Aus der Forschung: Anbausysteme und Kulturmaßnahmen für Erdbeeren
Ertragssicherheit spielt im ökologischen Beerenobstanbau eine große Rolle. Vor allem Ausfälle durch Krankheiten führen immer wieder zu hohen Ertragseinbußen. In zwei aufeinander aufbauenden Forschungsvorhaben hat die Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg zusammen mit dem Öko-Obstbau-Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring e.V. verschiedene Anbausysteme und Kulturmaßnahmen für den ökologischen Erdbeer- und Strauchbeerenanbau entwickelt und geprüft. Das Ziel: Die Pflanzengesundheit, den Ertrag und die Fruchtqualität zu verbessern, um die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten des ökologischen Beerenanbaus zu erhöhen.
Nachfolgend sind die Ergebnisse der zahlreichen Einzelversuche zum Erdbeeranbau zusammenfassend dargestellt; detaillierte Ergebnisse sind den beiden Schlussberichten zu entnehmen. Im ersten Projekt verglichen die Forscher den Erdbeeranbau in Normal- mit Dammkultur, untersuchten phytosanitäre und ausdünnende Maßnahmen und verglichen unterschiedliche Bodenvorbereitungsmaßnahmen und Jungpflanzenarten. Im Folgeprojekt setzen die Wissenschaftler die Untersuchungen zu Bodenvorbereitungsmaßnahmen und Jungpflanzenarten fort, zielten auf eine sortenabhängige Optimierung der Kulturmaßnahme "zweimal Abmulchen" und prüften neue Sorten für den ökologischen Erdbeeranbau.
Normal- versus Dammkultur
Für den Vergleich von Normal- und Dammkultur wurden Frigopflanzen der Sorte 'Honeoye' angebaut. Die Forscher wollten untersuchen, inwieweit die Dammkultur den Befall von Wurzelfäulen reduzieren kann und welche Auswirkungen sich auf das Ertragsverhalten ergeben.
Der Ertrag bei der Dammkultur war im Vergleich zur Normalkultur im ersten Versuchsjahr etwas geringer; im darauffolgenden Jahr war jedoch eine signifikante Ertragssteigerung zu verzeichnen. Insgesamt erreichte die Dammkultur einen höheren vermarktungsfähigen Ertrag von 75 Gramm pro Pflanze sowie eine Ernteverfrühung von bis zu vier Tagen. Nach Einschätzung der Forscher verbessert sich dadurch die wirtschaftliche Bilanz für dieses Verfahren erheblich, da im frühen Bereich die Preise besser sind; allerdings sei die Wirtschaftlichkeit des Dammanbaues abhängig von den Boden- und Niederschlagsverhältnissen im jeweiligen Anbaugebiet. Zur Wurzelfäule (Phytophthora) konnten sie keine Aussagen machen, da im Versuchszeitraum bei keinem Anbausystem eine Infektion auftrat.
Phytosanitäre und ausdünnende Maßnahmen
An im Vorjahr gesetzten Pflanzen der Sorten 'Florence und 'Honeoye' untersuchten die Forscher, ob folgende Kulturmaßnahmen die Blattgesundheit und die Fruchtqualität verbessern können:
- Entblättern (im ersten Versuchsjahr von Hand, im zweiten mit dem Striegel)
- Seitenkronen entfernen (von Hand)
- Abmulchen des Laubes (zweimal).
Aufgrund der trockenen Witterung während der Erntezeit in beiden Versuchsjahren trat kaum Botrytisbefall auf. Deshalb blieb ungeklärt, ob "Entblättern" Fruchtfäulen reduzieren kann; der Ertrag war allerdings in beiden Versuchsjahren unabhängig von der Sorte um 15 bis 33 Prozent niedriger als in der Kontrolle.
"Seitenkronen entfernen" erbrachte in beiden Betrieben keine eindeutige Ertragssteigerung, wohl aber einen im Vergleich zur Kontrolle erhöhten Anteil in der Größenklasse > 30 mm bei beiden Sorten. Die Forscher geben bei dieser Kulturmaßnahme jedoch zu bedenken, dass neben dem beträchtlichen Arbeitsaufwand auch ein höheres Risiko einer Pilzinfektion durch Verticillium dahliae (Welkekrankheit an Erdbeeren) besteht.
