Pflanzenextrakte gegen Apfelschorf
Sommerbehandlung von Äpfeln
Auf den Seiten des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen finden Sie einen aktuellen Artikel zu Regulierungsstrategien des Schorfpilzes, wichtigster Schaderreger im ökologischen Kernobstanbau in Norddeutschland.
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Bitterstoffe mit vorbeugender und heilender Wirkung

- Apfelschorf (Venturia spp.)
© FiBL
Pflanzenextrakte aus dem Seifenbaum Quillaja, dem Getreide Quinoa und aus Bockshornklee zeigten in Versuchen eine vorbeugende und heilende Wirkung gegen den Apfelschorf.
So wie Menschen und Tiere einen Abwehrmechanismus gegen unerwünschte Fremdkörper haben, besitzen auch Pflanzen und Bäume ein Abwehrsystem gegen krankheitserregende Pilze und Bakterien. Blätter, Zweige oder Rinde enthalten Bitterstoffe wie Tannine und Saponine, die als Barriere gegen Pilze und Bakterien wirken. Warum also nicht diese natürlichen Abwehrstoffe gegen Krankheiten im Obst- und Gemüseanbau einsetzen? Diese Frage hatten sich Forscher aus Dänemark und Holland und eine dänische Firma gestellt. Sie untersuchten daraufhin mehrere Pflanzen-Extrakte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gegen Apfelschorf – mit guten Ergebnissen.
Wirtschaftlich bedeutende Krankheit
Apfelschorf wird durch den Pilz Venturia inaequalis hervorgerufen: Er verursacht chwarze schorfige Flecken auf den Früchten und beeinträchtigt damit die Qualität. Apfelschorf gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten. Im ökologischen Anbau sind nur Kupfer und Schwefel zur Schorfbehandlung zugelassen, in Dänemark ist auch Kupfer schon seit mehr als zehn Jahren verboten. Schwefel hat nur eine vorbeugende Wirkung, ist der Schorf erst da, wirkt Schwefel nicht mehr.
Alternativen zu Kupfer und Schwefel
Die Regulierung des Schorfpilzes erfolgt im ökologischen Obstbau traditionell mit natürlich vorkommenden Mineralien, die Schwefel und Kupfer enthalten. Die eng am Erreger orientierte Forschung konnte die verwendeten Mengen in den vergangenen Jahren deutlich reduzieren und durch Beratungseinrichtungen einen optimierten Einsatz in der Praxis empfehlen. Das Ziel, auf Kupferpräparate zu verzichten und den Schwefeleinsatz zu minimieren bleibt bestehen. Derzeit ist ein wirtschaftlicher Öko-Obstbau ohne diese Mittel jedoch noch nicht möglich.
Forscher aus Dänemark und Holland haben gemeinsam mit der Firma Nor-Natur ApS eine Reihe von Pflanzenextrakten auf ihre Wirkung gegen Apfelschorf getestet. Die Extrakte wurden unter anderem an infizierten Apfelsämlingen im Glashaus geprüft. Mehrere der geprüften Extrakte waren gegen Apfelschorf wirksam. Insbesondere eine Mischung von Quillaja (Quillaja saponaria), Quinoa (Chenopodium quinoa) und Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) zeigte vorbeugend und heilend eine statistisch sichere Wirkung im Vergleich zu einer Schwefelbehandlung.
Der in Chile vorkommende Quillaja, auch Seifenbaum genannt, wird als Seifenbestandteil, als Futterzusatzstoff oder als Impfhilfsstoff verwendet. Quinoa ist ein Pseudogetreide der Andenregion und wird besonders in Bolivien und Peru angebaut. Der Bockshornklee ist ein einjähriges, bis zu 50 cm hoch wachsendes Kraut, das unter anderem in Südeuropa, Indien und China angebaut wird. Quillaja, Quinoa und Bockshornklee enthalten Saponine in der Rinde, in den Zweigen oder im Samen. Es ist wahrscheinlich, dass diese Extrakte auch gegen andere Pilzkrankheiten, wie Sprühfleckenkrankheit, Sternrußtau, Monilia-Fruchtfäule, Gloesporium-Fäulen, Apfelmehltau, Birnengitterrost oder Obstbaumkrebs wirksam sind.
Auch andere Extrakte wie Tee und Oliven zeigten in den Versuchen positive Effekte. Die Pflanzen-Extrakte sind noch nicht als Pflanzenschutzmittel registriert, ein Antrag auf Zulassung als Pflanzenstärkungsmittel in Deutschland ist eingereicht. Ebenfalls ist ein Patent beantragt.
Aus der Forschung - für die Praxis
Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im ökologischen Obstbau
Der Obststbau ist ein anspruchsvoller Bereich des Ökolandbaus und erfordert ein umfassendes Anbaukonzept in Züchtung, Erzeugung und Vermarktung. Vor allem der Pflanzenschutz ist eine Herausforderung für die Anbauer. Im Rahmen eines BÖL-Forschungsvorhabens hat die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. existierende Anbaukonzepte des ökologischen Obstbaus nach Schwachstellen untersucht. Darauf aufbauend wurden in enger Vernetzung von Praxis, Beratung und Forschung für die wichtigsten ungelösten Problembereiche (Apfelwickler, Schorf, Regenflecken, Feuerbrand) Strategieansätze zur Optimierung dieser Konzepte erstellt.
Näheres zum Projekt:
Arbeitsnetz zur Weiterentwicklung der Anbaukonzepte im Ökologischen Obstbau
Weitere Informationen
Zum Projekt
REPCO (Replacement of Copper Fungicides in Organic Production of Grapevine and Apple in Europe) ist teilweise durch das 6. EU-Rahmenprogramm finanziert (Projekt Nr. 501452).
Zum Thema
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011
