Regulierung von Apfelsägewespe und Blutlaus

- Die Larven der Apfelsägewespe hinterlassen Bohrlöcher, aus denen jauchige Flüssigkeit austritt.
Foto: JKI
Die Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea) kann im Apfelanbau erhebliche Ertragsverluste verursachen. Befallene Äpfel werden abgestoßen. In den letzten Jahren trat in vielen Regionen starker Befall mit teilweise sehr hohen Schäden auf. Blutläuse saugen am Gewebe der Bäume; krebsähnliche Schwellungen auf der Rinde sind die Folge. Dort kann es zusätzlich zu pilzlichen Erkrankungen kommen. Vor allem junge Bäume werden stark in ihrer Entwicklung gehemmt.
Traditionell werden gegen diese Schädlinge im Ökoobstbau Quassiaholz-Auszüge eingesetzt. Allerdings steht Quassia im Verdacht, die Blutlauszehrwespe zu schädigen, die natürliche Gegenspielerin der Blutlaus – wiederum ein Schädling, der sich in den vergangenen Jahren in Ökokernobstanlagen zunehmend ausgebreitet hat.

- Blutläuse rufen krebsähnliche Schwellungen auf der Rinde hervor.
Foto: JKI
In einem Projekt im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau untersuchten Wissenschaftler und Berater verschiedener Institutionen den Einsatz von Quassia zur Regulierung der Apfelsägewespe und der Blutlaus im ökologischen Kernobstbau. Dabei wurden die Gehalte an Quassin und Neoquassin als wichtigste aktive Inhaltsstoffe in verschiedenen Quassiaholzproben erfasst und die Effekte dieser beiden Stoffe auf verschiedene Stadien der Sägewespe überprüft. Die Wirkung von Quassiaextrakten wurde bei verschiedenen Aufwandmengen, zu unterschiedlichen Spritzterminen und in Kombination mit anderen Präparaten getestet. Außerdem untersuchte das Forscherteam die Nebenwirkungen von Quassia auf die Blutlauszehrwespe und andere Nützlinge und überprüfte mögliche Managementstrategien zur Förderung der Blutlauszehrwespe.
Praxisrelevante Ergebnisse
- In verschiedenen Hölzern waren Quassin und Neoquassin in unterschiedlichem Verhältnis vorhanden; zur Beurteilung der Qualität von Quassiaholz müssen Quassin und Neoquassin daher getrennt bewertet werden.
- Quassia wirkt vor allem auf die Larven der Apfelsägewespe. Wichtig ist daher, dass Quassia ausgebracht wird, bevor die ersten Larven schlüpfen. Das Eistadium zum Ausbringtermin ist nicht von Bedeutung; die Eier müssen auch nicht direkt getroffen werden. Das heißt, eine Ausbringung kann, wenn die Blüte offen ist, auch vor Ende der Eiablage erfolgen.
- Die wichtigsten aktiven Inhaltsstoffe Quassin und Neoquassin wirken unterschiedlich stark: Besonders bei älteren Larven ist die Wirkung von Neoquassin schlechter. Sie lässt sich auch durch eine höhere Aufwandmenge nicht verbessern.
- Eine Behandlung mit Quassia-Extrakt vor starkem Regen ist wirksam.
- Zwei Behandlungen sind in den meisten Fällen vermutlich nicht notwendig. Es muss aber noch untersucht werden, inwieweit zweimal behandelt werden muss, wenn bei der ersten Spritzung ein Teil der Blüten noch geschlossen ist.
- Es gibt einerseits Hinweise, dass geringe Aufwandmengen schon sehr gut wirken, andererseits zeigten in anderen Fällen erst sehr hohe Aufwandmengen (18 Gramm pro Hektar) eine ausreichende Wirkung. Um gesicherte Empfehlungen für den Einsatz niedrigerer Aufwandmengen geben zu können, sind noch weiterführende Untersuchungen notwendig.
- Die Kombination von Quassia mit NeemAzal-T/S scheint wenig sinnvoll, da Quassia auch den Sekundärbefall reduziert.
- Bei Quassia-Behandlungen sind im Freiland keine Nebenwirkungen auf die Blutlauszehrwespe sowie den Gemeinen Ohrwurm, den Siebenpunkt-Marienkäfer und die Florfliege zu erwarten.
- Die Strategie, Blutlauszehrwespen bereits im Sommer in den Anlagen zu sammeln und ins Kühllager zu bringen, ist nicht praxistauglich, da diese Tiere im Kühllager die Zeit bis zum Frühling nicht überdauern können.
- Eine Induktion der Diapause und Lagerung früher Stadien der Blutlauszehrwespe, die im Freiland gesammelt wurden, ist auch unter den Bedingungen eines professionellen Nützlingszüchters nicht möglich.
- Die Nebenwirkungen weiterer im ökologischen Obstbau verwendeter Präparate auf Blutlauszehrwespen wurden in einem ersten Versuch abgeschätzt. Bei Netzschwefel- und Kupferpräparaten kann eine starke Nebenwirkung im Freiland weitgehend ausgeschlossen werden. Bei Schwefel-Kalk-Brühe sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine Aussage über eine mögliche Schädigung der Zehrwespen im Freiland zu ermöglichen.
Empfehlungen für die Eigenherstellung von Quassia-Extrakt
- Schnittgröße: Quassia-Chips eignen sich gut. Das Pulver kann die Filter verstopfen.
- Wassermenge: Es sollte reichlich Wasser verwendet werden, mindestens die zehnfache Gewichtsmenge des Holzes.
- Zeit: Das Holz sollte etwa 24 Stunden in kaltem Wasser eingeweicht und anschließend mindestens eine Stunde lang gekocht werden.
- Temperatur: Kochen erhöht die Extraktausbeute im Vergleich zur kalten Extraktion bei Raumtemperatur. Wiederholtes Auskochen führt zur vollständigen Extraktion.
- Eine zweifache Behandlung verbessert die Ausbeute.
- Die Brühen halten sich einige Tage, ohne dass sich der Wirkstoff abbaut.
Beteiligt an dem Projekt "Untersuchungen zur Regulierung von Apfelsägewespe und Blutlaus im ökologischen Obstbau" waren das Julius-Kühn-Institut, die Universität Hohenheim, die Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau und der Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring e.V.
Letzte Aktualisierung: 05.12.2011