"Abmulchen des Laubes (zweimal)" bewirkte bei beiden Sorten eine deutliche Befallsreduktion der Weißfleckenkrankheit. Das erneute Abmulchen des Erdbeerlaubes im September reduzierte allerdings den Ertrag bei der Sorte ’Florence’ um 47 Prozent im Vergleich zur Kontrolle. Bei der Sorte 'Honeoye' hingegen kam es zu einer Ertragssteigerung von 21 Prozent, und der Anteil in der Größenklasse > 30 mm war um fast 150 Prozent höher als bei der Kontrollvariante.
Sortenabhängige Optimierung von ''zweimal Abmulchen"
Da die geprüften Erdbeersorten auf "weimal Abmulchen" des Laubs so unterschiedlich reagiert hatten, wurde diese Kulturmaßnahme mit den Sorten 'Korona' und 'Vima Zanta' in einem dreijährigen Versuch näher untersucht. Ziel war, die Fruchtgröße zu erhöhen und den Befall mit Blattkrankheiten zu reduzieren. Neben dem betriebsüblichen Abmulchtermin nach der Ernte wurden einzelne Varianten mit unterschiedlichen Schnitthöhen und Schnittterminen im September eingerichtet.
Positive Effekte hatte das zweimalige Abmulchen bei den Sorten 'Honeoye' und 'Vima Zanta': Der Befall mit Blattkrankheiten wurde reduziert und die Fruchtgröße verbessert. Bei 'Florence' und 'Korona'. hingegen erhöhte sich der Anteil vermarktungsfähiger Ware nicht. Eine leichte Ernteverfrühung der Abmulchvarianten machte sich bei allen Sorten bemerkbar.
Grundsätzlich ist die Kulturmaßnahme "zweimal Abmulchen" nach Ansicht der Forscher für jeden Betrieb ratsam: Der Erdbeerbestand ist gesünder, der Befall mit verschiedenen Blattkrankheiten nimmt ab. Außerdem haben die Pflanzen einen lockeren Wuchs; ein luftiger Bestand hat weniger Botrytisfrüchte zur Folge. Hinzu kommen die mögliche Fruchtgrößenverbesserung und die damit verbundene bessere Pflückleistung. Der Termin für das zweite Abmulchen sollte zwischen Anfang und Mitte September liegen, wenn es nicht zu kühl ist. Dann haben die Erdbeerpflanzen noch ausreichend Zeit, um sich zu regenerieren. Eine Schnitthöhe von ca. 10 cm ist empfehlenswert. Bei einem viel tiefer angesetzten Schnitt werden die Pflanzen negativ in ihrem Wuchs- und Ertragsverhalten beeinflusst.
Unterschiedliche Bodenvorbereitungsmaßnahmen und Jungpflanzenarten
Über drei Versuchsjahre hinweg untersuchten die Forscher, ob verschiedene Bodenvorbereitungsmaßnahmen den Befall mit Wurzelkrankheiten reduzieren und das Ertragsverhalten verbessern können. Anhand der Sorte 'Elsanta' prüften sie, welchen Einfluss die Einsaat unterschiedlicher Gründüngungspflanzen und die Bodentiefenlockerung haben. Dabei wurden zugleich ökologisch produzierte Frigo- und Topfgrünpflanzen miteinander verglichen.
Die Variante "Tiefenlockerung + Frigopflanzen" setzte sich in Bezug auf Wuchs und Ertrag durch. Gründe hierfür sehen die Forscher in einem durch den früheren Pflanztermin ausgelösten Wachstumsvorsprung und einem ein positiven Effekt der Bodentiefenlockerung. Bei den Topfpflanzen schnitt die Variante "betriebsübliche Gründüngung" am besten ab. Die Varianten "Einsaat von Malva sylvestris + Topfpflanzen" und "Tiefenlockerung + Topfpflanzen" konnten die Forscher sowohl durch einen geringen Ertrag als auch durch einen schwachen Wuchs und viele Pflanzenausfälle nicht überzeugen.
