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Arbeits- und Betriebswirtschaft

 
Öko-Obstbauer Peter Bentele aus Tettnang mit Apfelbäumen Sorte Topaz, August 2002. #(c) BLE
Bei der Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung ist mit einem höheren Anbaurisiko und höherem Arbeitsaufwand zu rechnen.
(c) Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V.

Der ökologische Obstbau zeichnet sich im Vergleich zum konventionellen Anbau zum einen durch ein höheres Anbaurisiko und zum anderen durch einen höheren Arbeitsaufwand aus. Beide Faktoren machen es erforderlich, dass für ökologisch produziertes Kern- und Steinobst höhere Preise erzielt werden müssen.

Arbeitsaufwand

Bei der Umstellung auf ökologischen Obstbau ist für den Betriebsleiter neben den anbautechnischen Herausforderungen vor allem interessant zu wissen, in welchen Bereichen mit einem erhöhten Arbeitsaufwand zu rechnen ist. Im Einzelnen sind dies:

Beikrautregulierung durch mechanische Baumstreifenpflegegeräte

Bei der Baumstreifenbearbeitung muss man ca. zwei Stunden je Hektar einkalkulieren, wobei pro Jahr ca. fünf  bis sechs Arbeitsgänge erforderlich sind. Hinzu kommt je nach Arbeitsgüte der Geräte zusätzlicher Arbeitsaufwand für die Handhacke in Höhe von 20 bis 64 Stunden je Hektar.

Handausdünnung

Die Handausdünnung beim Kernobst ist derzeit die einzige zuverlässige Möglichkeit der Fruchtbehangsregulierung. Hier ist mit einem jährlichen Arbeitsaufwand von 100 bis 200 Stunden je Hektar zu rechnen.

Pflanzenschutzmaßnahmen

Durch die Verwendung ökologisch zulässiger Pflanzenschutzmittel ist mit einer höheren Anzahl von Pflanzenbehandlungs-Durchgängen zu rechnen, da die Mittel weder die Persistenz noch die Leistungsfähigkeit wie chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel aufweisen.

Mäuseregulierung

Die im ökologischen Obstbau zugelassenen Verfahren zur Mäuseregulierung sind sehr arbeitsintensiv. In Jahren mit Massenvermehrung (Gradation) der Feld- und Wühlmauspopulation ist mit einer Arbeitsbelastung von bis zu 40 Stunden je Hektar und Jahr zu rechnen.

Was bestimmt das wirtschaftliche Ergebnis?

Lange Zeit war für das wirtschaftliche Ergebnis im ökologischen Obstbau allein der anbautechnische Erfolg entscheidend. Durch die großen pflanzenschutztechnischen Probleme waren die unternehmerischen Überlegungen des Betriebsleiters in erster Linie auf die Bewältigung dieser Herausforderungen ausgerichtet.

Die Ausweitung des Bio-Marktes insbesondere die Änderung der Einkaufsstätten mit der Tendenz zu steigenden Anteilen des Lebensmitteleinzelhandels führt zu höheren Ansprüchen an die Produktqualität. Die Ansprüche des Marktes führen zu einer Veränderung in der Produktion. Heute müssen gute optische Qualitäten in homogenen Chargen produziert werden. Die obstbauliche Produktion ist auf ein intensives Controlling allein durch die Vorgaben der Rückverfolgbarkeitsvorgaben angewiesen. Dies führt zu einer zunehmenden Beachtung betriebswirtschaftlicher Instrumente auf den Obstbaubetrieben.

Deckungsbeitrags- rechnung

Deckungsbeitragsrechung

Das wichtigste Kalkulationselement in der Landwirtschaft ist die Deckungsbeitragsrechnung. Da es sich im Obstbau um mehrjährige Kulturen handelt, ist eine Deckungsbeitragsrechnung eine recht aufwändige Berechnung, dessen Ergebnis von zahlreichen Faktoren abhängig ist. Da diese von Betrieb zu Betrieb großen Schwankungen unterliegen können, sind Deckungsbeitragsrechnungen vor allem dann sinnvoll, wenn individuelle Betriebsdaten mit herangezogen werden können. In der Literatur wird häufig der Begriff „einzelkostenfreie Leistung“ verwendet, der den Ansprüchen der Betriebswirtschaft an eine Dauerkultur besser gerecht wird.

Mit unserer Vorlage für Deckungsbeitragsberechnungen für einen Hektar ökologische Apfelfläche (siehe Kasten) können Sie relativ einfach Ihre betriebsspezifischen Daten individuell anpassen. Auf diese Weise können verschiedene Szenarien durchgespielt werden und wertvolle betriebswirtschaftliche Informationen über den ökologischen Apfelanbau gewonnen werden, die dann in die unternehmerischen Entscheidungen einfließen können.

Letzte Aktualisierung: 05.12.2011

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