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Wintererbsen - Wiederentdeckung einer alten Kulturpflanze

 
Wintererbsen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Vollblättrige Wintererbsen unterdrücken effektiv Unkraut.
Foto: R. Graß

Nach einem starken und kontinuierlichen Rückgang des Körnerleguminosenanbaus in den letzten Jahrzehnten ist seit kurzem wieder ein vermehrtes Interesse am Anbau der Wintererbsen zu verzeichnen. Vor allem ökologisch wirtschaftende Betriebe bauen Leguminosen an, weil diese Stickstoff fixieren können.

Ferner liefern sie ein heimisches wertvolles eiweißreiches Futter und wirken sich im Rahmen der Fruchtfolge positiv auf andere Fruchtfolgeglieder aus. Allerdings ist der Anbau von Körnerleguminosen, insbesondere bei Erbsen, mit verschiedenen Problemen verbunden:

  • starke Verunkrautung mit Ernteerschwernis bis zum Totalausfall
  • zunehmender Druck von Krankheiten und Schädlingen
  • zunehmende Sommertrockenheit mit der Folge von Ertragsdepressionen.

Eine Möglichkeit, diese Probleme zu reduzieren, ist der Anbau von vollblättrigen Wintererbsen. Die Erbsen können sowohl als Ganzpflanze (Grünfutter, Biogassubstrat) als auch zum Korndrusch genutzt werden. Vollblättrige Typen sind zu bevorzugen, da sie im Vergleich zu semi-leafless-Typen (Halbblatttypen) beziehungsweise Sommererbsen folgende Anbauvorteile aufweisen:

  • effektive Unkrautunterdrückung
  • höheres Ertragspotenzial als bei den Sommerformen
  • gute Ausnutzung der Winterfeuchte
  • höhere N-Fixierungsleistung als bei den Sommerformen
  • gute Winterhärte
  • Erweiterungsmöglichkeiten für die Fruchtfolge (Zweikulturnutzung)
  • vielseitige Nutzungsmöglichkeiten als Grünfutter beziehungsweise Druschpflanze oder zur energetischen Biomasseverwertung.

Produktionstechnik

Wintererbsen werden Ende September/ Anfang Oktober mit einer normalen Saatstärke von 80 Körnern je m2 gesät. Zur Grünnutzung Ende Mai kann es sinnvoll sein, die Saatstärke etwas zu erhöhen. Das gilt insbesondere für ungünstigere Standorten oder bei verspätetem Saattermin, da die Wintererbsen im Frühjahr zunächst eine langsame Entwicklung haben.

Vollblatttypen in Reinsaat hinterlassen nach der Ganzpflanzenernte in der Blüte Ende Mai einen nahezu pflanzenfreien Acker und treiben nicht wieder aus. Dies schafft für eine Folgekultur einen Wachstumsvorteil, der dort zu deutlichen Einsparungen bei der Unkrautregulierung führt. Hinzu kommen bedeutende Mengen an Stickstoff, die im Boden hinterlassen werden.

Winterroggen- und Wintererbsen-Gemenge. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Gemengeanbau von Wintererbsen mit Winterroggen als Stützfrucht.
Foto: R. Graß

Für den Korndrusch ist der Gemengeanbau mit Roggen oder Triticale als Stützfrucht zu empfehlen, da die Vollblatttypen eine größere Lageranfälligkeit haben und sonst keine gute Kornqualität erzielt werden kann. Zwar gehen auch diese Gemenge ins Lager, aber der Getreidepartner knickt auf Kniehöhe ab, so dass die Luft zum Abtrocknen der Bestände zirkulieren kann und die Bestände gut zu dreschen sind.

Die Aussaatstärken richten sich nach den angestrebten Gemengezusammensetzungen. Dabei ist zu beachten, dass der Erbsenanteil nicht zu hoch liegen sollte, damit der Getreidepartner von den bis zu 2,50 m langen Erbsenpflanzen nicht unterdrückt wird. Das Mischungsverhältnis ist standortabhängig: Einige Praktiker gestalten die Gemenge mit bis zu 70 Prozent Erbsen der Reinsaatstärke, andere gehen nicht über 25 Prozent Erbsenanteil. Ein vorsichtiges Herantasten an die optimalen Gemengemischungen ist daher ratsam.

In verschiedenen Forschungsprojekten der Universität Kassel wurde intensiv mit der Sorte "EFB 33" gearbeitet, die die beschriebenen Vorteile sehr gut bestätigte. Weitere geeignete Sorten waren in diesen Untersuchungen "Picar" und "Arkta".

Steckbrief Wintererbsen

Aussaat

Ende September/ Anfang Oktober

Saatstärke

80 Körner/ m2 in Reinsaat. Im Gemenge mit Roggen oder Triticale je nach Mischungsverhältnis entsprechend weniger.

Bestandespflege

Je nach Unkrautdruck. Eventuell Hacken, oft nicht notwendig.

Krankheiten und Schädlinge

Bisher etwas geringere Anfälligkeit, u.a. aufgrund früherer Blüte als Sommererbsen.

Grünertrag

Ganzpflanze Ende Mai: 55-60 dt TM/ ha, Rohproteingehalt 18-22 Prozent; Energiegehalt 5,3 bis 6,0 Megajoule Nettoenergie

Kornertrag

25 bis 40 dt TM/ ha Erbsen im Gemengeanbau, Rohproteingehalt 24 bis 26 Prozent, Energiegehalt 14 bis 15 Megajoule Nettoenergie

Besonderheiten

Etwas höhere Aminosäuregehalte, je nach Vorfrucht höhere Tanningehalte als Sommererbsen - Einschränkung bei der Monogastrierfütterung

Letzte Aktualisierung: 01.12.2011

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