Als vielversprechende Anbaumethode, die auch in einigen Betrieben bereits praktiziert wird, sehen die Forscher die Kombination "Einsaat betriebsüblicher Gründüngung + Frigopflanzen". Eine Bodenvorbereitung empfehlen sie für jeden Betrieb: Der Einsatz von lockernden Bodenbearbeitungsgeräten oder die Einsaat einer Gründüngung wirke sich positiv auf die Struktur des Bodens aus; dies wiederum fördere das Wuchsverhalten, die Gesundheit und den Ertrag von Erdbeerpflanzen.
Prüfung neuer Sorten
Die Forscher prüften auch neue Sorten für den ökologischen Erdbeeranbau. Aus dem Versuchsjahr 2007 ging ihren Angaben zufolge 'Sonata'als überzeugendste Sorte hervor: Die Pflanzen hatten einen kräftigen, kompakten Wuchs und zeigten keine Symptome von Blattkrankheiten. Die Früchte ließen sich durch einen leicht brechenden Fruchtstiel schnell pflücken und erreichten eine gute Fruchtgröße. 'Sonata' erbrachte auch den höchsten vermarktungsfähigen Ertrag; im zweiten Erntejahr kam es allerdings zu einer Zunahme mittlerer und kleiner Früchte. Bei der Sortenverkostung erzielte 'Sonata' die besten Ergebnisse bezüglich Fruchtfarbe, -größe und Geschmack.
'Vima Zanta' und 'Berneck 1' bewerten die Forscher ebenfalls als interessante Sorten. Sie zeichneten sich durch einen starken, aufrechten und lockeren Wuchs aus 'Vima Zanta' zeigte keinerlei Krankheitssymptome. Als Nachteil bei 'Berneck 1' nennen die Forscher die hohe Druckempfindlichkeit der Früchte; eine schonende Ernte sei unbedingt erforderlich, um eine qualitative Vermarktung zu gewährleisten. Im Jahr 2009 zeigte 'Berneck 1' einen starken Mehltaubefall an Blättern und Früchten.
Im Versuchsjahr 2008 bewährten sich 'Asia', 'Cassandra' und 'Daroyal'. Die Pflanzen zeigten einen starken Wuchs und erbrachten die höchsten vermarktungsfähigen Erträge. Auch Fruchtgröße und Geschmack konnten die Forscher überzeugen. Die dunkelrote Fruchtfarbe und die mittlere Fruchtfestigkeit der Sorte 'Daroyal' könnten als negative Merkmale angesehen werden, sollten aber beispielsweise in der Direktvermarktung keine Nachteile bringen. Die Sorten 'Cassandra' und 'Daroyal' wiesen keine Symptome von Blatt- oder Wurzelkrankheiten auf, während 'Asia' eine mittelstarke Anfälligkeit gegenüber Mehltau und Weißfleckenkrankheit zeigte.
'Aroma Auslese', 'Mieze Nova' und 'Praline' bezeichnen die Forscher als Liebhabersorten. 'Aroma Auslese' und 'Mieze Nova' könnten als aromatische Sorten für die Direktvermarktung (zum Beispiel Selbstpflücker) angepflanzt werden. Die Sorten zeichnen sich durch ein süßes Erdbeeraroma und eine dunkelrot glänzende Fruchtfarbe aus; nachteilig sind die kleine Fruchtgröße und der geringe Ertrag. Hinzu kommt bei der Sorte 'Mieze Nova' eine mittlere bis geringe Fruchtfestigkeit. 'Praline' brachte sehr dunkelrote, weiche Früchte mit einem leicht parfümierten Geschmack hervor. Der Anteil an deformierten, überreifen und kleinen Früchten war dort sehr hoch.
Fazit von Projektleiterin Barbara Pfeiffer von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau:
"Bei den Erdbeeren sollte eine gute Gründüngungsmischung vor der Pflanzung der Erdbeerjungpflanzen angebaut werden – dies ergab deutliche Ertragssteigerungen. Ebenso sollte die pflanzenhygienische Kulturmaßnahme 'ein- bis zweimal Abmulchen nach der Ernte' Standard werden. Im Bereich der Erdbeersortenprüfung unter Ökoanbaubedingungen schnitten verschiedene Sorten bei Geschmackstests mit Obstbauern und Verbrauchern hervorragend ab."
Letzte Aktualisierung: 21.01.2011


