechend nachhaltig wirkende Maßnahmen eingeleitet werden.

Autor: Günter Völkel (Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 06/2008

Aus der Forschung - für die Praxis

Wintererbsen für den ökologischen Landbau

Der Leguminosenanbau nimmt eine wesentliche Rolle im ökologischen Landbau ein, denn neben der organischen Düngung ist er die wichtigste Quelle für die Zufuhr von Stickstoff in die Fruchtfolge der Betriebe. Ein Problem ist jedoch, dass Körnerleguminosen fast ausschließlich als Sommerungen angebaut werden können, da es bisher kaum winterharte Sorten gibt. In einem Forschungsvorhaben haben Wissenschaftler der Universität Kassel/Witzenhausen mehrere alte Wintererbsenherkünfte aus Genbankbeständen im Vergleich zu modernen, in der EU zugelassenen Sorten auf ihre Eignung für den ökologischen Landbau geprüft.

"Im Anbauspektrum unserer Kulturpflanzen ist in den letzten Jahren ein deutlicher Rückgang bei Körnerleguminosen zu verzeichnen", sagt Projektleiter Dr. Christian Schüler von der Universität Kassel. "Wir haben in unserem Projekt zeigen können, dass auch alte, nicht mehr genutzte Kulturpflanzen wie die Wintererbse diesem Trend etwas entgegensetzen können. Mit ihrem Ertragspotenzial, ihrer Beikrautunterdrückung sowie ihrer Stickstofffixierleistung sind sie bei ausreichender Winterhärte in besonderen Anbauverfahren wie dem Gemengeanbau den Sommerformen der Erbse überlegen. Die in den letzten Jahren stetig gestiegene Vermehrungsfläche der einzigen zurzeit in Deutschland zugelassenen Wintererbsensorte EFB33 zeigt die Anerkennung in der Praxis."

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtUntersuchung verschiedener Wintererbsenherkünfte auf ihre Winterhärte und ihre Anbauwürdigkeit im Ökologischen Landbau

Letzte Aktualisierung: 01.12.2011

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