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Pilz gegen Kirschfruchtfliege

Regulierung der Kirschfruchtfliege durch den Pilz Beauveria bassiana

Kirschfruchtfliege auf Blatt der Kirsche
Die Kirschfruchtfliege befällt vor allem mittelspäte und späte Süßkirschensorten.
Foto: BBA/Julius-Kühn-Institut

Die Kirschfruchtfliege oder Kirschenfliege ist einer der wichtigsten Schädlinge in der Kirschenproduktion. Besonders im Bio-Anbau ist die Bekämpfung schwierig. Im Rahmen einer Doktorarbeit wurden am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (Schweiz) neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege entwickelt: insbesondere der insektenpathogene Pilz Beauveria bassiana zeigte eine gute Wirkung.

Kirschfruchtfliegen kommen praktisch in ganz Europa vor und befallen vor allem spät reifende Süßkirschen. Während beim Baum im Hausgarten ein gewisser Befall häufig als unvermeidbar hingenommen wird, ist die Toleranz der Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf im Supermarkt sehr gering: Schon ein Befall von unter zwei Prozent macht die gesamte Ernte unverkäuflich.

Leimfallen in der Praxis sehr aufwendig

Alte "Hausmittel" wie das vollständige Abernten der Kirschen und die Einrichtung von Hühner- oder Schafweiden unter den Bäumen reichen nicht aus, um den Befall unter die Zwei-Prozent-Schwelle zu drücken. Die übliche Regulierungsstrategie im professionellen Bioanbau ist der Einsatz gelber Leimfallen. Diese Methode wirkt recht gut – sofern man genügend Fallen aufhängt. Die Montage der Fallen vor allem im oberen Teil der Kronen von Hochstammbäumen ist jedoch sehr arbeitsaufwändig. Häufig werden daher zu wenige Fallen eingesetzt. Darin und in der hohen Fruchtbarkeit der Kirschfruchtfliegen liegen die Hauptprobleme. Um den Zyklus der Kirschfruchtfliege zu durchbrechen, sind effiziente Regulierungsmöglichkeiten gefragt.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München haben Claudia Daniel und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) über mehrere Jahre verschiedene Ansätze für eine effiziente Bekämpfung der Kirschfruchtfliege geprüft: z.B. die Verwendung natürlicher Giftstoffe, den Schutz der Kulturen mit engmaschigen Netzen oder die Freilassung von Parasiten. Als aussichtsreichste Strategie erwies sich der Einsatz von Pilzen, die die Fliegen schädigen.

Besonders effektiv: der Pilz Beauveria bassiana

Als Gegenspieler von Insekten sind entomopathogene (= Insekten befallende) Pilze bekannt. Über pilzliche Krankheitserreger der Kirschfruchtfliege gab es bisher jedoch nur wenige Informationen. Daher sollten verschiedene einheimische Pilzstämme auf ihr Potenzial, die Fliegen zu schädigen, geprüft werden. Dabei konnte das FiBL-Team von den umfangreichen Feldsammlungen entomopathogener Pilze der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) profitieren, die für die Versuche vier Pilzstämme zur Verfügung stellte. Neben diesen wurden auch zwei kommerzielle Pflanzenschutzmittel auf Pilzbasis einbezogen.

Von B. bassiana befallene Blattlaus.
Beauveria bassiana vermehrt sich im Wirt; die Bildung von Toxinen führt zum Tod des Schädlings. Der Pilz wächst nach außen und bildet auf der Wirtsoberfläche einen dichten Sporenbelag.
Foto: Landesanstalt für Pflanzenschutz (LfP) Stuttgart

Als besonders effektiv erwies sich der Pilz Beauveria bassiana, der auch in geringen Konzentrationen eine gute Wirkung zeigte. Dieser Pilz ist bereits in dem kommerziellen, in der Schweiz für den Bio-Anbau zugelassenen, Produkt "Naturalis-L" erhältlich. Um die Zulassung auf die Kirschfruchtfliege zu erweitern, war ein Nachweis der Wirksamkeit unter Feldbedingungen nötig. 2006 wurden erste Versuche durchgeführt, bei denen Naturalis-L ähnlich einem herkömmlichen Pflanzenschutzmittel auf den Baum gespritzt wurde. Die Behandlungen vermochten den Befall mit Maden um 70 Prozent zu senken und im Freiland konnten vom Pilz befallene Fliegen nachgewiesen werden.

Die Wiederholungsversuche im Jahr 2007 zeigten, dass mehrmalige Behandlungen bis eine Woche vor der Ernte notwendig sind, um einen hohen Wirkungsgrad zu erreichen. Auch die Bodenbehandlung zur Infektion von schlüpfenden Fliegen erwies sich in ersten Versuchen im Jahr 2007 als wirksam. Besonders für große Hochstammkirschbäume, die mit normaler Applikationstechnik nur schwer zu behandeln sind, könnte diese Methode eine Alternative zur Spritzung darstellen. Diese Versuche sollen aber noch in weiteren Jahren und an weiteren Standorten wiederholt werden, um den Einfluss von Witterungsverlauf und Bodentyp genauer untersuchen zu können.

Kontakte:

Forschungsinstitut für biologischen Landbau:

Fa. Intrachem Bio:

Uwe Quentin

Versuchsansteller in Deutschland:

Weitere Informationen:

Aus der Forschung - für die Praxis

Bekämpfung der Kirschfruchtfliege im ökologischen Obstbau

Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) ist der bedeutendste Schädling im Süßkirschenanbau. Bei der Entwicklung wirksamer Strategien für den ökologischen Obstbau haben Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenschutz im Obstbau des Julius Kühn-Institutes (JKI) in 2 Projekten insbesondere die Wirksamkeit insektenschädigender Fadenwürmer (Nematoden) untersucht. Unter optimalen Bedingungen im Labor wurden hohe Infektionsraten an den zur Verpuppung in den Boden einwandernden Larven erzielt. Bei der Prüfung der Umsetzbarkeit in die Praxis wurden jedoch trotz Mehrfachapplikationen von hohen Aufwandmengen an Nematoden und unter steter Feuchthaltung des Bodens in Kirschanlagen nur Wirkungsgrade von etwa 40 % erreicht.

Wirkungsmindernd beim Einsatz unter Freilandbedingungen sind u. a. folgende Faktoren:

  • rasche Verpuppung der Maden (ausgebildete Tönnchen können von den Nematoden nicht infiziert werden)
  • Madenfall im Tagesverlauf auch in den Mittagsstunden, in denen sich bei Besonnung der Boden stark erwärmt u. trocknet. Diese Faktoren schränken die Aktivität der Nematoden ein.
  • Madenfall über einen längeren Zeitraum (2-4 Wochen), d.h. über diese gesamte Periode müssten die Nematoden wirksam sein.

Der Einsatz von insektenpathogenen Nematoden kann somit für die Praxis nicht empfohlen werden.

Näheres zu den Projekten:

externer Link folgtErarbeitung erster Ansätze für die Bekämpfung der Kirschfruchtfliege im ökologischen Landbau unter besonderer Berücksichtigung des Potenzials entomopathogener Nematoden (BÖL-Projekt Nr. 02OE110)

externer Link folgtEinsatz der Nematoden in der Praxis

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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